Kirchenrepräsentant als NDR-Redakteur

In der Hoffnung, dass meine E-Mail nicht wieder (wie neulich) als private Diskussion mit Herrn oder Frau „Info“ beim NDR gemissdeutet wird, habe ich heute folgende E-Mail an info@ndr.de geschickt:

Kirchenrepräsentant als NDR-Redakteur

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich blogge auf atheismus.de, einer religions- und kirchenkritischen Website.

Gerade las ich im Hamburger Abendblatt, dass Uwe Michelsen, der Leiter der NDR-Fernsehredaktion „Religion und Kirche“ stellvertretender EKD-Ratsvorsitzender wird.

Das Abendblatt meldet:

Mit Uwe Michelsen hat erstmals in der Geschichte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ein Journalist den stellvertretenden Vorsitz im Rat der EKD übernommen. Der 61-jährige Hamburger leitet die NDR-Fernsehredaktion „Religion und Kirche“ und engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich. Ein „Laie“ ist er dennoch nicht: Michelsen ist ordinierter Pastor und war Referent in der Hamburger Bischofskanzlei, ehe er 1980 zum NDR wechselte.

[…] Zu seinen Aufgaben gehören die zeitweilige Leitung der Ratssitzungen und Repräsentationstermine. […]

[..] Arbeit und Ehrenamt hält er strikt getrennt. Für die EKD-Themen habe er sich beim NDR eine „absolute Totalabstinenz“ verordnet. […]

In der EKD-Synode (Kirchenparlament) hat Michelsen sechs Jahre lang den Umweltausschuss geleitet. Außerdem ist er Mitglied der nordelbischen Synode und leitet dort den Dienstrechtsausschuss. Viele Jahre war er stellvertretendes Mitglied der Kirchenleitung. Für die künftige Nordkirche mit Mecklenburg und Pommern ist er derzeit am Konzept einer gemeinsamen Öffentlichkeitsarbeit beteiligt. [… Hervorhebungen von mir.]

Von einem öffentlich-rechtlichen Sender erwarte ich eine unvoreingenommene Berichterstattung. Diese Unvoreingenommenheit sollte m.E. auch in der Besetzung leitender Positionen zum Ausdruck kommen.

Der Leiter der NDR-Redaktion „Religion und Kirche“ ist dem Artikel zufolge ein langjähriger Funktionär und Repräsentant der Evangelischen bzw. nordelbischen Kirche.

Dass er nicht unvoreingenommen ist, kommt schon darin zum Ausdruck, dass er sich zu EKD-Themen „absolute Totalabstinenz“ verordnet hat. Damit dürfte er sich dann auf die religiöse und weltanschauliche Konkurrenz konzentrieren, wo er dann allerdings ebenfalls nicht unvoreingenommen sein dürfte.

Ich gehe davon aus, dass der NDR den Anspruch hat, unvoreingenommen zu berichten und die Unvoreingenommenheit auch bei der Besetzung von leitenden Positionen berücksichtigt.

Ich erkenne durchaus an, dass natürlich auch die fachliche – nämlich theologische und journalistische – Kompetenz eine wichtige Rolle spielt. Aber angenommen, dass es mehrere geeignete Kandidaten gibt, erscheint mir ein aktiver hochrangiger Repräsentant einer Großkirche (stellvertretender EKD-Ratsvorsitzender dürfte der zweithöchste Repräsentant der EKD sein) hinsichtlich der Unvoreingenommenheit die denkbar ungünstigste Besetzung.

Beim NDR sieht man das offenbar anders. Darf ich wissen, warum?

Da Ihre Antwort sicher auch für die Leserinnen und Leser meines Blogs interessant ist, würde ich sie gerne auch dort veröffentlichen. Zur Information meiner Leser werde ich auch diese Anfrage dort veröffentlichen.

Mit freundlichen Grüßen,

Matthias Krause
(ehem. NDR-Gebührenzahler und Komparse im NDR-Tatort „Hasard!“)

Update: Der Rheinische Merkur bringt heute einen Ausführlichen Artikel über Herrn Michelsen: Die evangelische Stimme des Papstes.

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