Ultimative Unverschämtheit

In einem beispiellosen Vorgang hat der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) ein Ultimatum von 24 Stunden gestellt, Behauptungen über eine mangelnde Kooperation der Katholischen Kirche mit den Strafverfolgungsbehörden beim Verdacht auf Missbrauchsfälle zurückzunehmen.

Die Bundesjustizministerin hatte am Montag Abend (22.02.2010) in den Tagesthemen gesagt, es sei bisher nicht der Eindruck da, dass die Verantwortlichen der Katholischen Kirche auch bei Verdachtsfällen konstruktiv mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten. Ein aktives Interesse an rückhaltloser und lückenloser Aufklärung sei bisher leider nicht ersichtlich. Sie erwarte, dass die Verantwortlichen der Katholischen Kirche endlich konstruktiv mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten, Hinweise geben, mit aufklären.

„Maßlose Polemik“? „Undifferenziert und emotional“?

Zollitsch nannte die Äußerungen „undifferenziert und emotional“. Er erwarte, dass Leutheusser-Schnarrenberger sie innerhalb von 24 Stunden zurücknehme. [sueddeutsche.de]

Aus Kreisen der in Freiburg tagenden Vollversammlung der katholischen Bischöfe hieß es dazu, die Fristsetzung sei ein notwendiger Schritt, um eventuell mit einer Unterlassungsklage dafür zu sorgen, dass die Ministerin ihre Behauptungen aus dem Tagesthemen-Interview vom Montagabend nicht mehr wiederhole. [domradio.de]

Er könne sich keiner schlimmeren Attacke eines Mitglieds einer Bundesregierung gegen die katholische Kirche entsinnen, sagte Zollitsch bei der Frühjahrsvollversammlung der Bischofskonferenz in Freiburg. „Sie hat maßlos gegen unsere katholische Kirche polemisiert.“ [FAZ.NET]

Er wolle seinen Protest am Dienstag auch in einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ausdrücken. [kath.net]

„Wahrheitswidrig“?

Zollitsch kritisierte die Ministerin scharf, weil diese der Kirche wahrheitswidrig vorhalte, bei der Aufklärung von Missbrauchsfällen nicht mit der staatlichen Justiz zusammenzuarbeiten. „Die Ministerin behauptet, bisher habe sie nicht den Eindruck, dass die Verantwortlichen der katholischen Kirche auch nur beim Verdacht auf sexuellen Missbrauchs konstruktiv mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten wollten“, so Zollitsch. Dies sei rundweg falsch. Auch gebe es seit mehreren Jahren kirchliche Leitlinien, die eine Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft vorsähen. [kath.net]

Es ist allerdings Zollitsch, der hier die Unwahrheit sagt. In dem entscheidenden Satz der bischöflichen Leitlinien heißt es nämlich:

In erwiesenen Fällen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger wird dem Verdächtigten zur Selbstanzeige geraten und ggf. das Gespräch mit der Staatsanwaltschaft gesucht.

Mit anderen Worten: Solange es sich nur um einen unbewiesenen Verdacht handelt, wird die Staatsanwaltschaft nicht informiert – anders macht der Hinweis auf die Selbstanzeige keinen Sinn.

Dies war auch genau das, was die Ministerin kritisiert hat, als sie davon sprach, dass nicht erkennbar sei, dass die Verantwortlichen der Katholischen Kirche auch bei Verdacht auf Missbrauch konstruktiv mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten. Konkret zu den Richtlinien sagte sie:

Kindesmissbrauch ist ein Offizialdelikt. Und da können nicht andere drüber entscheiden, ob dieses Delikt verfolgt wird oder nicht. Und dann muss es eben andere Richtlinien geben. Ich glaube, es ist vorbei, zu versuchen, solche Richtlinien zu rechtfertigen. Über 120 Missbrauchsfälle allein in den letzten wenigen Wochen – und es ist ja wohl zu befürchten, dass es immer mehr werden –, und deshalb muss natürlich sofort die Staatsanwaltschaft informiert werden, und es muss aufgeklärt werden – im Interesse der Katholischen Kirche.

Die Moderatorin hatte gefragt:

Nach den bisherigen Leitlinien der Katholischen Kirche wird immer erst eine kirchenrechtliche Voruntersuchung eingeleitet, und dann gegebenenfalls die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Müsste das nicht sofort in jedem Verdachtsfall geschehen?

Was, bitteschön, hatte die Justizministerin anders darauf antworten sollen?

Falscher Eindruck?

Der zweite Punkt, den Erzbischof Zollitsch anprangert ist, dass Leutheusser-Schnarrenberger mit ihrer obigen Formulierung von „über 120 Missbrauchsfällen allein in den letzten wenigen Wochen“ suggeriere, dass diese Fälle aus der jüngeren Vergangenheit stammten, während sie tatsächlich 25 bis 30 Jahre zurücklägen.

Wer die Ministerin höre, könnte meinen, die bislang 115 bekanntgewordenen Fälle von Missbrauch und Misshandlung an Kindern und Jugendlichen in der katholischen Kirche seien erst in jüngster Zeit begangen worden. Sie lägen aber 25 bis 30 Jahre zurück. [FAZ.NET]

Auch dieser Vorwurf ist absurd. Denn unmittelbar zuvor hatten sowohl die Moderatorin als auch die Ministerin zum klar zum Ausdruck gebracht, dass es sich um alte Fälle handelt. Die Moderatorin sprach von „jahrzehntelanger Vertuschung“, und Frau Leutheusser-Schnarrenberger davon, dass viele Fälle bereits verjährt seien:

Mod: Frau Leutheusser-Schnarrenberger, wenn Sie sich das ganze Ausmaß dieser Missbräuche anschauen, die hinter Kirchenmauern jahrzehntelang vertuscht wurden, ohne, dass der Staat eingreifen konnte: Wie hilflos fühlt sich da eigentlich eine Bundesjustizministerin?

SLS: Das ist wirklich erschütternd. Das Ausmaß ist ja noch gar nicht absehbar. Es steht zu befürchten, dass – auch in Deutschland – viele dieser Missbrauchsfälle nicht mehr strafrechtlich geahndet werden können, weil sie verjährt sind. Aber das Allerschlimmste ist: Was hier jungen Menschen angetan wurde, das kann ihr ganzes Leben zerstört haben – und das macht auch etwas hilflos.

Anmerkung: Man wundert sich, weshalb sich die Bischofskonferenz auf die Justizministerin einschießt und nicht auf die Moderatorin, die von „jahrzehntelanger Vertuschung“ als Faktum spricht.

Fazit

Das Ultimatum der Bischofskonferenz an die Bundesjustizministerin ist eine beispiellose Unverschämtheit. Es gibt an den Aussagen der Ministerin nichts zurückzunehmen. Selbstverständlich muss die Bundesjustizministerin fordern, dass bei dem Verdacht auf sexuellen Missbrauch die Staatsanwaltschaft eingeschaltet wird. Die Leitlinien der Bischofskonferenz sehen dies nicht vor und bestätigen damit gerade den Punkt, den Frau Leutheusser-Schnarrenberger kritisiert.

Daran wird aber auch deutlich, dass die Bischofskonferenz hier ein falsches Spiel spielt: Denn mit dem Hinweis auf die bischöflichen Leitlinien sollen die Bürgerinnen und Bürger offenbar für dumm verkauft werden. Dort ist zwar von einer Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft die Rede – aber nur bei erwiesener Schuld (s.o.) oder wenn die Staatsanwaltschaft sowieso schon ermittelt.

Die Ministerin hat Recht: Das erweckt nicht den Eindruck, dass die Verantwortlichen der Katholischen Kirche auch schon bei Verdachtsfällen konstruktiv mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten.

Ja, man muss erwarten, „dass die Verantwortlichen der Katholischen Kirche [auch bei Verdachtsfällen] endlich konstruktiv mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten, Hinweise geben, mit aufklären.“

Und ja: Die Richtlinien der Bischofskonferenz müssen nicht gerechtfertigt werden, sondern geändert!

Anhang 1: Das Interview

Hier eine Mitschrift des relevanten Teils des Interviews, die ich selbst angefertigt habe. Im Internet habe ich keine Mitschrift gefunden.

Mod: Frau Leutheusser-Schnarrenberger, wenn Sie sich das ganze Ausmaß dieser Missbräuche anschauen, die hinter Kirchenmauern jahrzehntelang vertuscht wurden, ohne, dass der Staat eingreifen konnte: Wie hilflos fühlt sich da eigentlich eine Bundesjustizministerin?

SLS: Das ist wirklich erschütternd. Das Ausmaß ist ja noch gar nicht absehbar. Es steht zu befürchten, dass – auch in Deutschland – viele dieser Missbrauchsfälle nicht mehr strafrechtlich geahndet werden können, weil sie verjährt sind. Aber das Allerschlimmste ist: Was hier jungen Menschen angetan wurde, das kann ihr ganzes Leben zerstört haben – und das macht auch etwas hilflos.

Mod: Kann mann auch, ihrer Ansicht nach, den Eindruck haben, die Kirche entziehe sich dem staatlichen Rechtssystem?

SLS: Bisher war jedenfalls nicht der Eindruck da – und ist auch durch nichts gefestigt worden – , dass, bei auch nur dem Verdacht auf Missbrauch, hier die Verantwortlichen der Katholischen Kirche mit den Strafverfolgungsbehörden konstruktiv zusammenarbeiten. Es ist leider bisher nicht ersichtlich, dass sie ein aktives Interesse an wirklich rückhaltloser und lückenloser Aufklärung gezeigt haben, und deshalb muss natürlich überall da, wo nicht verjährt ist, das ganz klar erfolgen, und ich erwarte, dass die Verantwortlichen der Katholischen Kirche endlich konstruktiv mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten, Hinweise geben, mit aufklären.

Mod: Wie soll das geschehen? Nach den bisherigen Leitlinien der Katholischen Kirche wird immer erst eine kirchenrechtliche Voruntersuchung eingeleitet, und dann gegebenenfalls die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Müsste das nicht sofort in jedem Verdachtsfall geschehen?

SLS: Kindesmissbrauch ist ein Offizialdelikt. Und da können nicht andere drüber entscheiden, ob dieses Delikt verfolgt wird oder nicht. Und dann muss es eben andere Richtlinien geben. Ich glaube, es ist vorbei, zu versuchen, solche Richtlinien zu rechtfertigen. Über 120 Missbrauchsfälle allein in den letzten wenigen Wochen, und es ist ja wohl zu befürchten, dass es immer mehr werden, und deshalb muss natürlich sofort die Staatsanwaltschaft informiert werden, und es muss aufgeklärt werden – im Interesse der Katholischen Kirche.

Anhang 2: Die einschlägigen Stellen Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche

(Originaltext hier.)

I. Zuständigkeit

1. Der Diözesanbischof beauftragt eine Person, die den Vorwurf sexuellen Missbrauchs Minderjähriger prüft. Wer von sexuellem Missbrauch Kenntnis erhält, soll sich an die beauftragte Person wenden. Alle kirchlichen Mitarbeiter sind verpflichtet, Fälle, die ihnen zur Kenntnis gebracht werden, weiterzuleiten. Der Beauftragte recherchiert den Sachverhalt und ist Kontaktperson für die staatlichen Strafverfolgungsbehörden. […]

II. Prüfung und Beurteilung

3. Jede Anzeige oder Verdachtsäußerung wird umgehend geprüft. Unmittelbar nach Kenntnisnahme eines Verdachts oder eines Vergehens leitet der Beauftragte die Prüfung ein. Er führt mit dem Verdächtigten ein Gespräch, zu dem er einen Juristen hinzuzieht. Über das Gespräch wird ein Protokoll angefertigt, das von den Beteiligten zu unterzeichnen ist. Mit dem (mutmaßlichen) Opfer bzw. seinen Erziehungsberechtigten wird umgehend Kontakt aufgenommen. Aufgrund der protokollierten Tatbestände wird beurteilt und festgestellt, wie den Betroffenen am besten zu helfen ist und weiter vorgegangen werden muss. Die Fürsorge der Kirche gilt zuerst dem Opfer. Dem Schutz des Opfers vor weiterem Missbrauch oder öffentlicher Preisgabe von Informationen wird besondere Sorgfalt gewidmet. Auch dem Verdächtigten gegenüber bleibt die Pflicht zur Fürsorge. Er steht bis zum Erweis des Gegenteils unter Unschuldsvermutung. Erweist sich der Verdacht als unbegründet, werden die notwendigen Schritte unternommen, den guten Ruf der Person wiederherzustellen.

4. Der Diözesanbischof wird sofort unterrichtet. Die Verantwortung des Diözesanbischofs bleibt – unbeschadet der Einsetzung des Beauftragten – bestehen. Er wird unverzüglich nach Kenntnisnahme eines Verdachts oder eines Vergehens informiert.

III. Kirchliche Voruntersuchung

5. Bei Erhärtung des Verdachts wird eine kirchenrechtliche Voruntersuchung eingeleitet. Erhärtet sich der Verdacht, wird eine kirchenrechtliche Voruntersuchung gemäß c. 1717 CIC eingeleitet. Diese wird von einer geeigneten Person, die der Bischof bestimmt, durchgeführt. Je nach Sachlage wird entschieden, ob der Verdächtigte für die Dauer der Voruntersuchung von seinem Dienst freigestellt werden und sich von seinem Dienstort entfernt halten muss. […]

6. Bestätigt die Voruntersuchung den Verdacht sexuellen Missbrauchs, wird der Apostolische Stuhl befasst. […]

IV. Zusammenarbeit mit den staatlichen Strafverfolgungsbehörden

7. In erwiesenen Fällen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger wird dem Verdächtigten zur Selbstanzeige geraten und ggf. das Gespräch mit der Staatsanwaltschaft gesucht (vgl. I, 1). In erwiesenen Fällen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger wird dem Verdächtigten – falls nicht bereits eine Anzeige vorliegt oder Verjährung eingetreten ist – zur Selbstanzeige geraten und je nach Sachlage die Staatsanwaltschaft informiert. Kontaktperson für die staatlichen Strafverfolgungsbehörden ist der vom Bischof Beauftragte (vgl. Leitlinie I, 1). Wenn die Staatsanwaltschaft bereits aufgrund einer Anzeige recherchiert, wird mit ihr Verbindung aufgenommen.

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20 Responses to Ultimative Unverschämtheit

  1. verquer sagt:

    Nenene, mein lieber Skydaddy. Da hast den Komischemützchenträger Zollitsch missverstanden. SLS hatte nämlichst tatsächlicht nicht den EINDRUCK, dass die RKK ausreichend kooperiere. Zollitsch kann nämlich in das Gehirn von SLS steigen und deswegen herausfinden ob SLS so einen EINDRUCK hat oder nicht…

    Ich fordere, dass Zollitsch sein Gehirn in den nächsten 24 Stunden benutzt, vermute aber dass sein Gehirn und ich da entäuscht werden…

  2. skydaddy sagt:

    Du hast mich darauf gebracht: Endlich weiß ich, wie diese komischen Bischofskäppis auf den hochwürdigen Köpfen halten:

    Die werden durch ein Vakuum festgesaugt.

    Das würde zumindest einiges erklären…

  3. Und wenn die Frau Ministerin das Ultimatum verstreichen läßt? Wird dann ab 5:45 Uhr zurückgebetet? 😉

  4. […] hat dazu einen gut recherchierten Artikel in seinem sehr empfehlenswerten Blog […]

  5. […] wirft Herr Matthias Krause beim HPD dem Vertreter des Übernatürlichen seinerseits wahrheitswidrige Aussagen […]

  6. Tammox sagt:

    Gestern habe ich ausnahmsweise mal „Hart aber fair“ geguckt.
    http://www.wdr.de/tv/hartaberfair/sendungen/2010/20100224.php5?akt=1
    Die Sendung zum Thema RKK und sexueller Mißbrauch kann man sich sowohl als WEB-TV
    http://www.wdr.de/themen/global/webmedia/webtv/getwebtv.phtml?p=4&b=252
    als auch als Podcast
    [audio src="http://www.wdr.de/podcast/hartaberfair/wdr_hart_aber_fair_20100224.mp3" /]
    noch mal zu Gemüte führen.

    Das war ganz lustig zu sehen, wie sich Bischof Jaschke windet und von seiner „sublimierten Sexualität“ faselt – durch Enthaltsamkeit sei er leistungsfähiger geworden.
    Der Knaller ist natürlich ein vollkommen hysterisch ausrastender fanatischer Papst-Fan Andreas English.
    Inhaltlich war natürlich nicht viel Neues. Kaum ein Argument, das ich noch nicht kannte.
    Bis auf eine Äußerung von Kardinal Lehmann, die meines Erachtens wirklich extrem skandalös ist.
    2007, also fünf Jahre nach den grandiosen neuen Leitlinien im Umgang mit den Sexskandalen, sagte er unumwunden, daß er den Staatsanwaltschaften ohnehin nicht traut, die wären nicht objektiv.

    „Die Staatsanwaltschaften in den verschiedenen Städten sind auch recht unterschiedlich, So weit her ist das dann mit deren Objektivität auch nicht“

    (Frei mitgeschrieben – aus dem WDR-Web-TV, Minute 26.00 – 28.00)

    Das sollte sich mal irgendjemand anderes erlauben, der einer Straftat verdächtigt wird: Och, die Staatsanwaltschaften sind doch eh nicht objektiv; die lassen wir mal außen vor!
    Ich finde, daß SLS noch ausgesprochen moderat war.
    Umso schlimmer, daß ihr die CDU gleich in den Rücken fällt.
    Die Union hat offenbar auch erhebliche Probleme mit dem Rechtsstaat:

    „Attacken auf die Justizministerin
    Der Umgang der katholischen Kirche mit dem bekannt gewordenen sexuellen Missbrauch von Kindern etwa spaltet die Bündnispartner. Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hatte gesagt, sie erwarte, „dass die Verantwortlichen der Kirche endlich konstruktiv mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten“ – worauf die Bischofskonferenz empört eine Entschuldigung forderte.
    Doch auch die CDU ist unzufrieden mit den Äußerungen der Justizministerin. Der Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag, Wolfgang Bosbach (CDU), sagte, er könne sich über das Vorgehen der Ministerin „nur wundern“. Ihm sei „kein Fall bekannt, in dem ein Justizminister während eines laufenden Ermittlungsverfahrens ähnlich massive Kritik an der Kirche geübt hat“, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.
    Der CSU-Innenexperte Hans-Peter Uhl hielt der Ministerin vor, „die katholische Kirche in der Öffentlichkeit pauschal auf die Anklagebank gesetzt“ zu haben. Damit sei sie weit über das Ziel hinausgeschossen. Uhls Parteikollege Stephan Mayer warf der FDP-Politikerin in der „Süddeutschen Zeitung“ gar Respektlosigkeit vor“.

    Zitiert von SPON:
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,druck-680187,00.html

    LG
    Tammox

  7. Tammox sagt:

    Nachtrag –
    „Hart aber fair“ hat sich bei einem Panorama-Bericht von 2007 bedient.

    PANORAMA Nr. 686 vom 16.08.2007
    Sexueller Missbrauch – wie Bischöfe versuchen, die Taten von Priestern zu verschleiern

    http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2007/erste4304.pdf

    Hier noch mal das korrekte Lehmann-Zitat:

    O-Ton Karl Kardinal Lehmann, Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz:

    „Ich habe eigentlich immer eine ganz hohe Aufklärungsbereitschaft und einen Willen zur Aufklärung gefunden. Das sind wir dann auch den Opfern schuldig, aber auch der kirchlichen und außerkirchlichen Öffentlichkeit.“
    „Die Staatsanwaltschaften in verschiedenen Städten sind auch recht verschieden. Soweit her mit der Objektivität allein ist es dann auch wieder nicht.“

  8. Stefan W. sagt:

    Heute i.d. Tagestehemen durfte sich Zollitsch nochmals äußern, und hat die Äußerung wiederholt: Man werde natürlich mit den Staatsanwaltschaften zusammenarbeiten, aber nur, nachdem man selbst als Ermittlungsbehörde (spanische Inquisition, ick hör Dir trapsen!) die Schuld des geweihten Würdeträgers festgestellt hat – keinesfalls wird man bloßen Verdächtigungen nachgeben.

    Nicht alle Beschuldigungen beständen zurecht.

    Meine verständnisvolle Einschätzung:

    Als oberste Instanz in Fragen von Wahrheit, Schuld und Reinheit ist die kath. Kirche natürlich auch viel besser als Ermittlungsbehörde geeignet als die Polizei.

    Als kleines Dilemma ergibt sich jedoch, daß ein beschuldigter Pater sein Geständnis nur als Beichte zu deklarieren braucht – schon untrliegt der ermittelnde Bischof den mafiösen Ehrenwortregeln (Omerta, Beichtgeheimnis) seines Clubs, welches gar von Gesetz wegen noch sanktioniert ist.

  9. Tammox sagt:

    auch nett:

    „„Unprofessionell und emotional“
    Politischer Mißbrauch des sexuellen Mißbrauchs: Die Beirätin einer kirchenfeindlichen Organisation, die auch deutsche Justizministerin ist, gerät immer mehr in die Kritik.

    So kommentierte der Bonner Kirchenrechtler, Norbert Lüdecker, den jüngsten antikirchlichen Ausfall von Sabine Leutheusser- Schnarrenberger vor dem Kölner ‘domradio’.

    Frau Leutheusser- Schnarrenberger ist Beirätin der scharf antiklerikalen ‘Humanistischen Union’ und auch deutsche Justizministerin.

    Die Atheistin hatte in einer Stellungnahme unterstellt, daß die Kirche in den wenigen Mißbrauchsfällen, die dort vorkommen, nicht „konstruktiv“ mit den Behörden zusammenarbeiten würde.

    Dabei blamierte sich die atheistische Ministerin schwer. Denn: Frau Leutheuser-Schnarrenberger hat emotional reagiert und Dinge „zusammengemengt, die nicht zusammengehören“ – stellt Lüdecker fest.

    Der Kirchenrechtler kann die verärgerte Reaktion des Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch von Freiburg, verstehen.

    Der Erzbischof hatte klargestellt, daß der Kontakt zwischen betroffenen Bistümern und den Behörden in Mißbrauchs- Fällen jeweils sehr früh und effizient stattfindet.

    Lüdecke fügt hinzu:„Wer sexuell mißbraucht wurde, sollte jetzt nicht auch noch, für wessen Profilierung auch immer, politisch mißbraucht werden!““

    aus:

    http://www.kreuz.net/article.10728.html

    siehe auch:

    http://www.kreuz.net/article.10721.html

    http://www.kreuz.net/article.10714.html

    http://www.kreuz.net/article.10722.html

  10. Stefan W. sagt:

    Seltsam – ich hatte gelesen, daß alle Minister zur religiösen Formel bei der Vereidigung gegriffen hätten.

    Ist sie vielleicht nur protestantisch? Katholiken tun sich mit der Unterscheidung Atheist u. Nichtkatholik ja teilweise schwer – ist für die alles der gleiche Scheiterhaufen.

  11. Schwabe sagt:

    Es ist Freitagmittag und ich wollte mit im Internet über eine bestimmte Kriche in den USA unterrichten. Durch Zufall traf ich auf Ihre Seite. Die Bemerkung von Prof. Körber, dass mit minimalem geistigen Aufwand Vorkommnisse vor 30 Jahren zum Vorwand genommen werden, die Kirchen zu diskreditieren, trifft zu. Vom Niveau her sind die meisten Ihrer Seiten schlimmer als Porno!

    Ich möchte nicht wissen, was in den FdJ-Freizeiten aufgeklärte humanistische Gruppenleiter gemacht haben.

  12. skydaddy sagt:

    Ich nehme an, Sie wollen in den USA um Asyl bitten, weil Sie Ihre Kinder hier nicht homeschoolen dürfen?

    PS: Wenn Sie mir meine Seiten nennen, die weniger schlimm als Porno sind, versuche ich nachzubessern…

  13. Schwabe sagt:

    Eins ist sicher, lieber skydaddy: Wenn meine Kinder, die in christlichen Schulen gut aufgehoben sind, Texte wie die Ihren lesen müssten, würde ich auch zum Schulverweigerer. Aber ich weiß: Im Grunde Ihres Herzens denken Sie genauso wie ich und warten nur auf den göttlichen Funken, der sicher auch bei Ihnen zünden wird. Mein Nebensitzer vor 40 Jahren, Sohn eines alten Gewerkschafters, der einzige in der Klasse extra ecclesia, hatte ständig auch solche Sprüche drauf. Am Anfang dachte ich, es seien Minderwertigkeitskomplexe, bis ich darauf kam, dass er viel intensiver nach unserem Schöpfer suchte als alle anderen – und ihn nach dem Selbstmord seines Bruders auch fand. Er ist ein gutes Kirchenmitglied geworden.
    Natürlich fällt die öffentliche Einsicht schwer, aber ich bin sicher, dass Sie ganz innen nach Gott suchen.

  14. olyly sagt:

    „Er ist ein gutes Kirchenmitglied geworden.“

    Ich werte Ihren Satz, lieber Herr Schwabe, als Eingeständnis, dass es eben auch „schlechte“ Kirchenmitglieder gibt.

    Und genau da geht es hier drum.

    • Schwabe sagt:

      Absolut richtig; es gibt schlechte Kirchenmitglieder und davon nicht zu wenig. Zwischen Wort und Tat klaffen oft sündige Gedanken.

      Verbesserungen gibt es aber nur intra muros, in der Kirche und im Gespräch mit sich selbst und mit anderen. Ich lade Euch alle ein, am Sonntag den Gottesdienst zu besuchen.

  15. skydaddy sagt:

    Schade, Sonntag kann ich nicht. Da wollen wir einen atheistischen Podcast aufnehmen…

  16. olyly sagt:

    Wie spät treffen wir uns denn, Skydaddy?

  17. Stefan W. sagt:

    Ich hätte noch ein Zitat für „Schwabe“: ‚Die Kritik, die sich mit diesem Inhalt befaßt, ist die Kritik im Handgemenge, und im Handgemenge handelt es sich nicht darum, ob der Gegner ein edler, ebenbürtiger, ein interessanter Gegner ist, es handelt sich darum, ihn zu treffen. Es handelt sich darum, den Deutschen keinen Augenblick der Selbsttäuschung und der Resignation zu gönnen. Man muß den wirklichen Druck noch drückender machen, indem man ihm das Bewußtsein des Drucks hinzufügt, die Schmach noch schmachvoller, indem man sie publiziert. Man muß jede Sphäre der deutschen Gesellschaft als die partie honteuse |den Schandfleck| der deutschen Gesellschaft schildern, man muß diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, daß man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt! Man muß das Volk vor sich selbst erschrecken lehren, um ihm Courage zu machen. Man erfüllt damit ein unabweisbares Bedürfnis des deutschen Volks, und die Bedürfnisse der Völker sind in eigner Person die letzten Gründe ihrer Befriedigung.‘

    Quelle: http://www.mlwerke.de/me/me01/me01_378.htm Marx (Nicht der Bischof, der sich mit einer eigenen Version des Kapitals blamiert), Einleitung zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie

    Es ist völlig egal, auf welchem Niveau man es mit Personen aufnimmt, die vom Funken getroffen wurden – gegen einen Funken kommt man nun mal nicht an. Deshalb ist es wichtig, daß man wenigstens Spaß daran hat, den anderen vorzuführen. Auf diese Weise dient man wenigstens als gutes Vorbild.

    Wenn man sich nicht die Spielregeln bestimmen läßt, dann kann man eigentlich die Diskussion nicht verlieren. Ich werde keinen Funken akzeptieren, und Sie wohl kein niveauloses Handgemenge. 🙂

  18. […] Zollitsch, zurückzutreten, spare ich mir, da der Herr Erzbischof ja bereits in der Vergangenheit (Ultimatum die die Bundesjustizministerin, siehe auch „Zollitschs laxer Umgang mit der Wahrheit„) deutlich gemacht hat, dass er […]

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