Erste Kritiken zum Animationsfilm „Die Zehn Gebote“

Morgen wird der Film „Die Zehn Gebote – Mose und das Geheimnis der steinernen Tafeln“ in Deutschland veröffentlicht (Ich hatte bereits darüber berichtet.)

Mittlerweile gibt es auch einige Besprechungen des Films, die nicht bloß die Presseinformationen des Filmverleihs bzw. der EKD wiederkäuen.

Wie berichtet, war beim US-Publikum der größte Kritikpunkt des Films die billig wirkende 3D-Animation. Dieser Punkt findet sich auch in allen Filmkritiken, die ich bisher gefunden habe:

So schreibt selbst die EKD-Website evangelisch.de – die den von der EKD mitproduzierten Film eigentlich bedingungslos „pushen“ müsste – in einer offenbar vom Evangelischen Pressedienst (epd) gelieferten Besprechung des Films:

Insgesamt hätten der Dramaturgie der Geschichte deutlichere Akzente und etwas Humor gut getan. Um Ernsthaftigkeit bemüht erscheinen auch die Zeichnungen. Die Gesichter wirken etwas zu glatt und flach, manche Bewegungen holprig. Die Animation erinnert mehr an Computerspiele oder Fernsehformate und reicht an den Charme der Großmeister der Animation wie Disney oder Pixar nicht heran.

Das (evangelikale) Christliche Medienmagazin Pro betont natürlich die biblisch-christliche Botschaft des Films, weist allerdings auch auf die Schwächen bei der Animation hin:

Die Geschichte zählt

Beim Ansehen wird schnell klar: an die Optik von Animationsblockbustern aus den Häusern Pixar (von Disney aufgekauft) oder Dreamworks oder gar an den Kassenschlager „Avatar“ reicht die Produktion nicht heran. Kritiker zogen Vergleiche zum vielgelobten „Der Prinz von Ägypten“ aus dem Jahre 1998, der ebenfalls von Mose handelt […]. Allein visuell hat dieser zehn Jahre ältere Film mehr zu bieten, die Messlatte hing also hoch. Die Figuren wirken in der Tat etwas künstlich, ihre Bewegungen erscheinen als das, was sie sind: computeranimiert. Und doch beweist die Filmgeschichte: Auch Zeichentrickfilme mit weniger naturgetreuer Darstellung können fesselnd sein, insofern sie eine gute Geschichte erzählen. Und Stoff dafür bieten die fünf Bücher Mose allemal.

Der (katholische  – aber das sieht man ihm nicht auf den ersten Blick an) film-dienst fällt da schon ein vernichtenderes Urteil. Er kritisiert

[…] die lausige Animation, die weit hinter dem „State of the Art“ zurückbleibt. Optisch erinnert der Film an Videospiele der ersten Generation, in denen die Bewegungen der Figuren noch ähnlich unbeholfen wirkten und es kaum eine Interaktion mit der Umwelt gab. […] Wie wenig in eine eigenständige Ästhetik investiert wurde, offenbaren am deutlichsten die visuellen Anleihen, die von „Shrek“ bis „Das fünfte Element“ ungeniert das Bilderreservoir von Fantasy und Science Fiction plündern, ohne sich über die damit verbundenen Implikationen Rechenschaft zu geben. Der dezidiert fiktionale Charakter dieser Genres überträgt sich durch Bildästhetik und Erzähldramaturgie ungebrochen aufs biblische Sujet, dessen religiös-theologische Eigenheit gänzlich unreflektiert bleibt.

Die rein „weltlichen“ Filmkritiker scheinen den Film bisher zu ignorieren. Dies liegt vermutlich daran, dass der Film gar nicht bundesweit in die Kinos kommt, sondern mit nur zwölf Kopien bis Anfang Juni durch die Gebiete der Evangelischen Landekirchen tourt.

Morgen – zum Start des Films – gibt es eine ausführliche Filmkritik von mir.

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5 Responses to Erste Kritiken zum Animationsfilm „Die Zehn Gebote“

  1. skydaddy sagt:

    Zur „Tour“ des Films durch die Gebiete der evangelischen Landeskirchen:

    Um zusätzliche Aufmerksamkeit zu bekommen, könnte man vielleicht den Film in einer nachgebauten Bundeslade durch als Israeliten verkleidete Träger von Landeskirche zu Landeskirche tragen lassen…

  2. nach „twilight“ ein weiterer versuch der beeinflussung der massen mit reaktionär-revisionistischer und regressiver propaganda.

    dabei hatten wir die zehn gebote schon 1958 neu überarbeitet und fortschrittlich adaptiert:

    http://www.jugendopposition.de/index.php?id=2514

    aus heutiger sicht muss das neunte gebot noch gestrichen werden, da sauberkeit und familie faschistische vorurteile darstellen und „anstand“, um keine missverständnisse aufkommen zu lassen, besser mit „political correctness“ wiedergegeben wird.

  3. BananenTutziFrutzi sagt:

    Na, wenn das mal nicht DER Blockbuster 2010 wird …

  4. skydaddy sagt:

    @BananenTutziFrutzi:

    Man sollte sich natürlich nicht wundern, wenn dieser Bibelfilm ebenso viele Leute ins Kino lockt wie der sonntägliche Gottesdienst in die Kirche…

  5. Peter Mayer sagt:

    Inzwischen kursiert eine deutschsprachige Version des Films in diversen Film-Boersen und Movie-Blogs, so dass man auch in „nicht-evangelischen“ Gegenden in den „Genuss“ des Streifens gelangen kann.

    Obwohl ich selbst Christ bin, enttäuscht mich das Werk sehr: Die Animationen wirken in der Tat billig gemacht und die biblische Geschichte wird auf einem Niveau dargestellt, das für Kinder vielleicht interessant, für mich als Erwachsener jedoch eher komisch bis langweilig erscheint.

    Der evangelikale Einschlag ist zudem nicht zu verkennen.
    Geradezu amüsant fand ich die Szene, als bei der Teilung des Meeres eines der Kinder in die Meersäule hineinblickt und dort Fische sieht; – man erkennt, dass hier eine typisch amerikanisch-evangelikale wortwörtliche Interpretation der biblischen Geschichte Pate gestanden hat.

    Schade: Man hätte aus dem Thema viel mehr machen können.

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