Dreiste Kirchen gegen Steuersenkungen

Die FAZ berichtet, dass die beiden Großkirchen sich gegen Pläne der Bundesregierung zu Änderungen bei der Einkommensteuer „zu Wehr setzen“ wollen:

Der im Koalitionsvertrag vereinbarte Stufentarif, wie ihn vor allem die FDP wünscht, werde voll auf die Kirchen durchschlagen und könnte bis zu einer Milliarde Euro weniger Kirchensteuern pro Jahr führen, schätzt man in den Finanzabteilungen der Kirchen.

Auf die evangelische Kirche bezogen, entspreche ein solcher Rückgang den Ausgaben für die Entlohnung der halben evangelischen Pfarrerschaft, rechnet man in der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Kann man so dreist sein? Die Kirchen bräuchten bloß den Hebesatz für die Kirchensteuer (derzeit je nach Region 8-9% der Einkommensteuer) entsprechend anzupassen, und das Problem wäre gelöst.

Zu den Steuerplänen der Bundesregierung mag man ja stehen wie man will, aber es kann doch nicht sein, dass hierbei berücksichtigt werden soll, dass die Kirchen vor einen solchen Erhöhung des Hebesatzes zurückschrecken.

Update: Auch die Kirchenzeitung „Unsere Kirche“ berichtet ganz unbefangen:

Steuersenkungspläne: Kirchen befürchten Milliardenverlust

4 Antworten zu Dreiste Kirchen gegen Steuersenkungen

  1. Andreas P sagt:

    Würde sich beim Kirchenvolk rumsprechen, dass der Hebesatz von der Kirche beliebig festgelegt werden kann, würde sie ihren „Preis“ deutlich erkennbar erhöhen und müsste damit durch die Öffentlichkeit – sie könnte ihn nicht so weit anheben, um die Verluste durch Austritte auszugleichen. In sehr vielen Gläubigen steckt immer noch die Vorstellung, dass die Kirchensteuer wirklich eine staatlich festgelegte Steuer hauptsächlich für „soziale“ Zwecke sei – und nicht nur ein monströser Mitgliedsbeitrag, primär um die Pastoren zu alimentieren.

    Exakt deshalb wehren sich die Kirchen auch schon seit Jahren und machen ihren Einfluss auf allen Ebenen geltend, um alle ernsthaften Steuerreformen zu blockieren: Ein einfacheres Steuersystem (und mithin durchschaubares), das ohne große Ausnahmen, Abschreibungen, Landzersiedlungssubventionen („Kilometerpauschale“), anderen Klientelstreicheleinheiten usw. daherkäme, zudem einen Teil der eingesparten Bürokratiekosten zurückgeben würde – das würde u. a. viele treffen, die sich künstlich „arm“ rechnen, und die dann natürlich ins Grübeln kämen, ob denn das mit der Kirche wirklich sein muss. (Denn die, die danach bessergestellt sind, treten ja nicht im gleichen Maße in die Kirche ein – aller Propaganda zum Trotz.)

  2. […] bereits in der letzten Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung wird dadurch ein Rückgang bei der Kirchensteuer befürchtet: [W]enn die Bundesregierung den […] […]

  3. […] zum wiederholten Mal: Die Kirchen könnten die Folgen von Steuersenkungen ganz einfach dadurch kompensieren, dass sie den … (Ausführlicher: hier.) Ohne Mehrbelastung für die […]

  4. […] durch eine Anhebung des Hebesatzes ganz einfach ausgleichen könnten. Mehr zum Thema hier, hier und hier.) Bei allen wirtschaftlichen und sozialen Erwägungen ist Zollitsch hier Lobbyist in eigener Sache. […]

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