Bischof Müllers Goebbels-Rede

Bischof Müller aus Regensburg hat letzte Woche bei einem Gottesdienst aus aktuellem Anlass darauf hingewiesen, dass schon die Nazis – genauer gesagt, Obernazi Joseph Goebbels – einen Zusammenhang zwischen Zölibat und sexuellem Kindesmissbrauch hergestellt hätten. Womit er, ganz nebenbei, einen Zusammenhang herstellte zwischen der medialen Berichterstattung um die jüngst bekanntgewordenen Missbrauchsfälle und Nazi-Propaganda.

Allerdings behauptete Bischof Müller laut Predigtext, Goebbels habe diesen Zusammenhang „in seiner berühmt-berüchtigten Rede aus dem Jahr 1937 im Sportpalast“ hergestellt.

Nun ja, Müller weiß manchmal nicht, wovon er redet – er hat beispielsweise auch den Eindruck erweckt, Michael Schmidt-Salomon und Helge Nyncke stellten in ihrem Kinderbuch „Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel“ Geistliche als Schwein dar oder Schmidt-Salomon würde Kindermord rechtfertigen.

Im vorliegenden Fall bezieht er sich offenbar auf eine Rede, die Goebbels am 28. Mai 1937 in der Berliner Deutschlandhalle gehalten hat. (Er sprach u.a. von „herdenmäßiger Unzucht“ beim Klerus.) Ein ZEIT-Artikel von 2002 liefert mehr Informationen dazu. Tatsächlich haben die Nationalsozialisten Fälle von sexuellem Missbrauch zur juristischen Verfolgung von katholischen Geistlichen benutzt (siehe Wikipedia [Update: In dieser Dissertation findet sich ab S. 61 ein ganzer Abschnitt zu den sog. „Sittlichkeitsprozessen“. Auch im SPIEGEL Archiv findet sich ein Artikel von 1971 darüber]).

Offen ist für mich noch, ob Goebbels in der Rede selbst einen Zusammenhang zwischen Zölibat und Kindesmissbrauch hergestellt hat: Das ist der Eindruck, den Müller in seinem Predigttext erweckt. In dem ZEIT-Artikel ist allerdings nur die Rede davon, dass der Völkische Beobachter „erklärte, die Sexualdelikte seien ‚die naturnotwendigen Folgen eines widernatürlichen Systems'“. Da der ZEIT-Artikel allerdings – wie Müller – gerade auf die Parallelen zwischen damals und heute anspielt, wäre dort vermutlich erwähnt, wenn Goebbels selbst diesen Zusammenhang hergestellt hätte.

Es spricht m.E. auch nicht für Müller, dass er Goebbels Sportpalastrede auf 1937 datiert. Goebbels‘ Rede ist „berühmt-berüchtigt“ (Müllers Worte), weil er darin zum totalen Krieg aufgerufen hat. Der Zweite Weltkrieg begann aber erst September 1939. Aber aus katholischer Sicht wurde Goebbels‘ Rede von 1937 sicher als „totale Kriegserklärung“ gegen die Kirche aufgefasst.

Bleibt mir an dieser Stelle nur noch anzumerken, dass es Kirchenfeindlichkeit wie diese war, die Papst Pius XI. zweieinhalb Monaten zuvor zu seiner Enzyklika „Mit brennender Sorge“ veranlasst hatte – und nicht Sorge um die Juden! So beginnt die Enzyklika denn auch mit den Worten:

Ehrwürdige Brüder! Gruß und Apostolischen Segen! Mit brennender Sorge und steigendem Befremden beobachten Wir seit geraumer Zeit den Leidensweg der Kirche, die wachsende Bedrängnis der ihr in Gesinnung und Tat treubleibenden Bekenner und Bekennerinnen inmitten des Landes und des Volkes, dem St. Bonifatius einst die Licht- und Frohbotschaft von Christus und dem Reiche Gottes gebracht hat. [Hervorhebung von mir.]

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3 Responses to Bischof Müllers Goebbels-Rede

  1. emporda sagt:

    Das Problem ist bei der RKK dogmatisch begründet, es bleibt unlösbar solange ewige Gestrige wie die Riege der lebenden Mumien im Vatikan etwa zu sagen hat. Wenn dagegen einige Schuloberen sich zutiefst beschämt zeugen, dann ist das bei der Verlogenheit des Systems Religion nicht unmittelbar zu glauben, ohne dass den öffentlichen Krokoldilstränen auch Taten folgen.

    Homosexualität ist kein Verbrechen, Pädophile haben dissoziale Persönlichkeitsstörungen wie bei Schwerkriminellen. Den Tätern mangelt es an Empathiefähigkeit, sie zeigen weder Schuldbewusstsein noch lernen sie aus negativen Erfahrungen oder Strafen. Moralisch fatal in der RKK ist das Leugnen einer mit 50% – 60% extremen Homosexualität ihrer Priesterschaft und der Versuch diese zu 35% genetisch bedingte Veranlagung durch Gebete in Klöstern therapieren zu wollen (The Changing Face of the Priesthood, Fr. Donald B. Cozzens). Heilung von Homosexualität und Pädophilie (besser Päderastie) ist unmöglich, abweichend genetisch vorgeprägtes Verhalten ist nur durch Psychopharmaka zu dämpfen verbunden mit einem tiefen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte.

    Dazu müßte die RKK einige ewige Wahrheiten verschrotten und akzeptieren Pädophilie und Homosexualität wird nicht von Dämonen verursacht, sie sind Teil der menschllichen Natur und Prävention ist ohne freiwillige Teilnahme der Betroffenen an Therapien sinnlos. Die katholische Sexuallehre ist wissenschaftsfremd und pathologisch krank. Oft geht es dabei um das Ausleben von Macht und Gewalt in erotisch-sexuellen Siuationen, wozu besonders Menschen neigen, die als Kinder kirchlich nah „sexuell“ erzogen wurden. Kernthese des Glaubens der RKK ist das ewig sündhafte Handeln aller Menschen als Erbsünde. Dies wirkt psychisch fatal auf Menschen, die kritiklos alles glauben und durch Gehirnwäsche vorgeprägt sind für alles und jedes Schuld zu haben. Die Moralschwelle wird gewollt nach hinten verlegt, wie eine mental neurotische Droge werden immer neue Schuldgefühle erzeugt und eine totale Abhängig in geistiger Unfreiheit geschaffen.

    Die RKK versteckt ihre Kriminellen in Klöstern. Die „Therapeuten“ in diesen Einrichtungen sind mehrheitlich selber homosexuell oder Päderasten. Das ist wie ein Zentrum für Alkoholiker mit Trinkern als Therapeuten mit einer Schnapsflasche im Kittel. Die Opfer der pädophilen Priester werden von der RKK verteufelt, zum Schweigen genötigt, von Privatdetektiven bedroht und in Gerichtsverfahren billigst abgespeist. In keinem Auftritt der Kirchenführer oder Schriftstücken der RKK ist von Bedauern für die Opfer die Rede.

  2. […] kürzlich hatte Müller erklärt, Hitlers Propagandaminister Joseph Goebbels habe “in seiner berühmt-berüchtigten Rede aus dem […]

  3. anton podolski sagt:

    „35% genetisch bedingte Veranlagung“ – das sagt doch alles über Ihre Geisteshaltung!

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