Kirchen wollen christlichen statt neutralen Andachtsraum für Flughafen BBI

Update: Statt eines Kommentars: Meine E-Mail an die die ev. und kath. Kirche in Berlin und Brandenburg.

Atheist Media Blog berichtete gestern bereits über die Forderung der beiden christlichen Großkirchen in Berlin-Brandenburg, in dem  internationalen Flughafen Berlin Brandenburg «Willy Brandt» einen christlichen Andachtsraum mit Kreuz und Altar sowie Büroräumen für die christlichen Flughafenselsorger einzurichten. Bisher haben die Flughafenbetreiber einen neutral gehaltenen Andachtsraum ohne Nebenräume für Büros geplant. Die Eröffenung des Flughafens BBI ist für 2011 geplant.

Jesus.de und News Adhoc berichteten ebenfalls, und heute bringen der Tagesspiegel und die Märkische Allgemeine ausführliche Artikel. [Update: Berliner Morgenpost, Nordkurier, B.Z.-Kommentar.]

Informationen zur evangelischen und katholischen Flughafenseelsorge. Flughafenseelsorge gibt es an 11 von 16 internationalen deutschen Flughäfen. An 10 Flughäfen gibt es christliche Andachtsräume, in Düsseldorf gibt es einen neutralen „Raum der Stille“.

Zusammenfassung der Artikel (unter Auslassung der rührseligen Geschichten, was die Flughafenseelsorge alles Gutes tut)

Vor zwei Wochen gab das Management des im Bau befindlichen internationalen Flughafens Berlin Brandenburg bekannt, dass der Flughafen einen religions- und konfessionsneutral gestalteten „Raum der Stille“ erhalten soll, der allen Fluggästen zur Verfügung stehen soll. Im heutigen Artikel der Märkischen Allgemeinen erfahren wir die Begründung des Managements:

„Das steht einem internationalen Flughafen gut zu Gesicht“, sagt Sprecher Ralf Kunkel. „Wir wollen niemanden ausschließen.“ Kunkel lobte die „hervorragende Arbeit der Flughafenseelsorger“. Deshalb werde der 120 Quadratmeter große Andachtsraum auch einen prominenten Platz erhalten, „mitten im Tohuwabohu des Terminals“.

Und bei News Adhoc:

Dort könnten zwar auch Gottesdienste stattfinden. Grundsätzlich solle das Angebot religionsübergreifend gestaltet werden, da sich an einem internationalen Flughafen stets Reisende vieler verschiedener Glaubensgemeinschaften aufhielten.

Damit reagierten die Flughafenbetreiber offenbar auf Forderungen der beiden Großkirchen, die sich gestern zu Wort gemeldet hatten: Dies sei nicht, was abgesprochen war. Sie fordern einen christlichen Andachtsraum, der auch durch Kreuz und Altar als solcher zu erkennen ist. Bischof Markus Dröge mann sich zwar vorstellen, den Raum zu teilen, so dass der abgetrennte Teil auch von anderen Religionen benutzt werden kann. Allerdings:

„Es muss aber erkennbar sein, wer Einladender und wer Gast ist“, so Dröge [in der Märkischen Allgemeinen].

Und Ulrich Seelemann, Konsistorialpräsident der evangelischen Kirche, machte deutlich:

Ein neutraler Raum sei für die Seelsorge „nicht akzeptabel“, sagte er. [News Adhoc]

„Für einen nicht christlich geprägten Raum werden wir nicht die Verantwortung übernehmen“, betont er. [Märkische Allgemeine]

Berlins katholischer Erzbischof Georg Sterzinsky beruft sich darauf, dass, dass christliche Andachtsräume bei internationalen Flughäfen „eine Selbstverständlichkeit“ seien. Offenbar meint er internationale Flughäfen in Deutschland. Davon gibt es zur Zeit 16. 10 verfügen über einen christlichen Raum, Düsseldorf über einen neutralen „Raum der Stille“. Der neutrale Raum in Düsseldorf muss bei Sterzinsky auch als abschreckendes Beispiel herhalten:

Er verweist auf den „Raum der Stille“ am Düsseldorfer Flughafen. „Das ist wie ein gehobener Wartesaal, wo man Geschäftsleute trifft, die noch schnell ein Protokoll in den Laptop tippen.“ [Märkische Allgemeine]

Beim Tagesspiegel, News Adhoc und der Berliner Morgenpost erfahren wir, dass es nicht nur um die Kenntlichmachung des Andachtsraums als christlich geht: Die Kirchen fordern offenbar auch noch Büroräume für ihre Flughafenseelsorger. Wieder kommt Konsistorialpräsident Seelemann zu Wort:

[Seelemann] machte gestern deutlich, dass die beiden christlichen Kirchen einen neutralen Ort der Stille nicht in ihre Trägerschaft übernehmen würden. Der Flughafen müsse schon Mindestanforderungen erfüllen und einen christlich geprägten Ort sowie zwei Büros für je einen katholischen und einen evangelischen Pfarrer bereitstellen und finanzieren. „Wir würden anderen Religionen Gastrecht gewähren, das Kreuz aber ungern abnehmen“, sagte Bischof Dröge. [Berliner Morgenpost]

Büroräume gehörten aber zur Mindestausstattung für die Flughafenseelsorge: „Wir müssen uns sonst fragen, ob es Sinn macht, Personalmittel zu finanzieren, wenn die Arbeit nicht sinnvoll ausgestaltet werden kann.“ [Tagesspiegel]

Demgegenüber versichert Kardinal Sterzinsky im Tagesspiegel

man werde sich „nicht schmollend zurückziehen, sondern weiterhin die Flughafenseelsorge betreiben“.

Den Hintergrund erfahren wir bei News Adhoc:

Beide [Großkirchen] wollen neben ehrenamtlichen Helfern je einen hauptamtlichen Flughafenseelsorger abstellen und finanzieren. Der Flughafen soll sich im Gegenzug an den laufenden Kosten der Seelsorge beteiligen.

Die beiden Kirchen wollen den Andachtsraum am neuen Berliner Großflughafen gemeinsam betreiben. Anderen christlichen Glaubensgemeinschaften, Juden sowie Muslimen soll ein Gastrecht eingeräumt werden. Denkbar sei auch, die […] vorgesehene Fläche […] in einen christlichen und einen muslimischen Gebetsraum aufzuteilen. […]

Außer mit den christlichen Kirchen sei der Flughafen auch mit Vertretern muslimischer Verbände im Gespräch. Diese könnten sich mit dem Konzept des Raumes der Stille gut anfreunden, ergänzte der Flughafensprecher.

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6 Responses to Kirchen wollen christlichen statt neutralen Andachtsraum für Flughafen BBI

  1. verquer sagt:

    „Ein neutraler Raum sei für die Seelsorge „nicht akzeptabel“, sagte er.“

    Ohne 10 Kilo Goldkreuz im Hintergrund kann man den Leuten nicht helfen oder wie?

  2. Max Headroom sagt:

    BZ-Kommentar:

    Der evangelische Prälat Bernhard Felmberg, der die Gottesdienste im Olympiastadion ins Leben rief, sagte mir gestern, ein Gebetsraum müsse eindeutig einer Religion zugeordnet werden können, sonst verliere er an Bedeutung. Dem habe ich nicht viel hinzuzufügen.

    Kleine Frage an dem Kommentator: Sprechen wir hier über einen „Raum der Stille“, oder über eine Miniaturkirche ?
    Es geht hier um einen Ruheraum für alle Religionen. Niemand hat darum gebeten, dass Kirchen diese Räume leiten. Wenn die sich gerne da engagieren wollen… sie sind gerne gesehen. Aber bitte … Seelsorge bleibt Seelsorge. Der Raum dient nicht zur Huldigung einer Wüstengottheit, sondern soll spirituellen Menschen als Ruheraum gelten.

    Das dies aus atheistischen Kreisen betont werden muss, weil geistergläubige Mitmenschen von ihren Zaubergedanken zu verblendet sind, macht mir angst 😛 .

  3. […] Neulich protestierten die beiden Großkirchen dagegen, dass der neue Flughafen Berlin Brandenburg „Willy Brandt“ einen „Raum der Stille“ erhalten soll, der Angehörigen aller Religionsgemeinschaften für Gebet und Meditation offen stehen soll. Stattdessen fordern die Kirchen einen christlich gestalteten Andachtsraum mit Kreuz und Altar sowie zwei christlich gestaltete Büro- bzw. Gesprächsräume für die beiden Flughafenseelsorger (je einer katholisch und evangelisch), die sie freundlicherweise „bereitstellen“ wollen. Für Muslime soll ggf. ein gesonderter Bereich abgetrennt werden. […]

  4. […] Flughafens heißt: konfessionsfreie (!) – Gedenkraum auf einem deutschen Flughafen ist. Bei der Forderung der evangelischen und katholischen Kirche in Berlin und Brandenburg nach einem ausdrücklich […]

  5. […] erlitt eins meiner Hauptargumente gegen einen speziell christlichen Gebetsraum am zukünftigen Flughafen Berlin Brandenburg einen schweren Rückschlag: nämlich das Argument, man könne schließlich nicht jeder […]

  6. Spreeroiber sagt:

    Am Flughafen BER [Anmerkung: Berlin-Brandenburg] gibt es zwei Räume: eine Kapelle und einen Raum der Stille mit einer im Boden eingelassenen Windrose, die nach Jerusalem/Mekka zeigt. Die Flughafenseelsorger ist ein übergreifendes Angebot für Menschen aller Weltanschauungen und Religionen.

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