Antwort des Erzbistums Berlin zu Andachtsraum

Das Erzbischöfliche Ordinariat Berlin hat umgehend auf meine Anfrage geantwortet. Meines Erachtens kaum neue Informationen oder Argumente (vielleicht habe ich meine Fragen nicht deutlich genug formuliert), aber lest selbst:

AW: Forderung nach christlichen Räumen im Flughafen

Sehr geehrter Herr Krause,

gerne will ich Ihnen antworten, auch wenn ich echte Fragen in Ihrer E-Mail kaum gefunden habe. Es handelt sich im Wesentlichen um Unterstellungen und eigene Statements, die Ihnen unbenommen sind.

In aller Kürze:

Flughafenseelsorge wendet sich an alle Menschen, die am Flughafen sind: die Fluggäste, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Flughafens, Touristen und auch die, die dort gestrandet sind (wie jüngst eine Finnin in Tegel).

Das Angebot der seelsorglichen Begleitung richtet sich auch nicht nur an Mitglieder einer christlichen Kirche.

Ein besonderer Aspekt ist die Notfallseelsorge, die auch im schlimmsten Fall einer Flugzeugkatastrophe tätig wird, aber auch beispielsweise einem ankommenden Fluggast eine Todesnachricht überbringt und damit die Arbeit von Polizei oder anderen begleitet.

Die evangelische und die katholische Kirche übernehmen an anderen Flughäfen die Personalkosten für hauptamtliche Seelsorger, dies ist für BBI auch so vorgesehen. Sie werben darüber hinaus auch ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an, die das Angebot einer Flughafenkapelle betreuen.

Die Erfahrungen mit neutralen Räumen zeigt, dass bei einem Ort, der keine „Identität“ hat, auch niemand sich mit der Gestaltung und Pflege dieses Ortes beschäftigt.

Ein identifizierbarer Ort dagegen findet Besucher.

Auch „normale“ Kirchen sind solche Orte, die gastfreundlich wirken auf viele Menschen, die sich nicht einer christlichen Kirche zugehörig fühlen, warum sollte diese bewährte Gastfreundschaft nicht auch am Flughafen funktionieren. Viele Menschen suchen Kirchen auf, auch wenn sie dort nicht beten wollen.

Der Flughafen Willi Brandt wird ein „Drehkreuz“ werden, so dass Menschen aus vielen Ländern dort landen, starten oder umsteigen. Darunter werden Menschen aus christlich geprägten Ländern genauso sein wie aus muslimisch oder anders geprägten Ländern, über den Anteil der Christen darunter lässt sich nur sehr vage spekulieren.

Die evangelische und die katholische Kirche gehen davon aus: Wo Kirche drin ist, soll auch Kirche drauf stehen, alles andere wäre eine Mogelpackung. Dass die christliche Flughafenseelsorge auch von den Flughafenbetreibern gewünscht ist, ist m.E. unumstritten, dann halten wir es nur für konsequent, dass die Rahmenbedingungen auch stimmen.

Wenn zwei Seelsorger dort tätig sind, wird es auch im Sinne derer, die ein persönliches Gespräch führen wollen, sinnvoll sein, dass jeder hierfür einen Raum zur Verfügung hat, aber wir haben auch hinreichend klar gemacht, dass wir in allen Fragen weiterhin gesprächsbereit sind.

Mit freundlichen Grüßen,

Stefan Förner

Erzbischöfliches Ordinariat Berlin
Pressestelle und Öffentlichkeitsarbeit

Update: Die Antwort der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz

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3 Responses to Antwort des Erzbistums Berlin zu Andachtsraum

  1. Max Headroom sagt:

    Die evangelische und die katholische Kirche übernehmen an anderen Flughäfen die Personalkosten für hauptamtliche Seelsorger, dies ist für BBI auch so vorgesehen.

    Wer’s glaubt wird seelig 😉 .
    Die nächste Erhöhung der Zuschüssen steht vor der Tür und ich wette, für die Seelsorge (militärische wie auch die flughafenmäßige) wird sich ebenfalls ein hübsches Sümmchen in der Rechnung finden. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Es wäre wahrlich ein WUNDER, wenn die Einnahmen aus der Kirchensteuer zufälligerweise für was anderes als für die Minigehälter und dem Papierkram benutzt würden.

    Die Erfahrungen mit neutralen Räumen zeigt, dass bei einem Ort, der keine „Identität“ hat, auch niemand sich mit der Gestaltung und Pflege dieses Ortes beschäftigt.

    Falsch ! In neutralen Räumen können Menschen problemlos um die Gestaltung und Pflege kümmern. Niemand putzt den Boden besonders gut, wenn Jesus am Kreuz hängt oder wenn die Bibel in Reichweite ist. Wenn die Muslime oder die Christen „keinen Bock“ haben, sich um einen Ruheraum zu kümmern, dann sollten sie einfach eine Sonder-Minikirche hinter’m Flughafen bauen. Aus eigenen Kosten, mit eigenen Mitarbeitern und mit eigenem Logo an der Wand. Fertig !

    Wenn Seelsorge draufsteht, soll Seelsorge drinn sein. Nicht eine „besondere“ Seelsorge.

    Auch „normale“ Kirchen sind solche Orte, die gastfreundlich wirken auf viele Menschen, die sich nicht einer christlichen Kirche zugehörig fühlen, warum sollte diese bewährte Gastfreundschaft nicht auch am Flughafen funktionieren. Viele Menschen suchen Kirchen auf, auch wenn sie dort nicht beten wollen.

    Guter Witz 😉 .
    Wenn McDonalds einen Laden im Flughafen aufmachen will, dann macht McDonalds einen Laden auf. Sie fragen nicht, ob sie eine Fressbude aufmachen dürfen, sich aber nur um die Bude kümmern, wenn McDonalds drauf steht.
    Also entweder ganz klar eine Kirche im Flughafen, oder neutrale Mitarbeiter in einem Ruheraum. Einen neutralen Ruheraum mit kirchlichen Arbeitsgeräten ist ein geprägter Raum.

    Die evangelische und die katholische Kirche gehen davon aus: Wo Kirche drin ist, soll auch Kirche drauf stehen, alles andere wäre eine Mogelpackung.

    Also, die Frage ganz klar und einfach formulier: WIRD DER FLUGHAFEN EINEN EIGENEN GEBETSRAUM FÜR CHRISTEN BEKOMMEN ?

    Ich bin nämlich davon ausgegangen, dass der Flughafen keine Kirche „abbekommt“, sondern einen Ruheraum. Einen Raum für spirituelle „Innekehr“. Das dort ein getrennter Raum (2 Stück) für jeweils einen christlichen Seelsorger zusammengeklöppelt werden soll, ist hier nicht das Topic.

    Nochmals… bekommt der Flughafen eine eigene Kirche und eine eigene Moschee ? In der Kirche wird Seelsorge betrieben und in der Moschee werden Muslime zu ihrem Gott beten. Dann frage ich mich, wo sollen Buddhisten und Esoteriker ihre Meditations- und Chacra-Entspannungsspielchen ausüben dürfen ? Werden christliche Händefalter den Buddhisten das Sitzkissen unter’m Hintern schieben ?

    Das ist IMHO immer noch nicht geklärt.

  2. verquer sagt:

    „Viele Menschen suchen Kirchen auf, auch wenn sie dort nicht beten wollen.“

    Wird hier sightseeing als Argument für kostenlos zur Verfügung gestellte Räumlichkeiten zur Verfügung benutzt? Oder ist diese Phrase tatsächlich so inhalts- und bedeutungsleer, wie es mir scheint? *kopfkratz*

  3. verquer sagt:

    meh… modulu Grammtik. 🙂

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