Christenverfolgung und „Open Doors“

Gestern machte eine Meldung die Runde und schaffte es immerhin in die ZEIT und das greenpeace magazin: „Christenverfolgung in Nordkorea am schlimmsten“ bzw. der „Weltverfolgungsindex“ des „Hilfswerkes“ Open Doors.

Man fragt sich: „Wieso interessieren die sich nur für Christenverfolgung und nicht generell für religiöse Verfolgung?“ Die Antwort: Open Doors ist ein Hilfswerk für verfolgte Christen.

In der dpa-Meldung, die die ZEIT und das greenpeace magazin wiedergeben, wird Open Doors als „Missions- und „Hilfswerk“ bezeichnet. Open Doors bezeichnet sich selbst in seiner Pressemitteilung (Langfassung hier) nur als „Hilfswerk“. Radio Vatikan übernimmt die Bezeichnung „Hilfswerk“, während das christliche Medienmagazin „Pro“ Open Doors lediglich als „Organisation“ bezeichnet. Bei „Pro“ könnte man den Eindruck haben, es handele sich um eine Menschenrechtsorganisation, es gibt nicht den geringsten Hinweis auf den christlichen oder unterstützenden Charakter von Open Doors.

Hilfs- oder Missionswerk?

Wo liegt der Unterschied zwischen „Hilfs-“ und „Missionswerk“?

Open Doors stellt sich selbst nicht als Missions-, sondern als Hilfswerk dar. Der Grund dafür dürfte darin liegen, dass in einigen Ländern (z.B. mit dem Islam als Staatsreligion) zwar Religionsfreiheit zu einem gewissen Maße gewährt wird, aber Missionierung verboten ist. Open Doors behauptet, dass mit den Bibeln und der Theologenausbildung lediglich die bereits existierenden Christen versorgt werden. Das wäre dann keine Missionierung.

Allerdings bezeichnet selbst die evangelikale Nachrichtenagentur idea Open Doors in einem Artikel als Missionswerk (im letzten Absatz).

Mit welcher Einstellung Open Doors zu Werke geht, lässt sich allerdings aus dem Editorial zum Dezember-Monatsmagazin erkennen. Dort heißt es unter der Überschrift „Der Kampf um die Herzen der Kinder„:

Kinder sind unsere Zukunft.

Von ihrer Prägung hängt wesentlich ab, wie die Gesellschaft der Zukunft sein wird; ob christlich, islamisch oder atheistisch. Das wissen besonders die Christen in Ländern wie China, in denen rund 300 Millionen Kinder noch auf eine Kinderbibel warten. Auch in islamischen Ländern ist der Mangel an christlichem Kindermaterial groß. Der Kampf um die Herzen der Kinder ist härter denn je geworden. Wir erleben, dass islamische und totalitäre Regime insbesondere solchen Christen die Höchststrafen androhen, die Kindern den christlichen Glauben näher bringen.

Carsten Frerk hat unter dem Artikel „ZEIT für Propaganda?“ bereits 2007 einen Artikel über Open Doors verfasst, der beim hpd zu finden ist.

Der deutsche und der englische Wikipedia-Artikel zu Open Doors lesen sich übrigens wie deren eigene Werbebroschüre, was auf den zugehörigen Diskussionsseiten auch festgestellt wird (engl. hier).

Mit diesem Artikel will ich übrigens lediglich aus aktuellem Anlass ein paar Informationen zu Open Doors geben. Religiöse Verfolgung findet leider in vielen Ländern statt und muss angeprangert werden.

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7 Responses to Christenverfolgung und „Open Doors“

  1. Das wissen besonders die Christen in Ländern wie China, in denen rund 300 Millionen Kinder noch auf eine Kinderbibel warten.

    Genau. Darauf haben die grade noch gewartet. :mrgreen:

  2. tobid001 sagt:

    Gut, dass es wenigstens noch ein paar Leute gibt, die nicht nur jubelnd zum „Weltverfolgungsindex“ greifen und diesen medial vervielfältigen, um bestehende gesellschaftliche Phobien weiter zu kultivieren. Ich bin schon im vergangenen Jahr bei Recherchen zum Thema Religion in Nordkorea auf die „Informationen“ von Open Doors gestoßen und habe festgestellt, dass die auf diesem Bereich die absolute Meinungshoheit besaßen, obwohl ihre Aussagen auf keinerlei belegbaren Fakten beruhten. Und dieses Jahr schreibt ja jetzt scheinbar jeder den Quark den Open Doors produziert ohne jede Bedenken, oder Quellenprüfung ab. Wenn wenigstens einmal „Missionswerk“ und nicht immer „christliches Hilfswerk“ oder „Organisation“ in den Beiträgen stünde, dann wüssten die Leser wenigstens etwas, woran sie sind…
    Danke für den Artikel

  3. meteo sagt:

    „Open Doors“ („Portes Ouvertes“ in Frankreich), genau in diesem Universum bin ich aufgewachsen. In ihrer Zeitung las ich ständig Berichte über Wunder-Konversionen von Muslimen zum Christentum, die früher meinen Glauben verstärkten (zum Beispiel habe der Ex-Muslim einen Engel gesehen, der ihm „die Wahrheit“ erklärt habe, oder Jesus sei ihm direkt erschienen). Ich dachte, wenn sowas passiert, ist das wohl ein Beweis mehr, dass die Bibel recht hat. Bis ich später immer mehr zweifelte und schliesslich meinen Glauben verlor. In einer Zwischenphase, wo ich den Islam untersuchte, merkte ich, dass Muslime auch solche Wunder-Geschichten über diesmal zum Islam konvertierte Christen verbreiten (die ebenfalls den Glauben der Muslime verstärken). Aber in beiden Fällen ist nichts nachprüfbar. Zum Beispiel in der Open Doors Zeitung wird jedes Mal nur einen Vornamen zitiert, und dann eine ganze Konversionsgeschichte mit Wundern erzählt, die angeblich stattgefunden hätte. Als gläubiger „wiedergeborener Christ“ zweifelt man keine Sekunde an der Wahrhheit dieser Geschichten, denn sie stammen von „Brüdern“, die „nicht zur Welt gehören“, sondern „Jesus als ihren Retter angenommen haben“, also viel vertraulicher als „Journalisten der Welt“ sind. So gibt es ein sehr starkes unberechtigtes Vertrauen in den evangelikalen Kreisen, die das Verbreiten von aller möglichen Propaganda sehr einfach macht.

    In der Open Doors Zeitung habe ich absolut nie etwas über die Existenz von ähnlichen Konversionsgeschichten mit Wundern bei den Muslimen gelesen. Das wird total verschwiegen. Wenn sie das erwähnen würden, würden die von ihnen erzählten Konversionsgeschichten ihren ganzen Wert verlieren, denn es würde ganz klar zeigen, dass diese Berichte allein gar nichts beweisen. Und aus ihrer Sicht besteht das einzig wichtige im Leben darin, soviele Seelen wie möglich zu „retten“; also wenn sie „zu objektiv“ sind, kriegen sie schlechtes Gewissen, denn sie denken, sie haben Leute zweifeln lassen, oder Leute, die nicht gläubig sind, werden deswegen nicht konvertieren…

  4. meteo sagt:

    Übrigens: Open Doors interessiert sich nur für Christentverfolgung, weil man als wieder geborener Christ irgendwie nicht fassen kann, dass andere Religionsgruppen auch verfolgt werden können. Denn: die im Universum stattfindenden Ereignisse werden nicht als von blinden Gesetzen gelenkt, dem Universum gleichgültig, gesehen. Sondern alles wird im Rahmen des sogenannten spirituellen Kampfes (das Gute gegen das Böse) interpretiert. Als Evangelikaler sieht man einen absoluten Grund, warum Christen verfolgt werden: denn Christen würden angeblich nicht zur Welt gehören, sondern Gott. Und das würde der verlorenen Welt nicht gefallen. Satan würde alles machen, um Gottes Reich zu bekämpfen. In dieser Hinsicht ist die Verfolgung von anderen Religionsgruppen unverständlich und sehr verwirrend, denn es wird geglaubt, sie gehören doch zur Welt.

  5. andrea scholz sagt:

    Bei genauer Betrachtung ist Open Doors reine Propaganda.
    Was auffällt, Israel – Christerverfolger Nr1 – wird erst gar nicht gelistet. Stattdessen alle möglichen Feindstaaten der „westlichen“ Welt.

    • Skydaddy sagt:

      In welcher Hinsicht soll Israel „Christenverfolger Nr. 1“ sein?

    • Barkai sagt:

      äh, einer der Staaten, die das konvertieren (vom Islam) zum christentum mit dem Tod belegen ist bplsw. Saudi-Arabien. Desweiteren ist es in Saudi-Arabien verboten, nicht-muslimische Feste zu beghene.
      Die Christen in Israel sind eine Minderheit haben aber das Recht, Kirchen zu bauen und ihre religiösen Feste zu begehen. Es soll sogar in jerusalem (immerhin Israels hauptstadt) zu ostern eine Prozession geben.

      Inweiweit das eine schlimemre Verfolgung sein soll, als die todesstrafe zu verhängen, erschließt sich mir nicht.

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