Veganismus und Christentum

Gut ohne Gott (Teil 3, siehe auch Teil 1, Teil 2)

Sollte sich Veganismus gesellschaftlich durchsetzen, so werden Christen – wie immer! – versuchen, Gründe dafür aus der Bibel herauszulesen. Dies dürfte außerordentlich schwierig sein.

Nicht nur erfreut sich der biblische Gott am „lieblichen Geruch“ von verbrannten Tieren:

[3. Mose 1] 2 […] Wer unter euch dem HERRN ein Opfer darbringen will, der bringe es von dem Vieh, von Rindern oder von Schafen und Ziegen.

[…] 7 Und die Priester [… 8 …] sollen die Stücke samt dem Kopf und dem Fett auf das Holz legen, das über dem Feuer auf dem Altar liegt. 9 […] Das ist ein Brandopfer, ein Feueropfer zum lieblichen Geruch für den HERRN.

Jesus hilft auch seinen Jüngern beim Fischfang:

[Joh 21] 5 Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. 6 Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten’s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische.

Und der Apostelgeschichte zufolge hatte Petrus eine Vision, die ihm befahl, auch nicht-koschere Tiere zu essen:

Und es geschah eine Stimme zu ihm: Steh auf, Petrus, schlachte und iss! [Apostelgeschichte 10,13; Hervorhebung von mir.]

Während man die letzten beiden Stellen aus dem Neuen Testament (nicht überzeugend, aber immerhin) noch mit den damaligen Ernährungsgewohnheiten „erklären“ könnte, gibt es keine ethische Rechtfertigung für das Brand- oder Ganzopfer aus dem Alten Testament . Den Erklärungen zur Lutherbibelzufolge handelte es sich dabei um ein „Ganzopfer (griechisch „Holocaust“), bei dem das ganze Opfertier mit Ausnahme von Fell/Haut und Gedärmen auf dem Altar verbrannt wurde“. Es ist also nicht so, dass nur ein Teil der Opfergabe verbrannt wurde und der Rest den Priestern zugute kam, wie es bei anderen Opfern (praktischerweise für die Priester) der Fall war. Damit wird dem Tier ohne jede Rechtfertigung Leid zugefügt. Was immer der biblische Gott an dem Opfer finden mag, das Leid des Opfertieres ist ihm offenbar weniger wichtig.

Letztlich werden die Christen solche Bibelstellen ignorieren und den Schutz der Tiere, wie bereits üblich, aus deren „Mitgeschöpflichkeit“ ableiten. Für diese Auffassung bräuchte es allerdings gar keinen Gott. Zwar steckt in dem Wort „Geschöpf“ die Annahme eines Schöpfers – gemeint ist allerdings, dass nicht erkennbar ist, weshalb hinsichtlich der Leidvermeidung ein Unterschied zwischen Menschen und Tieren bestehen sollte.

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2 Responses to Veganismus und Christentum

  1. Die Kirchen waren immer opportunistisch genug, um sich allen möglichen Trends anzupassen. Das würden sie natürlich auch, wenn der Veganismus keine Minorität in der Gesellschaft mehr darstellen würde, sondern voll gesellshaftsfähig wäre. Augenblicklich lehren sie allerdings ganz etwas anderes wie z.B.
    ————————-

    Aus dem Weltkatechismus der katholischen Kirche von 1993

    Tiere sind Geschöpfe Gottes und unterstehen seiner fürsorgenden Vorsehung. Schon allein durch ihr Dasein preisen und verherrlichen sie Gott. Darum schulden ihnen auch die Menschen Wohlwollen. Erinnern wir uns, mit welchem Feingefühl die Heiligen, z.B. der hl. Franz von Assisi und der hl. Philipp Neri, die Tiere behandelten. (Nr. 2416)

    Gott hat die Tiere unter die Herrschaft des Menschen gestellt, den er nach seinem Bild geschaffen hat. Somit darf man sich der Tiere zur Ernährung und zur Herstellung von Kleidern bedienen. Man darf sie zähmen, um sie dem Menschen bei der Arbeit und in der Freizeit dienstbar zu machen. Medizinische und wissenschaftliche Tierversuche sind in vernünftigen Grenzen sittlich zulässig, weil sie dazu beitragen, menschliches Leben zu heilen und zu retten. (Nr. 2417)

    Es widerspricht der Würde des Menschen, Tiere nutzlos leiden zu lassen und zu töten. Auch ist es unwürdig, für sie Geld auszugeben, das in erster Linie menschliche Not lindern sollte. Man darf Tiere gern haben, soll ihnen aber nicht die Liebe zuwenden, die einzig Menschen gebührt. (Nr. 2418)

    Der Schöpfer hat dem Menschen das Recht gewährt, über die Rohstoffe, Pflanzen und Tiere der Welt zu verfügen. Dabei muss aber der Mensch die sittlichen Verpflichtungen achten, auch gegenüber den kommenden Generationen. (Nr. 2456)

    Die Tiere sind dem Menschen unterstellt, der ihnen Wohlwollen schuldet. Sie können einer gerechten Befriedigung menschlicher Bedürfnisse dienen. (Nr. 2457)

  2. fressack sagt:

    Ich sehe das Brandopfer eher als religiös verursachte Verschwendung. Ein Tier zu rösten und nicht zu essen, ist m.E. schwachsinnig.
    Allerdings glaube ich nicht an eine solche Totalkremierung, sondern vermute, dass sich die schlauen Priesterlein bedient haben, wenn das Opfer auf dem Punkt war.
    Ferner warne ich davor, die gefährlichen Spinner vom Anti-Jagd-Blog hier einsickern zu lassen.

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