Verteidigungsministerium lässt Gebäude segnen

Militärdekan Michael Berning segnet das neue Abfertigungsgebäude (Quelle: Bundeswehr/Flugbereitschaft BMVg )Nachfolgend eine E-Mail, die ich am 31.10.2009 – also vor zwei Monaten – an die Pressestelle des Bundesverteidigungsministeriums (BMVgPresse@BMVg.Bund.De) geschickt habe. Bis heute habe ich keine Antwort, noch nicht mal eine Eingangsbestätigung erhalten. Trotz Nachfrage über die Kontaktseite des BMVg.

Segnung von BMVg-Gebäude

Schlüsselübergabe und Segnung des neuen Abfertigungsgebäudes (Quelle: Bundeswehr/Flugbereitschaft BMVg )Sehr geehrte Damen und Herren,

Mit etwas Verblüffung las ich heute im Newsletter der Katholischen Militärseelsorge, dass kürzlich ein Abfertigungsgebäude der Flugbereitschaft des BMVg, sowie „einige Kreuze, die in den Räumlichkeiten verteilt werden sollen“, von einem Militärgeistlichen gesegnet wurden, und zwar offenbar „im Verlauf der Zeremonie [der Gebäudeübergabe] und Schlüsselübergabe“.

Ich bin Reservist und mir ist wichtig, dass die Bundeswehr die freiheitlich-demokratische Grundordnung des Grundgesetzes, die sie verteidigen soll, auch selbst einhält. Ein Pfeiler dieser Grundordnung ist die Trennung von Staat und Kirche.

Ich zitiere hierzu von den Internetseiten des Bundesinnenministeriums:

Neutralitätsgebot

Der Staat muss sich in den Worten des Bundesverfassungsgerichts als „Heimstatt aller Bürger“ verstehen, unabhängig von ihrem religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnis. Der Staat darf sich daher nicht mit einem bestimmten religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnis identifizieren, sondern muss allen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften neutral und tolerant gegenüberstehen.

Das Segnen von öffentlichen Gebäuden durch Geistliche einer bestimmten Religion scheint mir gegen das Neutralitätsgebot zu verstoßen. Daher folgende Fragen:

  • Ist es üblich (wenn ja, in welchem Umfang), dass öffentliche Gebäude und speziell Gebäude des BMVg bzw. der Bundeswehr durch Geistliche gesegnet werden?
  • Was habe ich mir darunter vorzustellen, dass Kreuze „in den Räumlichkeiten verteilt werden sollen“? Und ggf.: Muss das Anbringen von Kreuzen in öffentlichen Gebäuden nicht als – unzulässige – Identifikation des Staates mit der christlichen Religion interpretiert werden?
  • Meines Wissens muss bei öffentlichen Veranstaltungen ein etwaiger religiöser Teil vom öffentlichen Teil getrennt werden, damit die Teilnehmer nicht ungewollt zur Teilnahme an einer religiösen Veranstaltung genötigt werden. Der Newsletter erweckt allerdings den Eindruck, die Segnung habe „im Verlauf“ der Gebäudeübergabe stattgefunden. Fand die Segnung separat statt oder war sie Teil der Veranstaltung zur Gebäudeübergabe?
  • Die Fotos erwecken den Eindruck, dass die Anwesenden im Verlauf der Zeremonie gemeinsam beteten. Auf einem Foto sind im Hintergrund Soldatinnen und Soldaten zu sehen. Falls es sich bei der Segnung nicht um eine separate Veranstaltung handelte – wie wurde dafür gesorgt, dass niemand unverhofft oder gegen seinen Willen der religiösen Zeremonie – insb. dem gemeinsamen Beten – ausgesetzt wurde?

Letzte Frage: In Anbetracht es Neutralitätsgebotes: Weshalb führt das BMVg überhaupt derartige Segnungen durch bzw. lässt diese geschehen? Ich nehme nicht an, dass man sich beim BMVg eine „Verbesserung der Sicherheit“ oder ähnliches davon verspricht, also keinen direkten Nutzen. Das bedeutet nach meinem Verständnis, dass ohne Grund gegen das Neutralitätsgebot verstoßen wird. Wie lautet also die Begründung des BMVg für die Zulassung solcher Segnungen?

Anmerkung: Es handelt sich um den wesentlichen Abschnitt der Mail. Den ersten Satz (einen technischen Hinweis) und die persönlichen Gründe für mein Interesse an dem Thema habe ich weggelassen.

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2 Responses to Verteidigungsministerium lässt Gebäude segnen

  1. […] Verteidigungsministerium lässt Gebäude segnen Das Segnen von öffentlichen Gebäuden durch Geistliche einer bestimmten Religion scheint mir gegen das Neutralitätsgebot zu verstoßen. […]

  2. […] Militär und Polizei sieht man das allerdings „nicht so eng“, dort werden auch Gebäude von christlichen […]

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