„Centurion-Bibel“ für deutsche Soldaten

Die amerikanische Missionswerk „Operation Centurion“ will zusammen mit dem Arbeitskreis Soldaten der Deutschen Evangelischen Allianz Bibeln in Tarndruck an deutsche Soldaten verteilen. Die Bibel enthält auch eine Anleitung, wie man zu Jesus finden kann.

Damit ist die Bibel offensichtlich nicht für bereits gläubige Soldaten, sondern für die Missionierung gedacht.

Die Umsetzung dieser Weltidee bleibt den Amerikanern natürlich unbenommen. Ich erwähne dieses Vorhaben nur deshalb, weil die Soldatenbibeln eine hervorragende Ergänzung zu den staatlich bezahlten Gebets- und Gesangbüchern (für alle Soldatinnen und Soldaten!) darstellen werden, die im Verteidigungshaushalt (S. 50) erwähnt werden – zusammen mit anderen „Kultkosten“:

Ich überlege jetzt, ob man nicht Richard Dawkins‘ „Der Gotteswahn“ als Tarndruckausgabe herausbringen und an die Soldatinnen und Soldaten verteilen könnte … vielleicht als „Hermann der Cherusker„-Edition – der hat den Römern ja damals ordentlich eins auf die Mütze gegeben…

Update: Nur, damit kein Missverständnis entsteht: Mit „anderen Kultkosten“ sind Sachen wie Messwein oder Kerzen gemeint. Die Gesamtkosten der Militärseelsorge für den Steuerzahler dürften sich auf gut 30 Millionen Euro belaufen. Den Löwenanteil machen die Personalausgaben für die vom Staat bezahlten und auf Zeit verbeamteten Militärgeistlichen aus. Davon gibt es übrigens derzeit etwa doppelt soviele wie im Militärseelsorgevertrag vorgesehen (Soll: 1 Geistlicher pro 1.500 Soldaten der jeweiligen Konfession. Ist: 1 Geistlicher pro 750 Soldaten der jeweiligen Konfession.)

Früher konnte man im Verteidigungshaushalt wenigstens noch erkennen, welche Ausgaben die Militärseelsorge verursacht. Heute wird die Militärseelsorge nicht mehr gesondert ausgewiesen, sondern zusammengefasst mit der Bundesehrverwaltung, den Universitäten der Bundeswehr, Rechtspflege usw.

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3 Responses to „Centurion-Bibel“ für deutsche Soldaten

  1. Damian sagt:

    Haha, das ist mal wirklich gut. Ich weiß noch, als wir Mitte des Jahres während der AGA beim „Willkommens-Gottdesdienst“ waren – da haben sie nicht einmal vorher bescheid gesagt, geschweige denn nachgefragt, ob jemand was dagegen hat, da teilzunehmen.

    Wir kamen da irgendwie zu, wie die Jungfrau zum Kinde und fanden uns plötzlich in der Kantine wieder, die eigens dafür umgestaltet wurde. Besonders lustig war es beim Gesang, denn der Pfarrer war da recht „einsam“ unterwegs – man hat quasi nur seine Stimme gehört, weil keiner der Soldaten mutgesungen hat.

    Die Gesangsbücher durften wir dann auch behalten, komisch…

  2. skydaddy sagt:

    @Damian:

    Du musst der Bundeswehr etwas Zeit lassen!

    Schließlich ist es erst 40 Jahre her, dass der Wehrbeauftragte zu einer Klarstellung riet:

    „Während die ZDv 66/1 Militärseelsorge den Gottesdienst während der Dienstzeit in der Woche vorsieht, läßt sie die Frage ungeklärt für Nicht-Teilnehmer. […]“ Schon 1969 (!) stellte der damalige Wehrbeauftrage des Deutschen Bundestages fest: […] „Es erscheint deshalb erwägenswert, … eine Bestimmung zu schaffen, die so gefaßt ist, daß sie den Schutzbereich des Grundrechts voll erfaßt. […] Auf keinen Fall darf eine derartige Beschränkung zu einer dienstlichen Beschäftigung führen, die den Soldaten veranlassen könnte, die Teilnahme am Gottesdienst als das ‚kleinere Übel‘ anzusehen.“

    Die obige Passage ist aus meinem Beitrag zum Aufsatzwettbewerb des Generalinspekteurs der Bundeswehr (1994, meine ich. Seite 8-9.). Da finden sich auch die Quellenangaben.

    Ich glaube, die vorgeschlagene Bestimmung existiert bis heute nicht.

  3. […] „Centurion-Bibel“ für deutsche Soldaten « Skydaddy’s Blog. […]

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