WHO spricht sich gegen Beschneidung von Säuglingen und Kindern aus

Befürworter der Beschneidung weisen gerne auf eine Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO hin, die die Beschneidung von Männern als zusätzliche Maßnahme zur Vorbeugung gegen HIV/AIDS in Ländern mit hohen „heterosexuellen“ HIV-Infektionsraten und geringen Beschneidungsraten bei Männern empfiehlt.

Was dabei meines Erachtens nicht ausreichend betont wird ist, dass die WHO sich nur auf die freiwillige Beschneidung erwachsener Männer bezieht:

Countries should ensure that male circumcision is provided with full adherence to medical ethics and human rights principles, including informed consent, confidentiality, and absence of coercion. [Hervorhebungen von mir.]

Mit anderen Worten: Die WHO fordert, dass die Beschneidung von Männern nur nach ausreichender Information, freiwilliger Zustimmung und ohne Zwang durchgeführt wird. Diese Kriterien können bei Säuglingen und Kindern nicht erfüllt sein.

Und um weiteren Missverständnissen vorzubeugen: An anderer Stelle heißt es:

A more rapid public health benefit will be achieved if age groups at highest risk of acquiring HIV are prioritized, although providing male circumcision services to younger age groups will also have public health impact over the longer term. [Hervorhebung von mir.]

Wenn hier von „jüngeren Altersgruppen“ die Rede ist, zielt das nicht auf die Beschneidung von Kindern ab, sondern es geht hier um die Priorisierung von Altersgruppen, um den Effekt von Beschneidungsprogrammen zu maximieren. So berichtet der Spiegel zu diesem Thema, in Manhattan sei in einer Bevölkerungsgruppe jeder fünfte zwischen 40 und 50 Jahren HIV-infiziert. Dementsprechend würde man sich zu Beginn des Beschneidungsprogramms vor allem auf die entsprechende Altersgruppe konzentrieren, um dann im Verlauf des Programms auch jüngere Altersgruppen mit einzubeziehen – damit wäre aber hier „jünger als 40“ oder „jünger als 30“ gemeint. Offensichtlich wäre es Ressourcenverschwendung, im Zuge solcher Programme Säuglinge und Kinder zu beschneiden, die auf absehbare Zeit noch gar keinen Geschlechtsverkehr haben.

Damit spricht sich die WHO implizit gegen die Beschneidung von Säuglingen und Kindern aus: Wenn selbst mit der Begründung der HIV/AIDS-Vorbeugung die Beschneidung nicht ohne informierte Einwilligung und unter Zwang erfolgen darf, dann darf sie dies ohne den Zweck der Aids-Vorbeugung erst recht nicht. Jedenfalls kann die WHO-Empfehlung nicht zur Verteidigung der Säuglings- und Kinderbeschneidung herangezogen werden.

Persönliche Anmerkung: Ich frage mich: Wer bereit ist, sich aus Gründen der AIDS-Vorbeugung beschneiden zu lassen, der müsste doch auch willens und in der Lage sein, ein Kondom zu benutzen. Und ich vermute mal, dass es mit Kondom keine Rolle spielt, ob sich darunter eine Vorhaut befindet oder nicht. Aus präventivmedizinischer Sicht zumindest…

Hintergrund: Gotteswahn

Über Google Alerts stieß ich gestern auf einen Blog-Eintrag, in dem sich Isquierda darüber aufregte, dass in der Piraten-Partei ein Beschneidungsverbot für Minderjährige diskutiert wird.

Dieses Verbot soll folgendermaßen lauten:

1. Beschneidungen von Minderjährigen oder nicht uneingeschränkt geschäftsfähigen Personen sind ohne medizinische Indikation unzulässig.

2. Liegt eine medizinische Indikation vor, darf eine Beschneidung nur nach Ausschöpfung potentieller Heilmaßnahmen erfolgen und nur durch geschulte Ärzte vorgenommen werden. Der Eingriff ist, nebst Indikation, zu dokumentieren.

3. Zuwiderhandlungen werden als vorsätzliche Körperverletzung geahndet.

Ich denke, das ist etwas, worüber man doch zumindest diskutieren kann. Eine andere Frage ist, ob eine solche Regelung überhaupt notwendig ist, denn die Beschneidung ohne Einwilligung dürfte ohnehin den Tatbestand der Körperverletzung erfüllen. So heißt es bei Wikipedia:

[Körperverletzung] ist jede üble, unangemessene Behandlung, die das körperliche Wohlbefinden oder die körperliche Unversehrtheit nicht nur unerheblich beeinträchtigt. […] Die körperliche Unversehrtheit ist beeinträchtigt, wenn es zu einer Substanzverletzung, zu einem Substanzverlust, zu einer Herabsetzung der körperlichen Funktionen oder zu einer körperlichen Verunstaltung gekommen ist. […] Auch das Abschneiden der Haare erfüllt damit den Tatbestand der Körperverletzung in der Variante der körperlichen Misshandlung. Ärztliche Behandlungen können nach dem Bundesgerichtshof den Tatbestand erfüllen, sind dann aber meist durch Einwilligung gerechtfertigt – die herrschende Rechtslehre sieht sie schon nicht als tatbestandsmäßig an, wenn sie nach den Regeln der ärztlichen Kunst vorgenommen wurden.

An anderer Stelle heißt es:

Auch jede ärztliche Behandlung zu Heilzwecken, bei der auf irgendeine Weise in den Körper des Patienten eingedrungen wird, ist nach herrschender Rechtsprechung eine Körperverletzung, die nur dann nicht rechtswidrig ist, wenn in sie (auch konkludent) eingewilligt wird oder ein rechtfertigender Notstand vorliegt.

[Update: Blog-Leserin Cornelia machte mich in anderem Zusammenhang auf mehrere Artikel zur strafrechtlichen Relevanz der Kinderbeschneidung aufmerksam, z.B. diesen: Zirkumzision bei nicht einwilligungsfähigen Jungen: Strafrechtliche Konsequenzen auch bei religiöser Begründung im Deutschen Ärzteblatt.]

Isquierda findet allerdings bereits die Diskussion über diese Frage verwerflich, und hat deshalb an den Zentralrat der Juden, den Bundesvorstand der Piratenpartei und „die Internetgemeinde“ – also uns! – geschrieben. Vielleicht hätte sie gleich auch noch an den Islamrat, den Zentralrat der Muslime und die DITIB schreiben sollen, denn die Muslime wären von einem Beschneidungsverbot wohl in ähnlicher Weise betroffen wie die Juden.

Zwei Dinge will ich Isquierda zugute halten: Sie schreibt noch vergleichweise sachlich und verlinkt ihre Quellen sauber. Auch bin ich, wie Ihr wisst, grundsätzlich skeptisch gegenüber Regelungen, die zwar weltanschaulich neutral gehalten sind, aber offensichtlich den Zweck haben, bestimmte Weltanschauungen zu diskriminieren.

Allerdings erkenne ich bei dem von den Piraten diskutierten Vorschlag keine Judenfeindlichkeit als treibende Kraft (oder Islamfeindschaft). Wie gesagt, erfüllt die Zwangsbeschneidung ohnehin bereits das Tatbestandsmerkmal der Körperverletzung. Im Gegensatz zu Isquierda, deren oberstes Kriterium für die Regelungen des gesellschaftlichen Zusammenlebens offenbar die Frage ist, ob diese Regelungen mit Traditionen aus vordemokratischer Zeit im Einklang stehen, bin ich froh, wenn jemand hier mal konsequent weiterdenkt.

Isquierdas Artikel ist für mich ein Musterbeispiel für Gotteswahn. Ich würde nämlich erwarten, dass jemand – insbesondere jemand, der schreiben kann wie Isquierda (ist positiv gemeint!) – in der Lage wäre:

  1. anzuerkennen, dass ein Vorschlag wie der obige triftige, ehrenwerte Gründe haben kann (Isquierda scheint sich das nicht vorstellen zu können)
  2. als Konsequenz daraus wenigstens andeutungsweise zu hinterfragen, ob derartige religiöse Bräuche tatsächlich aufrechterhalten werden müssen. Immerhin steinigen die Juden ja auch keine ungehorsamen Kinder oder Hexen mehr, das sollte doch wohl Grund zur Hoffnung sein.

Stattdessen schreibt Isquierda:

Wie vom Verein Manndat e.V. wird die Beschneidung – ein elementares Gebot jüdischen Glaubens – dort als Menschenrechtsverletzung und Angriff auf die Persönlichkeitsrechte von Jungs und Männern stigmatisiert und soll als Körperverletzung (Offizialdelikt) geahndet werden. Diese Forderung schafft es bei den Piraten vom Forum, dem Diskussionsbereich, dann auch noch ins wiki, sprich den Bearbeitungsbereich, um dort für jeden lesbar dem Antijudaismus eine neue Brutstätte zu bieten und salonfähig zu machen, was sonst im Ermessensbereich der Gläubigen liegt und als jüdische Tradition selbst unter säkularisierten Juden, Atheisten und Menschenrechtlern anerkannt ist. Die WHO hat eine Empfehlung zur Beschneidung von Jungs und Männern ausgesprochen, da ein Nutzen dieses Verfahrens zur AIDS-Prävention angenommen wird. Eine irgendwie geartete Kritik an Beschneidungen wird kaum rational und demokratisch zu begründen sein. [Hervorhebungen von mir.]

Ich denke, Isquierda sollte ihrerseits mal begründen, weshalb die Beschneidung – trotz Erfüllung der Tatbestandsmerkmale – keine Körperverletzung und kein Angriff auf das Persönlichkeitsrecht von Jungs und Männern sein soll. Der bloße Umstand, dass es sich um eine jüdische, muslimische oder sonstige Tradition handelt, reicht da nicht aus.

Isquierda hält allerdings eine weitergehende Begründung für überflüssig, denn:

Zudem ist denen mit Demokratiekompetenz klar, dass ein Recht auf freie Religionsausübung, zu der im jüdischen Leben die Beschneidung der männlichen Kinder elementar dazu gehört, als wichtiger anzusehen ist, als die verwirrten Zustandsbeschreibungen wildfremder Männer in irgendeinem Forum, die sich ahnungs- und talentfrei unbewusst antisemitischer Vorstellungen bedienen, um vermeintliche Menschenrechtsverletzungen an Jungs und Männern in der BRD unter Strafe zu stellen, die so eigentlich nur Juden in Ausübung ihrer Religion begehen können. 

Ich nehme an, Isquierda hält die Beschneidung für harmlos und medizinisch eher nützlich, weshalb durch ein Verbot die Religionsfreiheit unangemessen eingeschränkt würde. Nur, wie gesagt, das HIV/AIDS-Argument zieht nicht, dazu braucht es keine Säuglings- oder Kinderbeschneidung. Eine Beschneidung „schafft Fakten“, die später nicht mehr rückgängig zu machen sind. Natürlich ist dies ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Kindes. Sollte es triftige medizinische Gründe dafür geben, wäre dies gerechtfertigt – in diesem Fall hätten die Vorteile der Beschneidung allerdings schon deutlich zutage treten müssen, was meines Wissens nicht der Fall ist. Auch der bloße Hinweis auf hygienische Vorteilhaftigkeit kann meines Erachtens in Anbetracht der Schwere des Eingriffs nicht als Rechtfertigung dienen, schließlich ist Hygiene auch mit weniger drastischen Mitteln erreichbar.

Außerdem ist bei Argumentationen wie der von Isquierda offensichtlich, dass es in Wirklichkeit gar nicht um medizinische Vorteile geht, sondern um die Rechtfertigung eines traditionellen Rituals. Ich halte es für barbarisch, wehrlosen Kindern „aus Tradition“ am Penis oder an den Schamlippen herumzuschneiden.

Umgekehrt ist gegen eine freiwillige Beschneidung Erwachsener nichts einzuwenden. Ich würde eine fachgerecht durchgeführte Beschneidung auch – selbst bei Kindern – nicht als „Verstümmelung“ bezeichnen.

Konsequenzen für Muslime und Juden

Nun zu den Konsequenzen, die ein Beschneidungsverbot für Muslime und Juden hätte – und zwar in dieser Reihenfolge, denn die Zahl der Muslime in Deutschland wird auf ca. 3,3 Millionen geschätzt, während die Zahl der Juden ca. 106.000 beträgt. Es gibt also in Deutschland mehr als 30mal so viele Muslime wie Juden.

Ein Verbot der Kinderbeschneidung wie oben diskutiert würde Muslimen und Juden nicht die Beschneidung als solche verwehren, sondern lediglich die zwangsweise Beschneidung von Säuglingen und Kindern. Der Staat hat meines Erachtens sehr wohl das Recht, sicherzustellen, dass die Entscheidung über die Beschneidung selbst getroffen wird.

Die Religiösen haben sich im Rahmen der für alle geltenden Gesetze zu bewegen. Ein Verbot der Säuglings- und Kinderbeschneidung leitet sich direkt aus dem Schutz der Menschenwürde ab und kann auch durch das Menschenrecht auf Religionsfreiheit nicht gerechtfertigt werden, weil man Religionsfreiheit nur für sich selbst in Anspruch nehmen kann – aber nicht, um die eigene Religion an anderen Menschen ohne deren Einwilligung zu praktizieren. Zwar haben die Eltern das Recht auf religiöse Erziehung, damit kann aber nicht das Abschneiden von Körperteilen gemeint sein.

Wenn dies traditionellen Vorschriften widerspricht, dann müssen Säuglinge und Kinder erst recht davor geschützt werden.

Praktische Durchsetzung und Diskussion

In der Praxis halte ich ein Verbot der Säuglings- und Kinderbeschneidung auf absehbare Zeit für nicht durchsetzbar. Aber eine Diskussion darüber halte ich für wünschenswert. Sie würde nämlich deutlich machen, dass Religionen auch heute noch barbarische Praktiken vorschreiben und den humanitären Fortschritt bremsen. Wer Säuglinge oder Kinder beschneiden will, der sollte einem permanenten Rechtfertigungsdruck ausgesetzt sein.

In dieser Diskussion müsste dann allerdings auch die Frage erörtert werden, die sich bei der Mädchenbeschneidung ergibt: Würde ein Verbot nicht dazu führen, dass Beschneidungen weiterhin vorgenommen werden – aber unter schlechteren hygienischen Bedingungen, da im Verborgenen? (Ich halte dieses Problem für bewältigbar.)

Ein anderer Punkt, der unter Umständen eine Rolle spielen könnte: Auch für das in Deutschland übliche „Ohrenanlegen“ bei Kindern mit abstehenden Ohren gibt es keine medizinische Indikation. Demzufolge wäre es im Grunde auch als Körperverletzung einzuschätzen. Das Argument, die Kinder würden sonst gehänselt, erscheint mir zweischneidig: Dadurch, dass abstehende Ohren standardmäßig angelegt werden, werden diese ja erst recht zum Ausnahmefall gemacht. In anderen Ländern wie hier in Singapur scheint man mit abstehenden Ohren überhaupt kein Problem zu haben.

Ich erwähne dies deshalb, weil – analog zur Ausnahmegenehmigung beim Schächten – zugunsten der Säuglingsbeschneidung argumentiert werden könnte, dass das Ohrenanlegen ebenfalls nicht medizinisch geboten ist, sondern nur dem traditionellen Ästhetikempfinden geschuldet ist. Wenn dieses erlaubt sei, könne man jenes in Anbetracht des hohen Stellenwertes der Religionsfreiheit nicht verbieten. (Ich halte diese Argumentation nicht für überzeugend, aber man muss natürlich aufpassen, Religiöse nicht schlechter zu stellen als andere.)

Umgang mit dem Thema

Wie man anhand Isquierdas Artikel sehen kann, ist das Thema „Verbot der Säuglings- und Kinderbeschneidung“ äußerst sensibel. Hier stehen zwei Interessen gegeneinander, die von mir und vielen anderen Atheisten hoch gewertet werden: Auf der einen Seite der Schutz von Kindern vor religiösen Auswüchsen (ein anderes Beispiel hierfür ist die Verweigerung medizinischer Hilfe für Kinder aus religiösen Gründen), auf der anderen Seite der Schutz von Minderheiten, d.h. in Deutschland Nicht-Mitglieder der beiden Großkirchen.

Trotzdem fällt die Entscheidung leicht: Minderheitenschutz oder Religionsfreiheit kann niemals die Beeinträchtigung Schutzbefohlener rechtfertigen.

Wie aber mit dem Thema umgehen? Ehrlich gesagt: Obwohl ich die Diskussion, wie oben gesagt, für wünschenswert halte, würde ich dieses Thema derzeit nicht proaktiv vorantreiben. Und zwar deshalb, um die Menschen im „Kampf der Kulturen“ nicht noch weiter auseinanderzutreiben. Solange in Deutschland in religiöser Hinsicht immer noch mit zweierlei Maß gemessen wird, hat es einen faden Beigeschmack, wenn plötzlich ein Thema gepusht wird, das in der Praxis ausschließlich Muslime und Juden im Kern ihrer Religion beeinträchtigt, so gerechtfertigt und notwendig ich dies auch halte. Es sollte meines Erachtens zunächst einmal weitgehend „gleiches Recht für alle“ durchgesetzt werden – und zwar nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Praxis! (Dies ist allerdings nur meine persönliche Meinung und es gibt ehrenwerte Gründe, anderer Auffassung zu sein.)

Wenn das Thema zur Sprache kommt, sollte allerdings auf die oben angesprochenen Punkte hingewiesen werden:

  • Unfreiwillige Beschneidung ist Körperverletzung.
  • Ein Verbot der Beschneidung von Kindern und Säuglingen leitet sich unmittelbar aus dem Schutz der Menschenwürde ab.
  • Religionsfreiheit kann nur für sich selbst beansprucht werden, aber nicht als Rechtfertigung für die Beschneidung von Kindern und Säuglingen dienen.
  • Wenn irgendeine Tradition die Beschneidung von Kindern und Säuglingen fordert, dann müssen die Kinder erst recht davor geschützt werden. Ausnahmeregelungen sind nicht angebracht.
  • Wenn ein Verbot der Beschneidung von Kindern und Säuglingen aus religiösen Gründen abgelehnt wird, dann zeigt das, wie Religion auch heute noch den humanitären Fortschritt bremst.

Als Sprachregelung würde ich den Begriff „Verbot der Beschneidung von Kindern und Säuglingen“ gegenüber „Beschneidungsverbot“ bevorzugen. Er ist zutreffender und macht gleich deutlich, worum es geht. Auch würde ich von Beschneidung „aus traditionellen Gründen“ sprechen anstatt „aus religiösen Gründen“, um einerseits wirklich alle etwaigen ungerechtfertigten Beschneidungsformen zu erfassen und andererseits deutlich zu machen, dass es nicht um Religionsfeindlichkeit geht.

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12 Responses to WHO spricht sich gegen Beschneidung von Säuglingen und Kindern aus

  1. Max Headroom sagt:

    Also ich frage mich hierbei, ob die Gesundheit oder das Recht auf den eigenen Körper tatsächlich überhaupt noch erwähnt wird 😉 .

    Der AIDS-Virus kümmert sich nicht besonders um die Vorhaut. Sie geht weder dort ’nen Kaffee trinken, noch spielt sie Schach mit ihr. In wiefern die Entfernung der Vorhaut nun „vor HIV schützt“, bleibt mir immer noch ein Rätsel. Denn laut den Quellen befinden sich in der Vorhaut eine besondere Form von T-Zellen, die vom Virus – wenn man mit einer erkrankten Person ungeschützen Geschlechtsverkehr ausübt – besonders „leicht“ eingenommen werden können. Dies allerdings als Begründung für eine Beschneidung zu nehmen ist meiner Meinung nach absolut lächerlich !
    Ein simples Stück Gummi um den Penis ist schon der größte Schutz vor einer Infektion, die man sogar kostengünstig realisieren kann. Das besondere ist, dass die Vorhaut dabei intakt bleiben kann und sich höchstens vor den Augen einer magischen Entität verantworten muss. Auf jedem Falle nicht vor einem Virus, denn er kommt aufgrund des Überzuges nicht in Kontakt mit den dort gelagerten T-Zellen.

    Somit bleiben wir wieder beim bekanntem Spielchen: Wenn ich einer Gruppe das „Recht“ beschränke, Körperteile abzuschnibbeln … was ist dann wichtiger ? Die Kinder und Säuglinge vor einer Verunstaltung oder gar Körperverletzung zu beschützen ? Oder doch das Absägen der Beine, das Zusammennähen von Schamlippen oder die Entfernung von Vorhäuten zuzulassen, damit Sekten Geistige ihre Privatspielchen ungehindert fortführen dürfen ? Wenn ja, weshalb ist (freiwilliger) Kannibalismus so geächtet, aber die Entfernung eines Körperteiles erwünscht ?

    Ich versteh‘ die Welt nicht mehr. Jeder Wissenschaftler wird klipp und klar sagen, dass die Vorhaut allerhöchstens das Risiko einer Infizierung minimieren, aber dem Virus sicherlich keine Gegenwehr bieten kann. Wie kann man dann noch mit Verstand behaupten, dass die Beschneidung von Kleinkinder dem Virus irgendwie Einhalt gebieten kann ? Das ist mir einfach nicht verständlich. Warum nicht gleich eine Sterilisation oder gar komplettabnahme eines Geschlechtsorganes vorrantreiben ? Wo nix ist, kann nix hinein ! Problem erledigt, AIDS ausgerottet. Und weil wir schon dabei sind … da Frauen in ihrer Brust besondere Zellen besitzen, die leichter zu Krebszellen mutieren können, empfiehlt die WHO die Amputation der Brüste und des Gewebes bei Säuglingen und Kinder. Applaus ! Eine Logik, die aus der Steinzeit stammt ! Als damals vorsorglich Löcher in den Köpfen gebohrt wurden, damit böse Migränegeister schneller entkommen konnten.

    Und das antisemitische Element kann getrost ebenfalls runtergespült werden. Es interessiert hier herzlichst wenig, welche Geister an welchen Orten der Welt ihre Vorhäute an die Wäscheleine hängen sehen möchten. Wenn Kinder und Säuglinge aus berechtigtem Grunde nicht die Möglichkeit besitzen, den Bundestag wählen zu dürfen, dann haben sie sicherlich nicht die Möglichkeit, sich für/gegen eine Vorhaut entscheiden zu können. Wenn keine medizinische Notwendigkeit einer Entfernung besteht, dann sollen die Hände vom Geschlechtsteil weggenommen werden, bis die Person in ein Alter kommt, in der sie/er über den Körper frei „verfügen“ darf. Dann können soviele Vorhäute abgeschnibbelt werden, wie der Gott es für lustig findet. Der Wüstengott hat schon etliche Jahrtausende auf der Erde gewütet. Diese paar Jahre bis zur geistigen Reife kann er auch noch warten, bevor ein neuer Bund mit ihm geschlossen werden kann 😉 .

    Langer Text, kurze Aussage: Abschnibbeln im Kind/Säuglingsalter ist ein No-No ! Egal welcher Gott und welches Ritual da sich „eingeschränkt“ fühlt. Hier soll das Recht auf Unversehrtheit und der Gesundheit vor dem Recht auf Geisteranbeterei und ritueller Körperverletzung gesetzt werden. Erst ab einem bestimmtem Alter sollte das Kind bewusst und rechtskräftig die Erlaubnis geben dürfen, sich unter’s Messer begeben zu können. Wenn ein Gott hier seine Probleme hat, dann darf er getrost vor’s Gericht ziehen und sich beschweren. Bis dahin steht es der schneidwilligen Familie frei, sich bei Unzufriedenheit ein Land auszusuchen, in der rituelle Körperverletzungen als Teil der Religionsfreiheit akzeptiert oder gar gefördert werden 😛 .

  2. piepsi sagt:

    Ein toller Artikel, vielen Dank!

    Ich verfolge Isis Blog nun schon seit geraumer Zeit (bin ebenfalls durch Google Alert darauf aufmerksam geworden) und konnte summa summarum nur feststellen, dass sie sich an jeden kleinsten Strohhalm klammert, der Männer in irgendeiner Weise diffamieren könnte (deswegen auch ihre „Kritik“ gegen die Piratenpartei, welche aus logischen Gründen (Computer-/Technikaffinität) in der Mehrheit nunmal aus Männern besteht).
    Isis o.g. Blog bzw. Anrufung des Zentralrats der Juden ist nur wieder einmal eine scheinheilige, frustgesteuerte Masche, um irgendein Argument gegen Männer bzw. die Piratenpartei zu finden. Und es hört einfach nicht auf – warten wir ab, was ihr nächstes Blog bringt. Ich bin mir sicher, es ist wieder ein Genörgle über die bösen, bösen Männer (und alles, wobei irgendein Mann irgendeine eine klitzekleine Rolle spielt). Allein schon meine und Deine, lieber skyaddy, freie Meinungsäußerung hierüber ist für sie schon genug bzw. Bestätigung ihrer Meinung über Männer.

    Ich schrieb aus Reaktion über ihr letztes Blog mein erstes eigenes Blog. Was ist in ihrem Leben nur geschehen, dass sie solch einen Hass pflegt?

    Mit piratigen und atheistischen Grüßen,
    Piepsi

  3. skydaddy sagt:

    @piepsi: Ich muss ehrlicherweise sagen und tue dies hiermit auch gerne, dass ich nach einem kurzen Überblick über Isquierdas andere Überschriften nicht mehr den Eindruck habe, dass es sich hierbei um Gotteswahn handelt. Es scheint eher eine Art „Piratenwahn“ zu sein: Was die Piraten auch machen, es muss kritisiert werden!
    Das ist mir allerdings erst klar geworden, nachdem ich den obigen Eintrag bereits veröffentlicht hatte.
    Ihre Argumentation selbst ist – wenn vermutlich auch vorgeschoben – natürlich weiterhin in dem Punkt zu kritisieren, dass religiöse Tradition zum Maßstab für staatliche Gesetze – oder selbst die Diskussion darüber – gemacht wird.

    Ich kritisiere hier ja auch gerne, viel und plakativ. Ich hoffe aber, dass meine Kritik in der Sache nachvollziehbar ist. Vom Ton her erfordert das Medium „Blog“ m.E. plakative Zuspitzungen. Außerdem – da halte ich es mit Richard Dawkins und Sam Harris – müssen die Dinge auch mal beim Namen genannt werden.

  4. […] WHO spricht sich gegen Beschneidung von Säuglingen und Kindern aus […]

  5. […] – Spiegel: Landgericht Köln | Beschneidung aus religiösen Gründen ist strafbar – Welt Online: Gericht verurteilt Beschneidung als Körperverletzung – Financial Times Deutschland: Gericht stellt religiöse Beschneidung unter Strafe – Legal Tribune: Religiöse Beschneidungen von Jungen verboten – Spiegel: Muslime fühlen sich kriminalisiert – Spiegel: Bischöfe kritisieren Urteil gegen Beschneidungen – Spiegel: Westerwelle kritisiert Urteil gegen Beschneidungen – haGalil: Das Kölner Urteil – Chajms Sicht: Klares Signal – JudenTUN: Schon gehört? Juni III (erster Abschnitt) – Skydaddy’s Blog: WHO spricht sich gegen Beschneidung von Säuglingen und Kindern aus […]

  6. Rolf Stöckel sagt:

    Ich meine, es geht bei dem Streit weder um das Grundrecht der freien Religionsausübung (die es nun mal für religionsunmündige Kinder gar nicht geben kann) noch um das Elternrecht auf religiöse Erziehung (was hat die mit einem Stückchen Penisvorhaut zu tun).
    Es geht bei dem Streit um die Freiheit der Macht und des politischen Einflusses von Religionsgemeinschaften, die für sich rechtsfreie Räume behaupten wollen, die über rechtsstaatliche Regeln stehen. Sie sprechen von „göttlichen Geboten“, die, auch wenn sie über 4 Jahrtausende alt sind, von Menschen gemacht wurden und sprechen gleichzeitig demokratisch legitimierten Gesetzen die Geltung ab, wenn ihre eigenen Regeln und Rituale durch andere Grundrechte in Frage gestellt werden. Sie geben vor, für alle Mitglieder oder Gläubigen einer Religion sprechen zu können, obwohl es unter diesen meist unterschiedliche Auffassungen über ihre Religionsausübung gibt.

    Entscheidend ist aber m.E. die Verpflichtung durch die UN-Kinderrechtekonvention, die von Deutschland und über 50 Mitgliedsstaaten ratifiziert wurde und die im Artikel 24 lautet:

    „Die Vertragsstaaten haben alle wirksamen und geeigneten Maßnahmen zu treffen, um überlieferte Bräuche, die für für die Gesundheit der Kinder schädlich sind, abzuschaffen.“

  7. Bernhard Gutsche sagt:

    „Immerhin steinigen die Juden ja auch keine ungehorsamen Kinder oder Hexen mehr…“ allein so ein Zitat in diesem Zusammenhang macht vieles kaputt, was hier an hehren Motiven behauptet wird.
    Aber es geht mir auch um die Argumentation an sich:
    Die Überschrift behauptet etwas („WHO spricht sich gegen Beschneidung von Säuglingen und Kindern aus“), was im Text gar nicht belegt wird, weil man sich auf eine Studie bezieht, in der es nicht um die Frage geht, ob Säuglinge und Kinder beschnitten werden dürfen – sondern um ein religionsneutrales und kulturübergreifendes Kampagnen-projekt im Kampf gegen HIV – welches sich an Erwachsene richtet.
    Letztlich bleibt dem Blogschreiber für sein Thema nur das ‚argumentum ex silentio‘, welches aber in der Logik (und damit auch in den Wissenschaften und in der Rechtslehre) als ’scheinlogisch‘ verboten ist. (Man kann nicht etwas als belegt behaupten, weil in der Quelle nicht vom Gegenteil steht.) Die WHO lässt sich mit den oben angeführten Zitaten nicht zum Zeugen für die eigene Meinung machen, auch nicht implizit.
    Interessanterweise wird im Blogtext mit dem Wort ‚implizit‘ die Behauptung der Überschrift abgeschwächt, wo doch die Überschrift ohne diese Einschränkung auskommt. Den Stil kennt man sonst aus der Werbung oder der Demagogie.
    Man kann zur religiösen Beschneidung vieles einwenden, aber man muss sauber bleiben, gerade wenn man im Namen der Aufklärung und der Menschenrechte zu sprechen beabsichtigt.

    • Skydaddy sagt:

      Die WHO sagt ausdrücklich, dass die Beschneidungen freiwillig mit wohlinformierter Einwilligung stattfinden müssen. Das heißt nichts anderes, als dass sie nicht ohne Einwilligung stattfinden darf, wie es bei der Beschneidung von Kindern der Fall ist.

      Da die WHO-Position regelmäßig fälschlich zur Rechtfertigung der Beschneidunhg von Kindern angeführt wird, halte ich die Überschrift für absolut gerechtfertig.

  8. Bernhard Gutsche sagt:

    Gewiss wäre es falsch, zu behaupten, dass die WHO-Studie für Beschneidung von Kindern werbe. Wo das passiert (ich habe es so noch nicht gelesen), soll man widersprechen.
    Aber die gegenteilige Behauptung – WHO spräche sich gegen die Beschneidung von Kindern und Säuglingen aus – wird damit nicht wahrer, zumindest nicht in der aktuellen Diskussion religiöser Beschneidung von männlichen Säuglingen oder Kindern. Denn die WHO-Studie verhandelt dies überhaupt nicht und kann sich schon daher nicht dafür oder dagegen aussprechen. Und so geht Ihr wiederholter Hinweis, dass die WHO in ihrem Programm auf Freiwilligkeit und Informiertheit setzt, an dem Thema religiöser Beschneidung vorbei.
    Wenn die WHO-Studie dennoch in der aktuellen Diskussion eine Rolle spielt, dann in der ihr durch einige statische Erhebungen zugrunde liegenden These, dass Beschneidung im Blick auf bestimmte Krankheiten eine Schutzwirkung habe. Damit ist sie ein Gegenargument gegen die Meinung, dass Beschneidung medizinsch eher schädlich sei. Man hat also die WHO-Studie gegen sich, wenn man seine Ablehnung der Beschneidung von Jungen damit begründet, dass sie medizinisch gesehen eine Beeinträchtigung wäre.
    Hier liegt keine fälschliche Inanspruchnahme der WHO-Studie vor.

  9. […] ihre Haltung überdenkt, weil Studien ergeben haben, dass die AIDS-Prophylaxe nicht haltbar ist. Skydaddy hat hierzu […]

  10. Akademiker sagt:

    Der WHO-Empfehlung sollen drei in Afrika durchgeführte Studien zu Grunde liegen, welche vorzeitig abgebrochen wurden, weil die Aussagen eindeutig wären. Das ist falsch!

    Mathematisch ist nicht nur die veröffentlichte Aussage, dass „die Beschneidung rund 60% der Männer vor HIV/AIDS schützt“ möglich. Vielmehr kann man aus den Daten auch herleiten, dass sich „die Beschnitten zeitverzögert um 9 Monate in etwa gleichem Umfang wie die Unbeschnittenen“ infizieren.

    Eine Studie sollte jedoch eine eindeutige Aussage herbeiführen, um brauchbar zu sein. In diesem Fall müsste die Studie nicht abgebrochen, sondern fortgeführt werden, um eine der widersprüchlichen Aussagen zu widerlegen.

    Da die Studien nicht brauchbar sind, ist auch die WHO-Empfehlung sinnlos!

  11. […] Gefährdung eben nicht aus. Es lohnt sich allerdings, die Empfehlung der WHO (dazu auch dieser Text) genauer anzusehen, auf die sie sich wohl beruft: Diese bezieht sich auf Untersuchungen in […]

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