Hey, Margot Käßmann, tralleri trallera trallehoppsassa

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, äußerte sich kürzlich in einem Kamingespräch mit dem Sender Phoenix (Ausstrahlung morgen, Sonntag, 13 und 22:30 Uhr) wie folgt zur evangelikalen Bewegung:

Diese sei „Teil unserer Kirche“ und stärker einem fundamentalistischen Flügel zugeordnet. Zugleich wandte die Bischöfin sich gegen einen Fundamentalismus, der andere herabwürdige und deshalb nicht mehr dem Christentum entspreche: „Wenn es anfängt, in eine fast kriegerische Sprache überzugehen, dann ist das nicht mehr akzeptabel. Da ist ein Punkt erreicht, der mit unserer evangelischen Kirche nicht mehr vereinbar ist. (…) Es gibt solche Gruppen. Die würde ich dann aber nicht mehr auf dem Boden unserer Grundsätze sehen.“

Kriegerische Sprache nicht mit der evangelischen Kirche vereinbar?

Schon mal was vom „Herrn Zebaoth“ gehört, Bischöfin Käßmann? Eine Bezeichnung für Gott. Kommt 274 mal in der Bibel vor. Es bedeutet „Herr der Heerscharen„. In der katholischen Einheitsübersetzung wird es mit „Herr der Heere“ übersetzt.

Bei den Psalmen muss man auch nicht lange suchen, um kriegerische Sprache zu finden (und hier habe ich Psalm 2 schon übersprungen):

[Psalm 3] […] 2Ach HERR, wie sind meiner Feinde so viel
und erheben sich so viele gegen mich! […]
4 Aber du, HERR, bist der Schild für mich, […]
7 Ich fürchte mich nicht vor vielen Tausenden,
die sich ringsum wider mich legen.
8 Auf, HERR, und hilf mir, mein Gott! /
Denn du schlägst alle meine Feinde auf die Backe
und zerschmetterst der Gottlosen Zähne. […]

[Psalm 7] […] 11 Gott ist der Schild über mir,
er, der den frommen Herzen hilft.
12 Gott ist ein gerechter Richter
und ein Gott, der täglich strafen kann.
13 Wahrlich, wieder hat einer sein Schwert gewetzt
und seinen Bogen gespannt und zielt.
14 Doch sich selber hat er tödliche Waffen gerüstet
und feurige Pfeile bereitet. […]

Soviel nur kurz zu den Psalmen. Frau Käßmann, ich nehme an, sie merken, worauf ich hinaus will.

Jetzt werden Sie bestimmt einwenden, das sei alles aus dem Alten Testament. Na gut, schauen wir mal, welcher Sprache sich das Neue Testament bedient. Mir kommt die Offenbarung in den Sinn:

 11 Und ich sah den Himmel aufgetan; und siehe, ein weißes Pferd. Und der darauf saß, hieß: Treu und Wahrhaftig, und er richtet und kämpft mit Gerechtigkeit. […] 14 Und ihm folgte das Heer des Himmels auf weißen Pferden, […]. 15 Und aus seinem Munde ging ein scharfes Schwert, dass er damit die Völker schlage; und er wird sie regieren mit eisernem Stabe; und er tritt die Kelter, voll vom Wein des grimmigen Zornes Gottes, des Allmächtigen, 16 und trägt einen Namen geschrieben auf seinem Gewand und auf seiner Hüfte: König aller Könige und Herr aller Herren. […]

19 Und ich sah das Tier und die Könige auf Erden und ihre Heere versammelt, Krieg zu führen mit dem, der auf dem Pferd saß, und mit seinem Heer. 20 Und das Tier wurde ergriffen und mit ihm der falsche Prophet […]. Lebendig wurden diese beiden in den feurigen Pfuhl geworfen, der mit Schwefel brannte. 21 Und die andern wurden erschlagen mit dem Schwert, das aus dem Munde dessen ging, der auf dem Pferd saß. Und alle Vögel wurden satt von ihrem Fleisch.

Und natürlich Jesus selbst:

Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. [Mt 10, 34]

Hier noch einmal die Behauptung von Frau Käßmann: „Wenn es anfängt, in eine fast kriegerische Sprache überzugehen, dann ist das nicht mehr akzeptabel. Da ist ein Punkt erreicht, der mit unserer evangelischen Kirche nicht mehr vereinbar ist. (…) Es gibt solche Gruppen. Die würde ich dann aber nicht mehr auf dem Boden unserer Grundsätze sehen.“

Überheblichkeit ist unchristlich?

Zugleich wandte die Bischöfin sich gegen einen Fundamentalismus, der andere herabwürdige und deshalb nicht mehr dem Christentum entspreche. 

Kennt Frau Käßmann Jesu Wehrufe „Gegen die Schriftgelehrten und Pharisäer“ aus dem Matthäusevangelium nicht? Nie was von „Schlangen und Otterngezücht“ gehört? Wenn ich Frau Bischöfin ein wenig auf die Sprünge helfen darf:

[Mt 23] 13 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, […] 16 ihr verblendeten Führer, […] 23 ihr Heuchler, […] 25 ihr Heuchler, […]. 26 Du blinder Pharisäer, […] 27 ihr Heuchler, […] 28 innen seid ihr voller Heuchelei und Unrecht. […] 29 ihr Heuchler, […] 33 Ihr Schlangen, ihr Otternbrut!

Derartige Beschimpfungen kenne ich selbst von Evangelikalen nicht. Dann schon eher vom großen Meister Dr. Martin Luther, der Traktate schrieb wie „Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern„, „Wider das Papsttum zu Rom, vom Teufel gestiftet„, oder „Von den Juden und ihren Lügen„. Letzteren Text (als deutschen Volltext)  habe ich nur auf dubiosen Webseiten gefunden, auf die ich nicht verlinken wollte. (Englische Fassung hier.)

„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“

Wer von sich selbst behaupte, er sei im Besitz der Wahrheit, entspreche „nicht mehr unseren religiösen Grundüberzeugungen“, so die EKD-Vorsitzende.

Dann entspricht Jesus wohl auch nicht mehr ihren religiösen Grundüberzeugungen? Schließlich sagt er, in einem nicht ganz unbekannten Ausspruch: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ (Joh. 14,6) Selbst, wenn wir für Jesus eine Ausnahme machen und sagen, ER darf so etwas sagen – wie soll jemand, der an Jesus glaubt, nicht behaupten, er sei im Besitz der Wahrheit – und zwar der Wahrheit und nicht bloß einer unter mehreren? Jesus sagt, er sei die Wahrheit und nicht irgendeine, und schließlich kommt ihm zufolge auch niemand zum Vater als durch Jesus. Glaubt Frau Käßmann das eigentlich nicht?

Damit nicht genug, das Augsburger Bekenntnis, eine noch heute verbindliche Bekenntnisschrift der lutherischen Kirchen, die man sich auf der EKD-Website anschauen kann, spricht genau die Sprache derer, die glauben, im Besitz der Wahrheit zu sein. In Anbetracht der Vielzahl der „Verdammungen“ und „Verwerfungen“ hier nur drei Beispiele (wörtliche Zitate):
  • „Damit werden die verworfen, die die Erbsünde nicht für eine Sünde halten“ [Art. 2]
  • „Deshalb werden die verworfen, die lehren, daß die Kindertaufe nicht richtig sei.“ [Art. 9]
  • „Deshalb werden die verworfen, die lehren, daß die Teufel und die verdammten Menschen nicht ewige Pein und Qual haben werden.“ [Art. 17]

Entgegen der eigenartigen Behauptung von Frau Käßmann entspricht es durchaus religiösen Grundüberzeugungen, ja es ist geradezu typisch für sie, dass man sich im Besitz der Wahrheit wähnt.

Offenbar macht Margot Käßmann sich die Welt, wie sie ihr gefällt.

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7 Responses to Hey, Margot Käßmann, tralleri trallera trallehoppsassa

  1. verquer sagt:

    Aber skydaddy. Die Menschen haben damals halt etwas militanter gesprochen und das dürfen wir weder diesen noch der Bibel vorwerfen. Ausserdem reißt Du doch das Bibelzitat aus dem Kontext. Die eigentliche Bedeutung lautet nämlich:

    Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert, welches ihr dann zum Pflug umschmieden sollt, auf dass ihr selbst Frieden schafft.

    • skydaddy sagt:

      verquer, Du machst bestimmt nur Spaß… Ich will aber meinen Punkt noch mal deutlich machen: Es geht mir (ausnahmsweise) nicht darum, die Sprache der Bibel zu krisisieren, sondern ich kritisiere, dass Frau Käßmann sich Behauptungen ausdenkt, die ziemlich offensichtlich nicht haltbar sind. Frau Käßmanns Punkte (keine kriegerische Sprache, keinen absoluten Wahrheitsanspruch und keine Herabwürdigung Andersdenkender) wären doch OHNE Berufung auf die Bibel viel glaubwürdiger als MIT.

    • dubiator sagt:

      Hallo verquer,
      dieses Zitat ist in der Tat verquer:
      „Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert, welches ihr dann zum Pflug umschmieden sollt, auf dass ihr selbst Frieden schafft.“
      Welche Bibelstelle soll das sein? Ich hab nur diese gefunden (voller Wortlaut, damit nicht wieder einer behauptet, das sei aus dem Kontext gerissen):
      „Ich bin gekommen, um auf der Erde ein Feuer zu entfachen, und ich wollte, es stünde schon in hellem Brand. Aber ich muß noch eine Taufe auf mich nehmen, und ich wünsche, ich hätte sie schon hinter mir. Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden in die Welt zu bringen? Nein, nicht Frieden, sage ich euch, sondern Entzweiung. So wird es von nun an zugehen: Wenn fünf Menschen in einer Familie zusammenleben, werden drei gegen zwei stehen und zwei gegen drei. Der Vater wird gegen den Sohn sein und der Sohn gegen den Vater. Die Mutter wird gegen die Tochter sein und die Tochter gegen die Mutter. Die Schwiegermutter wird gegen die Schwiegertochter sein und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.“
      (Lk 12; 49-53, zitiert nach: Die Bibel in heutigem Deutsch, Dt. Bibelgesellschaft 1982)
      Weitere menschenfreundliche Zitate gefällig? Bitte:
      http://dubiator.wordpress.com/2010/05/31/die-hasspredigt/

      • verquer sagt:

        @dubiator

        Ehm… Meine Antwort war ironisch gemeint. Kann man auch leich erkennen, wenn man sich den Namen meines Blogs vergegenwärtigt.

      • dubiator sagt:

        @verquer

        Ja wenn das so ist – Entschuldigung.
        Na, vielleicht kann das Zitat noch jemand anders brauchen.
        Nix für ungut, lieber verquer.

  2. Frau Käßmann,
    haben Sie jemals dieses eine Gebot Jesu Christi erfüllt, wo ER sagt gleich im Anfang und nach der Bergpredigt:“UMSONST hat ihr es empfangen,
    UMSONST gebt es auch“.
    Ihr sollt nicht Gold noch Silber, noch Erz in eurem Gürtel haben,u.s.w.
    Matthäus 10,8 /Apostelgeschichte 3,6
    Wissen Sie eigentlich, warum Jesus Christus seinen einen Jünger, Judas Ischariot, einen DIEB und einen TEUFEL nannte?
    Weil er dieses Gebot Jesu Christi nicht befolgte und „Spenden, Kollekten und den biblischen Zehnten“ nachjagte bei denen, die gekommen waren, von Jesus Christus Worte des Lebens und des Trostes zu hören.

    Des wahren Christus seine gelebte Religion des Geistes, und seine verkündete Lehre und Theologie des Heiligen Geistes, hat nichts mit dem irdischen Mammon etwas gemein.
    Gott sagt durch seinen Geist und durch die Geschichte:
    „Ihre Religion, wie die der Katholiken und der andern allen,die,die Judasreligion nachfolgen, ist nicht gegründet auf die LEGITIMATION und Auftrag Gottes, so wie Geist und Wort Gottes, das wahre Wort Gottes ist Christus, sondern auf den Geist des Irrtums,Geist der Welt,um des Mammon,Macht, Ehre Ruhm und Ländereinen wegen,
    1.Johannesbrief 4,2-6 / Judasbrief nicht d.Verr.
    die Ihresgleichen in Anmaßung und Selbsterwählung, den Mitglieder und Zuhörer abgenommen haben unter fadenscheinige Versprechungen vom Reich Gottes und Himmel.
    Gott sagt weiter durch seinen Geist:
    So wie der Gott Israels, die Worte und Versprechungen der falschen Propheten nicht bestätigt noch kommentiert hat,gleich so,
    wird Gott und sein Christus, die Worte und Zusagen der neutstamentlichen Mietlinge,Blinde Blindenleiter,
    falsche Prophetne und Antichristen bestätigen noch kommentieren, auch wenn sie der Bibel entnommen sind.
    Allein der Geist Gottes,
    macht den Christen und geistlichen Amtsträger zu dem,
    was Gott beschlossen hat durch die Zubereitung seiner wahren Diener und Theologen, die in seinem Geist, Auftrag und Legitimation, den Menschen das Heil in Jesus Christus verkünden dürfen.
    Tun Sie Buße und bekehren Sie sich zu Gott, wie Johannes der Täufer und Christus am Jordan gepredigt hat,doch da gab es selbsternannte „Fromme“ von denen heißt es:
    „Und alles Volk,das ihn hörte,und die Zöllner gaben Gott recht und ließen sich taufen mit der Taufe des Johannes.
    Aber die Pharisäer und ihre Schriftgelehrten der damaligen Amtskirche,verachteten GOTTES RAT wider sich selbst und ließen sich nicht von ihm taufen und bekannten auch nicht ihre Sünden.Lukas 7.29-30
    So geht es,damals wie heute! Peter Semenczuk
    Autor und Herausgeber christlich-theologischer Publikationen im Internet und Selbstverlag:UMSONST wie
    Christus seinen Jüngern und allen Christen geboten hat.

  3. Geier sagt:

    Bin gerade auf diesen Artikel hier gestoßen. Ich hatte damals einen ähnlichen geschrieben:

    http://www.geiernotizen.de/inakzeptabel

    Schade, ich damals den Teil des Citates, wo sich Frau K. gegen die Wahrheitsbesitzer wendet, übersehen habe, das hätte ich ja auch gar zu gern kommentiert.

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