Christliche Arroganz

Die Präses der EKD-Synode, Grünen-Politikerin und Vize-Bundestagspräsidentin Katrin Göring-Eckardt, hat den Sonntag als „ein Geschenk der Christen an die Gesellschaft“ bezeichnet, und der Sprecher der Unions-Innenminister, Volker Bouffier (evangelisch), hat Muslime zur Zurückhaltung beim Bau von von Moscheen aufgefordert. Dominante Bauwerke in könnten Ängste vor einer Islamisierung schüren. Die Muslime sollten darauf achten, die deutsche Bevölkerung nicht zu überfordern.

Was für eine Arroganz!

Erstens, Frau Göring-Eckardt, wird die Annahme von Geschenken üblicherweise nicht per Gerichtsentscheid durchgesetzt.

Zweitens: Wenn schon, dann ist der Sonntag ein Geschenk der Juden, von denen stammt schließlich die Idee, am siebenten Tage keine Arbeit zu tun (2. Mose 20,10). Das wäre mal eine Gelegenheit gewesen, die judäo-christliche Tradition zu beschwören, auf die wird doch sonst so gerne verwiesen. Selbst das Bundesverfassungsgericht zitiert in seinem Urteil, dass der „Rhythmus von Arbeit und Ruhe“ ein „zentraler Rhythmus der christlich-jüdischen Kultur“ sei (Randnummer 143). Und nichts zu danken, Frau Göring-Eckardt, für die Geschenke der Aufklärung – wie Freiheit, Emanzipation, Demokratie. Keine Ursache!

Drittens, Herr Bouffier, haben die beiden christlichen Großkirchen selbst niemals Zurückhaltung an den Tag gelegt – ganz im Gegenteil! Sie fordern regelmäßig nicht nur das, was ihnen tatsächlich oder vermeintlich zusteht, sondern dreist noch darüber hinaus – und leider wird ihnen das von christlichen Politikern, Herr Bouffier, meistens auch noch gewährt.

Kleines Beispiel gefällig? Im Grundgesetz heißt es, die Staatsleistungen an die Kirchen sollen abgelöst werden. In Landesverfassungen steht dann aber oft drin, dass die Staatsleistungen beibehalten werden. In den Staat-Kirche-Verträgen wird dann festgelegt, dass die Leistungen mit der Zeit ansteigen, und dass diese Regelungen nur in gegenseitigem Einvernehmen geändert werden können.

Anderes Beispiel: Im Grundgesetz heißt es, soweit das Bedürfnis nach Gottesdienst und Seelsorge beim Militär besteht, sind die Religionsgesellschaften zur Vornahme religiöser Handlungen zuzulassen. Im Militärseelsorgevertrag wurde dann festgelegt, dass der Staat u.a. pro 1.500 Soldaten der jeweiligen Konfession – natürlich nur evangelische oder katholische – einen Militärgeistlichen (plus Pfarrhelfer) aus allgemeinen Steuergeldern bezahlt. Und das, obwohl die Soldaten Kirchensteuer zahlen wie andere Kirchenmitglieder auch. Das geht über die im Grundgesetz vorgesehene „Zulassung“ weit hinaus. Damit aber noch nicht genug: Gegenwärtig gibt es etwa doppelt so viele Militärgeistliche, wie im Vertrag vorgesehen – etwa einen pro 750 Soldaten der jeweiligen Konfession.

Herr Bouffier, die christlichen Großkirchen überfordern die Bevölkerung – sprich: den Steuerzahler – seit Jahrzehnten!

Aber was rede ich von solchen weitgehend unbekannten Dingen – wir brauchen uns ja bloß an die „Pro Reli“-Kampagne dieses Jahr zu erinnern. Weitgehend staatlich bezahlter Religionsunterricht war den Kirchen natürlich nicht gut genug, nein, der Besuch des Religionsunterrichtes sollte darüber hinaus auch noch „zeitneutral“ vom Besuch des Ethikunterrichtes entbinden.

Nein, Herr Bouffier – von Angehörigen der christlichen Großkirchen brauchen sich die Muslime in Deutschland fürwahr keine Zurückhaltung nahelegen zu lassen. Da sollten Sie lieber selbst mit gutem Beispiel vorangehen! Und solange noch Judensäue an etlichen deutschen Kirchen sind, erzählen Sie bitte nichts von Ängsten, die durch Moscheen geschürt werden.

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