Ketzerpodcast: Das Kirchenschiff hat Schlagseite

19. April 2010

Ketzerpodcast vom 18.04.2010. Die Themen:

  • Dümmster Spruch der Woche von Nina Hagen
  • Von Molchen und Nacktschnecken
  • HU erwirkt Unterlassungsverfügung gegen Bischof Müller
  • Mixa in Nöten
  • Bistum Aachen blieb bei Missbrauchsfall untätig
  • Lob aus dem Vatikan für kriminelle Vertuschung
  • Sündenbock für Pädophilen-Einsatz in Ratzingers Bistum
  • Kontroverse um Titanic-Titelbild
  • Der “Gotteslästerungs-Paragraf” 166 StGB
  • Zitat der Woche

Die Folge kann hier direkt angehört werden:

Der Podcast kann hier abonniert werden.


Danke, IBKA!

14. April 2010

Noch einmal zur Anne-Will-Sendung: In ihr hatte Ruhrbischof Overbeck Homosexualität als Sünde und der Natur widersprechend bezeichnet – in Gegenwart der beiden bekennenden Homosexuellen Anne Will und Rosa von Praunheim.

Für diese Äußerung erhielt Bischof Overbeck Kritik quer durch das parteipolitische Spektrum.

Hierzu merkte der IBKA-Vorsitzende René Hartmann an: „Bischof Overbeck ist für seine herabsetzenden Äußerungen über Lesben und Schwule von Politikern zu Recht kritisiert worden. Diese Kritiker weigern sich aber zur Kenntnis zu nehmen, dass der Bischof lediglich die Grundsätze der katholischen Kirche dargelegt hat.“ Die Katholische Kirche werte gelebte Homosexualität in ihren Grundsatzdokumenten eindeutig als Sünde und könne sich dabei auf die Bibel berufen. Sinnvoller als eine folgenlose öffentliche Empörung über einzelne Kirchenvertreter seien konkrete Schritte zur Trennung von Staat und Kirche, erklärte Hartmann gemäß dem hpd.

Katechismus: Homosexualität „objektiv ungeordnet“

Anmerkung: Die folgenden Zitate stammen aus der aktuellen deutschen Übersetzung (2003) des lateinischen Katechismus von 1997. In der vorherigen Fassung fehlte die Aussage, Homosexualität sei „objektiv ungeordnet“. Leider findet sich auf der Vatikan-Website noch die ältere deutsche Übersetzung (1997), die die Änderungen der maßgeblichen lateinischen Ausgabe (ebenfalls 1997) noch nicht enthält.

In der Tat muss man angesichts einiger Äußerungen vermuten, dass die betreffenden Politikerinnen und Politiker sich gar nicht darüber im Klaren sind, dass die Katholische Kirche homosexuelle Neigungen als „objektiv ungeordnet“ beurteilt (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2358). Homosexuelle Handlungen „verstoßen gegen das natürliche Gesetz“, sind „in sich nicht in Ordnung“ und „auf keinen Fall zu billigen“ (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2357). „Homosexuelle Menschen sind zur Keuschheit gerufen.“ (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2359)

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Zum Statement von Erzbischof Zollitsch nach seinem Gespräch mit Papst Benedikt

14. März 2010

Pressemitteilung der ökumenischen NetzwerkInitiative Kirche von unten (IKvu)

12.03.2010. Frankfurt/Main

Zum Statement des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, nach seinem Gespräch mit Papst Benedikt:

Das Gespräch mit Papst Benedikt lässt keinen grundsätzlichen Wandel im Umgang mit diesem Thema erkennen. Seit vielen Jahren weist die IKvu auf die spezifische Problematik sexueller Gewalt in kirchlichen Räumen hin. Die Aufrichtigkeit von “Bestürzung” und “Entschuldigung” muss sich an konkreten Maßnahmen bzgl. Aufklärung, Prävention und Entschädigung messen lassen:

1. “Ehrliche Aufklärung, frei von falscher Rücksichtnahme” (Zollitsch) kann die Kirche intern nicht leisten. Nur eine unabhängige Kommission wie in Irland und seit dieser Woche in den Niederlanden kann qualifizierte Aufklärung garantieren und die Defizite jeder internen Untersuchung vermeiden.

Das Beharren auf einem allgemeinen “Runden Tisch”, der schon jetzt als Imagerettung der Kirche diskreditiert ist, vertieft das Misstrauen in den Aufklärungswillen der Kirche.

2. Die Mängel der sog. “Leitlinien” der DBK mahnt die IKvu seit deren Verabschiedung im Herbst 2002 an. Von einer “individuell angepassten menschlichen, therapeutischen und seelsorglichen Hilfe für Opfer und Angehörige” zu sprechen, geht an der Realität in vielen deutschen Bistümern vorbei. Noch immer werden Betroffene bei Kontaktversuchen unter Druck gesetzt und ihre Angaben in Zweifel gezogen.

3. Ebenfalls bereits seit 2002 fordert die IKvu die Einrichtung eines Runden Tisches “Sexuelle Gewalt in der Kirche” mit der Aufgabe, verbindliche Richtlinien zu erarbeiten, die auch eine Entschädigung und das strafrechtliche Procedere berücksichtigen. Es ist skandalös, angesichts der jahrezehntelangen Vertuschung jetzt die Kirche als Vorreiter auf diesem Gebiet darzustellen – und zugleich diese sensiblen Punkte gezielt auszusparen.

4. Die Betonung “verschiedener Rechtskreise” forciert die weitere Verschleierung von Verantwortlichkeiten. Es muss jetzt darum gehen, wer als Täter oder als Mitwisser diese Verbrechen verübt bzw. gedeckt hat und wer nun dafür Verantwortung übernimmt.

5. Verantwortung tragen in den deutschen Bistümern die Personalreferenten, Generalvikare und Diözesanbischöfe der betroffenen Bistümer. An prominenter Stelle war Joseph Ratzinger als Erzbischof von München und Freising und als Präfekt der Glaubenskongregation seit Jahrzehnten verantwortlich. Die Vorschrift von 2001, in der Verbrechen dieser Art ausdrücklich der Zuständigkeit der Glaubenskongregation zugeordnet werden und Geheimhaltung betont wird, trägt seine Unterschrift.

6. Ignoriert wird nach wie vor eine spezifische Ursache für sexuelle Gewalt in der römisch-katholischen Kirche: ein autoritäres Kirchenbild, das soziale, psychische und auch sexuelle Formen von Gewalt strukturell fördert.

Ein Zeichen, das gegenüber den Opfern und der Gesellschaft glaubwürdig Reue und Umkehr signalisiert, ist überfällig. Die IKvu fordert die deutschen Bischöfe nachdrücklich dazu auf, die bisherige Taktik zu verlassen und mutig auf die Opfer zuzugehen: Auf der Agenda stehen Aufklärung und Entschädigung für die Taten der Vergangenheit und wirksame präventive Maßnahmen für die Gegenwart.

Bernd Hans Göhrig
Bundesgeschäftsführer

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Initiative Kirche von unten (IKvu) ist ein ökumenisches Netzwerk von 38 Basisgemeinden, kirchen- und gesellschaftskritischen Gruppen in der Tradition des politischen Linkskatholizismus und -protestantismus und der Befreiungstheologie.


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