Papst schweigt monatelang über “Kondom-Erkenntnis” – bis zum Erscheinen seines Buches!

21. November 2010

Das ging aber schnell! Bereits anderthalb Jahre nach seiner Bemerkung

“Man kann das Aids-Problem nicht durch die Verteilung von Kondomen regeln. Ihre Benutzung verschlimmert vielmehr das Problem” (tagesschau.de)

scheint seiner Unfehlbarkeit, Papst Benedikt XVI., doch langsam zu schwanen, dass er sich mit solchen Aussagen zum Gespött der Welt macht. Vielleicht war das der Grund, dass sich der „Anwalt der Vernunft“ jetzt in dem Buch „Licht der Welt“ folgendermaßen äußerte:

Es mag berechtigte Einzelfälle geben, wenn etwa ein Prostituierter ein Kondom verwendet, und dies kann ein erster Schritt hin zu einer Moralisierung sein, ein erster Akt von Stück Verantwortung, um erneut das Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass nicht alles erlaubt ist und man nicht alles tun kann, was man möchte.„Des sei aber nicht die „eigentliche Art, das Übel der HIV-Infektion zu besiegen. Notwendig ist eine Humanisierung der Sexualität“ [domradio]

Für den „intellektuellen Papst“, der Kondome erst als schädlich und jetzt „in berechtigten Einzelfällen“ (ob er mit seinem Beispiel eines männlichen Prostituierten auf praktizierende Katholiken abzielt, ist nicht ganz klar) die Verwendung von Kondomen als „ersten Schritt zu einer Moralisierung“ usw. bezeichnete, steht natürlich das Wohlergehen der Menschen im Allgemeinen und der Katholiken im Speziellen an erster Stelle. Sollte man meinen. Szenen wie die folgende – an die erst erst kürzlich die ehemalige Kommilitonin Joseph Ratzingers, Uta Ranke-Heinemann erinnerte – will man schließlich lieber heute als morgen beenden, oder nicht?

 [A]m 7. August 2004 sah ich im BBC-World-Fersehen eine junge Afrikanerin verzweifelt weinen. Sie hatte gerade erfahren, dass sie sich bei ihrem AIDS-kranken Mann infiziert hatte. Der Reporter fragt erschrocken, warum sie denn kein Kondom benutzt habe? “Ich habe solche Angst vor dem ewigen Höllenfeuer, vor dem unser Pfarrer uns gewarnt hat.”

Der BBC-Reporter fragte daraufhin den afrikanischen Pfarrer, ob es stimme, dass er die Ehefrauen HIV-infizierter Männer vor der Hölle gewarnt habe, wenn sie ein Kondom benutzen. Der Pfarrer sagte: “Ja, auch bei Ansteckung und Todesgefahr sind Kondome nicht erlaubt. Ehefrauen, die sich bei ihrem AIDS-kranken Ehemann angesteckt haben, das sind die Märtyrerinnen für den Glauben unseres Jahrtausends.”

Bei aller Banalität seiner Äußerung – sie scheint einem Zugeständnis zu ähneln, dass die Erde unter Umständen vielleicht doch nicht völlig flach sein könnte – konnte sich Benedikt denken, dass sie weltweit als „Überraschung“, „kleine Revolution“, „historische Wende“ oder gar „Dammbruch“ empfunden werden würde.

Was macht der Mann? Er wartet, bis ein Journalist daher kommt, um ihn in seiner Sommerresidenz zu interviewen. Während sich nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation täglich 7.400 Menschen mit dem HIV infizieren, wartet der Papst in aller Seelenruhe (!) monatelang ab, damit diese Sensation pünktlich zum Erscheinen seines Buches an die Öffentlichkeit gelangt.

Allein dafür gehörte der Papst abgesetzt und – Herr Wulff! – ausgeladen!

Benedikt kann ja gerne weiter mit der Geschwindigkeit einer Kontinentalplatte Vernunft und Humanität hinterherkriechen. Er sollte bloß nicht hoffen, dass jemand auf ihn wartet.


WHO spricht sich gegen Beschneidung von Säuglingen und Kindern aus

27. Dezember 2009

Befürworter der Beschneidung weisen gerne auf eine Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO hin, die die Beschneidung von Männern als zusätzliche Maßnahme zur Vorbeugung gegen HIV/AIDS in Ländern mit hohen “heterosexuellen” HIV-Infektionsraten und geringen Beschneidungsraten bei Männern empfiehlt.

Was dabei meines Erachtens nicht ausreichend betont wird ist, dass die WHO sich nur auf die freiwillige Beschneidung erwachsener Männer bezieht:

Countries should ensure that male circumcision is provided with full adherence to medical ethics and human rights principles, including informed consent, confidentiality, and absence of coercion. [Hervorhebungen von mir.]

Mit anderen Worten: Die WHO fordert, dass die Beschneidung von Männern nur nach ausreichender Information, freiwilliger Zustimmung und ohne Zwang durchgeführt wird. Diese Kriterien können bei Säuglingen und Kindern nicht erfüllt sein.

Und um weiteren Missverständnissen vorzubeugen: An anderer Stelle heißt es:

A more rapid public health benefit will be achieved if age groups at highest risk of acquiring HIV are prioritized, although providing male circumcision services to younger age groups will also have public health impact over the longer term. [Hervorhebung von mir.]

Wenn hier von “jüngeren Altersgruppen” die Rede ist, zielt das nicht auf die Beschneidung von Kindern ab, sondern es geht hier um die Priorisierung von Altersgruppen, um den Effekt von Beschneidungsprogrammen zu maximieren. So berichtet der Spiegel zu diesem Thema, in Manhattan sei in einer Bevölkerungsgruppe jeder fünfte zwischen 40 und 50 Jahren HIV-infiziert. Dementsprechend würde man sich zu Beginn des Beschneidungsprogramms vor allem auf die entsprechende Altersgruppe konzentrieren, um dann im Verlauf des Programms auch jüngere Altersgruppen mit einzubeziehen – damit wäre aber hier “jünger als 40″ oder “jünger als 30″ gemeint. Offensichtlich wäre es Ressourcenverschwendung, im Zuge solcher Programme Säuglinge und Kinder zu beschneiden, die auf absehbare Zeit noch gar keinen Geschlechtsverkehr haben.

Damit spricht sich die WHO implizit gegen die Beschneidung von Säuglingen und Kindern aus: Wenn selbst mit der Begründung der HIV/AIDS-Vorbeugung die Beschneidung nicht ohne informierte Einwilligung und unter Zwang erfolgen darf, dann darf sie dies ohne den Zweck der Aids-Vorbeugung erst recht nicht. Jedenfalls kann die WHO-Empfehlung nicht zur Verteidigung der Säuglings- und Kinderbeschneidung herangezogen werden.

Persönliche Anmerkung: Ich frage mich: Wer bereit ist, sich aus Gründen der AIDS-Vorbeugung beschneiden zu lassen, der müsste doch auch willens und in der Lage sein, ein Kondom zu benutzen. Und ich vermute mal, dass es mit Kondom keine Rolle spielt, ob sich darunter eine Vorhaut befindet oder nicht. Aus präventivmedizinischer Sicht zumindest…

Hintergrund: Gotteswahn

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