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	<title>Skydaddy&#039;s Blog</title>
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	<description>&#34;Für mich auch im Urlaub unverzichtbar!&#34; - Erzbischof Robert Z. aus F.</description>
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		<title>Mutter Teresa, die Katholische Kirche und das Leid</title>
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		<pubDate>Fri, 08 Mar 2013 12:23:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gotteswahn]]></category>
		<category><![CDATA[Katholizismus]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Sterbehilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Euthanasie]]></category>
		<category><![CDATA[Leid]]></category>
		<category><![CDATA[Mutter Teresa]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Glorifizierung des Leidens war keine Marotte von Mutter Teresa, sondern ist offizielle katholische Lehre. Die Medien berichten derzeit über eine kritische Studie kanadischer Wissenschaftler über Mutter Teresa, z.B. hier: Mutter Teresa betete, statt zu helfen Ein Vorwurf – der allerdings nicht neu ist – lautet, Mutter Teresa habe das Leiden der Armen glorifiziert. „Es [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4573&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Glorifizierung des Leidens war keine Marotte von Mutter Teresa, sondern ist offizielle katholische Lehre.</strong></p>
<p>Die Medien berichten derzeit über eine kritische Studie kanadischer Wissenschaftler über Mutter Teresa, z.B. hier:</p>
<p style="padding-left:30px;"><a href="http://www.20min.ch/ausland/news/story/Mutter-Teresa-betete--statt-zu-helfen-19891834" target="_blank"><strong>Mutter Teresa betete, statt zu helfen</strong></a></p>
<p>Ein Vorwurf – der allerdings nicht neu ist – lautet, Mutter Teresa habe das Leiden der Armen glorifiziert.</p>
<blockquote><p>„Es liegt Schönheit darin, wie die Armen ihr Schicksal erdulden, wie Christus am Kreuz zu leiden“, sagte Mutter Teresa laut dem britischen Journalist Christopher Hitchens, der ein kritisches Buch über sie schrieb. „Die Welt gewinnt viel durch ihr Leiden.“ [<a href="http://de.nachrichten.yahoo.com/forscher-zerstören-den-mythos-mutter-theresa-130019114.html" target="_blank">Yahoo!</a>; Hitchens' Buch ist "<a href="http://www.amazon.de/Missionary-Position-Christopher-Hitchens/dp/0857898388/" target="_blank">The Missionary Position: Mother Teresa in Theory and Practice</a>", auch als <a href="http://www.amazon.de/The-Missionary-Position-Practice-ebook/dp/B007EPESOS/" target="_blank">Kindle-Version</a> und <a href="http://www.audible.de/pd/B007KSO1Q4" target="_blank">Audiobuch</a> erhältlich]</p></blockquote>
<p>Ich will nur kurz darauf hinweisen, dass Mutter Teresa damit ganz auf der offiziellen Linie der Katholischen Kirche zu liegen scheint. Auf <a href="http://kathpedia.de/index.php?title=Sterbehilfe#Palliativmedizin" target="_blank">Kathpedia.de</a> wird diese so zusammengefasst:</p>
<blockquote><p><strong>Die Christliche</strong> [Anmerkung: Gemeint ist wohl die <em>katholische</em>] <strong>Wertung sieht gerade im bewussten Todesleiden ein Mittel der Sühne und Reifung, durch das der Mensch, der die Sündenfolgen auf sich nimmt und von den Sakramenten gestärkt, des Erlösers Todesangst mitleidet.</strong> Wer solche Zeit eigenmächtig kürzt, greift in die Menschen- wie in die Gottesrechte ein.</p></blockquote>
<p>Als Beleg wird auf ein Schreiben der Kongregation für die Glaubenslehre verwiesen: <a href="http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_19800505_euthanasia_ge.html" target="_blank">Iura bona</a> von 1980. Darin heißt es:</p>
<blockquote>
<p align="center"><b>III.<br />
DIE BEDEUTUNG DES SCHMERZES FÜR DEN CHRISTEN UND DIE VERWENDUNG SCHMERZSTILLENDER MITTEL</b></p>
<p align="left">[...]</p>
<p align="left"><strong>Nach christlicher Lehre erhält der Schmerz jedoch, zumal in der Sterbestunde, eine besondere Bedeutung im Heilsplan Gottes. Er gibt Anteil am Leiden Christi und verbindet mit dem erlösenden Opfer, das Christus im Gehorsam gegen den Willen des Vaters dargebracht hat.</strong> Es darf deshalb nicht verwundern, wenn einzelne Christen schmerzstillende Mittel nur mäßig anwenden wollen, um wenigstens einen Teil ihrer Schmerzen freiwillig auf sich zu nehmen und sich so bewußt mit den Schmerzen des gekreuzigten Christus vereinigen zu können (vgl.<i>Mt </i>27,34). [...]</p>
</blockquote>
<p align="left">Dies wird im Anschluss sogar als &#8220;heroische Haltung&#8221; bezeichnet.</p>
<p align="left"><strong>Man sollte sich also darüber im Klaren sein: Die Vorstellung, dass (sterbende) Menschen, die leiden, irgendwie mit Jesus mitleiden, stellt nicht etwa eine spezielle Auffassung von Mutter Teresa dar, sondern vielmehr die offizielle katholische Lehre.</strong></p>
<p align="left">Immerhin:</p>
<blockquote>
<p align="left">Erlaubt ist der Gebrauch narkotischer Mittel, um große Schmerzen zu lindern, selbst dann, wenn sie den Eintritt des Todes beschleunigen. [<a href="http://kathpedia.de/index.php?title=Sterbehilfe#Palliativmedizin" target="_blank">Kathpedia</a>]</p>
</blockquote>
<p align="left">Andererseits:</p>
<blockquote>
<p align="left">Passive Sterbehilfe im Sinne von Zürückhaltung der Ernährung (Wasser etc.) ist nicht gestattet, auch nicht wenn die Nahrung durch eine Sonde in den Magen befördert werden muss. [<a href="http://kathpedia.de/index.php?title=Sterbehilfe#Passive_Sterbehilfe" target="_blank">Kathpedia</a>]</p>
</blockquote>
<p align="left">Weiter sollte man sich darüber klar sein, dass sich die katholische Kirche nicht damit zufrieden gibt, die obige Haltung den eigenen Mitgliedern zu predigen. <strong>Das Mitleiden mit dem christlichen Sündenbock Jesus soll möglichst per Gesetz auch allen Nichtchristen auferlegt werden.</strong> So <a href="http://www.dbk.de/presse/details/?suchbegriff=sterbehilfe&amp;presseid=2158&amp;cHash=635a5fcef513385c3499f5bab976c9a6" target="_blank">erklärte</a> die Deutsche Bischofskonferenz z.B. im September letzten Jahres:</p>
<blockquote>
<p align="left">Als ethisch verwerflich verurteilt [die katholische Kirche] die öffentliche Duldung oder Förderung jeder Form von institutionalisierter Suizidhilfe, deren hauptsächlicher Zweck darin besteht, Notleidenden eine schnelle und effiziente Möglichkeit für die Selbsttötung anzubieten. Ein gesetzliches Verbot lediglich des gewerbsmäßigen, also gewinnorientierten Handelns greift aus ihrer Sicht jedoch zu kurz, da eine solche Engführung sogar den Eindruck erwecken könnte, alle nicht kommerziellen Formen seien als legitim zugelassen.</p>
</blockquote>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/skydaddy.wordpress.com/4573/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/skydaddy.wordpress.com/4573/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4573&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Der große ProChrist-Gebetsbetrug?</title>
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		<pubDate>Sun, 13 Jan 2013 07:26:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kirchliche Propaganda]]></category>
		<category><![CDATA[Betrug]]></category>
		<category><![CDATA[Gebetsexperiment]]></category>
		<category><![CDATA[ProChrist]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf Pferderennbahnen oder beim Roulette werden Zuschauer dann und wann von Leuten angesprochen, die einen &#8220;todsicheren&#8221; Tipp versprechen – gegen Geld, versteht sich. Trotzdem geht derjenige, der sich darauf einlässt, kein Risiko ein, denn das Geld muss erst dann bezahlt werden, wenn die Vorhersage auch eingetroffen ist. Tatsächlich sprechen die Tippgeber natürlich viele Leute an [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4557&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_4562" class="wp-caption aligncenter" style="width: 460px"><a href="http://www.zweifeln-und-staunen.de/dein-wunsch-an-gott/allgemeine-infos"><img class="size-full wp-image-4562" alt="Gebetsexperiment" src="http://skydaddy.files.wordpress.com/2013/01/gebetsexperiment.png?w=450&#038;h=210" width="450" height="210" /></a><p class="wp-caption-text">Screenshot von der ProChrist-Werbeaktion</p></div>
<p>Auf Pferderennbahnen oder beim Roulette werden Zuschauer dann und wann von Leuten angesprochen, die einen &#8220;todsicheren&#8221; Tipp versprechen – gegen Geld, versteht sich. Trotzdem geht derjenige, der sich darauf einlässt, kein Risiko ein, denn das Geld muss erst dann bezahlt werden, wenn die Vorhersage auch eingetroffen ist.</p>
<p>Tatsächlich sprechen die Tippgeber natürlich viele Leute an und erzählen allen etwas anderes. Wenn sie genügend Dumme finden, gewinnen sie immer – einer ihrer &#8220;todsicheren&#8221; Tipps wird schließlich immer eintreffen.</p>
<p>Das große &#8220;<a href="http://www.zweifeln-und-staunen.de/dein-wunsch-an-gott/das-gebetsexperiment">Gebetsexperiment</a>&#8220;, bei dem der evangelikale Verein <a href="http://www.prochrist.org">ProChrist</a> derzeit Menschen aufruft, einen &#8220;Wunsch an Gott&#8221; einzusenden, für den dann von Christen gebetet werden soll, kommt der oben beschriebenen Betrugsmasche deutlich näher als einem Experiment.</p>
<p>2.000 Menschen stehen laut ProChrist als Beter bereit, das heißt, man richtet sich offenbar auf Tausende von Gebetswünschen ein. Bei einer 50 zu 50-Chance, dass der Wunsch durch bloßen Zufall eintritt, würde so die Hälfte derer, die sich überhaupt auf so ein &#8220;Experiment&#8221; einlassen, in ihrem Glauben an die Wirksamkeit von Gebeten bestärkt. Natürlich dürfte die tatsächliche &#8220;Ausbeute&#8221; etwas geringer ausfallen, aber selbst bei völliger Unwirksamkeit von Gebeten wird ProChrist <strong>rein aufgrund der statistischen Wahrscheinlichkeit, dass etliche dieser Wünsche durch bloßen Zufall erfüllt werden</strong>, massenhaft Leichtgläubige für den Glauben gewinnen.</p>
<p>Hinter die Überschrift – die sich übrigens an der Überschrift in Richard Dawkins&#8217; Buch &#8220;<a href="http://www.amazon.de/Der-Gotteswahn-Richard-Dawkins/dp/3548372325/">Der Gotteswahn</a>&#8221; zu der legendär gescheiterten <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Efficacy_of_prayer#cite_note-61">Templeton-Gebetsstudie</a> orientiert – habe ich ein Fragezeichen gesetzt. Ich will den Leuten von ProChrist und den Betern nicht pauschal bösen Willen unterstellen – ebenso wenig, wie davon ausgegangen werden kann, dass die meisten der Beteiligten den obigen Zusammenhang überhaupt durchschauen. (Der Grund, weshalb ich überhaupt etwas dazu schreibe ist, dass im Internet ofenbar noch niemand auf diesen Zusammenhang hingewiesen hat, also auch kein Atheist.) Zum <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Betrug_(Deutschland)">Betrugsvorwurf</a> würde vermutlich bereits die Absicht fehlen, den Getäuschten materiell zu schädigen.</p>
<p>Das ändert aber nichts daran, dass die Masche mit dem Gebetsexperiment nach genau dem selben Schema funktioniert wie der Betrug beim Pferderennen oder beim Roulette.</p>
<p>Diesen Punkt wollte ich machen, und ob man das als Betrug auffasst, kann ja jeder selber entscheiden.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/skydaddy.wordpress.com/4557/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/skydaddy.wordpress.com/4557/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4557&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Missbrauchsstudie: Sollte vor dem Salzgitter-Skandal noch schnell Aufklärungswille demonstriert werden?</title>
		<link>http://skydaddy.wordpress.com/2013/01/11/missbrauchsstudie-sollte-vor-dem-salzgitter-skandal-noch-schnell-aufklarungswille-demonstriert-werden/</link>
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		<pubDate>Fri, 11 Jan 2013 21:30:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kirchliche Propaganda]]></category>
		<category><![CDATA[sexueller Missbrauch]]></category>
		<category><![CDATA[Bistum Hildesheim]]></category>
		<category><![CDATA[Dr. Michael Lukas]]></category>
		<category><![CDATA[Heinz-Günter Bongartz]]></category>
		<category><![CDATA[Missbrauchsstudie]]></category>
		<category><![CDATA[Pädophilie]]></category>
		<category><![CDATA[Prof. Christian Pfeiffer]]></category>
		<category><![CDATA[Salzgitter]]></category>

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		<description><![CDATA[Es fällt auf, dass Bischof Ackermann am 13. Juli 2011 mit der Präsentation zweier Forschungskonzepte (darunter die offenbar vorschnell unterzeichnete Pfeiffer-Studie) Aufklärungswillen demonstrierte, zwei Tage bevor in Salzgitter ein pädophiler Priester verhaftet wurde, der bereits im Juni gegen ein Kontaktverbot verstoßen hatte und kurz darauf angezeigt worden war. In der Öffentlichkeitsarbeit ist das richtige Timing [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4548&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Es fällt auf, dass Bischof Ackermann am 13. Juli 2011 mit der Präsentation zweier Forschungskonzepte (darunter die offenbar vorschnell unterzeichnete Pfeiffer-Studie) Aufklärungswillen demonstrierte, zwei Tage bevor in Salzgitter ein pädophiler Priester verhaftet wurde, der bereits im Juni gegen ein Kontaktverbot verstoßen hatte und kurz darauf angezeigt worden war.</strong></p>
<p>In der Öffentlichkeitsarbeit ist das richtige Timing von großer Bedeutung. Rein professionell gesehen leistete <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Jo_Moore">Jo Moore</a> exzellente Arbeit, als sie am 11. September 2001, nachdem die beiden Flugzeuge ins World Trade Center geflogen waren – aber noch bevor die Türme zusammenstürzten – eine E-Mail an ihre Presseabteilung schickte mit den Worten:</p>
<blockquote><p>&#8220;Jetzt ist ein guter Tag, alles zu veröffentlichen, was wir begraben wollen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Professionelle Arbeit muss man auch dem Pressesprecher des Bistums Hildesheim bescheinigen, Dr. Michael Lukas: Vor fast genau einem Jahr wies ich darauf hin, dass im Bistum Hildesheim <a href="http://skydaddy.wordpress.com/2012/01/13/bistum-hildesheim-wissentlicher-einsatz-von-sexualtatern-1993-2009/">von 1993 bis Ende 2009 fast ununterbrochen Priester mit Kindern und Jugendlichen eingesetzt wurden, obwohl das Bistum von deren sexuellen Übergriffen wusste</a>. Trotzdem gelang es dem Bistum seit der Einstellung von Dr. Lukas als Pressesprecher, sich als Musterbistum in Sachen Missbrauch zu etablieren. Die Verlautbarungen des Bistums Hildesheim in Sachen Missbrauch sind meiner Einschätzung nach extrem raffiniert (siehe <a href="http://skydaddy.wordpress.com/2012/01/13/bistum-hildesheim-schone-leere-worte/">hier</a> und <a href="http://skydaddy.wordpress.com/2011/07/23/salzgitter-ein-stuck-aus-dem-lehrbuch/">hier</a>).</p>
<p>Beispielhaft sind die folgenden <a href="http://celleheute.de/domkapitular-es-wird-keinen-einsatz-von-schuldig-gewordenen-priestern-mehr-geben/">Ausführungen</a> des Hildesheimer Personalleiters Bogartz, die dieser 2010 gegenüber einer Gemeinde in Celle machte, nachdem herausgekommen war, dass dort jahrelang ein Missbrauchstäter eingesetzt war (Dr. Lukas saß daneben, als er sie machte):</p>
<blockquote><p>„Es ist wahr, dass Dechant [S.] 1995 in Ostdeutschland ein Missbrauchsverbrechen begangen hat. Es war eine befreundete Familie, bei der er übernachte hatte. Dabei kam es zu einem Übergriff gegen einen 12-jährigen Jungen. Acht Jahre später hat sich die Familie an den Ortsbischof gewandt. Die Familie wünschte ausdrücklich in Gesprächen mit der Bistumsleitung keine strafrechtliche Verfolgung des Falls und wünschte Verschwiegenheit. Das Bistum hat sehr deutlich mit Herrn [S.] gesprochen. <strong>Daraufhin</strong> ist ein psychologisches Gutachten erstellt worden, dass der Übergriff nicht aus einer pädophilen Neigung heraus geschehen sei.</p>
<p>Es ist außerdem bescheinigt worden, dass ein weiterer Einsatz in der Pfarrgemeinde ausdrücklich ohne Auflage möglich ist. Die deutsche Bischofkonferenz hat 2002 vier der besten Forensiker benannt, um die Kirche zu beraten und Gutachten zu erstellen. Heute sagen wir, dass diese Gutachten wahrscheinlich nicht in der Weise helfen, wie wir ihnen damals vertraut haben.</p>
<p>2003 ist von den damals Verantwortlichen entschieden worden, dass Hermann [S.] in der Gemeinde verbleibt.</p></blockquote>
<p>Wer käme dabei wohl auf den Gedanken, dass das psychologische Gutachten und die Therapie erst erfolgt sein könnten, <em>nachdem</em> S. aus Celle abberufen worden war? Das legen andere Informationen nahe, die ich bei Bedarf gerne nachliefere. Hier geht es nur um die Formulierungen:</p>
<p><em><span id="more-4548"></span></em></p>
<p>Die Hörer mussten glauben, das &#8220;Daraufhin&#8221; beziehe sich auf die Meldung des Missbrauchs. Tatsächlich bezieht es sich allerdings nur auf das &#8220;deutliche Gespräch&#8221; mit S. – und wann das stattfand, wird nicht gesagt.</p>
<p>Genauso wird zwar der Eindruck erweckt, die Entscheidung, S. 2003 weiter einzusetzen, sei aufgrund des Gutachtens gefällt worden. Tatsächlich wird das aber nicht gesagt.</p>
<p>Ich ziehe hier wirklich den Hut vor Dr. Lukas und Weihbischof Bongartz.</p>
<p>Wie raffiniert die Verantwortlichen des Bistums Hildesheim sind, wird auch daran deutlich, dass das Bistum bereits 2010 in anonymisierter Form bei der Staatsanwaltschaft anfragte, ob es strafrechtlich relevant sei, wenn ein Pfarrer mit einem Kind im Bett übernachtete. Als Missbrauchsbeauftragter musste Bongartz wissen, dass die Antwort der Staatswnwaltschaft nur &#8220;nein&#8221; lauten konnte. (Da das Übernachten im selben Bett an sich noch keine sexuelle Handlung darstellt.)</p>
<p>Wenn das Ergebnis sowieso von vornherein gestand – weshalb dann überhaupt die Anfrage bei der Staatsanwaltschaft? Es hat den Anschein, als ob die Verantwortlichen des Bistums sich damit lediglich selber absichern wollten, für den Fall, dass sich irgendwann herausstellen sollte, dass der Pfarrer eben doch sexuellen Missbrauch begangen habe sollte. Und als ein Jahr später der Priester tatsächlich verhaftet wurde, verwies Bongartz ja auch sofort auf die Auskunft der Staatsanwaltschaft, die er verantwortungsvoller Weise eingeholt hatte.</p>
<p>Das lässt sich unschwer so deuten, dass sich die Hildesheimer Bistumsleitung sich mit ihrer – an sich sinnlosen – Anfrage bei der Staatsanwaltschaft zwar <em>selbst</em> gegen spätere Vorwürfe abgesichert, die <em>Kinder</em> in L.s Gemeinde aber weiterhin dem Risiko des offensichtlich verdächtigen Priesters (weshalb sonst die Anfrage bei der Staatsanwaltschaft?) ausgesetzt hat, der ja sogar weiter mit Jugendgruppen verreisen durfte.</p>
<p>Als Meisterleistung betrachte ich auch, dass 2010 zwar <a href="http://skydaddy.wordpress.com/2012/01/15/bistum-hildesheim-bischof-und-missbrauchsbeauftragter-haben-gelogen/">Bischof Trelle und sein Missbrauchsbeauftragter Bongartz nachweislich die Unwahrheit sagten</a>, als sie behaupteten, die Hildesheimer Ausführungsbestimmungen zu sexuellem Missbrauch seien bereits zu Beginn des Jahres in Kraft gesetzt worden – also noch vor dem Bekanntwerden des Missbrauchsskandals –, dass mir von Dr. Lukas aber keine derartige Aussage bekannt ist. Auch wieder so eine Timing-Angelegenheit.</p>
<p>Womit wir beim eigentlichen Thema wären: Als ich mich vorhin – angeregt durch Bischof Ackermanns Vorwurf, Prof. Pfeiffer sei bei der Missbrauchsstudie &#8220;vorgeprescht&#8221; – fragte, weshalb die deutschen Diözesen einen Forschungsvertrag mit derart offensichtlichen Problemen (Missbrauchsakten müssen gemäß dem Kirchenrecht nach 10 Jahren vernichtet werden und sind bis dahin im Geheimarchiv aufzubewahren und <em>nicht</em> herauszugeben) offenbar übereilt angenommen hatten. Ich fragte mich, ob mit der Studie möglicherweise Aufklärungswille demonstriert werden sollte, bevor ein weiterer, sich bereits anbahnender Skandal bekannt wurde.</p>
<p>Ich stellte dann fest, dass tatsächlich zwei Tage nach der Pressekonferenz, auf der die beiden Forschungsprojekte (von Prof. Pfeiffer und Prof. Leygraf) der Öffentlichkeit präsentiert wurden, der pädophile Pfarrer Andreas L aus Salzgitter verhaftet wurde, dem schließlich schwerer Missbrauch mehrerer Opfer in mehreren hundert Fällen nachgewiesen wurde. Dem Bistum Hildesheim war vorher schon bekannt gewesen, dass L. typische Verhaltensweisen pädophiler Priester an den Tag legte: Er pflegte ein enges Verhältnis zur Familie eines Opfer, machte dem Opfer teure Geschenke, und fuhr mit der Familie und auch mit seinem Opfer alleine in den Urlaub. Seit 2010 wusste das Bistum, dass L. auch mit einem Kind im selben Bett übernachtet hatte. Deshalb hatte das Bistum bereits ein Kontaktverbot zu einem Jungen verhängt, gegen das der Priester dann aber im Juni 2011 – wenige Wochen vor der Präsentation der Forschungskonzepte – verstoßen hatte. Daraufhin wandte sich die Mutter erneut an das Bistum. Von Missbrauchshandlungen war damals aber noch keine Rede. &#8220;Ende Juni&#8221; will das Bistum dem Priester mit disziplinarischen Maßnahmen gedroht haben, am 27. Juni stornierte L. einen <a href="http://www.bild.de/regional/hannover/kindesmissbrauch/sex-pfarrer-plante-luxus-urlaub-mit-13-jaehrigem-jungen-19227818.bild.html">zweiwöchigen Urlaub in der Dominikanischen Republik</a>, den er im März für sich und sein 13-jähriges Opfer gebucht hatte.</p>
<p>Nach dem Gespräch mit dem Bistum offenbarte das Opfer seiner Mutter dann aber doch, dass es zu sexuellen Handlungen gekommen war. Daraufhin zeigte die Mutter den Priester &#8220;Ende Juni&#8221; bei der Polizei an. Dort wollte man erst einmal ermitteln, entschied sich dann aber doch für eine Festnahme, als der Pfarrer gerade mit einer Gruppe Jugendlicher nach Taizé aufbrechen wollte.</p>
<p>Währenddessen nahmen die deutschen Diözesen am 20. Juni 2011 einstimmig den Forschungsvertrag mit Prof. Pfeiffers Institut an, obwohl eigentlich offensichtlich sein musste, dass elementare Fragen noch ungeklärt – und möglicherweise auch unlösbar – waren. Der Vertreter der Diözesen, Dr. Langendörfer, unterzeichnete den Vertrag am 5. Juli, und drei Tage später, am Freitag, dem 8. Juli 2011, unterschrieb auch Prof. Pfeiffer. Am Mittwoch darauf, am 13. Juli, wurden die beiden Forschungsvorhaben auf einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit präsentiert. Zwei Tage später wurde L. verhaftet.</p>
<p>Ich hatte kurz überlegt, ob die Stornierung des Urlaubs am 27. Juni möglicherweise belegt, dass das Gespräch mit dem Priester erst nach der Verabschiedung des Forschungsvertrages durch die Diözesen am 20. Juni stattgefunden hat. Aber echte Profis würden solche Sachen möglicherweise absichtlich so timen, dass der gewünschte Eindruck entsteht. (Wir erinnern uns an die Hildesheimer Ausführungsbestimmungen, die ja angeblich schon vor dem Missbrauchsskandal in Kraft gesetzt worden sein sollen.)</p>
<p>Somit bleibt ein auffälliger zeitlicher Zusammenhang, der natürlich bloßer Zufall sein kann.</p>
<p>Einerseits war die Pfeiffer-Studie schon über ein Jahr in Vorbereitung.</p>
<p>Andererseits: Wenn sowieso schon über ein Jahr verhandelt wurde – wieso wurde dann ein Konzept mit derart offensichtlichen Problemen einstimmig verabschiedet?</p>
<p>Fragen über Fragen, die natürlich mal jemand der deutschen Bischofskonferenz stellen könnte – allerdings nicht <em>ich</em>. Denn als ich neulich anfragte, ob Dr. Langendörfer statt seinem wenig aussagekräftigen Statement</p>
<blockquote><p>&#8220;Für eine Vernichtung von Täterakten habe ich keinerlei Anhaltspunkte&#8221;</p></blockquote>
<p>auch das wesentlich aussagekräftigere (von mir verfasste) Statement</p>
<blockquote><p>&#8220;Für eine Vernichtung oder anderweitige Beseitigung von Akten über Missbräuche oder Grenzüberschreitungen habe ich keinerlei Anhaltspunkte, obwohl ich höchstwahrscheinlich mitbekommen würde, wenn so etwas vorkäme.&#8221;</p></blockquote>
<p>unterschreiben würde, teilte mir der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, nicht nur mit: &#8220;Der Äußerung von P. Dr.  Langendörfer SJ ist von uns nichts hinzuzufügen&#8221;, sondern er machte auch gleich sehr deutlich, &#8220;dass wir Anfragen von Ihnen nicht mehr beantworten&#8221; und er es auch nicht gut findet, wenn ich &#8220;andere Emailadressen als die der Pressestelle&#8221; kontaktiere. (Da Dr. Langendörfer der Geschäftsführer des Verbands der Diözesen Deutschlands ist und als solcher zitiert wurde, hatte ich – transparent und logisch, wie mir schien – die E-Mail-Adresse des VDD kontaktiert.)</p>
<p>Vielleicht nimmt sich ja jemand anders dieser interessanten Fragestellung an.</p>
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	</item>
		<item>
		<title>Gescheiterte Missbrauchsstudie: Vorwürfe gegen Prof. Pfeiffer an den Haaren herbeigezogen</title>
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		<pubDate>Fri, 11 Jan 2013 16:17:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kirchliche Propaganda]]></category>
		<category><![CDATA[sexueller Missbrauch]]></category>
		<category><![CDATA[Birnau]]></category>
		<category><![CDATA[DBK]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Bischofskonferenz]]></category>
		<category><![CDATA[getäuscht]]></category>
		<category><![CDATA[Matthias Koop]]></category>
		<category><![CDATA[Missbrauchsstudie]]></category>
		<category><![CDATA[Pressesprecher]]></category>
		<category><![CDATA[Prof. Christian Pfeiffer]]></category>
		<category><![CDATA[Täuschung]]></category>
		<category><![CDATA[Zollitsch]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Blick auf das Forschungskonzept zeigt, dass die Vorwürfe von Prof. Laubenthal an den Haaren herbeigezogen sind. Leser meines Blogs wissen, dass ich nach der Ankündigung der Missbrauchsstudie selbst Vorwürfe gegen Prof. Pfeiffer erhoben habe – natürlich, weil er ziemlich haltlose Statement zugunsten der Kirche abgab. Ich hatte mich gerade gefragt, wer wohl jetzt die Missbrauchsstudie [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4536&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ein Blick auf das Forschungskonzept zeigt, dass die Vorwürfe von Prof. Laubenthal an den Haaren herbeigezogen sind.</strong></p>
<p>Leser meines Blogs wissen, dass ich nach der Ankündigung der Missbrauchsstudie selbst Vorwürfe gegen Prof. Pfeiffer erhoben habe – natürlich, weil er <a href="http://skydaddy.wordpress.com/2011/07/22/experten-mit-scheuklappen-1-prof-christian-pfeiffer/">ziemlich haltlose Statement zugunsten der Kirche abgab</a>.</p>
<p>Ich hatte mich gerade gefragt, wer wohl jetzt die Missbrauchsstudie durchführen soll, da meldete sich der Würzburger Kriminologe Prof. Klaus Laubenthal öffentlich <a href="http://www.kath.net/detail.php?id=39608">zu Wort</a>. Laubenthal ist auch Missbrauchsbeauftragter des Bistum Würzburg und sei nach dem ersten Expose von Prof. Pfeiffer um Stellungnahme dazu gebeten worden.</p>
<p>Jetzt soll er der Pfeiffer-Studie methodische Mängel attestiert haben:</p>
<blockquote><p>So sei die Frage des Opferschutzes nicht zufriedenstellend gelöst worden, sagte Laubenthal am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Dabei bemängelte er das Vorhaben von Pfeiffers Institut, die allein aus Akten hervorgehenden Missbrauchsopfer anzuschreiben. Damit wären sie ungefragt erneut mit den zum Teil Jahrzehnte zurückliegenden Ereignissen konfrontiert worden.</p></blockquote>
<p>ich weiß nicht, ob Laubenthal auch den Forschungsvertrag gelesen hat, den Pfeiffer und der verband der Diözesen Deutschlands 2011 unterzeichnet haben. In dem <a href="http://www.kfn.de/versions/kfn/assets/anlage1punkt1fk.pdf">Forschungskonzept</a>, das Bestandteil des Vertrages ist, heißt es jedenfalls (Punkt 2.6.1):</p>
<div>
<blockquote><p><b>Die Fragebogenerhebung muss methodisch so realisiert werden, dass weder die datenschutzrechtlichen noch die sonstigen Interessen des Opfers verletzt werden.</b> Wir sehen hier folgenden Weg als geeignetes Verfahren an: Die kirchliche Institution, bei der sich das Opfer ursprünglich gemeldet hat, bitten wir darum, schriftlich bei ihm anzufragen, ob es mit der Zusendung des Fragebogens einverstanden wäre oder ob es selber Kontakt zum KFN aufnehmen möchte. Hiergegen ließe sich zwar einwenden, Familienmitglieder könnten unbefugt das Schreiben der Kirche öffnen und dadurch zum ersten Mal von dem Missbrauch Kenntnis erhalten. Dies erscheint uns allerdings nur in extremen Ausnahmefällen als realistische Gefahr. Ein Opfer, das den Mut gehabt hat, sich an die Kirche zu wenden, wird dies in aller Regel mit den Familienmitgliedern besprochen haben, mit denen es zusammenlebt. <b>Im Übrigen werden die kirchlichen Stellen selber diesen Weg der brieflichen Kommunikation mit Missbrauchsopfern gehen müssen, wenn sie beispielsweise Fragen der Schadenswiedergutmachung klären möchten. </b></p></blockquote>
</div>
<p>Bei Pfeiffers Institut KFN war man sich also der Sensibilität des Themas durchaus bewusst, dort wurden ja auch vorher schon Missbrauchsopfer interviewt. Wenn man so eine Studie durchführen will, dann müssen die Opfer natürlich irgendwie kontaktiert werden. Von daher erscheint die Argumentation am Ende des obigen Zitats plausibel. Zuvor wird noch erläutert, dass die Opfer nicht sofort mit dem Fragebogen konfrontiert werden, sondern zunächst nur gefragt werden, ob sie mit der Zusendung eines Fragebogens einverstanden wären, oder – offenbar für Fälle, in denen sich die Opfer nicht mehr an die Kirche wenden wollen – ob sie selbst Kontakt zum KFN aufnehmen wollen.</p>
<p>Ich kann mir vorstellen, dass man einen Forscherkollegen öffentlich kritisiert, wenn er groben Unsinn macht – Pfeiffer hätte dies m.E. auch bei anderer Gelegenheit verdient gehabt. Aber sich hier zu mokieren – noch dazu, nachdem sowieso schon klar ist, dass Pfeiffer die Studie gar nicht durchführen wird – ist nicht anders zu erklären, als dass der Kirche hier &#8220;Munition&#8221; gegen Prof. Pfeiffer geliefert werden soll.</p>
<p>Noch absurder ist Laubenthals zweiter Vorwurf:</p>
<p><em><span id="more-4536"></span></em></p>
<blockquote><p>Ein weiterer Kritikpunkt Laubenthals ist die Fokussierung auf die Aktenanalyse. <strong>Damit werde nur ein Teilbereich des dokumentierten Missbrauchgeschehens erfasst.</strong> Es gebe aber auch Opfer, die nur bei den von den Diözesen und Orden eingesetzten Ansprechpartnern bekannt seien und bewusst keine Weitergabe an die Diözesen wollten. <strong>«Doch die Missbrauchsbeauftragten sind bei der Studie nicht einbezogen worden», so der Jurist.</strong></p></blockquote>
<p>Hierzu heißt es in dem <a href="http://www.kfn.de/versions/kfn/assets/anlage1punkt1fk.pdf">Forschungskonzept</a>, das Teil des Vertrages war:</p>
<div>
<blockquote>
<div><strong>Ergänzend zu der direkten Anfrage beim Opfer</strong> wäre es aus unserer Sicht hilfreich, das Forschungsanliegen des KFN im Rahmen der Pressekonferenz öffentlich bekannt zu machen, in der die Katholische Kirche das hier skizzierte Forschungsvorhaben über die Medien bekannt gibt. <strong>Bei dieser Gelegenheit könnten die Opfer bundesweit dazu aufgerufen werden</strong>, sich per Brief oder per Email direkt beim KFN zu melden, sofern sie dazu bereit sind, sich als Interviewpartner zur Verfügung zu stellen. <strong>Ergänzend käme hier ferner die Meldung bei den Missbrauchsbeauftragten der Diözesen bzw. Ordensgemeinschaften in Betracht.</strong></div>
</blockquote>
</div>
<p>Was soll man dazu sagen?</p>
<p>Das ist wieder exakt <a href="http://skydaddy.wordpress.com/2013/01/10/vernichtung-von-missbrauchsakten-bischofskonferenz-komplett-unglaubwurdig/">die Irreführung, die DBK-Sprecher Matthias Kopp Prof. Pfeiffer vorwarf</a>. Irreführenderweise.</p>
<p>Die Frage ist nur, wie viel davon tatsächlich Prof. Laubenthal zuzurechnen ist. Als 2010 ein alter Missbrauchsfall in Ratzingers damaliger Diözsese München und Freising bekannt wurde, soll der ehemalige Generalvikar ja eine vorgefertigte Stellungnahme zugefaxt bekommen haben, in der er die Verantwortung für den Fall übernahm. Der <a href="http://www.spiegel.de/panorama/missbrauchsskandal-in-der-kirche-papst-sollte-aus-der-schusslinie-genommen-werden-a-689580.html">SPIEGEL</a> schrieb:</p>
<blockquote><p>Nach Informationen des SPIEGEL hat die zentrale Behörde des Erzbischofs Gruber offenbar gedrängt, die alleinige Schuld für die Versäumnisse der Kirche zu übernehmen. [...]</p>
<p>Vertraute Grubers schilderten nun dem SPIEGEL, er stehe unter großem Druck und solle wohl als Sündenbock für den Papst herhalten. Es sei darum gegangen, den Papst &#8220;aus der Schusslinie zu nehmen&#8221;. Als die Affäre Mitte März aufflog, sei er am Telefon eindringlich &#8220;gebeten&#8221; worden, die volle Verantwortung zu übernehmen, klagte Gruber gegenüber Freunden. In einem Brief an seine Vertrauten schreibt Gruber, er habe eine fertig formulierte Stellungnahme zugefaxt bekommen. Änderungswünsche habe er anmerken können.</p>
<p>Über die Darstellung des Bistums und darüber, dass man ihm &#8220;eigenmächtiges Handeln&#8221; im Fall H. vorwarf, empfinde er jedoch großen Unmut. Auch der Ausdruck &#8220;Eigenmächtigkeit&#8221; sei nicht mit ihm abgesprochen worden. Gruber hatte bisher alle Schuld auf sich genommen.</p></blockquote>
<p>Und als der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, 2010 wegen Verdachts auf Beihilfe zum sexuellen Kindesmissbrauch angezeigt wurde, täuschte sein Ordinariat sogar zwei Kirchenrechtler (<a href="http://www.liborius.de/nachrichten/ansicht/artikel/kirchenrecht.html">Prof. Bier</a> und <a href="http://www.welt.de/politik/deutschland/article7891257/Kirchenrechtlich-traegt-Zollitsch-keine-Schuld.html">Prof. Puza</a>) über die Zuständigkeit für eine Pfarrei, und präsentierte dann die entlastenden Expertenstatement der Presse. Die Katholische Nachrichtenagentur KNA <a href="http://www.liborius.de/nachrichten/ansicht/artikel/kirchenrecht.html">meldete</a> z.B.:</p>
<blockquote><p><strong>Kirchenrechtler Bier: Zollitsch für Birnau nicht zuständig</strong></p>
<p>Freiburg (KNA) Erzbischof Robert Zollitsch ist nach Überzeugung des Freiburger Kirchenrechtlers Georg Bier für die Seelsorge in der Kloster- und Wallfahrtskirche Birnau «niemals zuständig gewesen, weder als Personalreferent noch als Erzbischof». Mit Blick auf den Vorwurf der Beihilfe zum sexuellen Missbrauch gegen Zollitsch sagte Bier am Donnerstag auf Anfrage, die österreichische Zisterzienserabtei Wettingen-Mehrerau samt dem Priorat Birnau und den dazugehörigen Pfarreien sei rechtlich völlig selbstständig. Der Einsatz von Personal in diesen Pfarrgemeinden sei Sache des Abts.</p></blockquote>
<p>Später widerrief Prof. Bier dann seine Erklärung (nicht zuletzt <a href="http://skydaddy.wordpress.com/2010/07/21/kirchenrechtler-widerruft-zollitsch-entlastende-erklarung/">aufgrund meiner Nachforschungen</a>). Die <a href="http://www.badische-zeitung.de/deutschland-1/terra-incognita">Badische Zeitung</a> schrieb:</p>
<blockquote><p>Der Kirchenrechtler Georg Bier, Professor an der Freiburger Universität, ist im Frühjahr von der Katholischen Nachrichtenagentur KNA und vom Bistum zum Fall zitiert worden. Nach den Recherchen der BZ korrigierte er sich:</p>
<p>“Die Wallfahrtskirche St. Mariä Himmelfahrt liegt im Gebiet der Erzdiözese Freiburg”, auch wenn sie Eigentum des Ordens sei. Zur Seelsorgeeinheit heißt es: “Die Pfarrkuratie gehört zur Erzdiözese Freiburg (. . .), ihr Gebiet ist Teil des Territoriums der Erzdiözese Freiburg. (. . .) Die Seelsorge für die Pfarrkuratie wurde seit der Errichtung im Jahr 1946 den Zisterziensern der Abtei Wettingen-Mehrerau übertragen. Diese Übertragung ist nach can. 520 CIC Sache des zuständigen Erzbischofs, hier also des Erzbischofs von Freiburg. (. . .). Zuständiger Oberhirte für die Gläubigen bleibt der Erzbischof von Freiburg.”</p></blockquote>
<p>Über den Hintergrund erfährt man in dem anderen <a href="http://www.badische-zeitung.de/experten-contra-zollitsch">BZ-Artikel</a>:</p>
<blockquote><p>“Anfang Juni habe ich (. . .) die Auskunft gegeben, die Pfarrkuratie Birnau gehöre zur Territorialabtei Wettingen-Mehrerau. Ich habe diese Auskunft auf Grundlage der mir damals vorliegenden Informationen und meines damaligen Kenntnisstandes gegeben. Sie hält einer eingehenden Überprüfung nicht stand. Ich korrigiere sie hiermit”</p></blockquote>
<p>Bei der Katholischen Kirche ist man offenbar nicht immer zimperlich und auch nicht immer fair (um es mal gelinde zu sagen), wenn es darum geht, Bischöfe aus der Schusslinie zu bringen.</p>
<p>Das sollte jeder wissen, der jetzt möglicherweise mit dem Gedanken spielt, die Pfeiffer-Studie zu übernehmen.</p>
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	</item>
		<item>
		<title>Missbrauchsstudie: Mangelnder Aufklärungswillen nicht der Knackpunkt</title>
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		<pubDate>Fri, 11 Jan 2013 12:04:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kirchliche Propaganda]]></category>
		<category><![CDATA[sexueller Missbrauch]]></category>
		<category><![CDATA[Bischof Dr. Stephan Ackermann]]></category>
		<category><![CDATA[Forschungsprojekt]]></category>
		<category><![CDATA[Glaubwürdigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Katholische Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Missbrauchsbeauftragter]]></category>
		<category><![CDATA[Missbrauchsstudie]]></category>
		<category><![CDATA[Prof. Christian Pfeiffer]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Zusammenschluss papsttreuer Vereinigungen (ZPV) hat – möglicherweise in der Gewissheit, dass das einzige, was dem Papst noch mehr schadet, als wenn in seinem Namen Transparenz verhindert wird, ist, wenn diese Transparenz nicht verhindert wird – nach der Ankündigung der Pfeifferschen Missbrauchsstudie auf Folgendes hingewiesen: Personalakten sind schon per definitionem datengeschützt, von staats- und kirchenrechtlichen [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4531&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Der <a href="http://www.papsttreue-vereinigungen.de/">Zusammenschluss papsttreuer Vereinigungen</a> (ZPV) hat – möglicherweise in der Gewissheit, dass das einzige, was dem Papst noch mehr schadet, als wenn in seinem Namen Transparenz verhindert wird, ist, wenn diese Transparenz <i>nicht</i> verhindert wird – nach der Ankündigung der Pfeifferschen Missbrauchsstudie auf Folgendes <a href="http://www.papsttreue-vereinigungen.de/erklaerungen.php?datum=02.12.2011">hingewiesen</a>:</p>
<p><i>Personalakten sind schon per definitionem datengeschützt, von staats- und kirchenrechtlichen Bestimmungen abgesehen. Selbst bei anonymisierter Weitergabe von Personaldaten müßte jeder Betroffene vorher seine Einwilligung geben, da durch intensive Nachforschung von Situation und Umständen Rückschlüsse auf betroffene Personen möglich sind. Darüber hinaus sind nach Can. 489 § 2 „Akten der Strafsachen in Sittlichkeitsverfahren, deren Angeklagte verstorben sind oder die seit einem Jahrzehnt durch Verurteilung abgeschlossen sind, zu vernichten“. Solche Akten sind außerdem in einem Geheimarchiv aufzubewahren, zu dem nur der Bischof den Schlüssel haben darf (Can. 490 § 1). Wenn also Akten aus dem Geheimarchiv „auf den Markt“ kommen, macht sich der zuständige Bischof nach dem Kirchenrecht strafbar.</i></p>
<p><b>Man muss nicht papsttreu sein, um einzusehen, dass diese Argumente – sowohl das des Datenschutzes als auch das des Kirchenrechts – absolut stichhaltig sind. Auch ein aufklärungswilliger Bischof kann sich nicht einfach über den Datenschutz oder das Kirchenrecht hinwegsetzen.</b></p>
<p><em><span id="more-4531"></span></em></p>
<p>Es sei darauf hingewiesen, dass es im Katholischen <a href="http://www.codex-iuris-canonici.de/indexdt.htm">Kirchenrecht</a> in Can. 490 § 3 heißt:</p>
<p><i>Aus dem Geheimarchiv bzw. Geheimschrank dürfen keine Dokumente herausgegeben werden.</i></p>
<p>Es ist sogar nachvollziehbar, wenn nach der großen Ankündigung der Missbrauchsstudie noch schnell einschlägige Akten, deren Aufbewahrungsfrist abgelaufen war, vernichtet wurden. Nach dem Kirchenrecht sind die Bischöfe dazu <i>verpflichtet</i>. Und sie mussten und müssen damit rechnen, dass die Nichteinhaltung dieser Vorschriften – also das Nicht-Vernichten von alten Akten oder das Eingehen einer vertraglichen Verpflichtung, Akten, die in das Geheimarchiv gehören, herauszugeben – von ihren Gegenspielern (seien es aufklärungsunwillige Kreise oder „Konkurrenten“) sicher nach Rom gemeldet werden. Und <b>Rom könnte (und wollte) es sich mit Sicherheit nicht leisten, den offenen Verstoß gegen Geheimhaltungsvorschriften folgenlos hinzunehmen.</b></p>
<p>Deshalb ist es auch ohne die Zuhilfenahme von mangelndem Aufklärungswillen absolut verständlich, dass zumindest einige Bischöfe (Kardinal Marx will sicher nicht unbedacht seine weitere Karriere gefährden) eine Klärung dieses offensichtlichen Widerspruchs wünschten, bevor sie ihre Akten für die Studie zur Verfügung stellen.</p>
<p>Aus dieser Perspektive muss man sogar sagen, dass der Wunsch, nicht nur die Identität der Täter, sondern auch die Bistümer zu anonymisieren, durchaus als Entgegenkommen verstanden werden kann.</p>
<p>Auch dieses Konzept erscheint allerdings untauglich, da gemäß dem <a href="http://www.kfn.de/versions/kfn/assets/anlage1punkt1fk.pdf">Forschungskonzept</a> ja nicht nur die Täterakten analysiert, sondern ihnen auch die Aussagen der Opfer gegenübergestellt werden sollten:</p>
<p><i>Wir versprechen uns aus der Gegenüberstellung der so gewonnenen Aussagen von Tätern und Opfern zu demselben Tatgeschehen besonders valide und tiefgehende Erkenntnisse dazu, wie es zu dem Missbrauch gekommen ist und wie er von beiden Seiten erlebt und verarbeitet worden ist.</i></p>
<p>Und wie soll die Anonymität der Täter gewährleistet sein, wenn die Wissenschaftler die Opfer interviewen?</p>
<p>Es hat also den Anschein, als sei die groß angekündigte Studie von vornherein zum Scheitern verurteilt gewesen – und ist es immer noch. Zwar hat die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) <a href="http://www.dbk.de/presse/details/?presseid=2242&amp;cHash=07cef0a5d19d0b23e448d3287dde0a75">angekündigt</a>, die Studie von jemand anderem durchführen lassen zu wollen. <b>Die DBK sollte aber jetzt schon erläutern, wie eine solche Studie mit dem Kirchenrecht in Einklang gebracht werden soll.</b></p>
<p>Das würde sicher auch die Bereitschaft potenzieller Forscher erhöhen. Wobei eigentlich kaum vorstellbar ist, dass sich irgend jemand, der bei Verstand ist (was für Forschungsarbeiten gemeinhin von Vorteil ist) sich jetzt noch auf ein solches Abenteuer einlässt. Sicher: Die Aussicht, eine der größten Studien zu diesem Thema durchzuführen, mag verlockend sein. Andererseits müsste sich jeder, der mit diesem Gedanken spielt, fragen (angenommen, es kommt ein Datenschutzkonzept zustande, das mit dem Kirchenrecht vereinbar ist), ob die Bischöfe tatsächlich an den <i>Ergebnissen</i> der Studie interessiert sind, oder eher daran, auf eine Studie <i>verweisen</i> zu können. Jedenfalls erscheint es nicht völlig abwegig, zu befürchten, dass nach Vertragsabschluss zumindest in einigen Bistümern das Interesse an der Forschung etwas erlahmt.</p>
<p>Ich weiß auch nicht, ob es der wissenschaftlichen Reputation dient, ein Forschungsvorhaben aufzugreifen, dass von jemand anders konzipiert wurde. Denn <a href="http://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/presse/2011-104a-Statement-Ackermann-PK-Missbrauch.pdf">laut Bischof Stephan Ackermann stammt die Idee mit der Studie von Prof. Pfeiffer</a>:</p>
<p><i>Bereits im März 2010 trat der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen e.V. (KFN), Prof. Dr. Christian Pfeiffer, mit dem Vorschlag an den Vorsitzenden der Bischofskonferenz und mich heran, die Kirche solle ein Forschungsprojekt zum Thema „Sexueller Missbrauch und Gewalt durch katholische Priester und Ordensmitglieder gegenüber Kindern und Jugendlichen“ fördern.</i></p>
<p>Natürlich konnte sich die DBK erst auf die Suche nach einem neuen Forscherteam machen, nachdem der Vertrag mit Prof. offiziell gekündigt war. Von daher kann man von der DBK noch nicht die Vorstellung von Prof. Pfeiffers Nachfolger erwarten. Aber um der eigenen Glaubwürdigkeit (ähem&#8230;) willen sollte die DBK jetzt sofort erläutern, wie eine solche Aktenstudie vom Grundsatz her durchgeführt werden soll, im Einklang mit dem Kirchenrecht. Denn wie will sie sonst überhaupt einen Nachfolger finden? (Oder vielleicht besser: „Wie <i>sollte</i> sie sonst einen Nachfolger finden.)</p>
<p>Prof. Pfeiffer ist all dies nicht anzulasten. Er konnte aufgrund ähnlicher Studien in den USA und im Erzbistum München und Freising davon ausgehen, dass eine solche Studie machbar wäre. Vielmehr hätte man auf der Kirchenseite erkennen müssen, dass Passagen im <a href="http://www.kfn.de/versions/kfn/assets/a1vertrag.pdf">Forschungsvertrag</a> wie die folgende kaum mit dem Kirchenrecht in Einklang zu bringen sind:</p>
<p><b><i>§ 2 Pflichten der Vertragsparteien</i></b></p>
<p><i>[...]</i></p>
<p><i>(2) Neun (Erz-)Bistümer haben verbindlich zugesagt, sich an dem Forschungsprojekt zu beteiligen und werden dem KFN </i><b><i>alle in den (Erz-)Bistümern erreichbaren Informationen</i></b><i> über Fälle des sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz seit 1945 für eine Längsschnittanalyse zur Verfügung stellen. Für den Zeitraum von 2000 bis 2010 haben alle (Erz‑)Bistümer ihre Mitwirkung am Forschungsprojekt zugesagt.  Außerdem werden die männlichen Ordensgemeinschaften gebeten, das Forschungsprojekt mit entsprechenden Informationen zu unterstützen.</i></p>
<p><b><i>Dies betrifft sowohl Akteninhalte </i></b><i>über solche Fälle, die nicht der Strafjustiz bekannt geworden sind, als auch die Aktenzeichen aller Strafverfahren, die in dieser Zeit gegen die Personengruppe, die Gegenstand des Forschungsprojekts ist, wegen sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen durchgeführt worden sind. Für die Datenerhebung von 2000 bis 2010, an der alle 27 (Erz-)Bistümer ihre Beteiligung zugesagt haben, sind alle Akten von katholischen Priestern, Diakone und männliche Ordensangehörigen auszuwerten, die nicht vor dem I. Januar 2000 verstorben sind.</i></p>
<p>Es ist offensichtlich, dass es hier nicht nur um die „kurzen Tatbestandsvermerke“ und „Urteilstexte“ geht, von denen DBK-Pressesprecher Matthias Kopp <a href="http://skydaddy.wordpress.com/2013/01/10/vernichtung-von-missbrauchsakten-bischofskonferenz-komplett-unglaubwurdig/">behauptet</a>, die Beschränkung darauf stelle keine Behinderung des Forschungsprojekts dar. Ein „kurzer Tatbestandsbericht mit dem Wortlaut des Endurteils“ (Can. 489 § 2) kann kaum als „Akteninhalt“ bezeichnet werden, wenn es im selben Paragrafen heißt, dass die <i>eigentlichen</i> Akten zu vernichten sind. Allein schon das Adjektiv „kurz“ macht deutlich, dass hier nur noch diejenigen Informationen zu archivieren sind, die für das kirchliche Personalwesen unverzichtbar sind. Dies sind zwar auch, aber eben bei weiten nicht <i>alle</i> Informationen, die für das Forschungsvorhaben relevant sind.</p>
<p><b>Was Herr Kopp außerdem unerwähnt lässt ist, dass die Akten, selbst wenn sie nicht vernichtet sind, eben im Geheimarchiv aufbewahrt werden müssen und nicht herausgegeben werden dürfen.</b> Sieht er darin auch keine Behinderung der Forschung? Wenn nicht, sollte er erläutern, wie die Akten fachkundig analysiert werden sollen, wenn sie nicht herausgegeben werden dürfen.</p>
<p>Und noch einmal: Da die Vernichtung von Missbrauchsakten offenbar nicht gegen staatliches Recht verstößt, aber vom Kirchenrecht vorgeschrieben ist, scheint es hier ein unlösbares Problem zu geben.</p>
<p>Ein unlösbares Problem, dass komplett der Kirche anzulasten ist. Deshalb halte ich es auch für eine Frechheit wenn jetzt so getan wird, als läge der Grund für das zerrüttete Vertrauen bei Prof. Pfeiffer. Wo bleibt die Demut, die Bischöfe sonst so oft anmahnen?</p>
<p>Bischof Ackermann gestern im <a href="http://www.muenchner-kirchenradio.de/nachrichten/nachrichten/article/ackermann-studie-zu-missbrauch-fortfuehren.html">Domradio</a> (Audio-Transkript): „Also man muss glaube ich sehen, dass es viele Fragen galt, sachlich-diffizile Fragen zu klären. Also wenn man sieht, es geht hier um Personalakten von Aktiven, von lebenden Priestern, es geht um Akten von Verstorbenen, in den neun ausgewählten Bistümern, es geht also insgesamt um eine auch wirklich sehr sensible Materie. Es geht ja nicht da drum, dass einfach das Forschungsinstitut etwa aufruft, sich an bestimmten Befragungen zu beteiligen, Unterlagen zur Verfügung zu stellen, wie das ja oft der Fall ist, bei solchen Untersuchungen, sondern die Bischöfe gewähren Einblick in diese nun wirklich – in allen Bereichen, nicht nur bei der Kirche sondern in jeder Institution – hochsensible Akten, und da geht’s natürlich um Fragen von Datenschutz, von Persönlichkeitsrechten, das ist zu gewährleisten, wir können ja nicht versuchen, Unrecht aufzuklären und auf der anderen Seite das Recht zu beugen, das heißt es gab viele diffizile Fragen zu klären, da brauchten wir ein gutes Miteinander; leider war dann immer wieder auch die Situation, ich – auf der einen Seite kann ich das irgendwie verstehen, das Professor Pfeiffer auch ungeduldig wurde, weil das alles viele Detailklärungen gab, auch bei Dingen, sozusagen vorgeprescht ist, dass etwa Menschen informiert wurden, was Aktenuntersuchungen angeht oder Dinge angelaufen sind, die aber noch nicht so, sag ich mal, abgeschlossen behandelt waren. Alle Partner haben im Vorhinein nicht abschätzen können, auch, wie viele nun wirklich auch sachlich diffizile Fragen zu beachten sind um auf der einen Seite natürlich die Wissenschaftsfreiheit zu gewährleisten, das heißt, dass das Projekt Sinn hat, dass man Informationen bekommt, auf der anderen Seite aber natürlich Persönlichkeitsrechte von Menschen schützt, so wie es es das Gesetz auch vorsieht.“</p>
<p>Ackermann will uns erzählen, als die 27 deutschen Diözesen im Juni 2011 dem Vertrag (per Handzeichen auf einer Bischofskonferenz) zugestimmt haben, seien diese Probleme nicht absehbar gewesen? In über 15 (in Worten: fünfzehn!) Monaten zwischen der ersten Kontaktaufnahme Prof. Pfeiffers (s.o.) und dem Vertragsabschluss hat das niemand gemerkt?</p>
<p>Und das Vertrauensverhältnis sei zerrüttet, weil Prof. Pfeiffer</p>
<p><i>auch bei Dingen, sozusagen vorgeprescht ist, dass etwa Menschen informiert wurden, was Aktenuntersuchungen angeht oder Dinge angelaufen sind, die aber noch nicht so, sag ich mal, abgeschlossen behandelt waren</i></p>
<p>Ja, Herr Ackermann, <b>wer ist denn am am 13.07.2011 vorgeprescht und hat eine Pressekonferenz veranstaltet, bei der die Öffentlichkeit informiert wurde über Aktenuntersuchungen, und ein Forschungsprojekt angestoßen, das noch nicht so, sag ich mal, abgeschlossen behandelt war?</b></p>
<p>Wer denn?</p>
<p><a href="http://www.dbk.de/presse/details/?suchbegriff=Missbrauch&amp;presseid=1876&amp;cHash=c29eb51ef889a9f48adfdcb580ed3607">Hier</a>:</p>
<p>Die Deutsche Bischofskonferenz wird mit zwei wissenschaftlichen Forschungsprojekten die Fälle sexuellen Missbrauchs aufarbeiten. Der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für Fragen im Zusammenhang des sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen im kirchlichen Bereich, <b>Bischof Dr. Stephan Ackermann (Trier), stellte dazu heute die beiden Projekte in Bonn vor.</b> Nachdem es in einem ersten Schritt der Aufarbeitung um konkrete Hilfen für die Opfer gegangen sei, könne man jetzt die wissenschaftliche Arbeit intensivieren, so Ackermann. „Inzwischen ist auch die Zahl der Opfermeldungen deutlich zurück gegangen, so dass der Zeitpunkt geeignet scheint, die vorliegenden Daten und Fakten wissenschaftlich aufzuarbeiten.“</p>
<p>Und wer sagte auf besagter Pressekonferenz zur Vorstellung der beiden Studien (offensichtlich im Hinblick auf die Pfeiffer-Studie, nicht die Leygraf-Studie):</p>
<p><i>„Wir wollen auch der Wahrheit, die möglicherweise noch unentdeckt in Akten vergangener Jahrzehnte liegt, auf die Spur kommen.“</i></p>
<p>Obwohl es laut dem Kirchenrecht eigentlich keinen Akten hierzu „aus vergangenen Jahrzehnten“ mehr geben dürfte?</p>
<p>Und jetzt haben Sie die Unverfrorenheit, sich hinzustellen und zu erklären, diese „diffizilen Fragen“ seien nicht absehbar gewesen, und werfen auch noch Prof. Pfeiffer vor, er sei vorgeprescht? Man kann sich ja gut vorstellen, wer es mit der Pressekonferenz nicht abwarten konnte. Prof. Pfeiffer hat den Forschungsvertrag am Freitag, dem 8. Juli 2011 unterzeichnet, und am Mittwoch darauf, am 13., haben Sie ihre Pressekonferenz abgehalten.</p>
<p>Bischof Ackermann, früher habe ich mich oft gefragt, was Sie eigentlich noch versemmeln müssen, bevor Sie Ihren Job als Missbrauchsbeauftragter verlieren. Ihr Track Record in Ihrem eigenen Bistum ist ja auch auch <a href="http://www.spiegel.de/panorama/justiz/missbrauchsbeauftragter-trierer-bischof-ackermann-schont-paedophile-a-822002.html">mehr als peinlich</a>. Aber dann erkannte ich: Sie sind nur noch deshalb Missbrauchsbeauftragter, weil keiner Ihrer Bischofskollegen den Job will. Und spätestens nach dem Desaster mit dieser Studie wird sich wohl auch der Dank Ihrer Kollegen in engen Grenzen halten.</p>
<p>Mir fällt genau <i>eine</i> Persönlichkeit aus der katholischen Kirche ein, der in der Öffentlichkeit eine gewisse Glaubwürdigkeit als Missbrauchsbeauftragter haben würde: Klaus Mertes, der Jesuit und damalige Rektor des Canisius-Kollegs, dem nachgesagt wird, er habe mit seinem Brief den Missbrauchsskandal bzw. die Aufklärung ins Rollen gebracht. (Meiner Meinung nach wird das überbewertet, weil Mertes wusste, dass der Skandal sowieso in kürzester Zeit öffentlich würde, und lediglich gerettet hat, was noch zu retten war.)</p>
<p>Aber was macht Klaus Mertes heute? – <a href="http://www.sueddeutsche.de/panorama/missbrauchsskandal-in-der-katholischen-kirche-opfer-die-aus-der-wahrnehmung-fallen-1.1568190">Er wurde aus der Hauptstadt in die Provinz versetzt und ist jetzt Schuldirektor im Schwarzwald.</a></p>
<p>Währenddessen versuchen die deutschen Bischöfe, Glaubwürdigkeit wieder herzustellen mit dem Bekenntnis zu einem Aufklärungsprojekt, das praktischerweise undurchführbar ist.</p>
<p>Das ist etwa so glaubhaft, wie wenn ich ich meine Aussagen bekräftigen würde mit „so wahr mir Gott helfe!“</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/skydaddy.wordpress.com/4531/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/skydaddy.wordpress.com/4531/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4531&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Vernichtung von Missbrauchsakten: Bischofskonferenz komplett unglaubwürdig!</title>
		<link>http://skydaddy.wordpress.com/2013/01/10/vernichtung-von-missbrauchsakten-bischofskonferenz-komplett-unglaubwurdig/</link>
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		<pubDate>Thu, 10 Jan 2013 10:44:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kirchliche Propaganda]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[sexueller Missbrauch]]></category>
		<category><![CDATA[Akten]]></category>
		<category><![CDATA[Aktenvernichtung]]></category>
		<category><![CDATA[DBK]]></category>
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		<category><![CDATA[Deutsche Bischofskonferenz]]></category>
		<category><![CDATA[Hans Langendörfer]]></category>
		<category><![CDATA[irreführend]]></category>
		<category><![CDATA[Irreführung]]></category>
		<category><![CDATA[Matthias Kopp]]></category>
		<category><![CDATA[Missbrauch]]></category>
		<category><![CDATA[Missbrauchsakten]]></category>
		<category><![CDATA[Missbrauchsstudie]]></category>
		<category><![CDATA[Prof. Christian Pfeiffer]]></category>
		<category><![CDATA[Täterakten]]></category>
		<category><![CDATA[unglaubwürdig]]></category>
		<category><![CDATA[Vernichtung]]></category>

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		<description><![CDATA[Das katholische Kirchenrecht schreibt vor, dass Akten, die Strafverfahren in Sittlichkeitsverfahren betreffen, nach dem Tod des Angeklagten, spätestens aber 10 Jahre nach der Verurteilung, zu vernichten sind: Can. 489 &#8211; § 2: Jährlich sind die Akten der Strafsachen in Sittlichkeitsverfahren, deren Angeklagte verstorben sind oder die seit einem Jahrzehnt durch Verurteilung abgeschlossen sind, zu vernichten; [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4522&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Das katholische Kirchenrecht schreibt vor, dass Akten, die Strafverfahren in Sittlichkeitsverfahren betreffen, nach dem Tod des Angeklagten, spätestens aber 10 Jahre nach der Verurteilung, zu vernichten sind:</p>
<blockquote><p><a href="http://www.codex-iuris-canonici.de/indexdt.htm" target="_blank">Can. 489 &#8211; § 2</a>:</p>
<p>Jährlich sind die Akten der Strafsachen in Sittlichkeitsverfahren, deren Angeklagte verstorben sind oder die seit einem Jahrzehnt durch Verurteilung abgeschlossen sind, zu vernichten; ein kurzer Tatbestandsbericht mit dem Wortlaut des Endurteils ist aufzubewahren.</p></blockquote>
<p>Dies ist zweifellos die Vorschrift, auf die sich Prof. Pfeiffer <a href="http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/politik/Ein-zerruettetes-Verhaeltnis-article943685.html" target="_blank">bezieht</a>:</p>
<blockquote><p>Am schwersten wiegt aber Pfeiffers Vorwurf, dass nach seinen Informationen Akten vernichtet worden sein sollen. Es gebe eine Vorschrift, wonach zehn Jahre nach der Verurteilung eines Priesters die Akten zu beseitigen seien. Eine entsprechende Anfrage an die Kirche vom Oktober sei vom VDD nie beantwortet worden. Dadurch aber könne sein Institut den Auftrag nicht erfüllen, die Missbrauchsfälle seit 1945 zu erforschen.</p></blockquote>
<p>Dazu der Geschäftsführer des VDD, desVerbands der Diözesen Deutschlands, <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/querelen-um-forschungsprojekt-kirche-stoppt-aufklaerung-des-missbrauchsskandals-1.1568320" target="_blank">Dr. Hans Langendörfer</a>:</p>
<blockquote><p>&#8220;Für eine Vernichtung von Täterakten habe ich keinerlei Anhaltspunkte&#8221;.</p></blockquote>
<p>Und der Sprecher des Deutschen Bischofskonferenz, <a href="http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/politik/Ein-zerruettetes-Verhaeltnis-article943685.html" target="_blank">Matthias Kopp</a>:</p>
<blockquote><p>&#8220;Abweichend vom staatlichen Recht sieht das Kirchenrecht jedoch vor, dass bei Sittlichkeitsfragen &#8211; in den Fällen, die strafrechtlich anhängig waren &#8211; ein Tatbestandsbericht und der Wortlaut des Endurteils auf Dauer aufbewahrt werden.&#8221; Es ließen sich insofern keine Straftaten vertuschen. &#8220;Es ist falsch und irreführend, den Eindruck zu erwecken, es gebe eine vom kirchlichen Recht her geforderte Aktenvernichtung, die das Forschungsprojekt behindern würde.&#8221;</p></blockquote>
<p>Das ist wieder eine typisches, irreführendes Statement eines Kirchensprechers: Natürlich gibt es eine vom kirchlichen Recht geforderte Aktenvernichtung – Herr Kopp fügt bloß noch schnell eine scheinbare Ergänzung an (&#8220;die das Forschungsprojekt behindern würde&#8221;). Die meisten Leute dürften Kopp allerdings so verstehen, als gäbe es überhaupt keine Vorschrift zur Aktenvernichtung. Zudem ist schwer nachzuvollziehen, wie die Vernichtung sämtlicher Akten bis auf den Wortlaut des Urteils und einen kurzen Tatbestandsbericht die Forschung <em>nicht</em> behindern soll.</p>
<p>UPDATE: In dem <a href="http://www.kfn.de/versions/kfn/assets/anlage1punkt1fk.pdf">Forschungskonzept</a> vom 13.7.2011, das Bestandteil des <a href="http://www.kfn.de/versions/kfn/assets/a1vertrag.pdf">Forschungsvertrages</a> ist, heißt es:</p>
<blockquote><p>In einem von der jeweiligen Diözesanverwaltung zur Verfügung gestellten Raum sollen <strong>aus den einschlägigen Personalakten sowie Kirchengerichtsakten, Handakten und etwaigen Strafverfahrensakten sämtliche relevanten Fakten erfasst werden</strong>. Die für die Datenerhebung zuständigen Juristen werden ferner gebeten, zu jedem Fall eine kurze Beschreibung des Sachverhalts zu erarbeiten (<strong>Tatgeschehen, Tatort, Vorgehensweise des Täters, besondere Merkmale des Täters und des Opfers, Verhalten der Kirche bzw. der Kirche gegenüber Täter und Opfer</strong>).</p></blockquote>
<p>Und das soll nicht behindert werden, wenn die besagten Akten bis auf einen kurzen Tatbestandsbericht und den Urteilstext vernichtet werden?</p>
<p>Und Kopps folgende Behauptung dürfte bereits als Unwahrheit zu bezeichnen sein (Video ab 2:15):</p>
<span class='embed-youtube' style='text-align:center; display: block;'><iframe class='youtube-player' type='text/html' width='450' height='284' src='http://www.youtube.com/embed/hB1Wee4Y8GE?version=3&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;showsearch=0&#038;showinfo=1&#038;iv_load_policy=1&#038;wmode=transparent' frameborder='0'></iframe></span>
<blockquote><p>Frage: &#8220;Was ist mit den Vorwürfen, dass zum Teil Akten vernichtet oder verweigert wurden?&#8221;</p>
<p>[Schnitt im Video]</p>
<p>Kopp: &#8220;Ich verwehre mich gegen diese Äußerung von Herrn Pfeiffer, sie <em>ist sachlich falsch!</em> Und wenn Herr Pfeiffer seine eigenen Akten durchschauen würde, wüsste er auch, dass wir schriftlichen Kontakt dazu hatten. Es gibt nach unserer Kenntnis keine Aktenvernichtung. Das kirchliche Gesetzbuch sieht vor, dass bei strafrechtlich relevanten Delikten, gerade im sittlichen Bereich, Akten nicht gänzlich vernichtet werden müssen, sondern, wenn sie strafrechtlich verfolgt wurden, entsprechende Protokolle aufbewahrt werden <em>müssen;</em> wir sind also noch deutlicher als das Zivilstrafrecht.</p></blockquote>
<p>Herr Kopp täuscht hier, ohne (&#8220;technisch&#8221;) zu lügen: &#8220;Akten müssen nicht gänzlich vernichtet werden&#8221; klingt, als könnte auch alles aufgehoben werden. Das Gegenteil ist aber der Fall: Tatsächlich muss alles vernichtet werden, bis auf den kurzen Tatbestand und den Urteilstext. &#8220;Protokolle&#8221; ist dafür schon eine äußerst großzügige Bezeichnung.</p>
<p>Noch einmal:</p>
<p>Kirchenrecht: Einschlägige Akten sind nach dem Tod des Angeklagten zu vernichten – bis auf den Vermerk und den Wortlaut des Urteils.</p>
<p>Kopp: &#8220;Es gibt nach unserer Kenntnis keine Aktenvernichtung.&#8221;</p>
<p>Auch Kopps <em>&#8220;Und wenn Herr Pfeiffer seine eigenen Akten durchschauen würde, wüsste er auch, dass wir schriftlichen Kontakt dazu hatten&#8221;</em> ist völlig nichtssagend, reine Show: Es ist ja noch nicht einmal deutlich, von wem der &#8220;Kontakt&#8221; ausging. Und auch Korrespondenz heißt nicht automatisch, dass eine gestellte Frage beantwortet wurde.</p>
<p>Es kann – und sollte! – sich hier jeder selbst ein Urteil darüber bilden, wer hier irreführende Behauptungen in die Welt setzt.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/skydaddy.wordpress.com/4522/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/skydaddy.wordpress.com/4522/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4522&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Petra Bahrs modifiziertes Manuskript</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Dec 2012 06:56:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Neue Atheisten]]></category>
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		<category><![CDATA[Petra Bahr]]></category>
		<category><![CDATA[Rede]]></category>
		<category><![CDATA[Vortrag]]></category>

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		<description><![CDATA[Am 20. Juni 2012 hielt die EDK-Kulturbeauftragte Dr. Petra Bahr einen Vortrag vor Vertretern der höchsten deutschen Gerichte (Bundesverfassungsgericht, Bundesgerichtshof) und der Bundesanwaltschaft. (Ich berichtete.) Die Veranstaltung war unter dem Titel „Salafisten, Atheisten und Co.“ angekündigt, dem Titel von Frau Bahrs Vortrag. Frau Bahr, die sich wenige Wochen zuvor noch über „Verschwörungstheorien“ beschwert hatte, bei [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4507&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<span class='embed-youtube' style='text-align:center; display: block;'><iframe class='youtube-player' type='text/html' width='450' height='284' src='http://www.youtube.com/embed/_L-5tVq_k9E?version=3&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;showsearch=0&#038;showinfo=1&#038;iv_load_policy=1&#038;wmode=transparent' frameborder='0'></iframe></span>
<p>Am 20. Juni 2012 hielt die EDK-Kulturbeauftragte Dr. Petra Bahr einen Vortrag vor Vertretern der höchsten deutschen Gerichte (Bundesverfassungsgericht, Bundesgerichtshof) und der Bundesanwaltschaft. (<a href="http://skydaddy.wordpress.com/2012/06/23/ekdemagogin-peta-bahr/">Ich berichtete.</a>) Die Veranstaltung war unter dem Titel „Salafisten, Atheisten und Co.“ angekündigt, dem Titel von Frau Bahrs Vortrag.</p>
<p>Frau Bahr, die sich wenige Wochen zuvor noch über „Verschwörungstheorien“ <a href="http://aktuell.evangelisch.de/artikel/2767/kulturbeauftragte-kritisiert-atheistisches-kirchenbild?destination=node/2767">beschwert</a> hatte, bei denen atheistische Verbände angeblich ein „Zerrbild“ der Kirche verträten, zeichnete nun selbst ein Zerrbild der atheistisch-humanistischen Szene. Am 22. Juni veröffentlichte Frau Bahr ihr Redemanuskript auf der Website der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Nach einem kritischen <a href="http://hpd.de/node/13622">Bericht</a> von mir beim Humanistischen Pressedienst (hpd) am 25. Juni und einem einem <a href="http://www.humanismus.de/pressemitteilung/deutliche-kritik-ekd-kulturbeauftragten-petra-bahr">offenen Brief</a> des Präsidenten des Humanistischen Verbands Deutschlands an Frau Bahr und die Juristen, die bei ihrem Vortrag anwesend waren (veröffentlicht am 27. Juni), hat Frau Bahr dann offenbar am 29. Juni das Redemanuskript auf ihrer Website durch ein deutlich modifiziertes Manuskript ersetzt: <b>Auf 12 Seiten finden sich mehr als zwei Dutzend inhaltliche Änderungen. So wurde z.B. der ursprüngliche Titel „Salafisten, Atheisten und Co.“, unter dem auch die Veranstaltung in Karlsruhe angekündigt war, ersetzt durch „Auf dem Weg zu einem neuen Kulturkampf?“ Frau Bahrs „ethnologischer Erkundungsgang“ wird jetzt nachträglich als Fiktion gekennzeichnet, und die implizite Behauptung, wer aus der Kirche austrete sei zumeist ein „oberflächlicher, ganz dem materiellen Glanz der Konsumgesellschaft  verfallener Mensch“, die Frau Bahr den versammelten Juristen in Karlsruhe offenbar noch selbst präsentiert hatte, wird nun <i>anderen</i> in den Mundgelegt.</b></p>
<p>Trotz der umfangreichen inhaltlichen Änderungen und Korrekturen wird der modifizierte Text allerdings auf Frau Bahrs <a href="http://www.ekd.de/kultur/kulturbuero/kulturbeauftragte/21448.html">Website</a> nach wie vor als Redemanuskript ihres Vortrags In Karlsruhe ausgewiesen. Die ursprüngliche Version des Manuskripts ist verschwunden. <b>Damit erhält der Leser aber keinen zutreffenden Eindruck mehr davon, was Frau Bahr offenbar in Karlsruhe tatsächlich gesagt hat.</b> Stattdessen wird ihm ein weniger unschmeichelhaftes Bild präsentiert, das auch die Kritik an Frau Bahrs Rede etwas weniger gut nachvollziehbar macht.</p>
<p>Daher halte ich es für nötig, in guter theologischer Tradition die ursprünglich veröffentlichte Version von Frau Bahrs Redemanuskript zu dokumentieren und der modifizierten Version gegenüberzustellen (Synopse).</p>
<p><a href="http://skydaddy.files.wordpress.com/2012/12/bahr-synopse.pdf">Bahr-Synopse.pdf</a></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/skydaddy.wordpress.com/4507/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/skydaddy.wordpress.com/4507/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4507&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>ATHventskalender 2012</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Dec 2012 08:26:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bibel]]></category>
		<category><![CDATA[In eigener Sache]]></category>
		<category><![CDATA[Podcast]]></category>

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		<description><![CDATA[Auch dieses Jahr kann ich wieder einen Podcast-ATHventskalender anbieten: Großer Dank gebührt Wolfgang Klosterhalfen und Rainer Ponitka, die 24 neue Episoden aus der Reimbibel produziert haben. Zum ATHventskalender geht es hier. viel Spaß beim Hören und einen schönen ATHvent! P.S.: Ich würde mich freuen, wenn Ihr z.B. auf Facebook, Twitter, Google+ oder Eurem Blog auf [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4504&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Auch dieses Jahr kann ich wieder einen Podcast-ATHventskalender anbieten: Großer Dank gebührt Wolfgang Klosterhalfen und Rainer Ponitka, die 24 neue Episoden aus der <a href="http://www.reimbibel.de/">Reimbibel</a> produziert haben.</p>
<p>Zum ATHventskalender geht es <a href="http://www.athventskalender.de/">hier</a>. viel Spaß beim Hören und einen schönen ATHvent!</p>
<p>P.S.: Ich würde mich freuen, wenn Ihr z.B. auf Facebook, Twitter, Google+ oder Eurem Blog auf den ATHventskalender hinweist. Auch die Folgen der Vorjahre sind immer noch abrufbar und verdienen Beachtung.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/skydaddy.wordpress.com/4504/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/skydaddy.wordpress.com/4504/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4504&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Wann tritt Heinz Eggert aus der Kirche aus?</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Nov 2012 10:23:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Anne Will]]></category>
		<category><![CDATA[Augsburger Bekenntnis]]></category>
		<category><![CDATA[Heinz Eggert]]></category>

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		<description><![CDATA[In der gestrigen Anne-Will-Sendung erklärte der evangelisch-lutherische Theologe Heinz Eggert (1:11:45) “Ein Gott, der eine Hölle einrichtet, um im Grunde Andersdenkende zu vernichten – da wäre ich der erste, der aus der Kirche austreten und öffentlich abschwören würde.” Herr Eggert ist Wikpedia zufolge evangelisch-lutherisch und somit vermutlich Mitglied der Evangelisch-Lutherischen Landeskriche Sachsens. (Das Folgende gilt aber [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4496&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>In der gestrigen <a href="http://www.ardmediathek.de/das-erste/anne-will/letzte-ausfahrt-paradies-gibt-es-ein-leben-nach-dem-tod?documentId=12527904">Anne-Will-Sendung</a> erklärte der evangelisch-lutherische Theologe Heinz Eggert (1:11:45)</p>
<blockquote><p><strong>“Ein Gott, der eine Hölle einrichtet, um im Grunde Andersdenkende zu vernichten – da wäre ich der erste, der aus der Kirche austreten und öffentlich abschwören würde.”</strong></p></blockquote>
<p>Herr Eggert ist <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Heinz_Eggert">Wikpedia</a> zufolge evangelisch-lutherisch und somit vermutlich Mitglied der <a href="http://www.evlks.de/" rel="nofollow">Evangelisch-Lutherischen Landeskriche Sachsens</a>. (Das Folgende gilt aber m.W. für alle Lutheraner.) Er sollte sich mal die Bekenntnisse seiner Kirche durchlesen. Die sächsische Landeskirche beruft sich nämlich auch auf das <a href="http://www.evlks.de/leben_und_glauben/glaubensinformationen/264.html">Augsburger Bekenntnis</a> von 1830, über das ich neulich schon im Zusammenhang mit der evangelikalen Lukas-Schule in München <a href="http://skydaddy.wordpress.com/2012/11/16/uberrschung-evangelikale-liberaler-als-bayerische-landeskirche/" target="_blank">gebloggt</a> habe. Darin werden die Hölle zwei Mal, der (bzw. die) Teufel sechs Mal erwähnt, ferner &#8220;ewiger Gotteszorn&#8221; und &#8220;ewige Verdammnis&#8221;.</p>
<p><em><span id="more-4496"></span></em></p>
<p>Aus Zeitgründen hier nur der Abschnitt, der am deutlichsten im Widerspruch zu Eggerts obiger Aussage steht:</p>
<blockquote><p><b>ARTIKEL 17: VON DER WIEDERKUNFT CHRISTI ZUM GERICHT</b></p>
<p><b>Auch wird gelehrt, daß unser Herr Jesus Christus am Jüngsten Tag kommen wird, um zu richten und alle Toten aufzuerwecken, den Gläubigen und Auserwählten ewiges Leben und ewige Freude zu geben, die gottlosen Menschen aber und die Teufel in die Hölle und zur ewigen Strafe verdammen wird.<br />
Deshalb werden die verworfen, die lehren, daß die Teufel und die verdammten Menschen nicht ewige Pein und Qual haben werden.</b></p></blockquote>
<p>Auch andere Äußerungen Eggerts in der Sendung – sinngemäß: Wer von der Hölle spreche, beleidige damit Gott – stehen in klarem Widerspruch zu diesem Bekenntnis.</p>
<p>Umso bemerkenswerter, das Eggert in der Sendung sagte, von der Hölle hätte er bisher nur wenig gehört. Hat er sich als Theologe nie die Grundlagen seines eigenen Bekenntnisses durchgelesen?</p>
<p><strong>Herr Eggert: Wann treten Sie aus der Kirche aus?</strong></p>
<p>Anmerkung: Wenn Eggert noch diesen November seinen Kirchenaustritt erklärt, muss er nächstes Jahr keine Kirchensteuer mehr zahlen. Erklärt er ihn erst im Dezember, <a href="http://kirchenaustrittsmonat.de">muss er nächstes Jahr noch zahlen</a>.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/skydaddy.wordpress.com/4496/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/skydaddy.wordpress.com/4496/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4496&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Überraschung: Evangelikale liberaler als Bayerische Landeskirche</title>
		<link>http://skydaddy.wordpress.com/2012/11/16/uberrschung-evangelikale-liberaler-als-bayerische-landeskirche/</link>
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		<pubDate>Fri, 16 Nov 2012 15:27:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kirchliche Propaganda]]></category>
		<category><![CDATA[Protestantismus]]></category>
		<category><![CDATA[Schule]]></category>
		<category><![CDATA[Augsburger Bekenntnis]]></category>
		<category><![CDATA[Evangelikale]]></category>
		<category><![CDATA[evangelisc]]></category>
		<category><![CDATA[Glaubensbasis der Evangelischen Allianz]]></category>
		<category><![CDATA[Landeskirche]]></category>
		<category><![CDATA[Lukas-Schule]]></category>
		<category><![CDATA[lutherisch]]></category>
		<category><![CDATA[München]]></category>
		<category><![CDATA[Untersuchung]]></category>

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		<description><![CDATA[In der Diskussion um die evangelikale Lukas-Schule in München wirft die Landeskirche fleißig Nebelkerzen: Es wird eingeräumt, was nicht abzustreiten ist. Es wird „widerlegt“, was niemand behauptet hat. Die Evangelikalen seien nicht fundamentalistisch, wird erklärt; ihre theologische Basis widerspreche dem von evangelischen Trägern geforderten Bekenntnis nicht. Bei genauem Hinsehen zeigt sich: Die Landeskirche kann die [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4490&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In der Diskussion um die evangelikale Lukas-Schule in München wirft die Landeskirche fleißig Nebelkerzen: Es wird eingeräumt, was nicht abzustreiten ist. Es wird „widerlegt“, was niemand behauptet hat. Die Evangelikalen seien nicht fundamentalistisch, wird erklärt; ihre <a href="http://www.ead.de/die-allianz/basis-des-glaubens.html">theologische Basis</a> widerspreche dem von evangelischen Trägern geforderten Bekenntnis nicht. Bei genauem Hinsehen zeigt sich: Die Landeskirche kann die Evangelikalen nicht als Fundamentalisten bezeichnen, weil das <a href="http://www.ekd.de/glauben/bekenntnisse/augsburger_bekenntnis.html">Bekenntnis der Landeskirche von 1530</a> noch radikaler ist als die <a href="http://www.ead.de/die-allianz/basis-des-glaubens.html">evangelikale Glaubensbasis von 1846</a>.</strong></p>
<p><em><span id="more-4490"></span></em></p>
<p>Den Evangelikalen in den USA wird gelegentlich vorgeworfen, sie würden auch „für Jesus lügen“ („<a href="http://rationalwiki.org/wiki/Lying_for_Jesus">Lying for Jesus</a>“). Daran fühlt man sich erinnert, wenn die evangelikale Nachrichtenagentur idea meldet: „<a href="http://www.idea.de/detail/thema-des-tages/artikel/kirche-findet-keine-bestaetigung-fuer-vorwuerfe.html">Lukas-Schule: Kirche findet keine Bestätigung für Vorwürfe</a>“. (Fast gleichlautend übrigens: <a href="http://www.kath.net/detail.php?id=38903">kath.net</a>.)</p>
<p>Die <a href="http://www.bayern-evangelisch.de/www/index.php">Evangelisch-Lutherische Landeskirche in Bayern</a> hatte gestern den Ergebnisbericht zu einer Untersuchung vorgestellt, zu der sie sich aufgrund von Berichten in der Süddeutschen Zeitung veranlasst sah. Die SZ hatte u.a. <a href="http://www.sueddeutsche.de/muenchen/vorwuerfe-gegen-lukas-schule-evangelische-landeskirche-kuendigt-untersuchung-an-1.1502163" target="_blank">berichtet</a>, an der Lukas-Schule sei Kindern mit dem Teufel Angst gemacht worden, Homosexualität und Evolutionstheorie würden dort abgelehnt, und es seien kreationistische Studienbibeln an Schüler verteilt worden.</p>
<p>Freilich sieht die bayerische Landeskirche, wie sie bei dieser Gelegenheit selbst herausstellte, die evangelischen Schulen als „Marke“. Somit hat die Kirche selbst kein Interesse daran, das Image dieser Marke zu beschädigen. Wobei man sich schon fragt, weshalb die <a href="http://www.essbay.de/">Evangelische Schulstiftung in Bayern</a> mit dem <a href="http://www.lukas-schule.de/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=21&amp;Itemid=38">Schulvorstand der Lukas-Schule</a>, Dr. Ingo Resch, ausgerechnet einen <a href="http://www.sonntagsblatt-bayern.de/archiv01/37/woche3.htm">bekennenden Evolutionskritiker</a> im Stiftungsrat sitzen hat.</p>
<p>Das Ergebnis der unmittelbar nach dem ersten SZ-Artikel einberufenen kirchlichen Untersuchung <a href="http://www.bayern-evangelisch.de/www/download/Pressekonferenz_Lukasschule_final.pdf">lautet</a> (auszugsweise):</p>
<ul>
<li>Der Schulträger hat sich durch das Verteilen einer kreationistisch ausgerichteten Bibelkommentierung an Schüler und Schülerinnen, die als einmalige Spende den Schulen zur Verfügung gestellt wurde, zu den allgemeinen Bildungs- und Erziehungszielen der bayerischen Lehrpläne in Widerspruch gesetzt.</li>
<li>Es ist in zwei namentlich festzumachenden Einzelfällen zu pädagogisch-didaktisch bzw. theologisch missverständlichen Äußerungen von Lehrkräften gekommen (Kreationismus und Homosexualität). Letztlich liegen jedoch alle Vorgänge mindestens eineinhalb Jahre zurück; das macht die Bewertung nicht leichter. Ein Vorfall ist derzeit nicht klärbar.</li>
<li>In drei Rückmeldungen wurden die bekannten Vorwürfe angesprochen und weitere Fragen aufgeworfen. [Das ist wohl so zu verstehen, dass die Vorwürfe bestätigt wurden und/oder weitere Vorwürfe erhoben wurden.]</li>
<li>In zwei Fällen wollen Eltern ihre Kinder jetzt von der Lukas-Schule abmelden, da sie ihnen die evangelikale Ausrichtung der Schule nicht zumuten wollten. [Ein Kritikpunkt der SZ war, dass sich manche Eltern, gerade durch die Verbindung mit der evangelischen Landeskirche, nicht im Klaren über die evangelikale Ausrichtung der Lukas-Schule sind.]</li>
</ul>
<p>Als Konsequenz empfiehlt die Landeskirche der Lukas-Schule:</p>
<ol>
<li>Wir bitten zu überprüfen, ob den Eltern hinreichend verdeutlicht wird, dass sie ihr Kind in einer Schule anmelden, in der eine bestimmte – im Rahmen der Landeskirche akzeptierte – Frömmigkeitsform grundgelegt ist.</li>
<li>Um die Lehrkräfte noch intensiver mit dem Rahmenkonzept evangelischer Schulen vertraut zu machen, in dem noch einmal die Leitplanken für das evangelische Schulwesen thematisiert werden, sollte eine Fortbildung für die Lehrkräfte aller Kollegien angeboten werden. Federführend sind hier die Evangelische Schulstiftung und die Fachabteilung des Landeskirchenamtes in Zusammenarbeit mit dem Kirchenkreisschulbeauftragten des Kirchenkreises München und Oberbayern.</li>
<li>Im Rahmen einer schulhausinternen Fortbildung (SCHILF) sollten für alle Religionslehrkräfte die Themen Schöpfungslehre und Fragen der Sexualität behandelt werden. Diese Fortbildung würde federführend unser Religionspädagogisches Kompetenzzentrum in Heilsbronn übernehmen.</li>
</ol>
<p>Die Kirche wäre natürlich nicht die Kirche, wenn sie ihre Ergebnisse in dieser Form präsentiert hätte. Ganz im Sinne der eigenen „Marke“ sollte offenbar der Eindruck erweckt werden, die Vorwürfe seien im Wesentlichen widerlegt worden.</p>
<p>So heißt es unter „Ergebnis“ als erstes:</p>
<blockquote>
<ul>
<li>Die staatliche Schulaufsicht hat bestätigt, dass der Schulvertrag im Bezugsfall durch den Träger rechtmäßig gekündigt wurde.</li>
</ul>
</blockquote>
<p>Das kling nach einer Widerlegung des Vorwurfs, die Kündigung sei <em>unrechtmäßig</em> ausgesprochen worden. Dieser Vorwurf ist aber m.W. so nie erhoben worden, in dem ursprünglichen (mittlerweile <a href="http://www.idea.de/detail/gesellschaft/detail/evangelikale-schule-wehrt-sich-erfolgreich-gegen-sueddeutsche.html" target="_blank">zurückgezogenen</a>) SZ-Artikel hieß es lediglich:</p>
<blockquote><p>Es endete damit, dass Manuel nach einigem Hin und Her von der Schule flog. &#8220;So stellen wir uns jedoch keine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus vor&#8221;, heißt es in dem Kündigungsschreiben der Schule.</p></blockquote>
<p>Weiter heißt es unter „Ergebnis“:</p>
<blockquote><p>Ein generelles Klima der Angst an der Schule ist nicht erkennbar. Von Seiten befragter Schülerinnen und Schüler wurde dies eindeutig bestätigt. Auch von denen, die schon viele Jahre in den unterschiedlichen Lukas-Schulen beschult wurden und werden.</p></blockquote>
<p>Ein „generelles“ Klima der Angst hatte aber ebenfalls niemand behauptet. Konkret ging es um die Fälle zweier Kinder, im Artikel „Manuel“ und „Maja“ genannt. Die diesbezüglichen Textstellen lauten:</p>
<blockquote><p>[Update: Da die SZ ihren Artikel zurückgezogen hat – <a href="http://www.lukas-schule.de/images/Dokumente/danksagung.pdf" target="_blank">angeblich hat das Oberlandesgericht München bestimmte Aussagen darin verboten</a> – verzichte ich auf die ursprünglich hier gemachten Zitate aus dem Artikel.]</p></blockquote>
<p>Daraus kann man zwar, wenn man will, ein „generelles Klima der Angst“ herauslesen. Konkret geht es aber nur um zwei Kinder, bzw.“viele Kinder“ in der Klasse des Mädchens.</p>
<p>Die Formulierung des Kirchenamtes, ein „generelles“ Klima der Angst an der Schule sei nicht erkennbar, ist deshalb zu vage als Antwort auf die Vorwürfe. „Generell“ kein Angstklima, aber bei einzelnen Schülern schon? In einzelnen Klassen? Bei einzelnen Lehrerinnen? Beim Thema „Teufel“?</p>
<p>Auch der Verweis des Kirchenamtes auf die hohe Zufriedenheit der Eltern und Schüler erscheint schal, wenn man sich an die Solidaritätskundgebungen von Eltern, Schülern und Ehemaligen im Zusammenhang mit den „Eliteschulen“ der Jesuiten 2010 erinnert, nachdem dort massenhafter Missbrauch ans Licht gekommen war. Zudem ist die Frage, ob evangelikale Eltern mit einer Pädagogik zufrieden sind, die explizit oder implizit mit dem Teufel oder der Hölle droht, zu unterscheiden von der Frage, ob der Staat eine solche Pädagogik gutheißen kann. Es kam ja im Zuge der Debatte um die Lukas-Schule gerade von evangelikaler Seite durchaus Unterstützung für die Erwähnung des Teufels. So veröffentlichte idea vor kurzem – wie um den Befürwortern Argumente zu liefern – einen ausführlichen Artikel „<a href="http://www.idea.de/detail/newsticker.html?tx_newsticker_pi1%5Bid%5D=20575">Muss man an den Teufel glauben?</a>“ indem z.B. darauf hingewiesen wird: „Das Neue Testament redet 110 Mal vom Teufel“. (Man beachte, dass sich die Lehrer der Lukas-Schule “<a href="http://www.ead.de/die-allianz/basis-des-glaubens.html">zur göttlichen Inspiration der Heiligen Schrift, ihrer völligen Zuverlässigkeit und höchsten Autorität in allen Fragen des Glaubens und der Lebensführung</a>“ bekennen müssen. Nicht umsonst heißt es im Logo „Schule auf biblischer Basis“.)</p>
<p><strong>Es fällt also auf, dass die scheinbar „entlastenden“ Punkte des Unterschungsergebnisses tatsächlich gar nichts widerlegen.</strong></p>
<p>Freilich dürften sich Eltern und Öffentlichkeit weniger für einzelne Vorfälle an der Lukas-Schule interessieren, als für deren grundsätzliche Ausrichtung: Ist die Lukas-Schule fundamentalistisch?</p>
<p>Ich hatte ja <a href="http://skydaddy.wordpress.com/2012/11/11/die-lukas-schule-ist-fundamentalistisch/">neulich</a> bereits darauf hingewiesen, dass die Lukas-Schule durchaus als fundamentalistisch zu bezeichnen ist, weil sie auf der <a href="http://www.ead.de/die-allianz/basis-des-glaubens.html">Gaubensbasis der Evangelischen Allianz von 1846 arbeitet</a>, die (wie oben bereits erwähnt) sich zur „völligen Zuverlässigkeit und höchsten Autorität“ der Bibel, zum „Endgericht“, „zur völligen Sündhaftigkeit und Schuld des gefallenen Menschen, die ihn Gottes Zorn und Verdammnis aussetzen“ und „zur Erwartung der persönlichen, sichtbaren Wiederkunft des Herrn Jesus Christus in Macht und Herrlichkeit“ bekennt. Im „Pädagogischen Konzept und Glaubensbasis“ der Lukas-Schule ist in diesem Zusammenhang auch noch von der „ewigen Verdammnis der Bösen“ die Rede – wobei mit „Bösen“ all diejenigen gemeint sind, die nicht den Glauben an Jesus Christus angenommen haben.</p>
<p>Das evangelische Kirchenamt findet allerdings:</p>
<blockquote><p>Der Schulträger hat seit der Gründung eine evangelikale Ausrichtung, die nicht als fundamentalistisch bezeichnet werden kann. Ein Widerspruch zur von evangelischen Trägern geforderten Bekenntnisbindung wurde hierdurch bisher nicht gesehen. Auch die theologische Basis der Allianz, die auf der Homepage der Lukas-Schulen zu lesen war, widerspricht dem nicht.</p></blockquote>
<p>(Frage: WO war die Glaubensbasis der Evangelischen Allianz auf der Schul-Homepage zu lesen? Derzeit ist <a href="http://www.lukas-schule.de/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=8&amp;Itemid=20">noch nicht einmal erkennbar</a>, dass die Schule auf evangelikaler Basis arbeitet.)</p>
<p>Mit der Vereinbarkeit mit dem von evangelischen Trägern geforderten Bekenntnis wird auch an anderer Stelle argumentiert:</p>
<blockquote><p>Nach Auskunft der Presseabteilung der Österreichischen Kirchenleitung liegen in Bezug auf den Träger des Schullandheimes Schloss Klaus („Missionsgemeinschaft der Fackelträger e.V.“) keine theologischen Bedenken vor.</p></blockquote>
<p>Die Landeskirche muss sich darüber im Klaren sein, dass solche Formulierungen von der Öffentlichkeit so aufgefasst werden müssen, als ob sich die Lukas-Schule im Bereich des „akzeptablen“ – jedenfalls nicht „fundamentalistischen“ Teil des religiösen Spektrums bewegt, in dem man die evangelische Landeskirche zu verorten meint.</p>
<p>Tatsächlich rührt die Vereinbarkeit aber daher, dass das „<a href="http://www.ekd.de/glauben/bekenntnisse/augsburger_bekenntnis.html">Augsburger Bekenntnis</a>“ von 1530, das dem Kirchenamt zufolge das religiöse Spektrum der evangelischen Schulen in Bayern begrenzt, <i>noch extremer</i> ist als die <a href="http://www.ead.de/die-allianz/basis-des-glaubens.html">Glaubensbasis der Evangelischen Allianz</a> von 1846!</p>
<p>Im „<a href="http://www.ekd.de/glauben/bekenntnisse/augsburger_bekenntnis.html">Augsburger Bekenntnis</a>“ finden sich nämlich – abgesehen von der göttlichen Inspiration, Zuverlässigkeit und absoluten Autorität der Bibel, die 1530 vermutlich sowieso kein Christ bezweifelte – praktisch die gleichen Glaubensaussagen, plus etliche weitere.</p>
<p>So heißt es z.B. in der „<a href="http://www.ead.de/die-allianz/basis-des-glaubens.html">Glaubensbasis</a>“:</p>
<blockquote><p>[Wir bekennen uns] zur völligen Sündhaftigkeit und Schuld des gefallenen Menschen, die ihn Gottes Zorn und Verdammnis aussetzen</p></blockquote>
<p>Zum gleichen Thema heißt es im <a href="http://www.ekd.de/glauben/bekenntnisse/augsburger_bekenntnis.html">Augsburger Bekenntnis</a>:</p>
<blockquote><p>Weiter wird bei uns gelehrt, daß nach Adams Fall alle natürlich geborenen Menschen in Sünde empfangen und geboren werden, das heißt, daß <b>sie alle von Mutterleib an voll böser Lust und Neigung sind </b>und von Natur keine wahre Gottesfurcht, keinen wahren Glauben an Gott haben können, ferner <b>daß auch diese angeborene Seuche und Erbsünde wirklich Sünde ist</b> und daher <b>alle die unter den ewigen Gotteszorn verdammt, die nicht durch die Taufe und den Heiligen Geist wieder neu geboren werden.</b></p>
<p><b>Damit werden die verworfen, die die Erbsünde nicht für eine Sünde halten,</b> damit sie die Natur fromm machen durch natürliche Kräfte, in Verachtung des Leidens und Verdienstes Christi.</p></blockquote>
<p>Demzufolge darf an evangelischen Schulen in Bayern die Vorstellung von der Erbsünde nicht hinterfragt werden, bzw. es darf nichts anderes gelehrt werden als dass „diese angeborene Seuche wirklich Sünde ist“ und „alle die unter den ewigen Gotteszorn verdammt, die nicht durch die Taufe und den Heiligen Geist wieder neu geboren werden“.</p>
<p>Was die Taufe angeht, so gilt in den evangelischen Schulen Bayerns folgendes:</p>
<blockquote><p>Von der Taufe wird gelehrt, daß sie heilsnotwendig ist und daß durch sie Gnade angeboten wird; daß man auch die Kinder taufen soll, die durch die Taufe Gott überantwortet und gefällig werden, d.h. in die Gnade Gottes aufgenommen werden. <b>Deshalb werden die verworfen, die lehren, daß die Kindertaufe nicht richtig sei.</b></p></blockquote>
<p>Die Vorstellung, dass Brot und Wein beim Abendmahl nur <i>symbolisch</i> Leib und Blut Christi sind, gilt an bayerischen Schulen als Irrlehre:</p>
<blockquote><p>Vom Abendmahl des Herrn wird so gelehrt, <b>daß der wahre Leib und das wahre Blut Christi wirklich unter der Gestalt des Brotes und Weines im Abendmahl gegenwärtig ist</b> und dort ausgeteilt und empfangen wird. <b>Deshalb wird auch die Gegenlehre verworfen</b>.</p></blockquote>
<p>In Deutschland gibt es (wie in den meisten zivilisierten Ländern) keine Todesstrafe. Wer aber meint, der Staat oder Christen hätten nicht das Recht, ihre Mitbürger zu töten, der wird an bayerischen evangelischen Schulen verdammt:</p>
<blockquote><p>Von der Polizei (Staatsordnung) und dem weltlichen Regiment wird gelehrt, daß alle Obrigkeit in der Welt und geordnetes Regiment und Gesetze gute Ordnung sind, die von Gott geschaffen und eingesetzt sind, und daß Christen ohne Sünde in Obrigkeit, Fürsten- und Richteramt tätig sein können, nach kaiserlichen und anderen geltenden Rechten Urteile und Recht sprechen, <b>Übeltäter mit dem Schwert bestrafen, rechtmäßig Kriege führen</b>, in ihnen mitstreiten, kaufen und verkaufen, auferlegte Eide leisten, Eigentum haben, eine Ehe eingehen können usw.</p>
<p><b>Hiermit werden die verdammt, die lehren, daß das oben Angezeigte unchristlich sei.</b></p></blockquote>
<p>Man muss also ganz objektiv feststellen: Verglichen mit dem Bekenntnis, auf das die evangelischen Schulen ohnehin verpflichtet sind, nimmt sich die evangelikale Glaubensbasis geradezu liberal und modern aus!</p>
<p>Das heißt aber andererseits, dass die evangelisch-lutherische Landeskirche die Evangelikalen niemals als „fundamentalistisch“ bezeichnen kann, ohne sich damit im selben Atemzug selbst als noch fundamentalistischer zu outen! Eher könnten – man glaubt es kaum – die Evangelikalen die lutherische Kirche als zu extrem „verdammen“. <strong>Theologisch gesehen muss der evangelikale Evolutions-, Homosexualitäts- und Islamkritiker Dr. Ingo Resch offenbar bereits als liberale Bereicherung der Evangelischen Schulstiftung in Bayern betrachtet werden.</strong></p>
<p>Von daher ist es natürlich sehr geschmeidig, dass die lutherische Landeskirche die Frage nach dem Fundamentalismus mit dem Hinweis auf die Vereinbarkeit der Bekenntnisse abtut: Das ist nicht gelogen, und man kann seine Hände in Unschuld waschen, während man zugleich sicher sein kann, dass praktisch die gesamte Öffentlichkeit in Unkenntnis des Augsburger Bekenntnisses annimmt, die evangelisch-lutherische Landeskirche sei in einer Position, über christlichen Fundamentalismus zu urteilen.</p>
<p>Das ist freilich, als wolle man einen fundamentalistischen Sumpf austrocknen und dazu die lutherischen Frösche um ihre Meinung fragen. Drohungen mit dem Teufel sollten wirklich nicht von einer Institution untersucht werden, die in ihrem eigenen Bekenntnis – anders übrigens als die Evangelikalen ­– sechs mal Teufel erwähnt, davon zweimal in einem Atemzug mit „Gottlosen“, die „zur ewigen Strafe“ verdammt sind. Leute, die an Teufel glauben (oder sich dazu bekennen), und dass in der Hostie beim Abendmahl tatsächlich – und nicht nur symbolisch – der Leib Christi steckt, können auch nicht gerade als A-Team durchgehen, wenn es zu klären gilt, ob die Evolutionstheorie in einer Schule adäquat vermittelt wird. Und über den Vorwurf der Homophobie sollte keine Institution urteilen, die all jene verdammt, die Probleme mit der Erbsünde haben oder Zweifel an der Sachgerechtigkeit der Kindstaufe haben. Wo sind wir denn?</p>
<p>Ach ja, ich vergaß:</p>
<p>In Bayern!</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/skydaddy.wordpress.com/4490/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/skydaddy.wordpress.com/4490/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4490&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Papst Benedikt XVI. ist mit Schuld am Tod von Savita Halappanavar</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Nov 2012 10:22:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gotteswahn]]></category>
		<category><![CDATA[Katholizismus]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Abtreibung]]></category>
		<category><![CDATA[Irland]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Benedikt XVI.]]></category>
		<category><![CDATA[Savita Halappanavar]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit gestern empört sich die Welt über den unnötigen und qualvollen Tod von Savita Halappanavar, einer 31jährigen Frau, der in einem irischen Krankenhaus ein vermutlich lebensrettender Schwangerschaftsabbruch verweigert wurde, mit der Begründung, &#8220;Irland ist ein katholisches Land&#8220;. Tatsächlich, so schreibt die Süddeutsche Zeitung, ist im katholischen Irland Abtreibung &#8220;in jeder Form verboten&#8221;. Es greift meines Erachtens [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4484&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Seit gestern empört sich die Welt über den unnötigen und qualvollen Tod von Savita Halappanavar, einer 31jährigen Frau, der in einem irischen Krankenhaus ein vermutlich lebensrettender Schwangerschaftsabbruch verweigert wurde, mit der Begründung, &#8220;<a href="http://www.humanist-news.com/schwangere-frau-stirbt-krankenhaus-verhindert-abbruch-weil-irland-katholisch-sei/" target="_blank">Irland ist ein katholisches Land</a>&#8220;.<a title="BBC: Tod weil Schwangerschaftsabbruch verhindert wurde" href="http://www.bbc.co.uk/news/uk-northern-ireland-20321741" target="_blank"></a></p>
<p>Tatsächlich, so schreibt die <a href="http://www.sueddeutsche.de/panorama/irland-aerztin-stirbt-nach-verwehrter-abtreibung-1.1523414" target="_blank">Süddeutsche Zeitung</a>, ist im katholischen Irland Abtreibung &#8220;in jeder Form verboten&#8221;.</p>
<p>Es greift meines Erachtens allerdings zu kurz, die Schuld beim Krankenhauspersonal oder den irischen Politikern festzumachen. Das irische Gesetz stellt nämlich keineswegs etwa eine eigene, besonders strenge Auslegung des Katholizismus dar, sondern setzt &#8220;lediglich&#8221; die offizielle Position der Katholischen Kirche durch:</p>
<p><em><span id="more-4484"></span></em></p>
<p>1979 <a href="http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_19741118_declaration-abortion_ge.html" target="_blank">erklärte</a> die Kongregation für Glaubenslehre:</p>
<blockquote><p>14. Das göttliche Gesetz und die natürliche Vernunft schließen also jedes Recht aus, einen unschuldigen Menschen zu töten. [...] Es kann vielleicht eine schwerwiegende Frage der Gesundheit sein, <strong>zuweilen von Leben und Tod der Mutter</strong>. Es kann die Last sein, die ein weiteres Kind bedeutet, vor allem, wenn gute Gründe befürchten lassen, daß es ein anormales oder zurückgebliebenes Kind wird. Es kann das Gewicht sein, das je nach Umwelt Rücksichten auf Ehre und Unehre, auf sozialen Abstieg usw. haben. <b>Wir erklären nur, daß niemals einer dieser Gründe objektiv das Recht geben kann, über das Leben, selbst das beginnende, eines anderen zu verfügen.</b></p></blockquote>
<p>2009 – also während der Amtszeit von Papst Benedikt XVI. – stellte die Glaubenskongregation <a href="http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_20090711_aborto-procurato_ge.html" target="_blank">klar</a>:</p>
<blockquote><p>Eine direkte, das heißt eine als Ziel oder <strong>Mittel</strong> gewollte Abtreibung stellt ein schweres Vergehen gegen das sittliche Gesetz dar</p></blockquote>
<p>Begründung:</p>
<blockquote><p>Was die Abtreibung in einigen schwierigen und komplexen Situationen anbelangt, gilt die klare und genaue Lehre von Papst Johannes Paul II.: „Gewiss nimmt der Entschluss zur Abtreibung für die Mutter sehr oft einen dramatischen und schmerzlichen Charakter an, wenn die Entscheidung, sich der Frucht der Empfängnis zu entledigen, nicht aus rein egoistischen und Bequemlichkeitsgründen gefasst wurde, sondern weil manche wichtigen Güter, wie <b>die eigene Gesundheit</b> oder ein anständiges Lebensniveau für die anderen Mitglieder der Familie gewahrt werden sollten. Manchmal sind für das Ungeborene Existenzbedingungen zu befürchten, die den Gedanken aufkommen lassen, es wäre für dieses besser nicht geboren zu werden. <b>Niemals jedoch können diese und ähnliche Gründe, mögen sie noch so ernst und dramatisch sein, die vorsätzliche Vernichtung eines unschuldigen Menschen rechtfertigen</b>“ (Evangelium vitae, 58).</p></blockquote>
<p>Ohne die rigorose Lehre der Katholischen Kirche, 2009 unter Papst Benedikt ausdrücklich noch einmal bekräftigt, wäre Frau Halappanavar wohl noch am Leben.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/skydaddy.wordpress.com/4484/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/skydaddy.wordpress.com/4484/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4484&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Von der Unmöglichkeit, ein verfassungskonformes Gesetz zu erlassen, das die religiöse Beschneidung unmündiger Knaben erlaubt</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Nov 2012 07:36:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Beschneidung]]></category>
		<category><![CDATA[Gesetzentwurf]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Gruppe von 53 Bundestagsabgeordneten &#8211; darunter Marlene Rupprecht, Rolf Schwanitz, Ute Vogt, Memet Kilic, Ulla Jepke, Raju Sharma und Halina Wawzyniak &#8211; haben einen Gesetzentwurf vorgelegt, der die Beschneidung von Jungen ab 14 Jahren erlauben soll, sofern diese einwilligen. Dieser Gesetzentwurf ist nicht akzeptabel! Die Abgeordneten schlagen vor, ins Bürgerliche Gesetzbuch folgenden Paragrafen einzufügen: [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4473&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Eine Gruppe von 53 Bundestagsabgeordneten &#8211; darunter Marlene Rupprecht, Rolf Schwanitz, Ute Vogt, Memet Kilic, Ulla Jepke, Raju Sharma und Halina Wawzyniak &#8211; haben einen <a href="http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/114/1711430.pdf" target="_blank">Gesetzentwurf</a> vorgelegt, der die Beschneidung von Jungen ab 14 Jahren erlauben soll, sofern diese einwilligen.</strong></p>
<p><strong>Dieser Gesetzentwurf ist nicht akzeptabel!</strong></p>
<p>Die Abgeordneten <a href="http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/114/1711430.pdf">schlagen vor</a>, ins Bürgerliche Gesetzbuch folgenden Paragrafen einzufügen:</p>
<blockquote>
<p style="text-align:center;">§ 1631d</p>
<p style="text-align:center;">Beschneidung des männlichen Kindes</p>
<p>Die Personensorge umfasst auch das Recht, in eine medizinisch nicht erforderliche Beschneidung des männlichen Kindes einzuwilligen, wenn es das 14. Lebensjahr vollendet hat, einsichts- und urteilsfähig ist, der Beschneidung zugestimmt hat und diese nach den Regeln der ärztlichen Kunst von einer Ärztin oder einem Arzt mit der Befähigung zum Facharzt für Kinderchirurgie oder Urologie durchgeführt werden soll. Dies gilt nicht, wenn durch die Beschneidung auch unter Berücksichtigung ihres Zwecks das Kindeswohl gefährdet wird.</p></blockquote>
<p>Meines Erachtens muss das Alter zur Einwilligung dem entsprechen, das auch bei Piercings oder Tätowierungen greift, und das ist in Deutschland die Volljährigkeit, also 18 Jahre. (16 mit Einwilligung der Eltern.) Wieso sollen Tätowierungen und Piercings mit Einwilligung der Eltern erst ab 16 erlaubt sein, die Amputation der Vorhaut aber schon mit 14?</p>
<p>In Anbetracht der weitaus schlimmeren Alternative, die von der Regierung vorgeschlagen wurde, könnte ich womöglich mit der Altersgrenze 14 leben. Ich halte den Gesetzentwurf allerdings aus einem anderen Grund für inakzeptabel:</p>
<p><em><span id="more-4473"></span></em></p>
<p>Er soll nämlich nur die Beschneidung von Jungen erlauben, die Beschneidung von Mädchen (wir können auch gerne in beiden Fällen von &#8220;Genitalverstümmelung&#8221; sprechen) aber weiterhin verboten lassen. In dem <a href="http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/114/1711430.pdf" target="_blank">Gesetzentwurf</a> heißt es ausdrücklich:</p>
<blockquote><p><strong>IV. Abgrenzungen von der Verstümmelung weiblicher Genitalien</strong></p>
<p>Das Gesetz erstreckt sich nur auf die Beschneidung des männlichen Kindes. Die geltenden gesetzlichen Regelungen, die bei der Verstümmelung weiblicher Genitalien zur Anwendung kommen, bleiben davon unberührt.</p></blockquote>
<p>Die Frage ist nur: Mit welcher Begründung? <strong>Wieso sollen 14-jährige Jungen einwilligen können, ihre Genitalien beschneiden zu lassen, 14-jährige Mädchen aber nicht?</strong></p>
<p>Zumal auch dieser Gesetzentwurf JEDE Beschneidung erlauben soll, nicht nur religiös begründete. (Aus Scham, religiöse Ausnahmen für Körperverletzungen zu erlauben – um nichts anderes handelt es sich bei beiden Gesetzentwürfen! – lässt man die religiöse Begründung weg und öffnet damit das Tor auch für Beschneidungen von Minderjährigen aus traditionellen oder ästhetischen Gründen!) Auch darauf weisen die Abgeordneten ausdrücklich hin:</p>
<blockquote><p><strong>2. Allgemeine Regelung ohne Religionsbezug</strong></p>
<p>Den Eltern wird im Rahmen ihrer primären Erziehungsverantwortung ein Vertrauensvorschuss entgegengebracht, solange die Grenze der Kindeswohlgefährdung nicht erreicht ist (vgl. § 1666 BGB). Eltern können die nicht medizinisch indizierte Beschneidung ihres männlichen Kindes, die weltweit stark verbreitet ist, aus unterschiedlichen Gründen für kindeswohldienlich halten.</p>
<p>Häufig ist die Vornahme der Beschneidung Ausdruck einer religiösen Überzeugung. [...]</p>
<p>Die Beschneidung männlicher Kinder kann jedoch auch anderen Zwecken dienen. Beispielsweise hat die Alevitische Gemeinde darauf hingewiesen, dass die von ihren Mitgliedern praktizierte Knabenbeschneidung nicht in erster Linie Ausdruck einer religiösen Pflicht, sondern ein auf langer Tradition beruhender kultureller Ritus sei.</p></blockquote>
<p>Mit welcher Begründung soll also die Tradition der Mädchenbeschneidung – es gibt hier ja durchaus Varianten, die mit der Amputation der männlichen Vorhaut vergleichbar oder sogar weniger gravierend sind – verboten bleiben, wenn das Mädchen einwilligt und mindestens 14 Jahre alt ist?</p>
<p>Natürlich geht es mir nicht darum, die Genitalverstümmelung von Mädchen zu legalisieren. Man kann aber bei der körperlichen Unversehrtheit nicht für Mädchen und Jungen unterschiedliche Gesetze machen!</p>
<p>Ich hege große Sympathie für die 53 Abgeordneten und erkenne an, dass sie Schlimmeres vermeiden wollen. Dass aber selbst dieser sehr entgegenkommende Gesetzentwurf völlig inakzeptabel ist, belegt einmal mehr, dass es praktisch unmöglich sein dürfte, ein verfassungskonformes Gesetz zu verabschieden, das die Knabenbeschneidung erlaubt.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/skydaddy.wordpress.com/4473/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/skydaddy.wordpress.com/4473/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4473&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Die Lukas-Schule IST fundamentalistisch!</title>
		<link>http://skydaddy.wordpress.com/2012/11/11/die-lukas-schule-ist-fundamentalistisch/</link>
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		<pubDate>Sun, 11 Nov 2012 07:21:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gotteswahn]]></category>
		<category><![CDATA[Schule]]></category>
		<category><![CDATA[Darwin]]></category>
		<category><![CDATA[Dr. Ingo Resch]]></category>
		<category><![CDATA[EKD]]></category>
		<category><![CDATA[Evolution]]></category>
		<category><![CDATA[Evolutionstheorie]]></category>
		<category><![CDATA[Glaubensbasis]]></category>
		<category><![CDATA[Glaubensbasis der Evangelischen Allianz]]></category>
		<category><![CDATA[Kreationismus]]></category>
		<category><![CDATA[Kreationisten]]></category>
		<category><![CDATA[Lukas-Schule]]></category>
		<category><![CDATA[offener Brief]]></category>
		<category><![CDATA[Pädagogisches Konzept]]></category>
		<category><![CDATA[Schulvorstand]]></category>
		<category><![CDATA[Stellungnahme]]></category>

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		<description><![CDATA[Nach offizieller Auskunft ist der &#8220;gemeinsame Nenner&#8221; der Lehrkräfte an der Münchener Lukas-Schule die Glaubensbasis der Evangelischen Allianz von 1846. Diese beinhaltet u.a. die &#8220;völlige Zuverlässigkeit und höchste Autorität&#8221; der Bibel, die &#8220;völlige Sündhaftigkeit und Schuld des gefallenen Menschen, die ihn Gottes Zorn und Verdammnis aussetzen&#8221;, das &#8220;Endgericht&#8221; und die &#8220;Erwartung der persönlichen, sichtbaren Wiederkunft [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4453&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Nach offizieller Auskunft ist der &#8220;gemeinsame Nenner&#8221; der Lehrkräfte an der Münchener Lukas-Schule die <a href="http://www.ead.de/die-allianz/basis-des-glaubens.html" target="_blank">Glaubensbasis der Evangelischen Allianz</a> von 1846. Diese beinhaltet u.a. die &#8220;völlige Zuverlässigkeit und höchste Autorität&#8221; der Bibel, die &#8220;völlige Sündhaftigkeit und Schuld des gefallenen Menschen, die ihn Gottes Zorn und Verdammnis aussetzen&#8221;, das &#8220;Endgericht&#8221; und die &#8220;Erwartung der persönlichen, sichtbaren Wiederkunft des Herrn Jesus Christus in Macht und Herrlichkeit&#8221;. Pluralismus sieht man an der Lukas-Schule kritisch. Ein Schulvorstand bezeichnet die Evolutionstheorie als &#8220;wissenschaftlich nicht haltbar&#8221;.</strong></p>
<p><em><span id="more-4453"></span></em></p>
<h3>Absolute Bibelgläubigkeit</h3>
<p>In einer <a href="http://www.lukas-schule.de/images/stories/food/sz.pdf" target="_blank">Stellungnahme</a> schreibt Schulvorstand Dr. Ingo Resch:</p>
<blockquote>
<p dir="LTR">Es stimmt, dass bei mehr als 50 Lehrkräften, unterschiedliche Intensitäten des Glaubens bestehen. Dies ist auch gut so, denn hier arbeiten Menschen zusammen, die aus den verschiedenen Glaubensbekenntnissen stammen, überwiegend aus dem evangelischen Bereich, aber auch aus der katholischen oder griechisch orthodoxen Kirche stammen. [...] Die Stärke der Schule liegt zweifelsohne darin, dass Lehrkräfte aus den verschiedenen Glaubensrichtungen konstruktiv zusammenarbeiten. Es darf in der Schule nicht für eine bestimmte Glaubensrichtung oder Bekenntnis geworben werden. Besonderheiten der Glaubensausrichtung (z.B. ob Erwachsene oder Kinder getauft werden usw.) sind nicht Inhalt der Vermittlung. Als gemeinsamer Nenner gilt das Glaubensbekenntnis der Evangelischen Allianz.</p>
</blockquote>
<p>Meines Erachtens stellt dies einmal mehr eine Irreführung der Öffentlichkeit dar. Mit dem letzten zitierten Satz soll offenbar der Eindruck erweckt werden, die Schule bewege sich in dem Rahmen, den man von der EKD und der Evangelischen Landeskirche kennt. Die Evangelische Allianz ist aber eine <em>evangelikale</em> Organisation, und die <a href="http://www.ead.de/die-allianz/basis-des-glaubens.html" target="_blank">Glaubensbasis der Evangelischen Allianz</a> um die es hier geht, zeichnet sich durch eine Absolutsetzung der Bibel aus (Hervorhebungen von mir):</p>
<blockquote><p>Wir bekennen uns</p>
<ul>
<li>zur Allmacht und Gnade Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes in Schöpfung, Offenbarung, Erlösung, <strong>Endgericht</strong> und Vollendung;</li>
<li>zur <strong>göttlichen Inspiration der Heiligen Schrift, ihrer völligen Zuverlässigkeit und höchsten Autorität in allen Fragen des Glaubens und der Lebensführung</strong>;</li>
<li>zur <strong>völligen Sündhaftigkeit und Schuld</strong> des gefallenen Menschen, die ihn <strong>Gottes Zorn und Verdammnis</strong> aussetzen;</li>
<li>zum stellvertretenden Opfer des menschgewordenen Gottessohnes als einziger und allgenugsamer Grundlage der Erlösung von der Schuld und Macht der Sünde und ihren Folgen;</li>
<li>zur Rechtfertigung des Sünders allein durch die Gnade Gottes aufgrund des Glaubens an Jesus Christus, der gekreuzigt wurde und von den Toten auferstanden ist;</li>
<li>zum Werk des Heiligen Geistes, welcher Bekehrung und Wiedergeburt des Menschen bewirkt, im Gläubigen wohnt und ihn zur Heiligung befähigt;</li>
<li>zum Priestertum aller Gläubigen, die die weltweite Gemeinde bilden, den Leib, dessen Haupt Christus ist, und die durch seinen Befehl zur Verkündigung des Evangeliums in aller Welt verpflichtet ist;</li>
<li>zur <strong>Erwartung der persönlichen, sichtbaren Wiederkunft des Herrn Jesus Christus in Macht und Herrlichkeit</strong>; zum Fortleben der von Gott gegebenen Personalität des Menschen; zur Auferstehung des Leibes zum Gericht und zum ewigen Leben der Erlösten in Herrlichkeit.</li>
</ul>
</blockquote>
<p>Diese Glaubensbasis ist von 1846 undstammt damit noch aus einer Zeit, als man die Evolutionstheorie noch nicht kannte. In dem Dokument &#8220;<strong>Pädagogisches Konzept und Glaubensbasis der Lukas-Schule in München</strong>&#8221; (wiedergegeben in Bohne, Jürgen: <a href="http://books.google.com.sg/books?id=HHkWxo68_4wC" target="_blank">Evangelische Schulen im Neuaufbruch: Schulgründungen in Bayern, Sachsen und Thüringen 1989 &#8211; 1994</a>, ab S. 230, Zitat S. 237) heißt es (Hervorhebungen von mir):</p>
<blockquote><p>Ausschließliche Glaubensbasis der Lukas-Schule München sind die Aussagen der ganzen Heiligen Schrift Alten und Neuen Testamentes. <strong>Die Mitglieder und die Lehrer der Trägergemeinschaft sehen dies als alleinigen Maßstab für ihr Leben und für ihre Mitarbeit an der Lukas-Schule an.</strong> Insbesondere bekennen wir mit dem Wortlaut der <strong>Basis der evangelischen Allianz von 1846</strong>:</p>
<p>a) <strong>Die göttliche Inspiration, Autorität und Allgenugsamkeit der Heiligen Schriften.</strong></p>
<p>b) Das Recht und die Pflicht einer persönlichen Urteils &#8230; in der Auslegung der Heiligen Schriften.</p>
<p>c) Die Einheit der Gottheit und in ihr die Dreiheit der Personen.</p>
<p>d) <strong>Die völlige Verderbtheit der menschlichen Natur infolge des Sündenfalls.</strong></p>
<p>e) Die Menschwerdung des Sohnes Gottes, sein Versöhnungswerk für den sündigen Menschen, sein Mittleramt als Fürsprecher und seine Königsherrschaft.</p>
<p>f) Die Rechtfertigung des Sünders allein durch den Glauben.</p>
<p>g) Das Werk des Heiligen Geistes in der Bekehrung und Heiligung des Sünders.</p>
<p>h) Die Unsterblichkeit der Seele, die Auferstehung des Leibes, das <strong>Weltgericht</strong> durch unseren Herrn Jesus Christus mit der ewigen Seligkeit der Gerechten und der <strong>ewigen Verdammnis der Bösen</strong>.</p>
<p>i) Die göttliche Einsetzung des christlichen Predigtamtes und die Verbindichkeit und Beständigkeit der Anordnung von Taufe und Abendmahl.</p></blockquote>
<p>Zu Beginn seiner <a href="http://www.lukas-schule.de/images/stories/food/sz.pdf" target="_blank">Stellungnahme</a> beklagt Dr. Resch:</p>
<blockquote>
<p dir="LTR">In dem Artikel wird die Schule als fundamentalistisch, kreationistisch und angsteinflößend beschrieben.</p>
</blockquote>
<p>Nun, wer sich zur Glaubensbasis der Evangelischen Allianz von 1846 und zur völligen Zuverlässigkeit und höchsten Autorität der Bibel bekennt, der ist nun mal ein Fundamentalist. (Vgl. auch die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Fundamentalismus" target="_blank">Wikipedia-Definition von &#8220;Fundamentalismus&#8221;</a>.)</p>
<p>Und wer Kindern (Grundschülern!) beibringt, dass die menschliche Natur von &#8220;völliger Verderbtheit&#8221; sei, dass die &#8220;völlige Sündhaftigkeit und Schuld des gefallenen Menschen&#8221; ihn &#8220;Gottes Zorn und Verdammnis aussetzen&#8221;; wer lehrt, dass es ein &#8220;Endgericht&#8221; mit &#8220;ewiger Verdammnis der Bösen&#8221; gibt, dem man nur durch den Glauben an Jesus Christus entgehen kann – der darf sich nicht wundern, wenn dies – völlig zu Recht! – als &#8220;furchteinflößend&#8221; bezeichnet wird. Und dazu braucht man noch nicht einmal irgendwelche Berichte von Eltern oder Schülern, dazu genügt die Selbstdarstellung der Lukas-Schule. (Man beachte auch, dass nach dem obigen Verständnis die &#8220;Bösen&#8221; diejenigen sind, die nicht den &#8220;Glauben an Jesus Christus&#8221; angenommen haben – ein Konzept, das ein freiheitlich-demokratischer Staat eigentlich nicht <a href="http://www.sueddeutsche.de/muenchen/vorwurf-dubioser-lernmethoden-hefte-der-lukas-schule-werden-geprueft-1.1506618">mit Hunderttausenden Euro pro Jahr fördern</a> sollte.)</p>
<h3>Augenwischerei: &#8220;Vielfalt&#8221; im Fundamentalismus</h3>
<p>Dr. Reschs Ausführungen, dass die Lehrkräfte &#8220;aus den verschiedenen Glaubensbekenntnissen stammen&#8221; und dass &#8220;nicht für eine bestimmte Glaubensrichtung oder Bekenntnis geworben werden&#8221; dürfe, sind Augenwischerei, weil er sich offenbar auf unterschiedliche Auffassungen <em>innerhalb</em> der oben beschriebenen Glaubensbasis bezieht, wie die Frage &#8220;ob Erwachsene oder Kinder getauft werden usw.&#8221; (Wie die Existenz dieser unterschiedlichen Auffassungen mit der behaupteten absoluten Zuverlässigkeit der Bibel &#8220;in allen Fragen des Glaubens und der Lebensführung&#8221; vereinbar sein soll, weiß wohl nur Dr. Resch.) Dr. Resch tut aber so, als ob die von ihm beschriebene &#8220;Vielfalt&#8221; den Vorwurf des Fundaementalismus entkräften würde.</p>
<p>Tatsächlich macht das &#8220;Pädagogische Konzept&#8221; der Lukas-Schule deutlich, dass Vielfalt (&#8220;Pluralität&#8221;) dort vor allem negativ wahrgenommen wird. Darin heißt es nämlich:</p>
<blockquote><p>Die Lukas-Schule ist der Ansicht, daß eine öffentliche Schule in einer pluralistischen Gesellschaft bei allem guten Willen christliche Erziehung auf der Grundlage eines an der Bibel orientierten Menschenbildes praktisch nicht verwirklichen kann.</p>
<p>Gründe hierfür sind:</p>
<ul>
<li>Pluralität der Lehrer: &#8220;Wo für den Lehrer selbst der Glaube keine lebensbewegende Kraft ist, sind alle äußeren Bemühungen vergebliche Liebesmüh&#8221; (1).</li>
<li>Pluralität der Erzieherin der Familie und allen anderen Bereichen (z. B. Jugendgruppen).</li>
<li>Religiöse Gleichgültigkeit in weiten Bereichen des öffentlichen Lebens: &#8220;Religion ist Privatsache!&#8221;</li>
<li>Ein oft wenig überzeugender, orientierungsloser Religionsunterricht und eine als lebensfern empfundene Kirche. Ein verbreitetes Gottesbild, das hinter der biblischen Botschaft weit zurückbleibt.</li>
</ul>
</blockquote>
<h3>Schulvorstand: Darwins Überlegungen &#8220;wissenschaftlich nicht haltbar&#8221;</h3>
<p>Dr. Resch scheint auch zu beanstanden, dass seine Schule als &#8220;kreationistisch&#8221; beschrieben wird. In einem <a href="http://www.lukas-schule.de/images/stories/food/offener_brief.pdf" target="_blank">offenen Brief</a> – ebenfalls von Dr. Resch mitunterzeichnet – schreiben Schulleitung und Schulvorstand:</p>
<blockquote>
<p dir="LTR">Unsere Schule steht vorbehaltlos für die Einhaltung der staatlichen Lehrpläne, auch im Fach Biologie – Wissenschaftsfeindlichkeit und Einschränkungen der Meinungsfreiheit sind uns fremd.</p>
</blockquote>
<p>Damit will man wohl Befürchtungen entgegentreten, die Schule vermittele ein wissenschaftsfeindliches oder gar kreationistisches Weltbild – wie es für Evangelikale übrigens keineswegs untypisch ist! Tatsächlich handelt es sich aber lediglich um eine wachsweiche Formulierung, die bloß ein förmliches Bekenntnis zu den staatlichen Lehrplänen beinhaltet. Eine konkrete Absage an den Kreationismus sucht man vergeblich. In seiner Stellungnahme schreibt Dr. Resch:</p>
<blockquote>
<p dir="LTR">In der Schule werden keine Lehren vertreten, die unter dem Begriff des sogenannten Kreationismus bekannt sind.</p>
</blockquote>
<p>Derart sperrige Formulierungen sind kennzeichnend für &#8220;Nicht-Dementis&#8221; (Non-Denial-Denials) in denen der Verfasser sich um eine klare Absage drückt. 2001 veröffentlichte das Evangelische Sonntagsblatt für Bayern einen <a href="http://www.sonntagsblatt-bayern.de/archiv01/37/woche3.htm" target="_blank">Artikel</a> von Dr. Resch, unter dem er ausdrücklich als &#8220;Mitbegründer und Vorstandsmitglied der evangelischen Lukas-Schule in München&#8221; bezeichnet wird. Darin schreibt Resch (Hervorhebung von mir):</p>
<blockquote><p>Anfangs war es für mich schwer, von alteingesessenen Denkgewohnheiten Abschied zu nehmen. Die Mechanismen des Zufalls, der Auslese und Höherentwicklung erkannte ich nur mühsam in ihrer <strong>hypothetischen, wissenschaftlich nicht haltbaren Aussage</strong>. Mir wurde im Laufe der Zeit klar, dass es sich bei den Darwinschen Überlegungen um eine Naturphilosophie handelte, die letztendlich auch Grundlage der Ideologien des 20. Jahrhunderts bildete und dieses Jahrhundert in eine Hölle verwandelte.</p></blockquote>
<p><strong>Das ist nur so zu verstehen, dass Darwins Überlegungen zur Evolution &#8220;wissenschaftlich nicht haltbar&#8221; seien.</strong> Etwas später schreibt Resch:</p>
<blockquote><p>Mich hat die Botschaft der Bibel in ihrer Tiefe und Genauigkeit fasziniert, wie sie die Struktur des Werdens von Leben und seinen Zerfall beschreibt. Nur hier wird ein Entstehen und ein Werden begründet, das als einziges Welterklärungsmodell nicht mit Natur- und sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen kollidiert.</p></blockquote>
<p><strong>Der Vorstand der Lukas-Schule vertritt also die Auffassung, dass die Bibel als einziges Welterklärungsmodell &#8220;nicht mit Natur- und sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen kollidiert&#8221;.</strong></p>
<p>Dementsprechend hat die Lukas-Schule auch ein spezielles Verständnis von &#8220;wissenschaftlicher Forschungsarbeit&#8221;. In dem bereits erwähnten &#8220;Pädagogischen Konzept und Glaubensbasis der Lukas-Schule&#8221; heißt es:</p>
<blockquote><p>Wir erklären ausdrücklich, dass der Begriff &#8220;Allgenugsamkeit der heiligen Schrift&#8221; (Absatz 1a) <strong>wissenschaftliche Forschungsarbeit unter der Autorität Gottes</strong> einschließt.</p></blockquote>
<p>Dies scheint darauf hinzudeuten, dass &#8220;wissenschaftliche Forschung&#8221; sich gemäß der Statuten der Lukas-Schule im Rahmen der biblischen Vorgaben zu bewegen hat. Das wäre dann freilich keine &#8220;wissenschaftliche Forschung&#8221; mehr!</p>
<h3>&#8220;Meinungsfreiheit&#8221; im Biologie-Unterricht?</h3>
<p>Es fällt auch auf, dass die Schulleitung in ihrem offenen Brief die &#8220;Meinungsfreiheit&#8221; ausgerechnet im Zusammenhang mit den staatlichen Lehrplänen, dem Fach Biologie und Wissenschaftsfeindlichkeit erwähnt: In der Naturwissenschaft haben &#8220;Meinungen&#8221; nämlich nichts zu suchen, sondern nur nachvollziehbare Erklärungsmodelle. Schulen haben sich darüber hinaus an <em>etablierte</em> Erklärungsmodelle zu halten. Wenn die Schulleitung der Lukas-Schule ausgerechnet in diesem Zusammenhang schreibt, &#8220;Einschränkungen der Meinungsfreiheit sind für uns fremd&#8221;, dann erweckt das den Verdacht, dass dort die Evolutionstheorie womöglich als &#8220;Meinung&#8221; neben anderen &#8220;Meinungen&#8221; – bzw. neben dem &#8220;absolut zuverlässigen Zeugnis&#8221; der Bibel dargestellt wird.</p>
<p><strong>Fazit:</strong> Die Beschreibung der Lukas-Schule als &#8220;fundamentalistisch&#8221; und &#8220;angsteinflößend&#8221; ist gut belegbar und ergibt sich unmittelbar aus deren evangelikalem, bibeltreuen Selbstverständnis. Und wenn ein Mitgründer und Schulvorstand Darwins Evolutionstheorie öffentlich als &#8221;hypothetische, wissenschaftlich nicht haltbare Aussage&#8221; bezeichet, die das 20. Jahrhundert &#8220;in eine Hölle verwandelte&#8221;, dann ist auch der Verdacht des Kreationismus und der Wissenschaftsfeindlichkeit nicht so leicht von der Hand zu weisen – insbesondere nicht mit derart wachsweichen Formulierungen, wie man sie in den letzten Wochen von der Leitung der Lukas-Schule gelesen hat.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/skydaddy.wordpress.com/4453/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/skydaddy.wordpress.com/4453/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4453&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Fundamentalismus-Vorwurf: Evangelische Lukas-Schule in München in der Kritik (Transkript)</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Nov 2012 07:21:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Schule]]></category>
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		<category><![CDATA[Evangelikalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Lukas-Schule]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Sendung &#8220;Religion und Kirche&#8221; auf BR5 aktuell brachte am Sonntag, de, 28. Oktober 2012 einen vierminütigen Beitrag von Julie Metzdorf über die evangelikale Lukas-Schule in München (ab Minute 15). Ein Beitrag, von dem ich hoffe, dass er Beachtung findet. Leider ist die Sendung ist nur als Podcast verfügbar, aber nicht als Transkript. Ich habe deshalb [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4440&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die Sendung &#8220;Religion und Kirche&#8221; auf BR5 aktuell brachte am Sonntag, de, 28. Oktober 2012 einen vierminütigen Beitrag von Julie Metzdorf über die evangelikale Lukas-Schule in München (ab Minute 15). Ein Beitrag, von dem ich hoffe, dass er Beachtung findet.</p>
<p>Leider ist die Sendung ist nur als Podcast verfügbar, aber nicht als Transkript. Ich habe deshalb die Sendung transkribiert, um die Inhalte leichter auffindbar zu machen:</p>
<p><em><span id="more-4440"></span></em></p>
<h3>Fundamentalismus­-Vorwürfe. Evangelische Lukas­-Schule in München in der Kritik.</h3>
<p dir="LTR"><em>Von Julie Metzdorf</em></p>
<p dir="LTR">Beitrag in: &#8220;Religion und Gesellschaft&#8221; auf BR5 aktuell, Sonntag, 28. Oktober 2012, 6:05 bis 6:29 Uhr (ab Minute 15).</p>
<p dir="LTR">mp3-Datei verfügbar unter: <a href="http://cdn-storage.br.de/mir-live/MUJIuUOVBwQIb71S/iw11MXTPbXPS/_2rc_71S/_AES/9-gf5AQS/121028_0605_Religion-und-Kirche_Piusbruderschaft.mp3">http://cdn-storage.br.de/mir-live/MUJIuUOVBwQIb71S/iw11MXTPbXPS/_2rc_71S/_AES/9-gf5AQS/121028_0605_Religion-und-Kirche_Piusbruderschaft.mp3</a></p>
<p dir="LTR">Webseite zur Sendung: <a href="http://www.br.de/radio/b5-aktuell/programmkalender/sendung449244.html">http://www.br.de/radio/b5-aktuell/programmkalender/sendung449244.html</a></p>
<p dir="LTR">Webseite zur Sendereihe: <a href="http://www.br.de/radio/b5-aktuell/sendungen/religion-und-kirche/religion-und-kirche108.html">http://www.br.de/radio/b5-aktuell/sendungen/religion-und-kirche/religion-und-kirche108.html</a></p>
<p dir="LTR">Anmerkung: Bei der Berichterstattung der Süddeutschen Zeitung, auf die in der Anmoderation Bezug genommen wird, handelt es sich um folgende Artikel:</p>
<ul>
<li>Methoden an evangelischer Privatschule<br />
<a href="http://www.idea.de/detail/gesellschaft/detail/evangelikale-schule-wehrt-sich-erfolgreich-gegen-sueddeutsche.html"><strong>UPDATE: Der ursprüngliche Artikel der SZ wurde mittlerweile zurückgezogen</strong></a> (19.10.2012)</li>
<li>Vorwürfe gegen evangelische Lukas-Schule<br />
<a href="http://www.sueddeutsche.de/muenchen/vorwuerfe-gegen-lukas-schule-evangelische-landeskirche-kuendigt-untersuchung-an-1.1502163" target="_blank"><strong>Landeskirche kündigt Untersuchung an</strong></a> (21.10.2012)</li>
<li>Vorwurf dubioser Lernmethoden<br />
<a href="http://www.sueddeutsche.de/muenchen/vorwurf-dubioser-lernmethoden-hefte-der-lukas-schule-werden-geprueft-1.1506618" target="_blank"><strong>Hefte der Lukas-Schule werden geprüft</strong></a> (26.10.2012)</li>
</ul>
<p><strong>Im Text habe ich bestimmte Punkte durch Fettschrift hervorgehoben – in der Radiosendung gibt es natürlich keine derartige Hervorhebung.</strong></p>
<p dir="LTR">[Anmoderation:] Eine evangelische Privatschule in München, die Lukas-Schule, ist durch einen Bericht in der Süddeutschen Zeitung ins Gerede gekommen: &#8220;christlicher Fundamentalismus&#8221; lautet der Vorwurf. Einige Eltern wollen das nicht einfach hinnehmen, andere haben von alledem nichts bemerkt. Und jetzt ist der Vorgang Gegenstand einer offiziellen Untersuchung. Julie Metzdorf:</p>
<p dir="LTR">[Beginn des Beitrags] Die Schule weist in einem offenen Brief alle Vorwürfe zurück. Es gebe weder Diskriminierung, noch irgendwelche Literatur- und Denkverbote. Und auch im Fach Biologie würden die staatlichen Lehrpläne eingehalten. In einem an die Süddeutsche Zeitung gerichteten Leserbrief äußerten auch 120 Eltern ihr Unverständnis über die in ihren Augen diffamierende Berichterstattung. Sie lobten die engangierten Lehrer und den guten Umgang mit den Kindern. Tatsächlich genießt die Schule in München einen sehr guten Ruf.</p>
<p dir="LTR">Michael Rufer, Vater zweier Schüler an der Lukas-Schule, bestätigt auch gegenüber dem Bayerischen Rundfunk:</p>
<p dir="LTR"><em>&#8220;Da gibt es also weder &#8216;ne Spur von Fundamentalismus, oder von Diskriminierung von Schwulen, das haben wir so nie erlebt. Natürlich werden die Kinder in christlichen Werten unterrichtet, wie das in jedem Religionsunterricht natürlich auch stattfindet. Aber sie werden gleichzeitig auch unterrichtet in den klassischen humanistischen Werten, wie Toleranz, zum Beispiel, oder Offenheit und Fairness gegenüber Minderheiten.&#8221;</em></p>
<p dir="LTR">In einer schriftlichen Stellungnahme der Schule heißt es unter anderem: <strong>Menschen können sich &#8211; Zitat: &#8220;nur bei heterosexuellem Verhalten vermehren. Und dies ist ein biblischer Auftrag.&#8221;</strong> &#8211; Zitat Ende.</p>
<p dir="LTR">Verfasser der Stellungnahme und Vorstandsmitglied des Trägervereins der Schule ist ein Münchener Verleger. <strong>In seinem Verlag erscheinen unter anderem islamkritische Bücher und Literatur, die die Evolutionstheorie in Frage stellt. Der Schulleiter des Gymnasiums ist, wie die Schule bestätigt, Vorsitzender des rechtskonservativen Vereins &#8220;Die Wende&#8221;, der unter anderem Schriften des schwulenkritischen Philosophieprofessors Günter Rohrmoser vertreibt.</strong></p>
<p dir="LTR">Ludwig Unger, Pressesprecher des bayerischen Kultusministeriums:</p>
<p dir="LTR"><em>&#8220;Ein Mensch kann erstmal in einer Demokratie denken was er will. Die Frage ist, ob in einem Unterrichtsprogramm, ob im Schulalltag diese Privatmeinung eines Menschen &#8216;ne Rolle spielt, vielleicht sie sogar dominiert, oder nicht.&#8221;</em></p>
<p dir="LTR"><strong>Die Mutter einer Schülerin sagt, sie fühle sich getäuscht: Da die Schule von der evangelischen Landeskirche anerkannt wird, sei sie automatisch davon ausgegangen, hier würden christliche Werte im Sinne der evangelisch-lutherischen Landeskirche gelehrt.</strong> Jetzt aber müsse sie erfahren, dass einzelne Mitarbeiter der Freikirche angehören. Nach Aussage der Schule gehört von den fünf Schulleitern einer der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche und einer der Freien Evangelischen Gemeinde an. Die Mutter möchte anonym bleiben, ihre Aussage haben wir nachgesprochen:</p>
<p dir="LTR"><em>&#8220;Mein zentraler Vorwurf ist, dass man als Eltern nicht weiß, worauf man sich einlässt. Dass eben nicht transparent gemacht wird, welche Inhalte vermittelt werden. Meine Erfahrung ist, dass man auf den Info-Abenden, bevor man an die Schule kommt, dieses Bild nicht vermittelt bekommt. Dass man überhaupt nicht auf die Idee kommen könnte, dass da freikirchliche Strömungen auch mit an Bord sind.&#8221;</em></p>
<p dir="LTR">So missfiel ihr beispielsweise auch die Werbung für eine evangelikale Bewegung. Den Schülern der Grundschule wurde ein Flyer mit der Nummer eines sogenannten &#8220;Geschichtentelefons&#8221; gegeben. Betreiber ist die Kinder-Evangelisations-Bewegung, in dieser Woche läuft ein <strong>halloweenkritisches Hörspiel</strong>:</p>
<p dir="LTR"><em>[Frauenstimme:] &#8220;Eva bleibt die Pizza im Hals stecken, als sie liest, was &#8216;Halloween&#8217; bedeutet: Hexen- und Satansfest, Neujahr der Kelten. Sie glaubten nicht an den wahren Gott, aber an viele Götter, und dass in dieser Nacht Samhain, der Totengott, kommt und Verstorbene einsammelt.&#8221;</em></p>
<p dir="LTR"><em>[Männerstimme:] &#8220;Verkleidete Gespenster, die Süßigkeiten betteln, erinnern an diesen Heidenbrauch. <strong>Die Bibel sagt: &#8216;Meide das Böse!&#8217; &#8211; Helloween IST die Nacht des Bösen.</strong>&#8220;</em></p>
<p dir="LTR">Prüfer der staatlichen Schulaufsicht und der Landeskirche untersuchen die Vorwürfe nun. Die Ergebnisse sollen so schnell wie möglich öffentlich gemacht werden.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/skydaddy.wordpress.com/4440/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/skydaddy.wordpress.com/4440/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4440&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Falsches Signal</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Jul 2012 17:59:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Staat und Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Beschneidung]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die gestern vom Bundestag geforderte Regelung, die Knabenbeschneidung straffrei zu stellen, nicht zustandekommt oder vom Bundesverfassungsgericht kassiert wird. Deshalb ist es höchst problematisch, dass der Bundestag den Beschneidern mehrheitlich und quasi von höchster Stelle signalisiert hat: IHR SEID IM RECHT! Wohlwollend könnte man sagen, dass der Deutsche Bundestag gestern ein [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4436&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die gestern vom Bundestag geforderte Regelung, die Knabenbeschneidung straffrei zu stellen, nicht zustandekommt oder vom Bundesverfassungsgericht kassiert wird. Deshalb ist es höchst problematisch, dass der Bundestag den Beschneidern mehrheitlich und quasi von höchster Stelle signalisiert hat: IHR SEID IM RECHT!</strong></p>
<p><em><span id="more-4436"></span></em></p>
<p>Wohlwollend könnte man sagen, dass der Deutsche Bundestag gestern ein Signal an die Muslime und Juden in Deutschland gesendet hat: „Ihr seid hier willkommen und dürft auch Eure Religion hier ebenso praktizieren wie jeder andere auch! Der Großteil der Bevölkerung (oder zumindest des Bundestages) ist nicht antisemitisch eingestellt oder islamophob.“</p>
<p>Ein solches Signal hätte ich sogar anlässlich des Kölner Beschneidungsurteils für sinnvoll gehalten, denn es ist absolut nachvollziehbar, dass gerade die Muslime nach Kopftuchverboten, dem unseligen „Gebetsraum-Urteil“ in Berlin (das keines war), absurden Hürden bei der Erteilung von Lizenzen zum Schächten, und den Diskussionen um Burka- und Moscheebauverbote den Eindruck haben müssen, es handele sich bei dem Kölner Beschneidungs-Urteil um ein religionsfeindliches Urteil. (Was nicht der Fall ist: Das Landgericht hat festgestellt, dass eine Beschneidung nicht Einwilligungsfähiger ohne medizinische Notwendigkeit eine strafbare Körperverletzung darstellt. Das ergibt sich aus dem allgemeinen Strafrecht und ist erst einmal nicht auf irgendeine Religion gemünzt, es verbietet übrigens m.E. auch das vorschnelle Beschneiden bei einer Vorhautverengung, weil es dort zur Behandlung schonendere Verfahren gibt, die selbst bei einer Operation die Vorhaut erhalten.)</p>
<p>Ein solches Signal hat der Bundestag allerdings nicht gesetzt, es wäre auch hohl gewesen, denn Taten zählen in den oben aufgezählten Fällen mehr als bloße Lippenbekenntnisse.</p>
<p><strong>Vielmehr hat der Bundestag den Beschneidern leider mehrheitlich und quasi von höchster Stelle deutlich signalisiert: IHR SEID IM RECHT!</strong></p>
<p>Damit ist er dann gleich auch noch all den Juden und Muslimen in den Rücken gefallen, die sich für die Abschaffung der Knabenbeschneidung einsetzen.</p>
<p>Entgegen der Beteuerungen der Befürworter der Straffreiheit wird dies spätestens dann problematisch werden, wenn die angestrebte Regelung sich nicht realisieren lässt oder vom Bundesverfassungsgericht gekippt wird. Dass bisher noch nicht einmal klar ist, wie GLEICHZEITIG das Kindeswohl und die Beschneidung gewährleistet werden sollen, ist ja nicht gerade vielversprechend.</p>
<p><strong>Der Fehler liegt bereits darin, Religion als Quelle von Verhaltensvorschriften zu akzeptieren</strong></p>
<p>Aus meiner Sicht offenbart die derzeitige Debatte um die Knabenbeschneidung, dass es bereits ein grundsätzlicher Fehler ist, den Religiösen um des lieben Religionsfriedens willen zuzugestehen, dass sie überhaupt irgendwelche sinnvollen Verhaltensregeln aus ihren religiösen Offenbarungen, Büchern und Traditionen erhalten können. <strong>Wenn man  so tut – etwa, weil man denkt, die halten sich dann besser an die geltenden Gesetze – kann man nämlich im „Ernstfall“, wie jetzt bei der Beschneidung, nicht mehr erklären, weshalb die meisten religiösen Lehren richtig, die fragliche aber falsch sein soll.</strong></p>
<p>Ich will damit nicht die Religionsfreiheit einschränken – es kann und soll ja ruhig jeder weiter glauben, was er will. Aber die Vorstellung, man könne durch göttliche Offenbarung ethische Maßstäbe gewinnen, sollte aber nicht weiter „respektiert“ oder geradezu gehätschelt und mit „Ehrfurcht“ behandelt zu werden.</p>
<p>Religiöse Lehren sind nicht überprüfbar, nicht verifizierbar, deshalb gibt es ja auch so viele und widersprüchliche davon. <strong>Wer Religion als Maßstab anerkennt, öffnet bestenfalls eine Wundertüte und nicht selten die Büchse der Pandora:</strong> Bestenfalls werden sich die Religiösen gesetzeskonform verhalten (was sie ohnehin tun müssten und, wenn sie vernünftig sind, i.d.R. auch tun werden), schlimmstenfalls fliegen sie Flugzeuge in Hochhäuser oder fangen Kriege an.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/skydaddy.wordpress.com/4436/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/skydaddy.wordpress.com/4436/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4436&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Willkommen in der Komikernation!</title>
		<link>http://skydaddy.wordpress.com/2012/07/19/willkommen-in-der-komikernation/</link>
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		<pubDate>Thu, 19 Jul 2012 11:33:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Staat und Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Beschneidung]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestag]]></category>

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		<description><![CDATA[Leute, die ihre Identität am Penis ihrer Söhne festmachen, sollte man nicht ernst nehmen. Erst recht aber sollte man ihnen keine strafrechtlichen Ausnahmen für die Körperverletzung an Wehrlosen einräumen! Wie es aussieht, wird der Bundestag heute mit breiter Mehrheit einen Entschließungsantrag verabschieden, in dem die Bundesregierung aufgefordert wird, die Körperverletzung an wehrlosen Kindern und Säuglingen aus religiösen [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4431&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Leute, die ihre Identität am Penis ihrer Söhne festmachen, sollte man nicht ernst nehmen. Erst recht aber sollte man ihnen keine strafrechtlichen Ausnahmen für die Körperverletzung an Wehrlosen einräumen!</strong></p>
<p><em><span id="more-4431"></span></em></p>
<p>Wie es aussieht, wird der Bundestag heute mit breiter Mehrheit einen Entschließungsantrag verabschieden, in dem die Bundesregierung aufgefordert wird, die Körperverletzung an wehrlosen Kindern und Säuglingen aus religiösen Gründen straffrei zu stellen.</p>
<blockquote><p>Die Fraktionen von Union, FDP und SPD haben sich am Mittwoch auf einen gemeinsamen Antrag zur Zulässigkeit von Beschneidungen geeinigt. In der Entschließung, über die an diesem Donnerstag abgestimmt werden soll, wird die Bundesregierung aufgefordert, im Herbst einen entsprechenden Gesetzentwurf vorzulegen. Darin soll die medizinisch fachgerechte Beschneidung von Jungen ohne unnötige Schmerzen für zulässig erklärt werden. Zu berücksichtigen seien dabei die Rechtsgüter des Kindeswohls, der körperlichen Unversehrtheit, der Religionsfreiheit und des Rechts der Eltern auf Erziehung. [<a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/entschliessungsantrag-bundestag-fuer-beschneidungen-11824617.html">FAZ</a>]</p></blockquote>
<p><strong>Was die Abgeordneten übersehen ist, dass die geforderte Abwägung bereits in den letzten Jahren ganz unaufgeregt unter Medizinern und Juristen erfolgte</strong>, und sich dabei die Einsicht durchgesetzt hat, dass es sich bei der medizinisch nicht notwendigen Beschneidung einwilligungsunfähiger Kinder um Körperverletzung handelt, die auch nicht durch die Religionsfreiheit (die sich im Rahmen der geltenden Gesetze zu bewegen hat) oder das Elternrecht (das stets dem Wohl des Kindes dienen muss) gedeckt ist. (Ich habe dies <a href="http://hpd.de/node/13642">hier</a>, <a href="http://hpd.de/node/13652">hier</a> und <a href="http://hpd.de/node/13684">hier</a> dargestellt.)</p>
<p>Angesichts dieser stimmigen Abwägung, die auch nicht anders ausfallen konnte, ist es besonders erschreckend, dass die Politik den Erwägungen der Juristen überhaupt keine neuen Argumente entgegensetzt. Die <a href="http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2012/07/2012-07-17-beschneidung.html">Erklärung</a> der Bundesregierung, Beschneidungen von Kindern müssten weiter möglich sein, mit der einzigen Begründung, das sei schon immer so gewesen, kann gegenüber den <a href="http://www.holmputzke.de/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=23&amp;Itemid=29">Ausführungen der Juristen</a> nicht überzeugen.</p>
<p><strong>Gerade Bundeskanzlerin Angela Merkel, Justizministerin Sabine-Leutheusser-Schnarrenberger und Familienministerin Kristina Schröder profitieren davon, dass die Gesellschaft sich (beim Thema „Gleichstellung der Geschlechter“) irgendwann einmal nicht mehr mit dem „Argument“ zufrieden gegeben hat, „Wir haben das schon immer“ bzw. „noch nie so gemacht!“</strong> Umso erbärmlicher ist es jetzt, dass sie nach der Vorlage des Kölner Urteils, das ja lediglich festgestellt, dass die Beschneidung bisher auch schon strafbar war, jetzt zukünftigen Generationen (bzw. der jetzt geborenen Generation) den zivilisatorischen Fortschritt nicht nur vorenthalten, sondern diesen sogar AKTIV zurückdrehen wollen, mit einem Gesetz, das offenbar das Recht auf körperliche Unversehrtheit aus Artikel 2 des Grundgesetzes gezielt für die konservative jüdische Beschneidung (und quasi nebenbei für die muslimische Beschneidung) außer Kraft setzen soll. Dies lässt sich an den <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/beschneidung-gesetzentwurf-bis-zum-herbst-11823355.html">Bestrebungen</a> erkennen, die Frage der Betäubung nicht zu regeln und noch nicht einmal vorzuschreiben, dass die Beschneidung durch einen Arzt erfolgen muss. Bin ich der einzige, dem die Haare zu Berge stehen, wenn ich Formulierungen wie <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/beschneidung-gesetzentwurf-bis-zum-herbst-11823355.html">diese</a> lesen muss:</p>
<blockquote><p>Dagegen stehen Befürchtungen, diese Formulierung könne Fachleute ohne ärztliche Ausbildung von der Beschneidung ausschließen.</p></blockquote>
<p>Die folgende Bemerkung möchte ich ganz bewusst nicht auf alle Muslime und Juden bezogen wissen – wie auch, wenn in Deutschland Rabbinern zufolge mindestens 80 Prozent der Juden nicht beschnitten sind – sondern auf die hysterischen Krakeeler, die sich jetzt völlig unnachgiebig gebären: <strong>Leute, die ihre Identität am Penis ihrer Söhne festmachen, sollte man nicht ernst nehmen. Erst recht aber sollte man ihnen keine strafrechtlichen Ausnahmen für die Körperverletzung an Wehrlosen einräumen!</strong></p>
<p>Vor vier Wochen hat sich Frau Merkel noch dagegen verwehrt, von den Griechen “am Nasenring durch die Manege” geführt zu werden. Jetzt lässt sie sich von religiösen Hardlinern willig vorführen.</p>
<p>Willkommen in der Komikernation!</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/skydaddy.wordpress.com/4431/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/skydaddy.wordpress.com/4431/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4431&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
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		<title>Baby-Werfen: Indien fortschrittlicher als Deutschland?</title>
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		<pubDate>Fri, 29 Jun 2012 16:44:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vor einigen Jahren berichteten internationale Medien über einen Brauch in Südindien, bei dem Babys vom Turm eines Tempels in ein Sprungtuch geworfen wurden. Als die Behörden davon erfuhren, kündigten sie an, diese Praxis verbieten zu wollen. Nach dieser Ankündigung von 2009 scheint es auch keine weiteren Berichte oder Videos mehr dazu zu geben. (Möglicherweise wurde die [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4425&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<span class='embed-youtube' style='text-align:center; display: block;'><iframe class='youtube-player' type='text/html' width='450' height='284' src='http://www.youtube.com/embed/ZYzCcxF2IzE?version=3&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;showsearch=0&#038;showinfo=1&#038;iv_load_policy=1&#038;wmode=transparent' frameborder='0'></iframe></span>
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<p>Vor einigen Jahren berichteten internationale Medien über einen Brauch in Südindien, bei dem Babys vom Turm eines Tempels in ein Sprungtuch geworfen wurden.</p>
<p>Als die Behörden davon erfuhren, kündigten sie an, diese Praxis <a href="http://www.n24.de/news/newsitem_5634687.html">verbieten</a> zu wollen. Nach dieser Ankündigung von 2009 scheint es auch keine weiteren Berichte oder Videos mehr dazu zu geben. (Möglicherweise wurde die Praxis auch beändert, so dass die Babys jetzt nur noch <a href="http://www.youtube.com/watch?v=52ofckImWB8" target="_blank">von den Stufen des Tempels </a>fallen gelassen werden.)</p>
<p>Stellungnahmen von Muslimen, Juden oder den christlichen Kirchen zugunsten dieser über 500 Jahre alten Praxis waren damals nicht zu vernehmen. Dabei dürfte dieses Ritual weniger beeinträchtigend für die Kinder sein als die Beschneidung. Schließlich <a href="http://www.oe24.at/welt/weltchronik/Inder-werfen-Babys-fuer-glueckliches-Leben-von-Turm/301212" target="_blank">berichten</a> Einheimische, &#8220;dass es noch nie Verletzungen gegeben hat. Auch bleiben angeblich keine psychischen Schäden zurück.&#8221; Dann muss es ja wohl stimmen.</p>
<p>Wer allerdings jetzt das Urteil des Kölner Landgerichts kritisiert, das die Beschneidung nicht einwilligungsfähiger Jungen als Körperverletzung gewertet hat, und eine Ausnahmeregelung für die religiöse Beschneidung fordert, wird schwerlich die indische Praxis verurteilen können.</p>
<p>Nun leben in Indien auch viele Muslime (mehr als 10 Prozent), und die werden sicher ihre Söhne beschneiden, von daher ist Indien in dieser Hinsicht nicht wirklich fortschrittlicher als Deutschland. Aber Kritiker des Kölner Urteils müssten erklären, weshalb Babywerfen schlecht sein soll, die Beschneidung aber zulässig. Ansonsten müssten sie ja die Wiedereinführung des Babywerfens fordern.</p>
<p>&nbsp;</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/skydaddy.wordpress.com/4425/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/skydaddy.wordpress.com/4425/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4425&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Die EKD-Position zur Beschneidung</title>
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		<pubDate>Fri, 29 Jun 2012 14:58:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gotteswahn]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchliche Propaganda]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Staat und Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Beschneidung]]></category>
		<category><![CDATA[EKD]]></category>
		<category><![CDATA[Genitalverstümmelung]]></category>

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		<description><![CDATA[Es kommt nicht darauf an, ob die Beschneidung als Ausdruck kultureller Eigenständigkeit verstanden wird. Das Grundgesetz bekennt sich in Art. 1 Abs. 1 GG zur unverletzbaren Garantie der Menschenwürde. Mit der Menschenwürde ist der allgemeine Wert- und Achtungsanspruch gemeint, der dem Menschen wegen seines Menschseins zukommt. Sie verbietet es, ihn zum bloßen Objekt zu machen oder ihn [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4420&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Es kommt nicht darauf an, ob die Beschneidung als Ausdruck kultureller Eigenständigkeit verstanden wird. Das Grundgesetz bekennt sich in Art. 1 Abs. 1 GG zur unverletzbaren Garantie der Menschenwürde. Mit der Menschenwürde ist der allgemeine Wert- und Achtungsanspruch gemeint, der dem Menschen wegen seines Menschseins zukommt. Sie verbietet es, ihn zum bloßen Objekt zu machen oder ihn einer Behandlung auszusetzen, die seine Individualität und Selbstbestimmung prinzipiell in Frage stellt. Nach deutschem Rechtsverständnis obliegt es jedem Staat, seinen Bürgerinnen und Bürgern die Menschenwürde zu garantieren. Das heißt, er muß seine Staatsgewalt auch zum Schutz vor Übergriffen Dritter einsetzen. Er darf den einzelnen Menschen nicht Verletzungen seiner Menschenwürde &#8211; durch wen auch immer &#8211; preisgeben. Eine gegen den Willen eines Kindes oder Erwachsenen durchgeführte Beschneidung erniedrigt die Betroffenen unter Mißachtung ihrer personalen Selbstbestimmung zum Objekt des Geschehens. Damit wird die Menschenwürde im Sinne des Art. 1 Abs. 1 GG und die durch Art. 2 GG geschützte körperliche Integrität verletzt.</p>
<p>Ein Staat, der Beschneidungen wissentlich und willentlich geschehen läßt, obwohl er in der Lage ist, diese Taten zu verhindern, muß sich das Handeln der Beschneider zurechnen lassen. Der Staat wird zum mittelbaren Mittäter der nach deutschem Strafrecht kriminellen Handlungen.</p></blockquote>
<p>Der bei dem obigen Text handelt es sich um eine auszugsweise, nur leicht modifizierte Version der <a href="http://www.ekd.de/EKD-Texte/genitalverstuemmelung_1999_genital3.html">EKD-Position zur weiblichen Genitalverstümmelung</a> von 1999. Was zählt, ist also nicht die Tratition, sondern einzig die Frage, ob die Handlung nach deutschem Recht strafbar ist.</p>
<p>Hier die (auszugsweise) <a href="http://www.ekd.de/presse/pm130_2012_beschneidungsurteil_koeln.html">Stellungnahme der EKD zum &#8220;Beschneidungs-Urteil&#8221; des Kölner Landgerichts</a>:</p>
<p style="padding-left:30px;">Das Landgericht leiste die gebotene Abwägung verschiedener Rechtsgüter nicht in der erforderlichen Weise, denn: „Die Beschneidung hat für Juden und Muslime eine zentrale religiöse Bedeutung. Dieses berücksichtigt das Urteil nicht hinreichend. Zudem verkürzt es das elterliche Personensorgerecht, das sich auch auf die Religionsfreiheit stützte.</p>
<p>Natürlich sehen die Verteidiger der Jungenbeschneidung den Unterschied zur weiblichen Genitalverstümmelung darin, dass letzteres eine Verstümmelung sei, ersteres hingegen nicht. Aber die obige Argumentation der EKD trifft auf beides zu: Auch bei der Beschneidung der Vorhaut handelt es sich um einen irreversiblen Eingriff, der somit das Selbstbestimmungsrecht des Kindes infrage stellt, die durch Art. 2 GG geschützte körperliche Integrität verletzt und das Kind zum Objekt des Geschehens macht.</p>
<p>Wenn die evangelische und die katholische Kirche sich tatsächlich, wie angekündigt, für die Straffreiheit der Knabenbeschneidung einsetzen wollen, dann werden sie sich auch an ihren eigenen Stellungnahmen der letzten Jahre zur weiblichen Genitalverstümmelung messen lassen.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/skydaddy.wordpress.com/4420/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/skydaddy.wordpress.com/4420/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4420&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>EKDemagogin Petra Bahr</title>
		<link>http://skydaddy.wordpress.com/2012/06/23/ekdemagogin-peta-bahr/</link>
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		<pubDate>Sat, 23 Jun 2012 18:19:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kirchliche Propaganda]]></category>
		<category><![CDATA[Staat und Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Demagogie]]></category>
		<category><![CDATA[Demagogin]]></category>
		<category><![CDATA[EKD-Kulturbeauftragte]]></category>
		<category><![CDATA[EKDemagogin]]></category>
		<category><![CDATA[Petra Bahr]]></category>

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		<description><![CDATA[„Demagogie betreibt, wer bei günstiger Gelegenheit öffentlich für ein politisches Ziel wirbt, indem er der Masse schmeichelt, an ihre Gefühle, Instinkte und Vorurteile appelliert, ferner sich der Hetze und Lüge schuldig macht, Wahres übertrieben oder grob vereinfacht darstellt, die Sache, die er durchsetzen will, für die Sache aller Gutgesinnten ausgibt, und die Art und Weise, [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4401&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p><em>„Demagogie betreibt, wer bei günstiger Gelegenheit öffentlich für ein politisches Ziel wirbt, indem er der Masse schmeichelt, an ihre Gefühle, Instinkte und Vorurteile appelliert, ferner sich der Hetze und Lüge schuldig macht, Wahres übertrieben oder grob vereinfacht darstellt, die Sache, die er durchsetzen will, für die Sache aller Gutgesinnten ausgibt, und die Art und Weise, wie er sie durchsetzt oder durchzusetzen vorschlägt, als die einzig mögliche hinstellt.“<br />
</em><em>– Martin Morlock 1977, nach <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Demagoge#Heutige_Definition">Wikipedia</a></em></p></blockquote>
<p>Offiziell gilt die EKD-Kulturbeauftragte Petra Bahr als deutsche Theologin. Ich habe allerdings mittlerweile den Verdacht, dass es sich bei ihr in Wahrheit um eine australische Theologin handelt, deren Niveau dermaßen unterirdisch ist, dass es sie nach Deutschland verschlagen hat.</p>
<p><em><span id="more-4401"></span></em></p>
<p>Außer zu Kultur äußert sich Frau Bahr auch gerne über Atheisten, obwohl wir ihren Ausführungen zufolge eigentlich das komplette Gegenteil von Kultur sein müssten.</p>
<p>Wer sich sonst schon darüber ärgert, dass die Kirchen anderen vorschreiben, wie sie zu leben haben, der wird an Frau Bahr seine reine Freude haben:</p>
<blockquote><p>&#8220;Religionskritik darf alles, nur sollte sie sich auf dem Niveau abendländischer Religionskritik bewegen&#8221;, sagte die Theologin in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (<a href="http://aktuell.evangelisch.de/artikel/2767/kulturbeauftragte-kritisiert-atheistisches-kirchenbild">epd</a>).</p></blockquote>
<p>Ich kann ihr diesen Artikel ja mal schicken und fragen, ob ich ihr <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Imprimatur">Imprimatur</a> erhalte…</p>
<p>Wenn ich dann noch Begriffe lese wie „<a href="http://aktuell.evangelisch.de/artikel/2767/kulturbeauftragte-kritisiert-atheistisches-kirchenbild">entgrenzte Vernunft</a>“ (was meint Frau Bahr damit – einen IQ über 99?), dann frage ich mich: Kann man wirklich so dummdreist sein, oder hatte Frau Bahr lediglich das Pech, dass evangelisch.de verzerrend über sie berichtet hat – das Portal für Meldungen, für die sich andere Anbieter zu schade sind?</p>
<p>Gut – eigentlich wäre das nicht „Pech“, sondern ausgleichende Gerechtigkeit. Denn mittlerweile habe ich ein komplettes <a href="http://www.ekd.de/kultur/kulturbuero/kulturbeauftragte/21448.html">Vortragsmanuskript</a> von Frau Bahr gelesen. „Kleinkariert“, wie wir Atheisten nun mal sind, habe ich meine Anmerkungen dazu aufgeschrieben, da will ich sie hier auch zur Verfügung stellen. Ich sag mal so: Wenn man Frau Bahrs Argumentation mit denen des katholischen Philosophen Robert Spaemann vergleicht, freut sich vermutlich Frau Bahr, Atheisten wissen aber, was zu erwarten ist.</p>
<p>Frau Bahr hat nämlich diese Woche einen Vortrag auf dem „Foyer Kirche und Staat“ gehalten, einer regelmäßigen kirchlichen Lobbyveranstaltung in Karlsruhe, bei der die evangelische und die katholische Kirche Verfassungsrichter und andere hochrangige Mitarbeiter des Bundesgerichtshofs und der Bundesanwaltschaft einladen, die sich für so etwas hergeben. Denn natürlich hat außer den Kirchen keine andere Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft einen derartigen „direkten Draht“ zu den Schlüsselpersonen der Judikative. Die Giordano-Bruno-Stiftung hat dies früher bereits als „<a href="http://www.giordano-bruno-stiftung.de/meldung/hinkende-trennung-kirche-justiz">religiöse Beeinflussung der Gerichte</a>“ kritisiert.</p>
<p>Um nun die Verfassungsrichter über „Salafisten, Atheisten und Co.“ zu informieren hat das „Foyer Kirche und Staat“ natürlich nicht etwa Salafisten oder gar Atheisten eingeladen, stattdessen stellte Frau Bahr deren Positionen vor. Oder was sich jemand, der sich um „entgrenzte Vernunft“ sorgt, darunter vorstellt.</p>
<p>Gut – der Vortrag war zumindest insofern ausgewogen, dass die Positionen von Matthias Matussek und den Atheisten wohl in etwa gleich verzerrt wiedergegeben worden sein dürften.</p>
<p>Frau Bahr begann:</p>
<blockquote><p>Manchmal lohnt es sich, das eigenes Land, die eigene Stadt, das eigene Stadtviertel mit dem Blick einer Ethnologin zu durchstreifen, die mit ungezielter Neugier und ohne festgelegte Perspektiven ein fremdes Volk beobachtet. [S. 1]</p></blockquote>
<p>Frau Bahr heimst sogleich Glaubwürdigkeits-Punkte ein, weil ihr natürlich JEDER abkauft, dass nun völlig ungezielte Beobachtungen ohne irgendeine Perspektive kommen werden. Oder diente dieser Einleitungssatz dazu, die Gutgläubigkeit des Publikums auszuloten, um zu testen, wieviel Dreistigkeit akzeptiert wird?</p>
<blockquote><p>So kann das Auge an den Dingen hängen bleiben, die von innen kaum bemerkenswert erscheinen, oberflächliche Kleinigkeiten, die zum Symbol für den Zustand einer Gesellschaft werden. [S. 1]</p></blockquote>
<p>Angesichts all der „Kleinigkeiten“ die Frau Bahr im weiteren Verlauf ihres Vortrags „übersieht“, sollte man aber auch nicht zu viel erwarten…</p>
<blockquote><p>Ich lade Sie ein zu einem ethnologischen Erkundungsgang an einem Samstag vor Ostern durch Berlin. Mitten im Gewimmel aufgeregter Touristen aus aller Welt, die sich mit Stadtplan und elektronischem Reiseführer einen Weg durch die kulturelle Landschaft der Hauptstadt machen, stehen sie, die Tapeziertische mit Broschüren, Kugelschreibern und Plakatwänden, die sich einem in den Weg stellen. [S. 1]</p></blockquote>
<p>Also, bei jemandem, der schon Plakatwänden ein Eigenleben zuschreibt verwundert es natürlich nicht, wenn derjenige auch an Gott glaubt.</p>
<blockquote><p>Was meist im blinden Winkel des Alltagsgeschäfts liegt, rückt nun in den Mittelpunkt. [S. 1]</p></blockquote>
<p>Ja, wie z.B. die salafistische Koranverteilungsaktion, von der man ohne den Bericht von Frau Bahr vermutlich nie etwas mitbekommen hätte. Oder „schicke junge Frauen“:</p>
<blockquote><p>Der erste Tisch – zwei schicke junge Frauen drücken mir einen Zettel in die Hand: „Recht auf Homeschooling“. Beschulung durch die Eltern zuhause. „Wir wollen unsere Kinder nicht dem Staat ausliefern.“ Auf dem Flyer stehen die ganz großen Reizworte. Menschenwürde. Elternrecht. Totalitärer Staat. [S. 1]</p></blockquote>
<p>Doch zum Glück (oder Unglück, darüber lässt sich streiten) kann Frau Bahr den Tapeziertischen gerade noch einmal entkommen:</p>
<blockquote><p>Ich kann mich losreißen, da druckt mir ein Mann mit Bart eine Tüte in die Hand. Ein Taschenbuch baumelt darin, billiges Papier, billige Aufmachung. Der Koran. [S. 1]</p></blockquote>
<p>Hätte Frau Bahr ihren Osterspaziergang vor drei Jahren gemacht, hätte sie in Berlin Flyer und Plakate der Aktion „Pro Reli“ – von den beiden Großkirchen unterstützt – gesehen mit <a href="http://www.tagesspiegel.de/mediacenter/fotostrecken/berlin/plakatschlacht-um-pro-reli/1492768.html">Botschaften</a> wie „In Berlin geht’s um die Freiheit. Sagen Sie nicht, Sie hätten keine Wahl gehabt.“ 2010 gab der nordrhein-Westfälische Diakoniesprecher Günther Barenhoff 2010 die Losung aus „Gott kann man nicht bestreiken“. 2012 warb die Evangelische Kirche von Hessen und Nassau – anlässlich der Kritik an den Tanzverboten an stillen Feiertagen – mit einer Plakataktion um „<a href="http://www.karfreitag.de/">Respekt für den Karfreitag</a>“. (Als ob man Respekt mit Tanzverboten erzwingen könnte.) Und auch den <a href="http://www.ekd.de/kultur/index.html">Bereich der Kulturbeauftragten auf der EKD-Website</a> ziert ein großes Zitat von Dietrich Bonhoeffer: „Kultur ist der Spielraum der Freiheit“:</p>
<p>„Freiheit“, „Gott“, „Respekt“ – ganz große Reizworte. Nur, dass man sich bei den Großkirchen natürlich nicht mit „billigem Papier“ oder „billiger Aufmachung“ abgibt – man hat‘s ja. Statt hinterm Tapeziertisch mit Flyern in Berlin steht man lieber beim Jahresempfang des „<a href="http://www.giordano-bruno-stiftung.de/meldung/hinkende-trennung-kirche-justiz">Foyers Kirche und Recht</a>“ in Karlsruhe hinterm Rednerpult und hält Vertretern der höchsten deutschen Gerichte Vorträge über Salafisten, Atheisten und Co. Billig ist hier höchstens der Inhalt, aber sicher nicht das Drumherum. Lohnt sich aber natürlich, wenn dadurch bewirkt werden kann, dass Milliardenbeträge auch nur etwas länger an die Kirchen fließen.</p>
<p>Frau Bahr erzählt weiter, in ihrem typischen, einfühlsamen Stil, der Menschen mit ihren Sorgen und Problemen ganz annimmt:</p>
<blockquote><p>Ich bin auf der Höhe des Berliner Doms angekommen. […] „Treten Sie aus der Kirche aus“, ermuntert mich ein junger Kerl mit rotem T-Shirt. „Gott ist tot“, steht da in den Lettern, die normalerweise Coca-Cola für seine Werbung nutzt, auf seiner Brust. „Die Kirche ist eine Zwangsanstalt. Befreien Sie sich!“, ruft der Knabe den Passanten zu, als sei die Kirchenmitgliedschaft mit Zwängen und der Austritt mit Sanktionen belegt. [S. 2]</p></blockquote>
<p>Sagt die Frau, die bei einem Kirchenaustritt ihren Job los wäre. Frau Bahr blendet aus, dass die Kirchenmitgliedschaft üblicherweise durch die Säuglingstaufe begründet wird, also keineswegs freiwillig ist. Sie führt auch automatisch zum Abzug der Kirchensteuer, sobald man eigenes Einkommen hat. Will man austreten, muss man in den meisten Städten eine Gebühr bezahlen, die bis zu 50 Euro betragen kann. Von der „<a href="http://hpd.de/node/655">Rasterfahndung</a>“ nach Getauften, die den Beleg für ihren Kirchenaustritt nicht mehr haben und deshalb über Jahre rückwirkend zur Kirchensteuer herangezogen werden, mal ganz abgesehen. Und wer das Pech hat, auch noch in einer kirchlichen Einrichtung, z.B. einem Krankenhaus, beschäftigt zu sein – und sei es nur als Putzfrau – muss dann auch noch um seinen Arbeitsplatz fürchten. In der katholischen Kirche wird man in Deutschland bei einem Kirchenaustritt auch noch automatisch exkommuniziert.</p>
<p>Frau Bahr, die ja gerne von anderen Niveau und Differenzierung einfordert, tut hier so, als sei sie zu blöd, solche Zusammenhänge zu erkennen.</p>
<blockquote><p>Dann lädt er noch zur nächsten Party ein und erzählt stolz von den Karfreitagsstöraktionen des letzten Tages. „Heidenspaß statt Todesangst“ heißt die Bewegung, die im ganzen Bundesgebiet kein anderes Ziel hat, als die Karfreitagsruhe zu torpedieren. [S. 2]</p></blockquote>
<p>&#8220;Kein anderes Ziel, als die Karfreitagsruhe zu torpedieren.&#8221; Sehr differenziert, Frau Bahr! Wenn Sie das so formulieren, ist es ja auch nicht mehr nötig, dass die Betreffenden ihre Positionen selbst vortragen.</p>
<p>Wer freilich bei Google nach „Karfreitag“, „Party“ und „Heidenspaß“ sucht, findet allerdings nichts, wovon sich „voller Stolz“ berichten ließe. Die einzige auffindbare „Heidenspaß-Party“ am Karfreitag scheint eine Aktion des Bundes für Geistesfreiheit 2007 gewesen zu sein, die aber verboten wurde.</p>
<p>Natürlich belässt es Frau Bahr wieder dabei, von „Karfreitagsstöraktionen“ zu sprechen, ohne konkret zu sagen, was sie meint. Die einzige andere Heidenspaß-Veranstaltung am Karfreitag, die ich finden konnte, war die „<a href="http://www.ibka.org/karfeitag2012event">Religionsfreie Zone</a>“ im Kölner Filmhaus, wo 2012 die beiden Filme „Religulous“ und „Das Leben des Brian“ gezeigt wurden. Wer sich dadurch gestört fühlt, der dürfte auch ohne solche Veranstaltungen gestört sein.</p>
<p>Vielleicht handelte es sich bei dem „Kerl“ ja um einen Schachspieler. Denn <a href="http://www.heise.de/tp/blogs/6/151747">auch Schachturniere gelten als „Torpedierung der Karfreitagsruhe“</a>.</p>
<p>Wie gesagt: Wir können nur spekulieren, worauf sich Frau Bahr bezog. Vielleicht auf Flashmobs gegen das Tanzverbot. Flashmobs zielen aber nicht auf die Störung der Religionsausübung ab – es werden ja keine Gottesdienste gestört – sondern sie richten sich gegen das Tanzverbot. Ohne Tanzverbot gäbe es auch solche Flashmobs nicht.</p>
<blockquote><p>Auf meinen Einwand, man könne doch an 350 Tagen im Jahr ungehemmte Heidenfreuden genießen, lacht er schief und sagt: „Aber dann macht es ja keinen Spaß, weil sich keiner ärgert.“ [S. 2]</p></blockquote>
<p>Frau Bahr, die kurz zuvor noch den Salafisten bescheinigte, „mit Freiheitsrechten und Zugeständnissen an die moderne Gesellschaft äußerst geizig“ zu sein [S. 1], hält es offenbar für ausreichend, dass Andersdenkende ihre Rechte an 350 Tagen wahrnehmen dürfen, während ihre eigene Kirche das ganze Jahr über exzessive Privilegien genießt, und an Feiertagen noch mehr.</p>
<p>Man fragt sich auch, ob Frau Bahr dies tatsächlich erlebt hat, oder ob sie sich das nur ausgedacht hat. Christen denken sich ja gerne mal „aus didaktischen“ Gründen“ Geschichten aus, in denen Andersdenkende grotesk karikiert werden. Von meinen Bekannten in Berlin, die sehr gut mit der atheistischen Szene vernetzt sind, wusste jedenfalls heute keiner von einer solchen Aktion. Da die Kirchenmitgliedschaft in Berlin ohnehin sehr niedrig ist und auch das Tanzverbot am Karfreitag nur eingeschränkt gilt – von 4 Uhr morgens bis 21 Uhr abends – erscheint es auch fragwürdig, ob dort tatsächlich solche Aktionen durchgeführt werden. Und auf der einzigen <a href="http://gbs-berlin.org/austritt-zum-hasenfest-auch-in-berlin/">Kirchenaustrittsfeier</a> („es ist ja schon fast schwer, in Berlin noch Gläubige zu finden“) findet sich auf den Gruppenfotos jedenfalls kein Teilnehmer mit einem roten „Gott ist tot“-Shirt.</p>
<blockquote><p>Natürlich ist mein ethnologisches Experiment deutlich überzeichnet. [S. 2]</p></blockquote>
<p>Ist das Theologensprech für „Ich habe mir das alles nur ausgedacht“?</p>
<blockquote><p>Die Menschen hinter den Tapeziertischen und vor meiner morschen Holzbank vertreten nur eine Minderheit.</p></blockquote>
<p>Dasselbe gilt allerdings auch für Frau Bahr. Der sonntägliche Gottesdienstbesuch ist kümmerlich, und die einzelnen Punkte des christlichen Glaubensbekenntnisses, die z.B. (auch bei den Evangelen) die Jungfrauengeburt beinhalten, werden höchstens noch von einer Minderheit geglaubt. Die neueste mir bekannte Statistik (der <a href="http://www.norc.org/PDFs/Beliefs_about_God_Report.pdf">Universität von Chicago</a>) besagt, dass 2008 in Westdeutschland noch 32 Prozent an einen persönlichen Gott glaubten, in Ostdeutschland 8,2 Prozent. Und da sind die Muslime schon mit enthalten. Und – höchstwahrscheinlich – die „geschlossenen Milieus“ „an den Rändern des Christentums“, von denen sich Frau Bahr in ihrem Vortrag distanziert. DIE glauben den ganzen Kram nämlich! Da bleibt für gläubige EKD-Kuschelchristen nicht mehr viel übrig.</p>
<blockquote><p>Offene Gesellschaften zeichnen sich ja vor allem dadurch aus, dass jeder und jede ständig am eigenen Weltbild bastelt, weil die Traditionen, die familiären Zusammenhänge oder die regionalen Bindungen locker und brüchig geworden sind. [S. 3]</p></blockquote>
<p>Atheisten haben da nichts zu basteln. Und unter „Weltbild“ verstehen wir etwas, was nicht von Tradition, Familie oder regionaler Bindung abhängt. Das ist nur bei den Religionen so.</p>
<blockquote><p>Denn das, was wir in Deutschland lange nur aus dem Fernsehen oder von USA-Besuchen kannten, wird auch in unserer Gesellschaft Realität. Mitten in der offenen Gesellschaft wachsen geschlossene Milieus mit starken Weltbildern, die durch die üblichen Diskurse in Medien, Universitäten und Akademien kaum noch zum Einstürzen gebracht werden. [S. 3]</p></blockquote>
<p>Sagt die Frau, die später in ihrem Vortrag von „Wahrheitsansprüchen, die unverhandelbar sind“, reden wird, und mit Karl Barth sagt: „Die Wahrheit, dass die Erlösung von den überzogenen Selbstbildern und den Selbsterrettungsträumen im Glauben an Gott durch Jesus Christus geschenkt wird, steht nicht zur Disposition.“</p>
<blockquote><p>[M]ein Anliegen heute ist es aber, den Veränderungsprozess, in dem wir uns als Gesellschaft befinden, zu beschreiben und theologisch zu kommentieren, weil es hier auch um das Gefüge der demokratisch verfassten Gesellschaft geht, in dem die Kirchen möglicherweise in Zukunft eine andere Rolle spielen. [S. 3]</p></blockquote>
<p>Sehen Sie, Frau Bahr, das ist das Putzige an Leuten wie Ihnen: Ohne jeglichen Beweis glauben Sie ziemlich absurde Dinge und bezeichnen diese auch noch als „Wahrheiten“. Aber angesichts des Mitgliederschwundes der Kirchen, des Priestermangels, der Kirchenschließungen und Zusammenlegungen von Gemeinden und Landeskirchen sagen Sie, dass die Kirchen „möglicherweise“ in Zukunft eine andere Rolle spielen.</p>
<blockquote><p>Durch die Wiedervereinigung ist auch der in zwei Diktaturen herangereifte und von oben verordnete Antiklerikalismus mehrheitsfähiger geworden. Zwei Generationen ererbter Gottlosigkeit hinterlassen ihre Spuren nun auch in der Mitte unserer Gesellschaft. [S. 3]</p></blockquote>
<p>Wieder ist unklar, was Frau Bahr meint – aber sollte sie der Auffassung sein, das Erbe der Nationalsozialisten sei Gottlosigkeit, so liegt sie falsch. Eine Bewegung, die sich in ihrem Parteiprogramm zum „positiven Christentum“ bekannte und deren Soldaten mit der Aufschrift „Gott mit uns“ auf dem Koppelschloss in den Krieg zogen, lässt sich einfach nicht als gottlos darstellen. Undifferenzierter geht es eigentlich nicht mehr, Frau Bahr!</p>
<p>Frau Bahr tut auch wieder, was sie gerne tut, nämlich als Ursache für den von ihr wahrgenommenen Antiklerikalismus anzugeben, dass dieser „von oben verordnet“ gewesen sei. Das mag zwar für den Nationalsozialismus und die DDR zutreffen, Frau Bahr lässt aber außen vor, dass heutige Kirchen- und Religionskritik sich wohl aus anderen Gründen speisen dürfte. So erscheint z.B. der „Neue Atheismus“ als Gegenbewegung zum Kreationismus und der damit verbundenen Wissenschaftsfeindlichkeit in den USA sowie als Reaktion auf die Anschläge vom 11. September 2001. Immer mehr Menschen merken, dass Kirchen die Menschen verblöden, manipulieren und Religionen die Saat der Gewalt in sich tragen. Da braucht es dann keine Nazis oder Sozis mehr für Kirchen- und Religionskritik.</p>
<blockquote><p>Nicht jeder, der seine Konfession nicht mehr an eine Mitgliedschaft binden will, ist ein oberflächlicher, ganz dem materiellen Glanz der Konsumgesellschaft verfallener Mensch. [S. 4]</p></blockquote>
<p>Nicht JEDER? Das ist offenbar, was Frau Bahr unter niveauvoller Differenzierung versteht.</p>
<blockquote><p>Doch tiefe Skepsis gegenüber lebenslangen Bindungen, die innere Distanz zu großen Institutionen, auch das Misstrauen, das die großen Skandale der letzten Jahre befördert haben, sorgen für eine äußere Distanz zur verfassten Kirche. [S. 4]</p></blockquote>
<p>Wie gehabt: „Distanz zu lebenslangen Bindungen“, „Distanz zu großen Institutionen“ – das Naheliegendste, dass nämlich die Menschen mit dem christlichen Glauben nichts mehr anfangen können oder ihn schlicht und einfach nicht mehr glauben, scheint für die niveauvolle, differenzierende Frau Bahr außerhalb der Möglichkeiten zu liegen. Kurz zuvor sagte sie noch in Bezug auf <em>andere:</em></p>
<blockquote><p>Mitten in der offenen Gesellschaft wachsen geschlossene Milieus mit starken Weltbildern, die durch die üblichen Diskurse in Medien, Universitäten und Akademien kaum noch zum Einstürzen gebracht werden. [S. 3]</p></blockquote>
<p>Wie gezeigt, scheint Frau Bahr selbst allerdings auch immer wieder das Offensichtliche nicht wahr haben zu wollen.</p>
<blockquote><p>So ist längst nicht mehr sicher, dass ein junger Richter, der begeistert in der Kantorei seiner Stadtkirche singt, auch Gefallen am Kreuz im Gerichtssaal findet. Und Ministeriale, die aus Pfarrhäusern oder der katholischen Jugendarbeit kommen, sind noch nicht zwangsläufig glühende Verfechter des konfessionellen Religionsunterrichts. [S. 4]</p></blockquote>
<p>Sagt die Frau, die sich darüber wundert, dass sich Nichtchristen über christliche Zumutungen durch den Staat beklagen. Denn <em>früher</em> war das ja offenbar der Fall, wie man Frau Bahrs Formulierung „längst nicht mehr sicher“ entnehmen kann.</p>
<p>Übrigens: Höre ich da einen leisen Ton des Bedauerns heraus? Jeder, dem etwas an der Verfassung und der freiheitlich-demokratischen Grundordnung liegt, muss froh sein, wenn Politiker, Beamte und Richter versuchen, ihre Entscheidungen unbeeinflusst von ihrer religiösen Sozialisation zu treffen.</p>
<blockquote><p>Da nehmen sie als Referenz eher das prägende Studienjahr an einer amerikanischen Law-School und die Erfahrungen mit einem ganz anderen System von Religion, Staat und Gesellschaft. [S. 4]</p></blockquote>
<p>Soll wohl heißen: Liebe Verfassungsrichter, die strikte Trennung von Staat und Kirche, wie sie in den USA praktiziert wird (wo Kreuze oder Darstellungen der 10 Gebote in Gerichten und öffentlichen Gebäuden verboten sind und entsprechenden Klagen auf Entfernung immer stattgegeben wird) und die im Prinzip auch von der deutschen Verfassung gefordert wird, die wäre in Deutschland verfehlt, weil wir hier ein „ganz anderes System von Religion, Staat und Gesellschaft“ haben.</p>
<p>Aber wie üblich sagt Frau Bahr nicht deutlich, was sie meint. Damit würde sie ja sofort die Diskussion auslösen, die sie zwar verbal fordert, tatsächlich aber meidet.</p>
<blockquote><p>Gleichzeitig vervielfältigen sich die geschlossenen Weltbilder und die Sehnsucht nach einer Gegenwelt zur Moderne mit ihren Zumutungen. [S. 5]</p></blockquote>
<p>Sagt die Frau, die nicht wahrhaben will, dass Menschen gute Gründe dafür haben können, sich von der Kirche abzuwenden und sie zu kritisieren. Und die später Demokratie und die Existenz von Andersdenkenden als „Zumutung“ bezeichnet.</p>
<blockquote><p>Im Islam ist das mit Händen zu greifen. Hier lassen sich diese Strömungen ja als globalisiertes Phänomen beobachten. Die Ursachenbündel sind kompliziert und haben Gründe sowohl in den Migrationsströmen, die ein tiefes kollektives Gefühl von Heimatlosigkeit hinterlassen, der mangelnder sozialer Teilhabe in den Mehrheitsgesellschaften und der politischen Demütigung. Angst und das Gefühl der Unterlegenheit wandeln sich in Ablehnung und Aggression. [S. 5]</p></blockquote>
<p>Migration, Heimatlosigkeit, mangelnde Teilhabe… Dass der Religion etwas Intolerantes und Gewalttätiges innewohnen könnte, blendet Frau Bahr wieder aus. Sie sollte mal Franz Buggle lesen („Denn sie wissen nicht, was sie glauben: Oder warum man redlicherweise nicht mehr Christ sein kann.“) Immerhin war Buggle Psychologieprofessor in Freiburg, vielleicht ist das ja niveauvoll genug für Frau Bahr.</p>
<blockquote><p>Aber der Erfolg der Rekrutierung für diese Kampfesreligion liegt tiefer. Sie deutet auf das Versagen von Familien und auch auf das Versagen der Kirchen und Moscheegemeinden, die diese jungen Menschen schon lange nicht mehr erreichen. [S. 5]</p></blockquote>
<p>Frau Bahr spricht von „Versagen“ der Kirchen und Moscheegemeinschaften, wenn Jugendliche eine wörtliche Interpretation des Korans glaubwürdiger finden als die „freie individuelle Interpretation der Gebote“, wie sie Frau Bahr kurz zuvor veranschaulicht hat, bei der nämlich</p>
<blockquote><p>viele Muslime längst in der modernen Unentschiedenheit zwischen religiöser Bindung und freier individueller Interpretation der Gebote angekommen sind, die den Ramadan halten und trotzdem mit Freunden mal einen Hamburger essen, die der Großmutter zur Liebe das Kopftuch tragen und die Verheiratungsträume des Vaters charmant unterlaufen [S. 5]</p></blockquote>
<p>Es geht weiter:</p>
<blockquote><p>Meistens bleibt die Gewaltbereitschaft nur eine verbale Kraftmeierei, aber spätestens seit den jüngsten Ausschreitungen in Bonn ist die hässliche Fratze dieser militanten Interpretation des Islam augenfällig geworden. [S. 5-6]</p></blockquote>
<p>Ja, SPÄTETENS! Die Anschläge vom 11. September 2001 in New York, die das World Trade Center in Schutt und Asche legten und wegen denen die Bundeswehr mehr als zehn Jahre später immer noch in Afghanistan eingesetzt ist, die hätte man ja noch ausblenden können. Aber Messerattacken auf zwei Polizisten in Bonn – IRGENDWO hört der Spaß auf! Bei diesem „Gewaltexzess“ (gemeint ist die Messerattacke) wird die Militanz dann auch für Frau Bahr augenfällig.</p>
<blockquote><p>Das ist besonders gefährlich, …</p></blockquote>
<p>Ja, Frau Bahr: Erklären Sie doch bitte den versammelten Verfassungsrichtern und Juristen der Bundesanwaltschaft, weshalb Messerattacken auf Polizisten gefährlich sind:</p>
<blockquote><p>… weil diese radikalen Splittergruppen die Ressentiments gegenüber dem Islam insgesamt wieder wachsen lassen. [S. 6]</p></blockquote>
<p>Ressentiments („<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ressentiment">heimlicher Groll</a>“) sind Frau Bahr natürlich völlig fremd. Der Begriff befindet sich nur deshalb in ihrem Wortschatz, um sich niveauvoll geben zu können.</p>
<blockquote><p>Das ist Wasser auf die Mühlen rechtsradikaler Bewegungen und atheistischer Kampagnen. [S. 6]</p></blockquote>
<p>Ja, Gerüchten zufolge arbeitet die Richard-Dawkins-Foundation schon an einer Neuauflage der „<a href="http://hpd.de/node/2125" target="_blank">Imagine No Religion</a>“- Kampagne, auf der statt der Skyline von New York MIT World Trade Center das Bild eines unversehrten Bonner Polizisten zu sehen sein wird.</p>
<blockquote><p>Doch auch an den Rändern des Christentums entwickeln sich geschlossene Milieus. [S. 6]</p></blockquote>
<p>Merke: Die „Ränder des Christentums“ befinden sich nach Auffassung von Frau Bahr offenbar dort, wo das Glaubensbekenntnis noch in allen Punkten geglaubt wird und wo regelmäßig in die Kirche gegangen wird.</p>
<p>ACHTUNG: Frau Bahr wird im Folgenden recht konkret – so konkret, dass ich mich frage, ob Matthias Matussek sich hier korrekt wiedergegeben sieht:</p>
<blockquote><p>Für manche soll die Kirche vor allem eine ästhetische Gegenwelt sein. Das sind die sogenannten Feuilletonkatholiken, … [S. 6]</p></blockquote>
<p>Auf die wäre ich auch neidisch, wenn meine Äußerungen hauptsächlich von evangelisch.de verbreitet würden.</p>
<blockquote><p>… die mal elegant, mal wuchtig und derbe, mit den gegenwärtigen Zuständen der Kirche abrechnen. Die Sehnsucht nach dem Ästhetisch-Erhabenen, das wie ein Monolith aus der Welt der religiösen und politischen Kompromisse herausragt, fasziniert Matthias Matussek und Martin Mosebach. Ihre Kritik an der Formlosigkeit mancher Liturgie und am Funktionärsjargon von Geistlichen ist ja auch berechtigt. Aber ihre Kritik reicht tiefer. Sie wollen im Grunde eine Kirche ohne Volk, jedenfalls ohne dieses widerspenstige, anspruchsvolle, nörgelnde, zweifelnde Alltagschristenvolk, das sich in den Gemeinden versammelt. Ihre <em>societas perfecta</em> kommt am besten ohne Gläubige aus. Vor allem soll sich diese Kirche aus der Gesellschaft und ihren Problemen heraushalten. Sie soll sich, wie es im Unternehmensberatersound heißt, auf ihre Kernkompetenz zurückziehen. Und das ist ausschließlich der Kultus. Diakonische und kulturelle Aufgaben verwässern dagegen in dieser Perspektive das Alleinstellungsmerkmal des Christlichen. Die Kirche soll als Kryptagemeinde existieren und auch jeden Eindruck von zivilreligiöser Öffnung meiden.</p></blockquote>
<p>Wenn diese Worte nicht von Frau Bahr stammen würden, könnte man glatt den Eindruck gewinnen, hier würde ein absurder argumentativer <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Strohmann-Argument">Strohmann</a> aufgebaut.</p>
<blockquote><p>Das Bodenpersonal für dieses weltlose Christentum – das gibt es in Varianten übrigens in beiden Kirchen – sammelt sich zum Beispiel in der Bewegung gegen die öffentlichen Schulen, in radikalen Lebensschützergruppen und in Milieus, die mit der Forderung nach einem Recht auf „Homeschooling“ auftreten. [S. 6]</p></blockquote>
<p>Ja, genau! Gerade die LEBENSSCHÜTZER treten ja dafür ein, dass die Kirche zur Kryptagemeinde wird, sich nur noch auf das Ästhetisch-Erhabene konzentriert und sich „aus der Gesellschaft und ihren Problemen heraushalten“ soll. Ihr Scharfsinn, Frau Bahr, Ihre Stringenz… das gibt wieder Punkte für Niveau und Differenzierung.</p>
<p>Und Ihre Formulierung „Das Bodenpersonal … sammelt sich…“ klingt wahrscheinlich nur zufällig wie „Bodensatz“, der sich „sammelt“. Also etwa das Niveau, von den Sie glauben, es nicht zu haben.</p>
<blockquote><p>Die öffentliche Schule, Spiegel und Lernort für die pluralistische Gesellschaft, ist kein Ort für das gesellschaftlich Gemeinsame der Verschiedenen mehr, sondern nur noch ein dämonischer Ort der Verführung durch das Fremde, das Andere, sei es eine andere Religion, eine andere Lebensphilosophie, ein anderer Lebensstil. [S. 6-7]</p></blockquote>
<p>Ja, diese Auffassung kann man natürlich kritisieren – allerdings nicht sehr überzeugend, wenn man sich, <a href="http://www.pro-reli.de/volksentscheid/?p=2771">wie Frau Bahr</a>,  in Berlin gegen einen für alle verbindlichen, gemeinsamen Ethikunterricht ausgesprochen hat, um den Schülern stattdessen nach Konfessionen getrennten Religionsunterricht zu verpassen. Mit der Begründung, der Berliner Ethikunterricht habe das Ziel, die Schüler von allen religiösen Bindungen zu distanzieren. Der Religionsunterricht hingegen sei ein Ort, an dem man zweifeln, fragen und suchen könne.</p>
<p>Es folgt eine m.E. recht treffende Zusammenfassung der kirchenkritischen Position:</p>
<blockquote><p>Vor diesem Hintergrund leuchten die heftigen Attacken der atheistischen, humanistischen und laizistischen Bewegungen in Deutschland auf den ersten Blick sogar ein. Schließlich warnen sie vehement vor den Gewaltpotentialen der Religionen. [S. 7]</p></blockquote>
<p>Der Unterschied zwischen Frau Bahr und uns ist, dass wir vor dem Gewaltpotenzial der Religionen warnen, Frau Bahr nur vor dem Gewaltpotenzial <em>anderer</em> Religionen. Frau Bahr zufolge sind die bereits erwähnten „geschlossenen Milieus“, die Frau Bahr den „Rändern des Christentums“ zuschreibt, „auf der Oberfläche ungefährlich und nicht gewaltbereit“ [S. 6]. Wenn man davon absieht, dass z.B. im evangelikalen Spektrum die gesetzlich verbotene körperliche Züchtigung von Kindern durchaus als biblische Erziehungsmaßnahme gehandelt wird, dass Leute, die das Abhängen von Kreuzen in Klassenzimmern fordern, regelmäßig Morddrohungen erhalten… von Aktivitäten in anderen Ländern wie der Ermordung von Abtreibungsärzten, den Bestrebungen, die Todesstrafe für Homosexualität einzuführen oder der Ermordung von „Hexen“ abgesehen… Frau Bahrs Vorstellung von den „Rändern des Christentums“ scheint etwas eng gefasst zu sein.</p>
<blockquote><p>Aber auch hier gibt es verbale Eskalationsstufen, die mit dem Bedürfnis nach Aufklärung im anspruchsvollen Sinne nur wenig zu tun haben. [S. 7]</p></blockquote>
<p>Hier ist es wieder: Frau Bahr kann es einfach nicht ertragen, wenn jemand sich nicht anspruchsvoll artikuliert. Hoffentlich führt sie keine Selbstgespräche.</p>
<blockquote><p>Das Bild des Christentums wird mit finsteren Farben grundiert. [S. 7]</p></blockquote>
<p>Ja – aber Leute, die ihre Umgebung gerne durch die Darstellung einer gekreuzigten Leiche dekorieren, sollte das doch wohl nicht überraschen, oder?</p>
<blockquote><p>Darüber werden in grellen Tönen die vermeintlich freiheitsfeindlichen Exzesse der Gläubigen gemalt, die sich in der selbstverschuldeten Unmündigkeit nicht nur privat eingerichtet, sondern auch noch den Staat und seine Institutionen mitgefesselt haben. [S. 7]</p></blockquote>
<p>Mit den „vermeintlich freiheitsfeindlichen Exzessen der Gläubigen“ sind offenbar all die Punkte gemeint, die Frau Bahr bisher konsequent ausgeblendet hat.</p>
<blockquote><p>Als innertheologische Religionskritik beginnt sie im Grunde schon in der prophetischen Tradition der Bibel, die die geistliche Führungselite nie gut aussehen lässt. [S. 7]</p></blockquote>
<p>Selbst aus diesem Satz ist erkennbar, dass sich die Kritik der Propheten natürlich nicht gegen Gott oder die Religion als solche richtete, sondern gegen die herrschenden Zustände. Zudem war die Logik der Propheten, vereinfacht gesagt: Gott hatte dem Volk Israel ja jede Menge tolle Versprechungen gemacht, wenn sie sich gottgefällig verhalten würden. Als nun diese Versprechungen nicht eintrafen, sondern im Gegenteil den Israeliten auch noch von anderen Völkern übel mitgespielt wurde, kamen die Propheten natürlich nicht auf den Gedanken, dass da irgendetwas mit den göttlichen Versprechungen nicht stimmen könnte – stattdessen forderten sie, NOCH gottgefälliger zu leben, denn das Unheil sei ja offensichtlich die Bestrafung dafür, dass sich das Volk Israel  bisher nicht gottgefällig genug verhalten hätte.</p>
<p>Wer nun die Messlatte für „Religionskritik“ derart niedrig legt, sollte sich dann aber bitte nicht über mangelndes Niveau bei den heutigen Religionskritikern beschweren.</p>
<blockquote><p>Zur christlichen Theologie gehören die radikale Frage und der unerbittliche Zweifel, das Ringen mit den Hierarchien und Traditionen, die kalkulierte Häresie und der fromme Spott. Das hat zu vielen innerkirchlichen Verwerfungen geführt, ja sogar zu Kirchentrennungen, gehört aber im Grunde zur Kulturgeschichte des Christentums bis in die Gegenwart, auch wenn zarte religiöse Gemüter oder machtbewußte Kirchenführer diese Kritik schwer erträglich finden. [S. 7]</p></blockquote>
<p>Das ist keine „innertheologische Religionskritik“, sondern das sind die üblichen Streitereien und Schismen zwischen Gläubigen, die sich nicht lösen lassen, weil sie sich auf Hirngespinste beziehen, die nicht überprüfbar sind. Und am Ende verstehen sich immer noch alle als Christen. Das hat mit dem Verständnis von Religionskritik, wie es die neuen Atheisten pflegen, nichts zu tun.</p>
<blockquote><p>Doch die atheistischen und antiklerikalen Bewegungen der Gegenwart haben die Flughöhen der philosophischen Kirchen- und Religionskritik längst verlassen. [S. 7-8]</p></blockquote>
<p>Ist wohl abwertend gemeint im Sinne von “weniger Niveau”, muss aber anhand der vorherigen Beispiele für “Religionskritik”, die Frau Bahr lieferte, positiv aufgefasst warden. Das war die Flughöhe intellektueller Stubenfliegen. Im Tiefflug.</p>
<blockquote><p>Ihre theoretische Munition finden sie in einer zur Weltanschauung aufgerüsteten Wissenschaftsgläubigkeit eines Richard Dawkins und anderer. [S. 8]</p></blockquote>
<p>Frau Bahr, was Sie – aus Ihrer Perspektive völlig zu Recht – als „Munition“ wahrnehmen, das nennt man „Argumente“. Aber es ist ja bekannt, dass inkompetente Menschen dazu neigen, die eigenen Fähigkeiten zu überschätzen und die Leistungen kompetenterer Menschen zu unterschätzen. (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dunning-Kruger">Dunning-Kruger-Effekt</a>) Deshalb werde ich versuchen, es Ihnen zu erklären:</p>
<p>Dawkins ist nicht „wissenschaftsgläubiger“ als jeder andere auch, der sich in ein Flugzeug setzt und davon ausgeht, unversehrt und planmäßig an seinem Ziel anzukommen. Auch, wenn er nicht im Einzelnen versteht, wie ein Flugzeug funktioniert oder warum es überhaupt fliegen kann. Das ist allerdings kein „Glaube“, sondern täglich bestätigtes und somit begründetes Vertrauen in die Technik. Natürlich nicht grenzenlos, aber doch hinreichend, dass man sich nicht den ganzen Tag ins Bett verkriecht.</p>
<p>Was Dawkins und viele andere bekannte Atheisten von anderen Leuten unterscheidet, ist der Umstand, dass Dawkins <em>versteht</em>, wie Wissenschaft funktioniert. Was Sie als „Wissenschaftsgläubigkeit“ empfinden, ist der Versuch, Gläubigen zu erklären, wie Wissenschaft funktioniert.</p>
<p>Nun kann man Ihnen ja nicht gerade den Vorwurf machen, Sie beriefen sich auf Argumente, Vernunft oder gar Logik. Viele Apologeten (Religions-Verteidiger) tun aber so oder glauben tatsächlich, sie hätten vernünftige Argumente. Denen muss man halt erklären, wo ihre Denkfehler liegen.</p>
<p>„Wissenschaft“ heißt so, weil sie Wissen schafft. Mit „Wissen“ sind Dinge gemeint, die überprüfbar oder zumindest nachvollziehbar sind. Halt genau das, was Theologie – also Ihre Zunft – nicht tut. Sie haben ja selbst sehr schön dargelegt, wie sich die Gläubigen untereinander streiten und nicht einigen können, so dass es immer wieder zu neuen Abspaltungen kommt. Das liegt daran, dass religiöse Behauptungen eben nicht überprüfbar sind, d.h. es gibt keine Möglichkeit, eine Streitfrage der Sache nach beizulegen. Sie beschäftigen sich mit Hirngespinsten. Deshalb verdanken wir auch alle technischen Errungenschaften Wissenschaftlern und Ingenieuren und nicht Theologen.</p>
<p>Abgesehen von typischen Denkfehlern wie logischen Zirkelschlüssen meinen aber viele Gläubige auch, mit ihren Alltagserfahrungen oder -eindrücken Gott beweisen zu können. Dahinter stecken ebenfalls falsche Vorstellungen darüber, wie man zu richtigen Erkenntnissen kommt. Da es der Beruf von Wissenschaftlern ist, (nachprüfbare) Erkenntnisse zu schaffen, sind sie nun einmal besonders qualifiziert, den Menschen zu erklären, wie man zu richtigen Erkenntnissen kommt und wie zu falschen.</p>
<p>Was Leute wie Dawkins und seine Mitstreiter machen ist nichts anderes, als den Menschen zu erklären, wie man Wissen schafft. Das läuft sehr stark darauf hinaus, den Leuten Denkfehler wieder auszutreiben, die ihnen Theologen bzw. die Religion erst eingeimpft haben.</p>
<p><a href="http://aktuell.evangelisch.de/artikel/2767/kulturbeauftragte-kritisiert-atheistisches-kirchenbild">Andernorts</a> sprachen Sie im Zusammenhang mit „Wissenschaftsgläubigkeit“ auch vom „Wahn einer entgrenzten Vernunft“. Ist Vernunft für Sie etwas, was man nicht überdosieren sollte? Müsste ich bei einem Theologiestudium etwa befürchten, wenn meine Antworten im Examen zu vernünftig sind, dann verschlechtern sie meine Note? Glauben Sie, dass auch „Gerechtigkeit“ oder “Liebe“ „entgrenzt“ werden können? Oder sind die Grenzen der Vernunft für Sie einfach da, wo es für Ihr Weltbild gefährlich wird? Wo einem Vernunft wie „Munition“ vorkommt und Verständnis wie „Gläubigkeit“? Dann bewegen Sie sich allerdings auf dem Niveau derer, von denen Sie sagen:</p>
<blockquote><p>Die eigene Wahrheit stellt sich nicht mehr dem Widerspruch, sie entzieht sich einfach. [S. 7]</p></blockquote>
<p>Über Dawkins schreiben Sie weiter:</p>
<blockquote><p>Was die Wissenschaft nicht festgestellt hat, entlarvt sich ihnen als Märchen. [S. 7]</p></blockquote>
<p>Sie müssen zugeben, dass das aber schon mal besser ist als die Propaganda von evangelikaler Seite – auch in Deutschland – die die Dinge, DIE die Wissenschaft festgestellt hat, als Märchen darstellt. (Z.B. Evolution.)</p>
<p>Richtigerweise könnte man auch sagen: Was die Wissenschaft nicht festgestellt hat, ist kein Wissen.</p>
<p>Wissen Sie, was an Dawkins sympathisch ist? Er wendet sein Kriterium universell an. Es gibt keinen Grund, Dinge zu glauben, für die es keine Beweise oder zumindest überzeugende Belege gibt.</p>
<p>Und wissen Sie, was Sie unsympathisch macht? Sie legen doch genau dasselbe Kriterium an <em>alle anderen</em> Religionen an. Sie würden doch niemals irgendwelche – zumindest nicht dem Christentum widersprechende – Dinge glauben, ohne dass dafür vernünftige Belege vorgelegt werden. Glauben Sie an Tausende Hindu-Götter statt Ihres dreieinigen Gottes? Offensichtlich nicht. Glauben Sie an Reinkarnation? Vermutlich auch nicht, weil das der christlichen Vorstellung vom Leben nach dem Tode widersprechen würde. Nur bei Ihrer eigenen Religion, da sehen Sie das nicht so eng. Das nennt man „Extrawurst“ (<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Special_pleading">special pleading</a>). Dawkins legt lediglich denselben Maßstab, den Sie und er an alle nichtchristlichen Weltbilder anlegen, auch an das Christentum an. Deshalb ist Dawkins‘ Weltbild auch stimmig und Ihres nicht.</p>
<blockquote><p>Im Grunde geht es den antiklerikalen Aktivisten vor allem darum, Religion und ihre Lebensäußerungen ganz aus der Öffentlichkeit zu verbannen. Religionsfreiheit ist für sie die Freiheit, die erst da entsteht, wo einen keine Religion mehr behelligt, weder in der Schule, noch an anderen öffentlichen Orten, auch nicht durch kirchliche Feiertage oder den Rhythmus des Sonntags. [S. 8]</p></blockquote>
<p>Es geht keineswegs darum, überhaupt nicht mit Religion behelligt zu werden. Das Tragen von Kopftüchern, Kreuzen, Kippas, Prozessionen, Gotteshäuser – dagegen hat meines Wissens von den Kirchenkritikern, auf die Sie sich beziehen, niemand etwas. Es geht darum, dass sich der Staat – „als Heimstatt aller Bürger“, wie es das Bundesverfassungsgericht mal formuliert hat (das war allerdings vor der Gründung des „Foyers Kirche und Staat“) – sich weltanschaulich neutral zu verhalten hat. Das heißt, in öffentlichen Gebäuden wie Schulen oder Gerichtssälen  haben keine religiösen Symbole zu hängen. Es können keine weitreichenden „Tanzverbote“ verhängt werden, wo überhaupt niemand gestört würde. Und so weiter. Sie bauen hier wieder einen argumentativen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Strohmann-Argument">Strohmann</a> auf, weil Ihnen offensichtlich die Argumente fehlen.</p>
<blockquote><p>Diese antiklerikale Bewegung gibt sich libertär, ist aber nicht liberal, wenn es um die Freiheit anderer geht. [S. 8]</p></blockquote>
<p>Ein EINZIGES Beispiel, wo die Freiheit von Religiösen eingeschränkt werden soll, wäre hier angebracht gewesen. Werden Sie in Ihrer Religionsfreiheit eingeschränkt, weil im Industriegebiet in einer Disco Leute tanzen? Wenn gar – <em>horribile dictu</em> – ein Schachturnier stattfindet? Wird Ihre Religionsfreiheit eingeschränkt, wenn in Schulen oder Gerichten kein Kreuz mehr hängt?</p>
<p>Mal ganz abgesehen von der Dreistigkeit, das Schreckgespenst dieser „Freiheitsberaubung“  ausgerechnet bei einem <em>Empfang der Kirchen für Verfassungsrichter</em> an die Wand zu malen. Ihnen geht es wirklich noch zu gut!</p>
<blockquote><p>Die Intoleranz im Gewand einer kämpferisch-aufklärerischen Weltanschauung ist überraschend etatistisch, erhofft sie sich doch vom Staat und seinen Gerichten die Befreiung von den Zumutungen der Religion. [S. 8]</p></blockquote>
<p>Wir erwarten vom Staat, dass er das Menschenrecht auf Religionsfreiheit (Art. 4 Grundgesetz), das auch die Freiheit von der Religion beinhaltet und aus dem sich die Trennung von Staat und Kirche und das Gebot der weltanschaulichen Neutralität ableitet, durchsetzt bzw. sich dementsprechend neutral verhält. Wo setze jetzt gleich Ihre Kritik an?</p>
<p>Ach ja, beim Etatismus. Sagen Sie, Frau Bahr, wie dreist oder blind muss man eigentlich sein, um die Gottesdienste der eigenen Religion durch staatliche Gesetze gegen „Zumutungen“ wie Tanzveranstaltungen und Schachturniere „schützen“ zu lassen, seine Mitgliedbeiträge vom Staat einziehen zu lassen, staatlich bezahlten Religionsunterricht in öffentlichen Schulen zu haben – und dann den „Etatismus“ von Kirchenkritikern zu beanstanden?</p>
<blockquote><p>Offene Foren für kontroverse Diskussionen, für Argument und Gegenargument können beglückende Erfahrungen der intellektuellen Auseinandersetzungen sein, sind aber selten. [S. 8]</p></blockquote>
<p>Intellektuelle Auseinandersetzung? Argument und Gegenargument? Dazu tragen Sie ja nun gerade nichts bei. Haben Sie Angst vor der „entgrenzten Vernunft“?</p>
<blockquote><p>Auch hier entwickelt sich ein geschlossenes Milieu, das für Religionsfreiheit streitet, aber dem Anspruch nach gerade die Neutralität des Staates gegenüber den religiösen oder weltanschaulichen Überzeugungen seiner Bürger unterläuft. [S. 8]</p></blockquote>
<p>Diese Sorge spricht jemand aus, der auf einem Kirchenempfang für die höchsten Mitglieder der Judikative Vorträge über die weltanschauliche Konkurrenz hält, die leider draußen bleiben muss. Wenn man ein Beispiel für ein geschlossenes Milieu bräuchte, das vorgeblich für die Religionsfreiheit streitet, tatsächlich aber dem Anspruch nach gerade die Neutralität des Staates gegenüber den religiösen oder weltanschaulichen Überzeugungen seiner Bürger unterläuft – dann böte sich das „Foyer Kirche und Staat“ geradezu an!</p>
<blockquote><p>Der Staat soll sich nämlich die laizistische Weltanschauung zu Eigen machen. [S. 8]</p></blockquote>
<p>Mehr Niveau, Frau Bahr! Laizismus ist keine <em>Weltanschauung</em>, sondern ein „religionsverfassungsrechtliches Modell, dem das Prinzip strenger Trennung von Staat und Kirche zu Grunde liegt“ (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Laizismus">Wikipedia</a>).</p>
<p>Und als religionsverfassungsrechtliches Modell spricht – im Gegensatz zu einer Weltanschauung – eben auch prinzipiell erst einmal nichts dagegen, dass der Staat sich den Laizismus zu eigen macht. Zumal ja schon das Grundgesetz die Trennung von Staat und Kirche vorschreibt.</p>
<p>So, wie Sie es darstellen, ist die Trennung von Staat und Kirche derzeit eben noch nicht erfolgt – schließlich spricht man ja in Deutschland auch von einer „hinkenden Trennung“. Und so wie Sie es darstellen, sind sie offenbar gegen eine Trennung von Kirche und Staat. Leider sagen Sie ja nicht, was Sie eigentlich meinen oder wollen, aber so ist es wohl zu verstehen.</p>
<blockquote><p>Dieser laizistischen Versuchung erliegen zunehmend auch die politischen Parteien. Ihre Vertreter rücken bis in die erste Reihe einer großen Volkspartei vor, … [S. 8]</p></blockquote>
<p>Meinen Sie den SPD-Vorstand, der die Einrichtung eines laizistischen Arbeitskreises untersagt hat? Ach nein…</p>
<blockquote><p>… sie findet sich bei den Grünen und bei dem Shootingstar unter den Parteien, den Piraten. [S. 8]</p></blockquote>
<p>Also wenn ich Sie richtig verstehe, bringen Sie gegenüber den Verfassungsrichtern Ihre Sorge darüber zum Ausdruck, dass überhaupt irgendwelche Politiker für die Trennung von Staat und Kirche sind?</p>
<blockquote><p>Bei ihnen ist bislang wenig so klar wie die Tatsache, dass sie das humanistisch-laizistische Programm gekapert haben, mit durchaus stalinistischen Zügen. [S. 8]</p></blockquote>
<p>Stalinistische Züge? Solche Anschuldigungen stellt man nicht einfach mal so in einen Raum voller Verfassungsrichter, Frau Bahr! Was meinen Sie damit?</p>
<blockquote><p>In dem Maße, wie die Weltanschauungskonflikte in der deutschen Gesellschaft sich verschärfen, werden auch die Gerichte weiter letzte Instanz zur Befriedung dieser Konflikte sein. Meines Erachtens wäre es manchmal ehrlicher und konsequenter, wenn diese Konflikte politisch ausgetragen würden, … [S. 8]</p></blockquote>
<p>Äh… aber gerade haben Sie sich doch noch BEKLAGT, dass es jetzt Parteien gibt, in denen einige „der laizistischen Versuchung“ erlegen sind.</p>
<blockquote><p>… aber es gibt eine lange Tradition, in der das Recht einspringen muss, weil handfeste Religionskonflikte politisch selten befriedigend ausgetragen werden. [S. 8]</p></blockquote>
<p>Wir wissen doch beide, woran es liegt, dass solche Konflikte selten politisch ausgetragen wurden, sondern die Gerichte bemüht werden mussten: Sie sprachen doch selber eben noch vom</p>
<blockquote><p>Schatten einer christlich geprägten Religionskultur, die seit fünfzig Jahren auf die kritische Solidarität mit dem demokratisch verfassten Rechtsstaat setzte und umgekehrt bei den staatlichen Institutionen und Verfassungsorganen mit einer gewissen Selbstverständlichkeit auf wohlwollendes Gehör stoßen konnte. [… Eine] Selbstverständlichkeit, die auch mit biographischen Prägungen der Akteure zu tun hatte [S. 4]</p></blockquote>
<p>Und davon, dass es früher offenbar sicher war, „dass ein junger Richter, der begeistert in der Kantorei seiner Stadtkirche singt, auch Gefallen am Kreuz im Gerichtssaal findet.“ Oder dass früher „Ministeriale, die aus Pfarrhäusern oder der katholischen Jugendarbeit kommen“ scheinbar „glühende Verfechter des konfessionellen Religionsunterrichts“ wurden. [S. 4]</p>
<p>Finden Sie es nicht verfehlt, bei einem Vortrag auf einem Kirchenempfang für Verfassungsrichter von „wohlwollendem Gehör“ in der Vergangenheitsform zu sprechen?</p>
<blockquote><p>Das ist ehrenvoll für die Rolle der Gerichte, besonders des Bundesverfassungsgerichtes, zeigt aber auch auf das gesellschaftliche Unvermögen, mit diesem religionspolitischen Zündstoff produktiv umzugehen. [S. 8]</p></blockquote>
<p>Das ist kein „gesellschaftliches Unvermögen“, sondern das Beharren der Kirchen bzw. christlicher Politiker auf ihren Privilegien. Sie gehen ja nun auch nicht sonderlich produktiv mit dem Thema um.</p>
<p>Für einen Moment dachte ich schon, Frau Bahr  wird differenziert:</p>
<blockquote><p>Gegenüber der laizistischen Versuchung steht die kulturalistische Versuchung im Raum. Sie wird gerne auch von Kirchenvertretern und Kirchenvertreterinnen in Anspruch genommen und klingt auf den ersten Blick sehr überzeugend. Das Christentum habe unsere Kultur geprägt, deshalb müsste es von Staat und Recht auch gegenüber allen anderen Weltanschauungen und Religionen bevorzugt werden, und zwar in der Form der beiden verfassten großen christlichen Kirchen. [S. 9]</p></blockquote>
<p>Aber nein:</p>
<blockquote><p>Das kulturalistische Argument, dass auf Grund der historischen Prägekräfte eine Art christlichen Kulturvorbehalt begründet, der auch für das Recht gelten muss, kann schon da zur Falle werden, wo sich die Größenverhältnisse durch Demographie und weiteren Vertrauensschwund weiter verschieben zugunsten einer Gesellschaft, in der immer weniger Menschen Christen sind. [S. 9]</p></blockquote>
<p>Sehen Sie, Frau Bahr, das ist der Grund, weshalb Richard Dawkins Ihnen „wissenschaftsgläubig“ vorkommt: Sie beurteilen ein Argument danach, ob es zu dem von Ihnen <em>gewünschten Ergebnis</em> führt. (Hier: Staatliche Bevorzugung des Christentums. Ein typisches Verhalten von Theologen übrigens.) Intellektuell redliche Menschen wie Dawkins beurteilen ein Argument danach, ob es plausibel ist.</p>
<blockquote><p>Es muss dann auch die spöttische Frage von außen erlaubt sein, warum aus der inneren Affinität für die Demokratie erst so spät, genau genommen in den Lehrdokumenten und Denkschriften beider Kirchen erst vor fünfzig Jahren auch ein versöhntes Verhältnis zur demokratischen Verfassung erfolgte.  [S. 9]</p></blockquote>
<p>Danke, Frau Bahr, dass Sie die Verfassungsrichter darauf hingewiesen haben, dass diese Frage erlaubt ist. Nachdem wir sie schon so oft gestellt haben, dass offenbar selbst Sie nicht mehr daran vorbei kommen. Bitte lassen Sie uns wissen, wann auch die Antwort auf diese Frage erlaubt wird.</p>
<blockquote><p>Einen großen Anteil an der innerlichen Bereitschaft, sich auch aus theologischen Überzeugungen auf die Demokratie mit ihren Zumutungen einzulassen, hatten übrigens die Kirchen in Europa und Amerika. Rudolf Smend beschreibt eindrücklich, dass das Motto „Demokratie wagen“ auf der ökumenischen Vollversammlung in Amsterdam 1953 eine große Rolle gespielt habe. [S. 9-10]</p></blockquote>
<p>Kleiner Tipp, Frau Bahr: Gehen Sie bei Ihrem Publikum nicht davon aus, dass es Demokratie als „Zumutung“ empfindet. Ich weiß auch nicht, ob es jeder als Pluspunkt für die Kirchen empfindet, dass man sich dort offenbar selbst nach dem Zweiten Weltkrieg erst noch „theologisch“ mit der Demokratie anfreunden musste. Manch einer könnte denken, die Kirchen hinkten mal wieder dem gesellschaftlichen Fortschritt hinterher.</p>
<blockquote><p>Es ist Karl Barth gewesen, der große Theologe der Barmer Theologischen Erklärung und nicht von ungefähr Schweizer, der mit seiner Abwandlung des Themas Staat und Kirche zu der Unterscheidung von Christengemeinde und Bürgergemeinde jeglicher christlicher Staatsmetaphysik, dem lutherischen Naturrechtsdenken und seiner weichgespülten, kulturalistischen Variante eine Absage erteilt und so den theologischen Zugang zur Demokratie ermöglicht hat. [S. 10]</p></blockquote>
<p>Wir brauchen uns an dieser Stelle nur zu merken: Es ist Karl Barth gewesen, der den theologischen Zugang zur Demokratie ermöglicht hat. Hat sich Gott ja mal wieder mächtig Zeit gelassen.</p>
<p>Es folgt „niveauvolles“ Gesülze, von dem sich nur hoffen lässt, dass es die anwesenden Richter zu dem Entschluss bewegt hat, zum nächsten Empfang nicht mehr zu kommen.</p>
<p>Darin heißt es unter anderem über Karl Barths theologisches Konzept:</p>
<blockquote><p>Demokratie ist die Gesellschaftsform, wo Wahrheitsansprüche, die unverhandelbar sind, ungebremst aufeinandertreffen, ohne dass es zum Bürgerkrieg oder zur totalitären Verdrehung der Machtverhältnisse käme. [S. 11]</p></blockquote>
<p>Und:</p>
<blockquote><p>Die Wahrheit, dass die Erlösung von den überzogenen Selbstbildern und den Selbsterrettungsträumen im Glauben an Gott durch Jesus Christus geschenkt wird, steht nicht zur Disposition. [S. 11]</p></blockquote>
<p>Das muss wohl so gedeutet werden, dass Frau Bahr sich im Besitz von „unverhandelbaren Wahrheiten“ wähnt, die „nicht zur Disposition“ stehen.</p>
<p>Frau Bahr verfügt damit ebenso über ein geschlossenes Weltbild wie die anderen religiösen Spinner, von denen sie sich abzugrenzen versucht. Der Unterschied dürfte darin bestehen, dass bei Frau Bahr  der „harte Kern“, der nicht zur Disposition steht, im vollkommen irrelevanten, jenseitigen Bereich der Hirngespinste liegt, so dass sie ihre Positionen, die das Diesseits betreffen, gegebenenfalls anpassen kann. Besonders intellektuell redlich ist das aber auch nicht. Hat aber wohl auch niemand erwartet.</p>
<blockquote><p>Und wir müssen ertragen, dass andere glauben, andere Wahrheiten zu beanspruchen. [S. 11]</p></blockquote>
<p>Kleiner Tipp, Frau Bahr: Es wird einfacher, wenn man die “Wahrheiten” als das bezeichnet, was sie sind: Hirngespinste, die das Wort “Wahrheit” nicht verdienen. Es sollte Ihnen doch eigentlich einleuchten, dass es nicht mehrere Wahrheiten geben kann.</p>
<blockquote><p>So ist das in der unerlösten Welt. [S. 11]</p></blockquote>
<p>An dieser Stelle möchte man dazwischenrufen: “Und erlöse uns von den Blöden! Amen!”</p>
<p>Aber Frau Bahr ist noch nicht fertig:</p>
<blockquote><p>Ich glaube, die größte Herausforderung für die Kirchen sind nicht die Lautsprecher unter den Laizisten und auch nicht die radikalen religiösen Strömungen, … [S. 12]</p></blockquote>
<p>Die Rede war überschrieben mit: “Salafisten, Atheisten und Co. – die Verschärfung von Weltanschauungskonflikten als <em>Herausforderung der offenen Gesellschaft</em>”. Gemeint war aber offenbar die <em>Herausforderung für die Kirchen</em>.</p>
<blockquote><p>… obwohl das Werben für die christlichen Ressourcen unserer Gesellschaft zu den Gesten einer glaubwürdigen christlichen Bewegung ebenso dazugehört wie die aufgeklärte und kluge Abwehr falscher Argumente. [S. 12]</p></blockquote>
<p>Und, Frau Bahr? Hat die EKD schon jemanden gefunden, der glaubwürdig ist und in der Lage, Argumente klug abzuwehren?</p>
<blockquote><p>Die größte Herausforderung ist eine geistliche: dem grassierenden Fatalismus der Menschen, die mitten in den drohenden Katastrophen leben, zu begegnen. Denn Angst, Unsicherheit und Überforderung schüren das Feuer einfacher Weltbilder und schlichter Lösungen. [S. 12]</p></blockquote>
<p>Glücklicherweise hat die EKD-Kulturbeauftragte diesen einfachen Weltbildern und schlichten Lösungen etwas entgegenzusetzen: Ein zweitausend Jahre altes Weltbild, demzufolge Gott eine Jungfrau geschwängert hat, um die dabei entstandene Person – ihn selbst – sich selbst als Menschenopfer darzubringen, um die Menschen zu erlösen – sofern sie diesen Unsinn glauben.</p>
<p>Und so, wie sie bisher Salafisten, Atheisten, Matussek und Mosebach selektiv negativ dargestellt hat, malt sie jetzt ein völlig undifferenziertes und völlig vereinfachendes positives Bild vom “Christentum”:</p>
<blockquote><p>Der christliche Glaube ist zutiefst antifatalistisch. Dieser Antifatalismus gilt für das persönliche Leben ebenso wie für die gesellschaftlichen Horizonte, die in Europa ja genug Stoff für Albdruck geben. Der christliche Glaube hilft den mental und auch politisch Erschöpften auf, zeigt mit dem Finger auf die, die am Wegesrand liegen, wenn sie bei der Geschwindigkeit der Veränderungen nicht mithalten und materiell oder geistig verarmen. Er kann Phasen der Ratlosigkeit, auch der politischen Ratlosigkeit, ertragen, ist skeptisch bei technokratischen Heilsversprechen und tatkräftig, wenn es darum geht, die Spielräume der Freiheit gegen ihre Verächter zu verteidigen. Und er hilft zu einer Existenz in der Art innerer Freiheit, die Andersdenkende nicht fürchten muss. [S. 12]</p></blockquote>
<p>„Andersdenkende nicht fürchten müssen“ sieht dann so aus, dass die Andersdenkenden ihre Positionen bitteschön nicht über die Gerichte durchsetzen sollen, es aber auch unschön ist, wenn Politiker ihre Positionen vertreten?</p>
<p>Aus der Vielzahl der Spielarten des Christentums greift Frau Bahr sich hier – sofern man das ob der vagen Phrasen überhaupt sagen kann – eine Art EKD-Kuschelchristentum heraus und tut so, als sei dies repräsentativ für das Christentum als solches. Nun ist aber etwa die Hälfte der Christen schon mal katholisch, und die &#8220;radikalen Lebensschützer&#8221;, die Frau Bahr zuvor am christlichen Rand verortete, vertreten exakt die katholische Position zur Abtreibung. Weltweit ist auch der Protestantismus viel konservativer als die EKD. In den meisten protestantischen Kirchen weltweit gibt es z.B. keine Frauenordination. Schon rein zahlenmäßig sind z.B. die rund 150 Millionen Protestanten aus den USA (wo fast die Hälfte der Bevölkerung die Evolutionstheorie ablehnt), die in Europa gerne belächelt werden, wesentlich repräsentativer als die knapp 25 Millionen EKD-Christen in Deutschland. Angesichts der Ausnahmestellung, die ihre eigene Ausprägung des Christentums hat, kann sich Frau Bahr schlicht und einfach nicht hinstellen und sagen: „Der christliche Glaube ist…“. Das ist zu undifferenziert!</p>
<p>Man braucht sich ja auch bloß anzuschauen, worauf sich die „Randchristen“ und Frau Bahr berufen: Die „Randchristen“ berufen sich auf die Bibel, Frau Bahr bemüht Karl Barth, der „den theologischen Zugang zur Demokratie ermöglicht“ haben soll. Ist natürlich doof, wenn die niveaulosen Randchristen der Auffassung sind, dass man den Willen Gottes auch ohne Barth aus der Bibel herauslesen kann.</p>
<blockquote><p>Das beste Argument gegen den kämpferischen Laizismus ist ein lebendiges Christentum, … [S. 12]</p></blockquote>
<p>Üblicherweise nennt man so etwas nicht „Argument“, aber was red‘ ich…</p>
<blockquote><p>… das sich nicht abschließt in kirchliche Kreise … [S. 12]</p></blockquote>
<p>Die Kreise der Verfassungsrichter dürfen natürlich auch nicht vernachlässigt werden!</p>
<blockquote><p>… oder beleidigt auf seine Bestände pocht, … [S. 12]</p></blockquote>
<p>Ich nehme an, „Bestände“ ist das Wort, das Sie für die gleichen Sachverhalte verwenden, die Sie – wenn Sie vorgeben, Kirchenkritiker wiederzugeben – als „vermeintlich freiheitsfeindliche Exzesse der Gläubigen“ bezeichnen? Und da Sie ja durchaus auf diese Bestände pochen, nehme ich an, das Wesentliche für Sie ist, dass dieses Pochen nicht „beleidigt“ erfolgt? Dann sollten Sie vielleicht in Zukunft weniger von „Zumutungen“ sprechen, wenn es um Demokratie und die „Wahrheiten“ anderer geht.</p>
<blockquote><p>… sondern geistliche Phantasie entwickelt … [S. 12]</p></blockquote>
<p>Bitte nicht noch mehr!</p>
<blockquote><p>… für den Umgang mit den entfremdeten Milieus der Eliten wie der Ränder der Gesellschaft und die die inneren Distanzen und Nähen der Menschen zur Kirche ernstnimmt und achtet. [S. 12]</p></blockquote>
<p>Sie bilden sich doch nicht etwa ein, dass sich Kirchendistanzierte durch Ihre Ausführungen ernst genommen oder geachtet fühlen?</p>
<blockquote><p>Doch in den härter werdenden Auseinandersetzungen sind die geistlichen Tugenden, von denen der Barockdichter Paul Gerhardt singt, Haltungen in haltlosen Zeiten. Wie sagt er es? „Gelassen und unverzagt.“ [S. 12]</p></blockquote>
<p>„Haltlos“ sind vor allem Ihre Ausführungen! Frau Bahr, was Sie hier abgezogen haben, ist nicht unverzagt, sondern dreist!</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/skydaddy.wordpress.com/4401/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/skydaddy.wordpress.com/4401/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4401&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Overbecks Äußerungen: Meinungsfreiheit oder Volksverhetzung?</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Jun 2012 06:38:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchliche Propaganda]]></category>
		<category><![CDATA[Militärseelsorge]]></category>
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		<category><![CDATA[Volksverhetzung]]></category>

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		<description><![CDATA[Sind die Äußerungen von Bischof Overbeck (u.a. &#8220;ohne Religion und ohne religiöse Praxis gibt es kein Menschsein&#8221;) von der Meinungsfreiheit gedeckt oder schon Volksverhetzung? Und sollte es überhaupt einen Straftatbestand &#8220;Volksverhetzung&#8221; geben? &#8212; Ich meine: Ja, und Obverbecks Äußerungen erfüllen die Kriterien für Volksverhetzung. Blogger Muriel von „überschaubare Relevanz“ (den ich schon allein wegen seines [&#8230;]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&#038;blog=10467017&#038;post=4382&#038;subd=skydaddy&#038;ref=&#038;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Sind die Äußerungen von Bischof Overbeck (u.a. &#8220;ohne Religion und ohne religiöse Praxis gibt es kein Menschsein&#8221;) von der Meinungsfreiheit gedeckt oder schon Volksverhetzung? Und sollte es überhaupt einen Straftatbestand &#8220;Volksverhetzung&#8221; geben? &#8212; Ich meine: Ja, und Obverbecks Äußerungen erfüllen die Kriterien für Volksverhetzung.</strong></p>
<p><em><span id="more-4382"></span></em></p>
<p>Blogger Muriel von „<a href="http://ueberschaubarerelevanz.wordpress.com/2012/05/30/militarbischof-overbeck-hat-recht/">überschaubare Relevanz</a>“ (den ich schon allein wegen seines Hintergrund- und Profilbildes sowie des selbstironischen Blog-Titels sympathisch finde) hat ausführlich zu meinem <a href="http://skydaddy.wordpress.com/2012/05/30/neue-anzeige-gegen-militarbischof-overbeck/" target="_blank">Anzeigentext gegen Bischof Overbeck</a> Stellung genommen und sich gegen eine Anzeige ausgesprochen.</p>
<p>Ich denke, Muriel und ich stimmen von unseren Überlegungen und Kriterien weitgehend überein, es ist wohl nur so, dass ich aufgrund unterschiedlicher Gewichtungen zu einem anderen Ergebnis komme, was Overbecks Äußerungen angeht.</p>
<p>Tatsächlich ist das, was mich <em>am meisten</em> an Muriels Artikel wurmt, der Umstand, dass ich meine Ausführungen viel lieber auf einer Plattform namens „pangalaktische Dringlichkeit“ oder so kommentiert gefunden hätte…</p>
<p>Zunächst ein plumper, dafür aber kurzer Konter:</p>
<p>Wenn Muriel titelt „<a href="http://ueberschaubarerelevanz.wordpress.com/2012/05/30/militarbischof-overbeck-hat-recht/">Overbeck hat Recht</a>“ – nämlich, Muriel zufolge, das Recht, derartige Äußerungen zu tun –, dann könnte Muriel natürlich nach der gleichen Logik sagen: „Skydaddy hat Recht“ – denn zweifellos habe ich das Recht, Overbeck bei der Staatsanwaltschaft anzuzeigen. (Und, wohlgemerkt, um <em>Prüfung</em> zu bitten, ob Overbecks Äußerungen strafrechtlich relevant sind.)</p>
<p>Die Relevanz einer solchen Entgegnung wäre aber wohl relativ überschaubar (hö, hö), und damit zumindest auf <em>diesem</em> Blog fehl am Platz.</p>
<p>Muriel vertritt zwei Standpunkte:</p>
<p>Erstens ist ihm die Meinungsfreiheit sehr wichtig. (Was ich von mir auch sagen würde.) Und zweitens hält er meine Argumentation hinsichtlich der Volksverhetzung nicht für stichhaltig.</p>
<p>An dieser Stelle vielleicht der Hinweis: Eine erheblicher Grund für meine Anzeige war der Umstand, dass bereits Anzeigen gegen Overbeck erstattet worden waren, die aber m.E. die Brisanz seiner Äußerungen bei weitem nicht so deutlich machten wie ich das in meinem Text herausgearbeitet habe. Auch wollte ich den üblichen Einwänden etwas entgegensetzen. <em>Wenn</em> Overbeck schon angezeigt wird, dann sollte die Argumentation m.E. <em>so effektiv wie möglich</em> sein.</p>
<p><strong>Grenzenlose Meinungsfreiheit?</strong></p>
<p>Aber kommen wir zur Meinungsfreiheit. Diese ist mir ebenfalls sehr wichtig. Ich finde bloß, dass bei Overbecks Äußerungen die Diffamierung so stark überwiegt, dass es sich nicht in erster Linie um eine „Meinung“ handelt.</p>
<p>Es gibt nämlich – nicht nur meiner Meinung nach, ich habe hier das deutsche Recht auf meiner Seite – Äußerungen, die von der Meinungsfreiheit eben nicht gedeckt sind.</p>
<p>Am offensichtlichsten ist dies bei Aufforderungen zu Mord oder Gewalt. In diesem Punkt stimmen Muriel und ich überein, so <a href="http://ueberschaubarerelevanz.wordpress.com/2012/05/30/militarbischof-overbeck-hat-recht/" target="_blank">schreibt er</a>:</p>
<blockquote><p>Ich lehne wie Beleidigung oder Volksverhetzung als eigenständige Straftatbestände deshalb vollständig ab und kann mir eine Strafe für Äußerungen nur mittelbar in der Form vorstellen, dass sie eine Anstiftung oder Beihilfe zu anderen Straftaten sein können. (Augenfälliges Beispiel: “Wenn du meinen Nachbarn erschlägst, gebe ich dir zweitausend Euro.”)</p></blockquote>
<p>Ein grundsätzlicher Unterschied zwischen Muriels und meiner Position ist, dass er einen speziellen Straftatbestand für Volksverhetzung offenbar nicht für nötig hält, sondern bei Gewaltaufrufen eben gleich auf „Anstiftung zu Gewalt“ plädieren würde. (So verstehe ich ihn zumindest.)</p>
<p>Nun gibt es aber nicht nur Anstiftung zur Gewalt gegen <em>bestimmte</em> Personen (in Muriels Beispiel der Nachbar), sondern auch gegen <em>Gruppen</em> von Menschen, die sich durch ein bestimmtes Merkmal auszeichnen bzw. dadurch erkennbar sind.</p>
<p>So durfte man z.B. gestern lesen, dass ein Pastor in Kansas erklärte, <a href="http://www.huffingtonpost.com/2012/05/30/kansas-pastor-curtis-knapp-gays-death_n_1556061.html">die Regierung solle Homosexuelle töten</a>. Zweifellos eine Meinung, aber hier nähert man sich doch irgendwo einer Grenze, wo die Gesellschaft derartige Meinungen nicht zu tolerieren hat. Es ist ja eine Sache, wenn mich jemand ein Arschloch nennt, aber eine andere, wenn er zur Tötung von Menschen aufruft, deren Merkmalen ich entspreche. Ich finde nicht, dass Homosexuelle (bzw. die Gesellschaft, z.B. auch Eltern, Geschwister oder Freunde von Homosexuellen) es hinnehmen müssen, wenn zur Tötung von Homosexuellen aufgerufen wird.</p>
<p><strong>Entmenschlichung und Untermenschen</strong></p>
<p>Bei Volksverhetzung kommen aber typischerweise <em>zwei</em> Dinge zusammen: Nämlich zum einen der Aufruf zur Gewalt gegen eine bestimmte Gruppe, zum anderen aberauch regelmäßig eine systematische Propagandastrategie, um die betreffende Gruppe zu <em>entmenschlichen</em>. Denn Menschen haben nun mal Hemmungen, andere Leute einfach so zu töten. Deshalb wurden und werden Tötungsaufrufe gegen bestimmte Gruppen üblicherweise dadurch vorbereitet und begleitet, dass der betreffenden Gruppe das Menschsein, oder zumindest das vollwertige Menschsein, abgesprochen wird. In diesem Zusammenhang wurde ja auch gerne die Bezeichnung &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Untermensch" target="_blank">Untermenschen</a>&#8221; verwendet.</p>
<p><strong>Gewalt gegen bestimmte Gruppen speist sich daher aus zwei Faktoren: Konkreten Aufrufen zur Gewalt, aber auch der vorherigen Entmenschlichung der Opfer.</strong></p>
<p>Der Gesetzgeber sieht das übrigens genauso, denn der Straftatbestand der Volksverhetzung (s.u.) umfasst zwei Punkte: Den Aufruf zu Hass oder Gewalt, aber auch Beschimpfung, Verächtlichmachung und Verleumdung.</p>
<p>Ich glaube auch, dass die konkreten Aufrufe zur Gewalt <em>weniger</em> wichtig sind als die Entmenschlichung. Denn: <strong>Wenn für die Entmenschlichung gesorgt ist, wird es zur Gewalt von ganz allein kommen.</strong></p>
<p>Ich bin daher der Auffassung, dass die gezielte Herabsetzung bestimmter Gruppen mindestens ebenso „bedenklich“ sein kann wie konkrete Aufrufe zur Gewalt.</p>
<p><strong>Die Nazis-Propaganda hat auch nicht die Vergasung von Menschen gefordert &#8212; sie hat sie aber vorbereitet</strong></p>
<p>Als Atheist sieht man sich ja regelmäßig mit der Behauptung konfrontiert, die Nazis seien Atheisten gewesen. Ich habe deshalb vor einiger Zeit mal kurz recherchiert, wie damals deren Propaganda so aussah. Ich erinnere mich nicht, irgendwo gelesen zu haben, dass bestimmte Menschen vergast oder umgebracht werden sollten. Stattdessen erinnere ich mich an Behauptungen wie, bestimmte Menschen seien</p>
<ul>
<li>von Gott verflucht</li>
<li>asozial</li>
<li>parasitär</li>
<li>unmoralisch</li>
<li>nur auf ihren eigenen Vorteil aus</li>
<li>Kommunisten</li>
</ul>
<p>Es gab noch andere Unterstellungen. Die obigen habe ich deshalb herausgegriffen, weil die gleichen Vorwürfe auch gegen Atheisten erhoben werden. (Wobei der Vorwurf des Kommunismus seit einiger Zeit etwas aus der Mode gekommen zu sein scheint.)</p>
<p>Mein Punkt ist: <strong>Systematische bzw. massenhafte Gewalt gegen bestimmte gesellschaftliche Gruppen ist nur möglich, wenn zuvor entsprechend der geistige Boden für diese Taten bereitet wurde. Typischerweise wird der betreffenden Gruppe dabei das Menschsein abgesprochen. </strong></p>
<p>Für diejenigen, die so etwas tun, gibt es auch eine Bezeichnung: Schreibtischtäter. Oder Hassprediger. (Ich vermute, dass dieser Begriff nicht umsonst &#8220;Hass<em>prediger</em>&#8221; lautet und nicht &#8220;Hass<em>redner</em>&#8220;.)</p>
<p>Deshalb bin ich der Auffassung, dass das Strafrecht zu Recht den Tatbestand der Volksverhetzung kennt.</p>
<p><strong>Das Problem ist freilich, dass sich hier nur sehr schwer unterscheiden lässt, wo die legitime Meinung aufhört und die Volksverhetzung beginnt.</strong> Ich befürchte sogar: Die allermeisten Propagandabehauptungen gingen <em>für sich alleine genommen </em>durchaus als Meinung durch, während die <em>Gesamtheit</em> derartiger Äußerungen den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllen kann.</p>
<p>Ist es grausam, wenn Tiere ohne Betäubung geschlachtet werden? Kann man so sehen. Ist es plausibel, dass eine bestimmte Gruppe das Interesse der eigenen Gruppe über die Interessen des Gemeinwesens stellt? Das dürfte wohl sogar eher die Regel als die Ausnahme sein und daher durchaus für sich genommen als legitime Meinung durchgehen. Ich hoffe, es wird deutlich, wohin die gedankliche Reise geht: Durch die gezielte „Zusammenstellung“ und Wiederholung von – für sich genommen – legitimen Meinungen (oder auch Tatsachen, man denke hier nur an die Diskussion über den IQ bestimmter Menschengruppen oder Kriminalitätsstatistiken) wird Propaganda betrieben, die den Boden für Gewalt gegen die entsprechende Gruppe bereitet.</p>
<p><strong>Islamkritik oder Islamophonie?</strong></p>
<p>Tatsächlich sehe ich diese Entwicklung momentan weniger bei den Atheisten als bei „den“ Muslimen. Als Atheist lehne ich natürlich den Islam als Religion ab, darüber hinaus speziell Praktiken wie die Beschneidung von Kindern oder das Schächten ohne Betäubung (wobei es in Deutschland auch die Praxis gibt, nach vorheriger Betäubung zu schächten). Ich betrachte mich deshalb durchaus als <em>Islam</em>kritiker, wobei ich mich allerdings gelegentlich veranlasst sehe, mich mit <em>Muslimen</em> zu solidarisieren, wenn diese an der (harmlosen) Wahrnehmung ihrer Religionsfreiheit gehindert werden sollen, z.B. am Bau von Moscheen. Oder am freiwilligen Tragen von Kopftüchern.</p>
<p>Es gibt aber auch Bewegungen – und da will ich auch Atheisten und Humanisten gar nicht ausnehmen – die m.E. zu einseitig und zu verallgemeinernd vorgehen. Es ist natürlich schwer zu beschreiben, wo hier die Grenze liegt. Ich denke, für meine Einschätzung ist ausschlaggebend, ob es gegen bestimmte Praktiken oder Einstellungen geht, oder gegen Menschen einer bestimmten Gruppe. Ich finde z.B., dass die medizinisch nicht notwendige Beschneidung von Minderjährigen als Körperverletzung geahndet werden sollte. (<a href="http://skydaddy.wordpress.com/2009/12/27/who-spricht-sich-gegen-beschneidung-von-sauglingen-und-kindern-aus/" target="_blank">Worum es sich auch tatsächlich handelt</a>, es wird nur leider in der Praxis nicht verfolgt.) Wenn sich jemand aus religiösen oder auch z.B. ästhetischen Gründen <em>als Erwachsener</em> beschneiden lassen will, soll er das meinetwegen tun, es könnte mir nicht gleichgültiger sein.</p>
<p>Meine Kritik macht sich also an <em>konkretem Verhalten</em> fest und nicht an einer speziellen <em>Gruppenzugehörigkeit</em>. Was ich nicht mag ist, wenn ich den Eindruck habe, man nimmt sich eine bestimmte Gruppe vor und „rationalisiert“ dann seine Vorbehalte, indem man sich (durchaus berechtigte) Kritikpunkte heraussucht. Besonders unappetitlich wird es, wenn diese Kritik dann nur gegenüber der betreffenden Gruppe vorgebracht wird, an anderer Stelle aber nicht. Die Kritik wird dann Mittel zum Zweck, nämlich zum Zweck der Diffamierung.</p>
<p><strong>Ich kritisiere nicht nur Bischöfe</strong></p>
<p>Bei dieser Gelegenheit noch mal der Hinweis: Overbeck ist nicht der erste und nicht der einzige, über den ich mich beschwert habe. Ich habe mich vor einigen Jahren mal beim Presserat über die Bildzeitung beschwert, weil die einen bestimmten Straftäter regelmäßig als „Monster“ bezeichnete. Genau wie jetzt bei Overbeck fand ich und finde ich noch, dass dadurch der Betreffende entmenschlicht wird. Der Presserat fand übrigens nichts dabei, trotzdem finde ich es richtig, dass ich mich beschwert habe.</p>
<p>Oder nehmen wir Thilo Sarrazin. Er fällt bei mir sicher nicht in die Kategorie „Sympathieträger“. Trotzdem war ich geschockt, als ich neulich diese unsägliche Formulierung lesen musste, wo Sarrazin als „stotternde, zuckende Menschenkarikatur“ bezeichnet wurde. So eine Formulierung hat für mich zu wenig „Meinungsgehalt“ und zu viel von der Aussage „zum Abschuss freigegeben“. Bin ich der Einzige, der bei dieser Beschreibung an ein verendendes Tier denkt, dem man an besten den Gnadenschuss gibt? Oder an ein Insekt im Todeskampf, das man aus Mitleid zertritt?</p>
<p>Wer jemanden öffentlich als &#8220;Menschenkarikatur&#8221; bezeichnet, sieht den Betreffenden offenbar nicht als &#8220;richtigen&#8221; Menschen. Da ist für mich ganz klar die Grenze der Meinungsfreiheit erreicht. Erfreulicherweise haben sich hier ja bereits andere des Themas angenommen.</p>
<p><strong>Die Grenze der Meinungsfreiheit ist dort, wo anderen das Menschsein abgesprochen wird</strong></p>
<p>So sehr ich für Meinungsfreiheit bin und so schwierig es ist, zu beurteilen, wo die Grenze überschritten ist und wo nicht: Ich bin der Auffassung, dass nicht alles, was jemand sagt oder schreibt, automatisch als „Meinung“ durchgehen kann, und dass die Grenze nicht erst bei einem ausdrücklichen Gewaltaufruf zu ziehen ist, sondern schon früher. Ganz sicher aber dort, wo das &#8220;Menschsein&#8221; einer Gruppe infrage gestellt wird.</p>
<p>Ich denke also, dass der strafrechtliche Tatbestand der Volksverhetzung seine Berechtigung hat.</p>
<p><strong>Volksverhetzung oder nicht?</strong></p>
<p>Nun stellt sich die Frage, ob die Merkmale der Volksverhetzung bei den Overbeckschen Äußerungen erfüllt sind. Muriel verneint dies.</p>
<p>Paragraf 130 (1) StGB (Volksverhetzung) lautet:</p>
<blockquote><p>Wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören,</p>
<ol>
<li>gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe, gegen Teile der Bevölkerung oder gegen einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung zum Hass aufstachelt, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen auffordert oder</li>
<li>die Menschenwürde anderer dadurch angreift, dass er eine vorbezeichnete Gruppe, Teile der Bevölkerung oder einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet,</li>
</ol>
<p>wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.</p></blockquote>
<p>Hier noch einmal Overbecks Äußerungen, die er in Lourdes getätigt hat (Muriel kannte offenbar nur die erste):</p>
<blockquote><p><strong>„Ohne Religion und ohne gelebte Praxis von Religion gibt es kein Menschsein.“</strong><br />
[<a href="http://www.youtube.com/watch?v=Vx5Bq-JgdJg">YouTube</a>, 5:33]</p>
<p>„Oberste Priorität hat, dass Soldaten Gewalt nur im äußersten Notfall und vor allem verantwortungsvoll einsetzen. <strong>Mit einem festen Glauben lassen sich solche Entscheidungen gewissenhafter treffen.</strong>“ [<a href="http://www.domradio.de/aktuell/81798/sinnvoll-und-wichtig.html">Domradio</a>]</p>
<p>„<strong>Die Anwendung von Gewalt bedürfe</strong> eines gefestigten Gewissens und eines klaren Charakters sowie <strong>Gottvertrauens</strong>, so der Militärbischof.“ [<a href="http://www.domradio.de/aktuell/81785/die-letzte-wahl.html">Domradio</a>]</p></blockquote>
<p>In seiner <a href="http://www.youtube.com/watch?v=Vx5Bq-JgdJg">Ansprache in Lourdes</a> sagte Overbeck außerdem,</p>
<blockquote><p>„dass es [‚jedenfalls vom katholischen Standpunkt aus‘] <strong>kein rechtes Denken vom Menschen gibt ohne Gott</strong>“ (4:02)</p></blockquote>
<p>und dass es,</p>
<blockquote><p>„was das Staatswesen und das Rechtsdenken angeht, sonst <strong>zu katastrophalen Folgen führt</strong>, wenn wir uns nicht auf eine solche Grundlage (gemeint ist eine religiöse Rückbindung) beziehen…” (4:40)</p></blockquote>
<p><strong>Overbeck verleumdet Ungläubige</strong></p>
<p>Overbeck äußert also nicht nur eine Meinung der Art, dass er Katholiken besser <em>findet</em> als Konfessionslose, oder auch, dass diese irgendwie „besser“ <em>seien</em> als Atheisten – wofür, in dieser allgemeinen Form, die Meinungsfreiheit geltend gemacht werden könnte. Nein: <strong>Overbeck behauptet hier konkret, dass Ungläubige Entscheidungen über den Einsatz von Gewalt weniger gewissenhaft treffen als Gläubige, und dass sie auch (mangels Gottvertrauens) nicht geeignet zur Anwendung von Gewalt sind</strong> – also nichts weniger, als dass Ungläubige nicht zum Soldaten taugen.</p>
<p>Das ist ehrverletzend und somit in der Tat verleumderisch. Zum Vergleich: Paragraf 187 StGB (Verleumdung) lautet:</p>
<blockquote><p>Wer wider besseres Wissen in Beziehung auf einen anderen eine unwahre Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen oder dessen Kredit zu gefährden geeignet ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.</p></blockquote>
<p><strong>Was sollen Overbecks Äußerungen denn sonst sein als eine Herabwürdigung von Ungläubigen in der öffentlichen Meinung?</strong> Dass er gewissermaßen Gläubige auf- statt Ungläubige abwertet, ist m.E. ohne Belang, da es inhaltlich auf dasselbe hinausläuft.</p>
<p>Und mit seiner zuerst genannten Aussage spricht er Nichtreligiösen schlicht und ergreifend das Menschsein ab. Inhaltlich kommt das der Behauptung gleich, Ungläubige seien Untermenschen, oder es kommt ihr zumindest nahe.</p>
<p><strong>Wenn Overbeck es anders meinte, hätte er es auch anders formulieren müssen</strong></p>
<p>Nur kann man darüber spekulieren, ob Overbeck etwas anderes <em>meinte</em>, z.B. „Es gibt keine Gesellschaften, in denen nicht irgendwo jemand religiös ist.“ Dann muss Overbeck das aber auch so sagen. Seine Aussage „ohne Religion und ohne religiöse Praxis gibt es kein Menschsein“ ist so eindeutig und umfassend, dass er damit Ungläubigen das Menschsein abspricht.</p>
<p>Wenn es um die Menschenwürde geht, kann man jemandem nicht erst präzise das Menschsein absprechen, um hinterher zu sagen, man habe das nicht so gemeint. Die Unterschiede mögen minimal erscheinen, entscheidend ist die Eindeutigkeit der getätigten Aussage. In den anderen beiden genannten Beispielen würde ich die Grenze z.B. folgendermaßen ziehen:</p>
<p>Straftäter ist &#8220;monströs&#8221;: zulässige Meinungsäußerung. Straftäter ist ein &#8220;Monster&#8221;: Grenze überschritten.</p>
<p>Diskutant verhält sich &#8220;karikaturenhaft&#8221;: zulässige Meinungsäußerung. Diskutant ist eine &#8220;Menschenkarikatur&#8221;: Grenze überschritten.</p>
<p><strong>Der Unterschied liegt darin, dass die zulässigen Formulierungen dem Betreffenden lediglich <em>Eigenschaften</em> zuschreiben, während die m.E. unzulässigen Formulierungen <em>das Menschsein selbst</em> infrage stellen.</strong></p>
<p>Und dass man bei einem katholischen Bischof nicht von einem Versehen ausgehen kann, habe ich ja in meinem <a href="http://skydaddy.wordpress.com/2012/05/30/neue-anzeige-gegen-militarbischof-overbeck/" target="_blank">Anzeigentext </a>deutlich gemacht: Er äußert hier keine Meinung, sondern <strong>Overbeck definiert – in typisch katholischer Weise! – „Menschsein“ um in einer Weise, dass Ungläubige defizitär erscheinen müssen.</strong> Das ist etwas völlig anderes, als zu sagen: „Katholizismus ist für mich das Größte!“ oder „Menschen waren immer schon religiös“.</p>
<p>Der Verleumdungstatbestand ist m.E. klar erfüllt und Overbeck fügt sich damit in die Kommunikationsstrategie der Katholischen Kirche, Begriffe umzudefinieren und Andersdenkende als Gefährdung für die Gesellschaft darzustellen. (Man denke nur an Ratzingers Formulierung von der „<a href="http://skydaddy.wordpress.com/2010/03/22/hirtenbrief-deutliche-worte/" target="_blank">Legalisierung des Bösen</a>“ im Hinblick auf die rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften.)</p>
<p><strong>Äußerungen wie die von Overbeck sind durchaus <em>geeignet</em>, den öffentlichen Frieden zu stören</strong></p>
<p>Bleibt die Frage, ob Overbecks Äußerungen geeignet sind, den öffentlichen Frieden zu stören.</p>
<p>Die Frage ist nicht, ob der öffentliche Friede <em>tatsächlich</em> gestört ist, sondern ob  Overbecks Aussagen <em>geeignet</em> sind, den öffentlichen Frieden zu stören.</p>
<p>Und hier habe ich anhand mehrerer Vorkommnisse in der US-Armee deutlich gemacht, dass eine einseitige „religiöse Aufladung“ von Militäreinsätzen durchaus die öffentliche Ordnung gefährden kann. Wobei ich vielleicht noch anmerken sollte, dass in den beiden Fällen, die mir spontan einfielen – die Bibelsprüche auf Pentagon-Zitaten und Verweise auf Bibelstellen auf Ausrüstungsgegenständen wie Zielfernrohren – im Grunde noch harmloser sind, als wenn ein Militärbischof vor gläubigen Soldaten auf einer Wallfahrt Ungläubigen das Menschsein abspricht.</p>
<p><strong>Nicht so schlimm?</strong></p>
<p>Ich gebe zu: Es mag etwas kleinlich <em>erscheinen</em>, sich darüber zu empören. Allerdings habe ich den Verdacht, dass die mangelnde Empörung vor allem daher kommt, dass wir alle – Atheisten wie Gläubige – derartige Aussagen schon <em>viel zu oft</em> gehört haben.</p>
<p>Man sieht das, wie schon in der Anzeige gesagt, wenn man Overbecks Aussage ins Gegenteil verkehrt:</p>
<p><em>&#8220;Wo es Religion und religiöse Praxis gibt, da gibt es kein Menschsein.&#8221;</em></p>
<p>Die öffentliche Abstumpfung gegenüber derartigen Äußerungen, wenn sie sich auf <em>Nichtreligiöse</em> beziehen, macht die Sache natürlich nicht besser, sondern nur noch schlimmer!</p>
<p>Umso wichtiger finde ich, darauf hinzuweisen, dass Overbecks Äußerungen verleumderisch sind und durchaus auch geeignet, den öffentlichen Frieden zu stören.</p>
<p><strong>Noch nicht überzeugt?</strong></p>
<p>Nun, ich nehme nicht an, dass ich mit diesen Ausführungen sämtliche Skeptiker überzeugen kann. Deshalb hier noch eine etwas andere Argumentation:</p>
<p>Die Kritik an der Anzeige bezieht sich ja weniger darauf, dass Overbecks Aussagen harmlos wären, sondern dass auch für solche Äußerungen die Meinungsfreiheit zu gelten habe.</p>
<p>Wenn man aber nicht gerade für eine schrankenlose Meinungsfreiheit eintritt, muss es irgendwo eine Grenze geben. Nur, dass die schwer zu bestimmen ist.</p>
<p>Auch Kritiker einer Anzeige scheinen der Auffassung zu sein, dass Overbecks Äußerung zumindest grenzwertig ist. Nun, dann muss halt ausgelotet werden, wo diese Grenze ist. Und dazu muss irgendwann mal jemand seine Stimme erheben und sagen: Bis hierher und nicht weiter!</p>
<p>Und wenn Overbeck grenzwertige Äußerungen tätigt, dann kriegt er halt grenzwertige Anzeigen.</p>
<p>So einfach ist das.</p>
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