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	<title>Skydaddy&#039;s Blog</title>
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	<description>&#34;Für mich auch im Urlaub unverzichtbar!&#34; - Erzbischof Robert Z. aus F.</description>
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		<title>Bistum Hildesheim: Bischof und Missbrauchsbeauftragter sagten die Unwahrheit</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Jan 2012 07:06:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kirchliche Propaganda]]></category>
		<category><![CDATA[sexueller Missbrauch]]></category>
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		<description><![CDATA[Eine Lüge ist eine Aussage, von der der Sender (Lügner) weiß oder vermutet, dass sie unwahr ist, und die mit der Absicht geäußert wird, dass der oder die Empfänger sie trotzdem glauben. oder auch “die (auch nonverbale) Kommunikation einer subjektiven Unwahrheit mit dem Ziel, im Gegenüber einen falschen Eindruck hervorzurufen oder aufrecht zu erhalten.” Lügen [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&amp;blog=10467017&amp;post=4012&amp;subd=skydaddy&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_4079" class="wp-caption aligncenter" style="width: 420px"><a href="http://skydaddy.files.wordpress.com/2012/01/inkrafttreten.png"><img class="size-full wp-image-4079" title="Ausführungsbestimmungen zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche im Dienst des Bistums Hildesheim" src="http://skydaddy.files.wordpress.com/2012/01/inkrafttreten.png?w=450" alt="Ausführungsbestimmungen zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche im Dienst des Bistums Hildesheim"  /></a><p class="wp-caption-text">Rhetorische Frage: Kann man dies unterschreiben, ohne zu merken, dass die Ausführungen erst mit ihrer Veröffentlichung (am 17. Februar) in Kraft treten würden? - Kann man diesen Text erarbeiten, ohne dies zu wissen?</p></div>
<blockquote><p>Eine Lüge ist eine Aussage, von der der Sender (Lügner) weiß oder vermutet, dass sie unwahr ist, und die mit der Absicht geäußert wird, dass der oder die Empfänger sie trotzdem glauben. oder auch “die (auch nonverbale) Kommunikation einer subjektiven Unwahrheit mit dem Ziel, im Gegenüber einen falschen Eindruck hervorzurufen oder aufrecht zu erhalten.”</p>
<p>Lügen dienen dazu, einen Vorteil zu erlangen, einen Fehler oder eine verbotene Handlung zu verdecken und so Kritik oder Strafe zu entgehen. Von ‚Unwahrheit’ spricht man, wenn die Aussage tatsächlich auch nicht korrekt ist, der sich Äußernde das aber nicht weiß und es nur fälschlich angenommen hat.</p>
<p align="right">Quelle: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%BCge" target="_blank">Wikipedia.de</a></p>
</blockquote>
<p><strong>Im Zuge des Missbrauchsskandals 2010 haben anscheinend sowohl der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle als auch der Missbrauchsbeauftragte und Personaldezernent des Bistums, Heinz-Günter Bongartz (zwischenzeitlich zum Weihbischof ernannt) die Öffentlichkeit belogen – vermutlich, um ihre eigene Untätigkeit zu vertuschen.</strong></p>
<p><span id="more-4012"></span></p>
<h3>Die Behauptung</h3>
<p>Kurz nach dem Bekanntwerden der ersten Missbrauchsfälle am Berliner Canisius-Kolleg Ende Januar 2010 behauptete der Hildesheimer Bischof Trelle in einem „<a href="http://www.downloads.bistum-hildesheim.de/1/10/3/21805189464334654945.pdf">Wort des Bischofs</a>“, das am Sonntag, dem 7. Februar 2010 in allen Gemeinden zu verlesen war und auch anderweitig veröffentlicht wurde, er habe</p>
<blockquote><p>„Ausführungsbestimmungen zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche im Dienst des Bistums Hildesheim” erlassen und sie zum 1. Januar 2010 in Kraft gesetzt.</p></blockquote>
<p>In einem <a href="http://www.dokumente.bistum-hildesheim.de/nl/85/missbrauch_brief_trelle_100209.pdf">Brief an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter</a> seines Bistums vom 9. Februar 2010 behauptete Trelle erneut, er habe in Ergänzug zu den Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz von 2002</p>
<blockquote><p>Ausführungsbestimmungen erlassen und zum 1. Januar 2010 in Kraft gesetzt.</p></blockquote>
<p>Der Missbrauchsbeauftragte und Personaldezernent des Bistums, Domkapitular Heinz-Günter Bongartz, sprach in einem <a href="http://www.katholisch.de/Nachricht.aspx?NId=3537">Interview</a>, das am 6. Februar 2010 auf katholisch.de veröffentlicht wurde von</p>
<blockquote><p>Ausführungsbestimmungen zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche im Bistum Hildesheim [...], die unser Bischof zum Anfang dieses Jahres in Kraft gesetzt hat.</p></blockquote>
<p>In einem Interview mit der Hildesheimer <a href="http://www.kiz-online.de/">KirchenZeitung</a> (Ausgabe Nr. 14 vom 4. April 2010, nicht mehr online, aber auf Skydaddy’s Festplatten gesichert) sprach Bongartz von</p>
<blockquote><p>Ausführungsbestimmungen zu den Leitlinien, die am 1. Januar 2010 vom Bischof in Kraft gesetzt wurden [.]</p></blockquote>
<p>Ergebnis: Sowohl Bischof Trelle als auch Domkapitular Bongartz haben damals beide mehrfach erklärt, die Ausführungsbestimmungen zum sexuellen Missbrauch für das Bistum Hildesheim seien „zum 1. Januar 2010”, „zum Anfang dieses Jahres” bzw. „am 1. Januar” in Kraft gesetzt worden – also noch <em>vor</em> dem Missbrauchsskandal 2010.</p>
<h3>Die Wahrheit</h3>
<p>Die Ausführungsbestimmungen traten erst gut zwei Wochen <em>nach</em> dem Beginn des Missbrauchsskandals in Kraft, nämlich mit ihrer Veröffentlichung im <a href="http://www.downloads.bistum-hildesheim.de/1/10/3/36242352605746186185.pdf">Kirchlichen Anzeiger für das Bistum Hildesheim Nr. 1/2010</a> am 17. Februar 2010.</p>
<p>Dieser Umstand wird Bischof Trelle und Domkapitular Bongartz kaum entgangen sein, denn in den <a href="http://www.downloads.bistum-hildesheim.de/1/10/3/26953862536873713046.pdf" target="_blank">Ausführungsbestimmungen</a> heißt es gleich in der Einleitung, unmittelbar vor den eigentlichen Bestimmungen:</p>
<blockquote><p>Dazu gelten ab dem Tag der Veröffentlichung folgende Bestimmungen und Verfahren:</p></blockquote>
<p>Und am Ende, direkt über Bischof Trelles Unterschrift, heißt es noch einmal:</p>
<blockquote><p><strong>Inkrafttreten</strong></p>
<p>Diese Ausführungsbestimmungen treten mit der Veröffentlichung im Kirchlichen Anzeiger für die Diözese Hildesheim in Kraft.</p></blockquote>
<p>Über der Unterschrift steht:</p>
<blockquote><p>Hildesheim, den 1. Januar 2010</p></blockquote>
<h3>Zwischenergebnis</h3>
<p>Obwohl die Hildesheimer Ausführungsbestimmungen erst am 17. Februar 2010 &#8211; gut zwei Wochen nach dem Beginn des Missbrauchsskandals &#8211; in Kraft traten, verbreiteten Bischof Trelle und sein Missbrauchsbeauftragter Bongartz bereits vor dem Inkrafttreten mehrfach, Trelle habe die Bestimmungen bereits „zum 1. Januar 2010”, „zum Anfang dieses Jahres” bzw. „am 1. Januar” in Kraft gesetzt.</p>
<p>Um ein Versehen handelte es sich dabei offenbar nicht: Zum einen ist undenkbar, dass Trelle und Bongartz sich nicht darüber im Klaren waren, dass die Bestimmungen erst mit ihrer Veröffentlichung im Kirchlichen Anzeiger in Kraft treten würden, zum anderen sind mir auch keine anders lautenden Erklärungen des Bistums bekannt, in denen es etwa heißen würde, die Ausführungsbestimmungen seien „am 17. Februar” oder „mit ihrer Veröffentlichung” in Kraft getreten.</p>
<p>Offenbar handelte es sich bei den obigen Formulierungen um eine Sprachregelung des Bistums.</p>
<p>Die Formulierungen sind aber alle unzutreffend. Am ehesten wäre noch Bongartz’ Formulierung akzeptabel, die Ausführungsbestimmungen seien „zum Anfang des Jahres” in Kraft gesetzt worden – bei großzügiger Auslegung könnte man Mitte Februar u.U. noch als „Anfang des Jahres” bezeichnen. Bongartz sprach zum Zeitpunkt des Interviews (am 6. Februar 2010 oder früher) allerdings bereits in der Vergangenheitsform:</p>
<blockquote><p>Ausführungsbestimmungen […], die unser Bischof zum Anfang dieses Jahres in Kraft gesetzt hat.</p></blockquote>
<p>Damit kann diese Aussage jedenfalls nicht auf den 17. Februar bezogen werden.</p>
<p>Außerdem sind Bongartz’ Formulierungen im Zusammenhang mit den Erklärungen von Bischof Trelle zu sehen. Trelle und Bongartz wollten mit ihren Formulierungen zweifellos den Eindruck erwecken, die Leitlinien seien bereits am 1. Januar 2010 in Kraft getreten.</p>
<p>Es handelt sich hierbei auch nicht um eine Nebensächlichkeit – sonst hätte Bischof Trelle wohl auch kaum zwei Mal eine so leicht zu widerlegende Formulierung benutzt: Der Unterschied zwischen dem Inkrafttreten am 1. Januar und am 17. Februar besteht darin, dass die Ausführungsbestimmungen im ersten Fall noch <em>vor</em>, im zweiten Fall erst <em>nach</em> dem Beginn des Missbrauchsskandals in Kraft traten.</p>
<h3>Die Leitlinien der Bischofskonferenz sind unverbindlich</h3>
<p>Hierzu muss man wissen, <a href="http://www.domradio.de/aktuell/65765/das-verbrechen-der-verfuehrung.html" target="_blank">dass die 2002 von der Deutschen Bischofskonferenz verabschiedeten Leitlinien für die Deutschen Bistümer nicht verbindlich sind</a>. Wie der Name schon sagt, handelt es sich lediglich um „Leitlinien”. Damit die entsprechenden Bestimmungen und Verfahren für ein Bistum Gültigkeit erlangen, muss der Bischof entsprechende Ausführungsbestimmungen erlassen. Dies war im Bistum Hildesheim seit 2002 nicht geschehen, weder unter dem früheren Bischof Josef Homeyer (bis Ende 2004) und seinem Personalverantwortlichen/Missbrauchsbeauftragten Werner Holst (bis 2006/2007), noch unter dem jetzigen Bischof Norbert Trelle (seit 2006) und dem jetzigen Personaldezernenten/Missbrauchsbeauftragten Heinz-Günter Bongartz (seit 2006/2007).</p>
<h3>Bistum setzte bis November 2009 Missbrauchstäter ein</h3>
<p>Der Grund dafür, dass für das Bistum Hildesheim jahrelang keine Ausführungsbestimmungen erlassen wurden, lag möglicherweise auch darin, dass bis zum 30. November 2009 – etwa 8 Wochen vor dem Missbrauchsskandal – <a href="http://skydaddy.wordpress.com/2012/01/13/bistum-hildesheim-wissentlicher-einsatz-von-sexualtatern-1993-2009/" target="_blank">fast ununterbrochen Sexualtäter mit Wissen der Bistumsleitung weiterhin als Gemeindepfarrer eingesetzt waren</a> (Peter R. aus dem Canisius-Kolleg bis 2003, Hermann S. von 2003 bis 2009 mit knapp 7 Monaten Unterbrechung). Dies war jedenfalls nicht im Sinne der Leitlinien und wäre auch kaum mit etwaigen Ausführungsbestimmungen zu vereinbaren gewesen.</p>
<p>Mit dem Bekanntwerden der ersten Fälle des Missbrauchskandals 2010 (von den drei Tätern, über die zuerst berichtet wurde (Peter R., Wolfgang S. und Berhard E.) waren zwei (Peter R. und Bernhard E.) später im Bistum Hildesheim tätig und haben dort auch Minderjährige missbraucht) drohte das jahrelange Fehlen von Ausführungsbestimmungen jedenfalls unangenehme Fragen an Bischof Trelle und seinen Missbrauchsbeauftartgen Bongartz aufzuwerfen.</p>
<p>Bischof Trelle und Domkapitular Bongartz müssen daher ein erhebliches Interesse gehabt haben, den Eindruck zu vermitteln, dass sie bereits <em>vor</em> dem Missbrauchsskandal an den Ausführungsbestimmungen gearbeitet hatten. (Diese Interesse ist keine bloße Spekulation, sondern spiegelt sich auch in den oben genannten Formulierungen wider und dem Umstand, dass Bischof Trelle zwei Mal eine unzutreffende und leicht falsifizierbare Formulierung verwendete.)</p>
<h3>Wann wurden die Ausführungsbestimmungen erstellt?</h3>
<p>Die Frage, die sich aus alledem ergibt: Wurde im Bistum Hildesheim tatsächlich bereits <em>vor</em> dem Missbrauchsskandal 2010 an den Ausführungsbestimmungen gearbeitet und die Verantwortlichen wurden sozusagen lediglich zwischen Unterschrift und Inkrafttreten durch den Missbrauchsskandal „überrascht” – oder wurden die Hildesheimer Ausführungsbestimmungen auf die Schnelle produziert und rückdatiert, nachdem Bischof Trelle durch den Jesuitenorden <a href="http://www.goettinger-tageblatt.de/Nachrichten/Duderstadt/Uebersicht/Die-Glaubwuerdigkeit-der-Kirche-ist-beschaedigt">vorab über den Fall Peter R. informiert worden war</a>?</p>
<p>Hierzu ist folgendes festzustellen:</p>
<p>Die früheste mir bekannte Erwähnung der Hildesheimer Ausführungsbestimmungen im Internet stammt vom 2. Februar 2010 – aus einer <a href="http://www.bistum-hildesheim.de/bho/dcms/sites/bistum/nachrichten/nachrichtenarchiv/2010/februar2010/nachrichten.html?f_action=show&amp;f_newsitem_id=10778">Pressemitteilung</a>, in der das Bistum Hildesheim zum Fall Peter R. Stellung nimmt. Darin erklärt Domkapitular Bongartz, man „orientiere” sich „an den ‚Leitlinien zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz’ aus dem Jahre 2002 und den entsprechenden Ausführungsbestimmungen des Bistums Hildesheim.”</p>
<p>Zu diesem Zeitpunkt waren die von Bongartz erwähnten Ausführungsbestimmungen freilich noch gar nicht in Kraft.</p>
<p>Es fällt jedenfalls auf, dass die Ausführungsbestimmungen, die bereits „am” bzw. „zum” 1. Januar 2010 erlassen worden sein sollen, offenbar erstmals im Zuge des Missbrauchsskandals der Öffentlichkeit gegenüber erwähnt wurden.</p>
<h3>Die PDF-Datei ist vom 4. Februar</h3>
<p>Es hätte die Darstellung des Bistums gestärkt, wenn wenigstens die <a href="http://www.downloads.bistum-hildesheim.de/1/10/3/26953862536873713046.pdf">PDF-Datei der Ausführungsbestimmungen</a>, die das Bistum Hildesheim auf seiner Website präsentiert, ein Erstellungsdatum <em>vor</em> dem Missbrauchsskandal aufweisen würde. Gemäß den Datei-Eigenschaften wurde die Datei allerdings erst am 4. Februar 2010 um 14:31 erstellt – zwei Tage, nachdem die Bestimmungen offenbar erstmals in der Pressemitteilung erwähnt worden waren.</p>
<h3>Bongartz&#8217; merkwürdige Formulierung</h3>
<p>In dem oben bereits erwähnten Interview (mit der Überschrift „<a href="http://www.katholisch.de/Nachricht.aspx?NId=3537">Moralische Schuld verjährt nicht</a>“) vom 6. Februar 2010 – also nach dem Beginn des Skandals – erweckte Domkapitular Bongartz den Eindruck, es sei bereits 2009 an den Ausführungsbestimmungen gearbeitet worden:</p>
<blockquote><p>Nach der Veröffentlichung der Leitlinien der Bischöfe 2002 haben wir mit dem Beraterstab 2009, der mir als bischöflicher Berater zur Seite steht, Ausführungsbestimmungen zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche im Bistum Hildesheim erarbeitet, die unser Bischof zum Anfang dieses Jahres in Kraft gesetzt hat.</p></blockquote>
<p>Bei einer genaueren Betrachtung seiner Formulierung – und das ist bei Bongartz immer ratsam! – zeigt sich allerdings, dass Bongartz nicht wirklich sagt, dass bereits 2009 an den Bestimmungen gearbeitet wurde. Vielmehr erscheint seine Formulierung gerade dort etwas „holprig”, wo es um das Jahr geht: Er spricht von seinem „Beraterstab 2009” (was auch immer das heißen mag) und nicht davon, dass er und dieser Beraterstab 2009 schon an den Ausführungsbestimmungen gearbeitet hätten.</p>
<p>Ist diese „holprige” Formulierung weder dem Interviewer noch Bongartz beim Gegenlesen aufgefallen, so dass man sie korrigiert hätte? Oder sollte bewusst ein bestimmter Eindruck erweckt werden, ohne „technisch” zu lügen? Eine Frage, die man sich angesichts einiger Bongartz-Äußerungen durchaus stellen kann – z.B. erweckte er ja 2011 nach der Verhaftung eines Pfarrers aus Salzgitter den Eindruck, das Bistum habe sich 2010 wegen eines „freundschaftlichen Verhältnisses” des Pfarrers zur Familie seines Opfers und „übergroßen Geschenken” an die Staatsanwaltschaft gewandt – ohne zu erwähnen, dass dem Bistum seit 2010 bekannt war, dass der Pfarrer mit einem Jungen im Urlaub gewesen war und mit ihm in einem Bett übernachtet hatte – was der tatsächliche Grund für die Anfrage bei der Staatsanwaltschaft war.</p>
<h3>Anfrage beim Bistum</h3>
<p>Ich fragte am 14. November 2011 per E-Mail beim Bistum Hildesheim an:</p>
<ol>
<li><em>Trifft es zu, dass die Ausführungsbestimmungen zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger für das Bistum Hildesheim am 17. Februar 2010 in Kraft getreten sind (mit der Veröffentlichung im <a href="http://www.downloads.bistum-hildesheim.de/1/10/3/36242352605746186185.pdf">Kirchlichen Anzeiger</a>, wie es in den Ausführungsbestimmungen selbst heißt)?</em></li>
<li><em>Wenn die Ausführungsbestimmungen erst am 17. Februar 2010 in Kraft getreten sind, weshalb hat Bischof Trelle dann in zwei Briefen (an die <a href="http://www.downloads.bistum-hildesheim.de/1/10/3/21805189464334654945.pdf">Gemeinden</a> und die <a href="http://www.dokumente.bistum-hildesheim.de/nl/85/missbrauch_brief_trelle_100209.pdf">Mitarbeiter</a> des Bistums) behauptet, er habe die Bestimmungen „zum 1. Januar 2010 in Kraft gesetzt”?</em></li>
<li><em>Verstehe ich die Formulierung von Domkapitular Bongartz im <a href="http://www.katholisch.de/Nachricht.aspx?NId=3537">Interview mit katholisch.de</a> richtig, dass er nicht behauptet, der Beraterstab habe bereits 2009 an den Ausführungsbestimmungen gearbeitet, sondern dass er seinen Beraterstab als „Beraterstab 2009” bezeichnet?</em></li>
<li><em>Wie rechtfertigt Herr Bongartz seine damalige Behauptung in dem o.g. <a href="http://www.katholisch.de/Nachricht.aspx?NId=3537">Interview</a>, der Bischof habe die Ausführungsbestimmungen „zum Anfang dieses Jahres in Kraft gesetzt”? – Bongartz sprach damals in der Vergangenheitsform, zum Zeitpunkt des Interviews waren die Bestimmungen jedoch noch gar nicht in Kraft.</em></li>
<li><em>Hat das Bistum ggf. Belege dafür, dass bereits vor dem Bekanntwerden des Missbrauchsskandals Ende Januar 2010 an den Ausführungsbestimmungen gearbeitet wurde, oder dass der Erlass dieser Bestimmungen vor dem Bekanntwerden des Missbrauchsskandals kommuniziert wurde? (Hintergrund: Ich fand die Ausführungsbestimmungen erstmals am <a href="http://www.bistum-hildesheim.de/bho/dcms/sites/bistum/nachrichten/nachrichtenarchiv/2010/februar2010/nachrichten.html?f_action=show&amp;f_newsitem_id=10778">2.2.2010</a> erwähnt.)</em></li>
</ol>
<h3>Antwort wirft Fragen auf</h3>
<p>Zu diesen Fragen antwortete mir der Bistums- Pressesprecher Dr. Lukas am 21. November 2011 freundlicherweise:</p>
<blockquote><p>Der Bischof hat die Ausführungsbestimmungen am 1. Januar 2010 unterschrieben. Sie wurden im darauffolgenden Kirchlichen Anzeiger veröffentlicht und dadurch in Kraft gesetzt. Die Ausführungsbestimmungen wurden in 2008 und 2009 vom Beraterstab erarbeitet.</p></blockquote>
<p>Diese Antwort des bischöflichen Pressesprechers wirft zwei weitere Fragen auf:</p>
<p>Erstens: Wenn Bischof Trelle die Ausführungsbestimmungen tatsächlich am 1. Januar 2010 unterzeichnet hat – warum hat er das dann in seinen Briefen nicht entsprechend formuliert? Die Formulierung, er habe die Ausführungsbestimmungen „am 1. Januar 2010 erlassen” oder „unterschrieben” hätte exakt die gleiche Botschaft kommuniziert und wäre nicht so offensichtlich unrichtig gewesen wie die tatsächlich benutzte Formulierung. Warum wurde statt „<em>am</em> 1. Januar” die Formulierung „<em>zum</em> 1. Januar” gewählt? – Etwa, weil die Ausführungsbestimmungen gar nicht am ersten Januar unterschrieben wurden, sondern lediglich auf den 1. Januar „rückdatiert” wurden?</p>
<p>Andererseits: Würde ein bischöflicher Pressesprecher die Unwahrheit schreiben? Nur, um ein Täuschungsmanöver seines Bischofs zu decken?</p>
<h3>Copy &amp; Paste</h3>
<p>Die zweite Frage, die sich aus Dr. Lukas Antwort ergibt, betrifft die Arbeit des Beraterstabes, die schon 2008 erfolgt sein soll.</p>
<p>Die <a href="http://www.downloads.bistum-hildesheim.de/1/10/3/26953862536873713046.pdf">Ausführungsbestimmungen des Bistums Hildesheim</a> wurden nämlich offensichtlich in größter Eile per „Copy &amp; Paste” aus den <a href="http://praevention.kibac.de/proxy/alfresco-system/api/node/content/workspace/SpacesStore/24baeaee-7b40-4c46-bc5f-e11f58acff47/Ausführungsbestimmungen.pdf">Ausführungsbestimmungen des Bistums Aachen</a> „produziert”.</p>
<p>Und die Ausführungsbestimmungen des Bistums Aachen datieren vom 15. Dezember 2008.</p>
<p>An dieser Stelle muss auf folgendes hingewiesen werden:</p>
<p>Es ist nicht so, dass man sich beim Bistum Hildesheim jahrelang keine Gedanken über die Dinge gemacht hätte, die in den Ausführungsbestimmungen geregelt werden: Nämlich wie beim Verdacht auf Missbrauch durch Geistliche oder Beschäftigte des Bistums zu verfahren ist, wer zuständig ist usw. Dazu hatte das Bistum Hildesheim seit der Verabschiedung der Leitlinien im September 2002 wahrlich oft genug Anlass:</p>
<p style="padding-left:30px;">2003: Peter R. wird entpflichtet; das Bistum erfährt, dass der Celler Dechant Hermann S. 1995 einen 12-Jährigen missbraucht hat.</p>
<p style="padding-left:30px;">2004: Rudolf A., der 2001 einen Jugendlichen missbraucht hatte, wird nach einer Therapie wieder als Seelsorger in und um Göttingen eingesetzt; der Therapeut eines Opfers informiert das Bistum über einen 20 Jahre zurückliegenden Missbrauch durch Wolfgang F.</p>
<p style="padding-left:30px;">2005: Der Medienbeauftragte des Bistums, Monsignore Wolfgang F., wird wegen des 20 Jahre zurückliegenden Missbrauchs suspendiert.</p>
<p style="padding-left:30px;">2006: Eine Mutter fordert ein Kontaktverbot für den Pfarrer Andreas L. aus Salzgitter wegen „Distanzlosigkeit”; Vorwürfe gegen Hermann S. in Celle.</p>
<p style="padding-left:30px;">2007: Hermann S. wird in Celle entpflichtet, „aus Krankheitsgründen”; Hermann S. wird von einem Unbekannten wegen des Missbrauchs 1995 bei der Staatsanwaltschaft angezeigt; Wolfgang F. wird an das Bistum Paderborn „ausgeliehen”, wo er wieder als Seelsorger eingesetzt wird; Hermann S., wird die Leitung einer Seelsorgeeinheit im Eichsfeld übertragen, wo er weiterhin mit Kindern und Jugendlichen zu tun hat. Zuvor hatte S. eine Therapie gemacht, ein Gutachten soll seinen Einsatz „mit Auflagen” befürwortet haben;</p>
<p style="padding-left:30px;">2008: Rudolf A. wird einer anderen Gemeinde in Göttingen zugewiesen, bleibt nach wie vor Krankenhausseelsorger.</p>
<p style="padding-left:30px;">2009: Nachdem Hermann S. wegen Missbrauchs zu einer Geld- und Bewährungsstrafe verurteilt wurde, wird er in den Vorruhestand geschickt. „Aus gesundheitlichen Gründen”, der ahnungslosen Gemeinde tat der „schwer kranke” Pfarrer sehr leid.</p>
<p>Man darf daher wohl annehmen, dass im Bistum Hildesheim Anfang 2010 die Abläufe beim Thema „Missbrauch” eingespielt und die Zuständigkeiten geklärt waren.</p>
<p>Das ist aber nicht dasselbe wie Arbeit an den Ausführungsbestimmungen, jedenfalls nicht an deren Text.</p>
<p>Und als Textvorlage für die <a href="http://www.downloads.bistum-hildesheim.de/1/10/3/26953862536873713046.pdf">Hildesheimer Ausführungsbestimmungen</a> dienten nachweislich die <a href="http://praevention.kibac.de/proxy/alfresco-system/api/node/content/workspace/SpacesStore/24baeaee-7b40-4c46-bc5f-e11f58acff47/Ausführungsbestimmungen.pdf">Ausführungsbestimmungen des Bistums Aachen</a> vom 15. Dezember 2008.</p>
<h3>Schlampige Anpassung</h3>
<p>Man erkennt das an der äußerst schlampigen Anpassung an das Bistum Hildesheim. So wurde an einer Stelle ein typografischer Fehler aus der Aachener Vorlage übernommen (ein „französisches” Anführungszeichen («) statt der ansonsten verwendeten „geraden” Anführungszeichen (“)), an anderer Stelle wurde vergessen, den Verweis auf den Aachener Bistumsanzeiger (Nr. 173/2002) auf den Hildesheimer Bistumsanzeiger (Nr. 11/2002) umzustellen. Während der Hildesheimer Bistumsanzeiger jedes Jahr neu mit der Nr. 1 beginnt, wird in Aachen fortlaufend nummeriert. Da es demzufolge in Hildesheim immer nur rd. 12 Anzeiger pro Jahr gibt, hätte der Verweis auf den Anzeiger Nr. 172 dem Bongartzschen Beraterstab während seiner jahrelangen Arbeiten an den Ausführungsbestimmungen eigentlich auffallen müssen. Mir ist er jedenfalls aufgefallen. (Andererseits ist es nicht das erste Mal, dass man den Eindruck hat, dass die Verantwortlichen des Bistums Hildesheim beim Thema Missbrauch nicht richtig hingeschaut haben.)</p>
<h3>Weitgehend identischer Text</h3>
<p>Mit der Aachener Textvorlage sind die Hildesheimer Ausführungsbestimmungen über weite Strecken identisch. Ich habe hier mal die wörtlichen Übereinstimmungen (jeweils links: Aachen, rechts: Hildesheim) dunkelgrün markiert. Begriffe, die lediglich an das Bistum Hildesheim angepasst wurden (z.B. &#8222;Aachen&#8220; &gt; &#8222;Hildesheim&#8220;), sind hellgrün dargestellt (auf das Bild klicken zum Vergrößern):</p>
<p><a href="http://skydaddy.files.wordpress.com/2012/01/ausfc3bchrungsbestmmungen-c3bcbereinstimmungen.png"><img class="aligncenter size-full wp-image-4015" title="Ausführungsbestmmungen - Übereinstimmungen" src="http://skydaddy.files.wordpress.com/2012/01/ausfc3bchrungsbestmmungen-c3bcbereinstimmungen.png?w=450&#038;h=91" alt="" width="450" height="91" /></a></p>
<h3>Uneinheitliche Begriffe</h3>
<p>Weitere Nachlässigkeiten: In der Hildesheimer Version werden z.T. andere Begriffe verwendet, so heißt es in Aachen z.B. durchgängig nur „Generalvikar”, in Hildesheim hingegen grundsätzlich „Bischöflicher Generalvikar” – einige Male wurde die Anpassung aber vergessen, und es ist auch in Hildesheim nur vom „Generalvikar” die Rede. (Beispiel weiter unten.)</p>
<p>Die Lesbarkeit der Hildesheimer Ausführungsbestimmungen wird auch nicht dadurch verbessert, dass statt, wie in der Aachener Vorlage, nur vom „Bischöflichen [Missbrauchs-] Beauftragten” (in der männlichen Schreibweise) die Rede ist, sondern im Prinzip immer beide Schreibweisen (weiblich/männlich) benutzt werden. Nur halt nicht immer in der gleichen Weise, und gelegentlich wurde die weibliche Form auch vergessen. (Beispiel weiter unten.)</p>
<p>Damit nicht genug: Zusätzlich zu den „Ausführungsbestimmungen zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche” hat man in Hildesheim gleich noch eine zweite Variante der Ausführungsbestimmungen produziert, nämlich für „pastorale Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter” (im Gegensatz zu „Geistlichen”). Natürlich sind die Verantwortlichkeiten und die Vorgehensweise praktisch identisch, nur in wenigen Punkten unterscheidet sich die Behandlung der Geistlichen von der der pastoralen Beschäftigten. Dementsprechend müssten die Texte eigentlich in beiden Varianten gleich sein – sind sie aber nicht, weil die Nachlässigkeiten bei der „Anpassung” an das Bistum Hildesheim sich jeweils an anderen Stellen bemerkbar machen.</p>
<p>Hier ein kleines Beispiel: Beide Spalten gelten für Hildesheim. Links die Bestimmungen bei Missbrauch durch Geistliche, rechts bei Missbrauch durch pastorale Beschäftigte. Mit Ausnahme der zweiten Zeile sollten beide Texte eigentlich identisch sein:</p>
<p><a href="http://skydaddy.files.wordpress.com/2012/01/unstimmigkeiten-beispiel.png"><img class="aligncenter size-full wp-image-4017" title="Unstimmigkeiten - Beispiel" src="http://skydaddy.files.wordpress.com/2012/01/unstimmigkeiten-beispiel.png?w=450&#038;h=341" alt="" width="450" height="341" /></a></p>
<h4>Inhaltlicher Fehler</h4>
<p>Die Ergänzung um die zweite Textvariante für pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter führte allerdings nicht nur zu textlichen Unstimmigkeiten, sondern auch zu einem gravierenden <em>inhaltlichen</em> Fehler:</p>
<p>Im Prinzip mussten natürlich in der „Mitarbeiter-Variante” die Bezüge auf die Geistlichen entfernt werden. Dies geschah allerdings offenbar, ohne mitzudenken:</p>
<p><a href="http://skydaddy.files.wordpress.com/2012/01/beispiel-beichte.png"><img class="aligncenter size-full wp-image-4016" title="Beispiel Beichte" src="http://skydaddy.files.wordpress.com/2012/01/beispiel-beichte.png?w=450&#038;h=267" alt="" width="450" height="267" /></a></p>
<p>Hier wurden offenbar in der „Mitarbeiter-Variante” (rechts) die Bezüge auf die Geistlichen und die nur diesen vorbehaltene Beichte entfernt. Dabei wurde folgender Aspekt übersehen:</p>
<p>Die Ausführungsbestimmungen für Geistliche bzw. Mitarbeiter beziehen sich darauf, welcher von beiden Personengruppen der (mutmaßliche) <em>Täter</em> angehört. In dem obigen Abschnitt geht es aber nicht darum, wer den Missbrauch <em>begangen</em> hat, sondern wer davon <em>erfährt</em>. Und natürlich kann auch ein Geistlicher – während der Beichte oder anderweitig – von einem Missbrauch durch einen pastoralen Mitarbeiter erfahren. Deshalb hätten die Geistlichen und die Beichte an dieser Stelle auch in der „Mitarbeiterversion” erwähnt bleiben müssen. Ein Fehler, der beim Bistum offenbar bis heute nicht erkannt, oder jedenfalls nicht korrigiert wurde.</p>
<h3>Ergebnis jahrelanger Expertenarbeit?</h3>
<p>Ich gehe deshalb so ausführlich auf diese Nachlässigkeiten ein, weil es praktisch undenkbar ist, dass ein Team von Experten (Bongartz und sein Beraterstab) in jahrelanger Arbeit einen derart schlampigen Text produziert. Man muss sich auch fragen, weshalb Bischof Trelle am Neujahrstag 2010 ein Dokument unterschrieben haben soll, das so offensichtlich noch Korrekturbedarf hatte, wenn er damit bis zum Erscheinen des Anzeigers noch 6 Wochen hätte warten können – der Zeitpunkt des Inkrafttretens hätte sich dadurch nicht geändert, die Qualität der Ausführungsbestimmungen hingegen deutlich verbessern lassen.</p>
<p>Andererseits muss man ganz nüchtern feststellen: Dass die Hildesheimer Ausführungsbestimmungen offenbar in großer Hast und nachweislich per „Copy &amp; Paste” aus den Aachener Ausführungsbestimmungen erzeugt wurden, verstärkt den Eindruck, dass hier versucht wurde, noch schnell so zu tun, als seien die Ausführungsbestimmungen bereits vor dem Missbrauchsskandal erlassen worden.</p>
<h3>Wurde die Veröffentlichung des Kirchlichen Anzeigers verzögert?</h3>
<p>Dazu passt auch, dass der erste Kirchliche Anzeiger des Bistums Hildesheim 2010 erst <em>Mitte Februa</em>r erschien. In den Vorjahren war der erste Anzeiger immer schon <em>Ende Januar</em> veröffentlicht worden. Wurde 2010 die Veröffentlichung des Anzeigers verzögert, um im ersten Anzeiger noch die Ausführungsbestimmungen unterbringen zu können? Nach dem Erscheinen des ersten Anzeigers 2010 wäre es ja nicht mehr glaubhaft gewesen, später noch Bestimmungen mit dem Datum 1. Januar 2010 zu veröffentlichen. <a href="http://www.goettinger-tageblatt.de/Nachrichten/Duderstadt/Uebersicht/Die-Glaubwuerdigkeit-der-Kirche-ist-beschaedigt" target="_blank">Bischof Trelle war jedenfalls vom Jesuitenorden vorab über den Fall Peter R. informiert worden</a>, und man kann vermuten, dass diese Information erfolgte, bevor der Rektor des Canisius-Kollegs, Klaus Mertes, am 20. Januar 2010 seinen diesbezüglichen Brief an 600 ehemalige Schüler verschickte. Ab da war ja mit Fragen zu rechnen.</p>
<h3>Zusammenfassung</h3>
<p>Die Behauptungen von Bischof Trelle und seinem Missbrauchsbeauftragen Bongartz, die Ausführungsbestimmungen für das Bistum Hildesheim seien „zum 1. Januar” bzw. „am 1. Januar” 2010 in Kraft gesetzt worden, sind unzutreffend – die Ausführungsbestimmungen traten erst mit ihrer Veröffentlichung am 17. Februar 2010 in Kraft.</p>
<p>Der Unterschied ist kein geringer: Wären die Bestimmungen tatsächlich bereits am 1. Januar 2010 in Kraft getreten, hätte das bewiesen, dass sich Bischof Trelle und der Missbrauchbeauftragte Bongartz schon vor dem Missbrauchsskandal um die Ausführungsbestimmungen gekümmert haben.</p>
<p>Die Formulierungen des Bistums erwecken offenbar gezielt den falschen Eindruck, die Bestimmungen seien bereits am 1. Janur in Kraft getreten. Andere öffentliche Erklärungen des Bistums, die korrekt von einem Inkrafttreten am 17. Februar oder „mit ihrer Veröffentlichung” sprechen, sind mir nicht bekannt.</p>
<p>Die Ausführungsbestimmungen selbst machen allerdings nicht den Eindruck, dass sie – wie von Domkapitular Bongartz angedeutet und Pressesprecher Lukas behauptet – über einen längeren Zeitraum von einer Gruppe von Experten erarbeitet worden sind. Vielmehr sind sie offensichtlich in großer Eile per „Copy &amp; Paste” aus den Ausführungsbestimmungen des Bistums Aachen produziert worden. Vor dem Missbrauchsskandal bestand kein Grund zur Eile (schließlich hat sich das Bistum gut 7 Jahre Zeit gelassen mit den Ausführungsbestimmmungen), nach Bekanntwerden der ersten Missbrauchsfälle 2010, die noch dazu das Bistum Hildesheim betrafen, gab es hingegen einen Grund für ein solches Vorgehen und eine solche Eile.</p>
<p>Erwähnungen der Hildesheimer Ausführungsbestimmungen vor Beginn des Missbrachsskandals scheint es – zumindest im Internet – nicht zu geben, obwohl dies zu erwarten wäre, wenn die Bestimmungen tatsächlich bereits am 1. Januar „unterschrieben”, „erlassen” oder „in Kraft gesetzt” worden wären, oder falls Trelle und Bongartz irrtümlich geglaubt hätten, der Bischof hätte die Bestimmungen tatsächlich zum 1. Januar in Kraft gesetzt.</p>
<p>Auch auf ausdrückliche Nachfrage hat das Bistum Hildesheim keinen Beleg dafür geliefert, dass bereits vor dem Bekanntwerden des Missbrauchsskandals Ende Januar 2010 an den Ausführungsbestimmungen gearbeitet wurde, oder dass der Erlass dieser Bestimmungen vor dem Bekanntwerden des Missbrauchsskandals kommuniziert wurde. Stattdessen behauptete der Bistumssprecher Dr. Lukas, die Ausführungsbestimmungen seien 2008 und 2009 vom Beraterstab erarbeitet worden. Diese Aussage muss allerdings bezweifet werden, weil die Textvorlage für die Hildesheimer Bestimmungen überhaupt erst vom 15. Dezember 2008 datiert und die ungeheuer schlampige Anpassung an das Bistum Hildesheim eine längere Arbeit am Text durch ein mehrköpfiges Gremium undenkbar erscheinen lässt. (Zumindest sollte Bischof Trelle dieses Gremium dann schleunigst durch bessere Leute ersetzen.)</p>
<p>Dies alles erweckt den Anschein, als ob Bischof Trelle und sein Missbrauchsbeauftragter Bongartz 2010 die Öffentlichkeit mehrfach belogen haben, um den Eindruck zu erwecken, die Ausführungsbestimungen seien schon vor dem Missbrauchsskandal in Kraft getreten.</p>
<p>Das hinderte Bischof Trelle freilich nicht daran, 2010 in seinem &#8222;Wort des Bischofs&#8220; an die ,zwei Absätze vor der irreführenden Behauptung über das Inkraftsetzen der Ausführungsbestimmungen, zu schreiben:</p>
<blockquote><p>Wir werden heute alles daran setzen, für Aufklärung zu sorgen. Es ist gut, dass die Dinge, die lange unter der Oberfläche geblieben ist, nun offen angesprochen werden, auch wenn dies für alle Seiten schmerzlich ist. Nur so kann es zu einer ehrlichen Aufarbeitung kommen.</p></blockquote>
<p>Die schon unter Trelles Vorgänger, Bischof Homeyer, etablierte <a href="http://skydaddy.wordpress.com/2012/01/13/bistum-hildesheim-schone-leere-worte/" target="_blank">Strategie, sich in Missbrauchsfragen nach außen hin offen und proaktiv zu geben, während die tatsächliche Praxis des Bistums eklatante Mängel aufwies</a>, wurde offenbar auch vom jetzigen Bischof Trelle und Personaldezernent Bongartz beibehalten.</p>
<p>Diese Vorgänge sind jetzt zwar schon fast zwei Jahre her. Aber wie lautete doch die Überschrift des Bongartz-Interviews auf katholisch.de? „Moralische Schuld verjährt nicht”.</p>
<p>Wo Bongartz Recht hat, hat er Recht.</p>
<p><em>Dieser Artikel wird fortgesetzt.</em></p>
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		<item>
		<title>Bistum Hildesheim: Schöne, leere Worte</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Jan 2012 14:53:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
				<category><![CDATA[sexueller Missbrauch]]></category>
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		<category><![CDATA[Peter Riedel]]></category>
		<category><![CDATA[Sexualtäter]]></category>
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		<description><![CDATA[Dieser Artikel ist die Fortsetzung von Bistum Hildesheim: Wissentlicher Einsatz von Sexualtätern 1993-2009. Werner Holst, Personaldezernent des Bistums Hildesheim von 1984 bis 2006, war bekannt für seine &#8222;klaren und offenen Worte&#8220; zum Thema &#8222;sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche&#8220;. Seit den Enthüllungen des Missbrauchsskandals 2010 können Holsts Worte mit seinem Handeln verglichen werden. Der Vergleich fällt nicht [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&amp;blog=10467017&amp;post=4000&amp;subd=skydaddy&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Dieser Artikel ist die Fortsetzung von <a title="Permanentlink zu Bistum Hildesheim: Wissentlicher Einsatz von Sexualtätern 1993-2009" href="http://skydaddy.wordpress.com/2012/01/13/bistum-hildesheim-wissentlicher-einsatz-von-sexualtatern-1993-2009/" rel="bookmark">Bistum Hildesheim: Wissentlicher Einsatz von Sexualtätern 1993-2009</a>.</em></p>
<p><strong>Werner Holst, Personaldezernent des Bistums Hildesheim von 1984 bis 2006, war bekannt für seine &#8222;klaren und offenen Worte&#8220; zum Thema &#8222;sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche&#8220;.</strong></p>
<p><strong>Seit den Enthüllungen des Missbrauchsskandals 2010 können Holsts Worte mit seinem Handeln verglichen werden. Der Vergleich fällt nicht schmeichelhaft aus. </strong></p>
<p><a href="http://www.bistum-hildesheim.de/bho/dcms/sites/bistum/nachrichten/nachrichtenarchiv/2006/september2006/nachrichten.html?f_action=show&amp;f_newsitem_id=7084">Werner Holst war von 1984 bis 2006 Hauptabteilungsleiter Personal/Seelsorge beim Bistum Hildesheim</a>, fast 22 Jahre lang. 1993 erfuhr das Bistum von einem Missbrauch durch Peter R., daraufhin wurde R. die Jugendarbeit verboten. Allerdings wurde das Verbot in der Folge nicht eingehalten.</p>
<p>Mit diesem Hintergrundwissen – <a href="http://www.bistum-hildesheim.de/bho/dcms/sites/bistum/nachrichten/nachrichtenarchiv/2010/februar2010/nachrichten.html?f_action=show&amp;f_newsitem_id=10778">das allerdings erst im Zuge des Missbrauchsskandals 2010 ans Licht kam</a> – solle man noch einmal ein <a href="http://www.bistum-hildesheim.de/bho/dcms/sites/bistum/nachrichten/nachrichtenarchiv/2002/juli2002/nachrichten.html?f_action=show&amp;f_newsitem_id=5870">Interview</a> lesen, dass Holst im Juli 2002 der bischöflichen Pressestelle gab. Darin plädierte er „für ein deutlicheres Vorgehen bei sexuellem Missbrauch durch Geistliche” und erklärte unter anderem:</p>
<blockquote><p><strong>Pressestelle:</strong> Denken Sie aus heutiger Sicht, dass in allen Fällen immer genug getan wurde?</p>
<p><strong>Holst:</strong> Es wurde sicher zu wenig getan. Damals hätten wir sofort die Staatsanwaltschaft hinzuziehen müssen. Das haben wir nicht getan. Außerdem hätten wir den Täter in eine Therapie schicken müssen. Auch das unterblieb leider. Wir haben uns zwar um die Opfer gekümmert. Aber auch ich dachte damals, wenn man die Täter in ein Kloster bringt, wo sie Buße tun, sei das genug. Das war falsch.</p></blockquote>
<p>Zu diesem Zeitpunkt war Peter R. – neun Jahre, nachdem das Bistum von seinem Missbrauch erfahren hatte – immer noch als Gemeindepfarrer mit Kindern und Jugendlichen tätig, die Auflage, nicht mehr mit Kindern zu arbeiten, wurde nicht eingehalten. Weder hatte Holst die Staatsanwaltschaft hinzugezogen, noch den Täter in eine Therapie geschickt.</p>
<p>Man kann es nicht anders formulieren: Holsts Einsicht war offenbar nur vorgespielt.</p>
<h4>Vertuschen, Wegschieben und Verdrängen</h4>
<p>Später im Interview sagte Holst (Hervorhebungen im Text von mir.):</p>
<blockquote><p><strong>Pressestelle:</strong> Welche Strategie verfolgt das Bistum Hildesheim heute in Fällen sexuellen Missbrauchs durch Priester?</p>
<p><strong>Holst:</strong> Der Schutz des Opfers hat für uns den absoluten Vorrang! Wenn ein Verdacht besteht, leiten wir sofort eine Untersuchung ein. Das setzt natürlich eine sorgfältige Recherche voraus, denn für den Angeschuldigten gilt zunächst die Unschuldsvermutung. <strong>Steht die Schuld fest, muss sofort gehandelt werden. Wir bestehen darauf, dass sich der Täter selbst anzeigt oder eine Anzeige durch Dritte erfolgt. Der betroffene Priester muss sich den strafrechtlichen Konsequenzen seines Verhaltens stellen.</strong> Das weitere Vorgehen ist dann individuell verschieden. <strong>Unter Umständen macht der Betroffene außerhalb des Bistums eine Therapie.</strong> Parallel dazu helfen wir den Opfern und natürlich auch deren Angehörigen. <strong>Außerdem muss die Gemeinde informiert werden.</strong> Wir möchten den Gemeindemitgliedern helfen, mit dieser Nachricht fertig zu werden. <strong>Wenn ein auffällig gewordener Geistlicher wieder in den priesterlichen Dienst zurück kehrt, darf er auf keinen Fall mehr Kontakt zu Kindern haben.</strong> Aber selbst dann muss er in therapeutischer Begleitung bleiben. Dadurch ist eine gewisse Überwachung gegeben. <strong>Vertuschen, Wegschieben und Verdrängen, das darf nicht sein.</strong></p></blockquote>
<p>Holst beschrieb hier genau das <em>Gegenteil</em> dessen, wie er im Fall R. verfahren war: es erfolgte <em>keine</em> Anzeige, der Priester musste sich <em>nicht</em> den strafrechtlichen Konsequenzen seines Verhaltens stellen, er hat <em>keine</em> Therapie gemacht, die Gemeinden, in denen er später eingesetzt wurde, waren <em>nicht</em> über die Thematik informiert. Und R. <em>hatte</em> wieder Kontankt zu Minderjährigen.</p>
<p>War der Fall R. nur ein Ausrutscher? Keineswegs – als das Bistum im Jahr darauf erfuhr, dass der Celler Dechant Hermann S. (<a href="http://skydaddy.wordpress.com/2012/01/13/bistum-hildesheim-wissentlicher-einsatz-von-sexualtatern-1993-2009/">s.o.</a>) 1995 ein Kind missbraucht hatte, gab es ebenfalls keine Anzeige (angeblich auf Wunsch der Eltern), aber auch (während Holsts Amtszeit) offenbar keine Therapie, die Gemeinde wurde wieder nicht informiert, Auflagen wurden offenbar (während Holsts Amtszeit) auch nicht gemacht.</p>
<p>Mehrere Medien breichteten damals, dass Holst sich in dem Interview für ein gemeinsames Vorgehen der deutschen Bischöfe ausgesprochen hatte:</p>
<blockquote><p><strong>Pressestelle:</strong> Bislang haben die deutschen Bistümer das Thema des sexuellen Missbrauchs durch ihre Priester jeweils bistumsintern geregelt. War das richtig?</p>
<p><strong>Holst:</strong> Es ist sicher nötig, dass die deutschen Bistümer eine gemeinsame Strategie entwickeln. Nur in einem größeren Zusammenhang können wir die nötige Koordination und Transparenz erreichen, um das Problem des sexuellen Missbrauchs offensiv anzugehen.</p></blockquote>
<p>Aber: Nachdem die deutschen Bischöfe im September 2002 ihre „Leitlinien zum sexuellen Missbrauch” verabschiedet hatten, ignorierte sie Holst (entgegen der Leitlinien wurden R. und S. weiter „in Bereichen eingesetzt, die sie mit Kindern und Jugendlichen in Verbindung” brachten), und während Holsts Amtszteit wurden auch nie Ausführungsbestimmungen zu den Leitlinien erlassen.</p>
<p>Ebenfalls 2002 erschienen mindestens drei Interviews mit dem bekennenden Pädophilen Pfarrer Klaus J. (<a href="http://skydaddy.wordpress.com/2012/01/13/bistum-hildesheim-wissentlicher-einsatz-von-sexualtatern-1993-2009/" target="_blank">s.o.</a>), auch für Fernsehaufnahmen standen Holst und J. zur Verfügung. Im September 2002 war Holst zu Gast in der Sendung „B. trifft”. Die bischöfliche Pressestelle <a href="http://www.bistum-hildesheim.de/bho/dcms/sites/bistum/nachrichten/nachrichtenarchiv/2002/september2002/nachrichten.html?f_action=show&amp;f_newsitem_id=5906">meldete</a> hierzu: „Domkapitular Werner Holst hat in den vergangenen Monaten bei verschiedenen Gelegenheiten sehr klar und offen zum Thema sexueller Missbrauch in der Kirche Stellung bezogen.”</p>
<h4>„Große Lernbereitschaft“</h4>
<p>Auch im Jahr 2004 – nach der Entpflichtung von Peter R. (<a href="http://www.bistum-hildesheim.de/bho/dcms/sites/bistum/nachrichten/nachrichtenarchiv/2010/februar2010/nachrichten.html?f_action=show&amp;f_newsitem_id=10778" target="_blank">&#8222;aus gesundheitlichen Gründen&#8220;</a>), aber mit dem Wissen, dass Hermann S. trotz seines Missbrauchs weiter in Celle als Dechant arbeitete – stand Holst mit J. wieder für Fernsehaufnahmen bereit. Die bischöfliche Pressestelle <a href="http://www.bistum-hildesheim.de/bho/dcms/sites/bistum/nachrichten/nachrichtenarchiv/2004/august2004/nachrichten.html?f_action=show&amp;f_newsitem_id=6336">berichtete</a>, Holst habe gegenüber einem SWR-Fernsehteam eine „große Lernbereitschaft des Bistums in Bezug auf pädophile Seelsorger” betont. Die Pressestelle meldete weiter, das Bistum sei dem SWR in dieser Frage als „als besonders offen” empfohlen worden. Klaus J. „bescheinigte dem Bistum und seinen Verantwortlichen, in seinem Falle das Richtige getan zu haben.” – Man berücksichtige hierbei, dass J. nach dem einschlägigen Vorfall als Kaplan während der 1960er Jahre (s.o.) noch Jahrzehnte lang ungehindert weiter mit Kindern tätig sein durfte, u.a. als Religionslehrer.</p>
<p>Erneut musste die Öffentlichkeit glauben: Ein Bistum, das einen Pfarrer schon wegen dem Besitz von Kinderpornos beurlaubt, zur Therapie schickt und später nicht mehr mit Kindern einsetzt, wird wohl erst recht keinen „richtigen” Kinderschänder ohne Auflagen weiter in einer Gemeinde belassen. Genaus das war aber zu diesem Zeitpunkt in Celle bei Hermann S. der Fall.</p>
<h4>„… gemäß der verbindlichen Leitlinien“</h4>
<p>Die Leitlinien der Bischofskonferenz wurden also ignoriert. Ein Jahr später wurde allerdings bekannt, dass ausgerechnet der Medienbeauftragte des Bistums, Monsignore Wolfgang F., zwanzig Jahre zuvor einen Jugendlichen missbraucht hatte. Der Therapeut des Opfers hatte sich an das Bistum gewandt. Hier ließ sich offenbar nichts mehr verheimlichen. Die Tat war zwar inzwischen juristisch verjährt, das Bistum beurlaubte den Pfarrer dennoch – <a href="http://www.han-online.de/Harburg_Archiv/article27871/Pfarrer-gesteht-Missbrauch.html">Monate, nachdem der Therapeut sich an das Bistum gewandt hatte</a>. Die bischöfliche Pressestelle meldete:</p>
<blockquote><p>Domkapitular Werner Holst bedauert diese Entwicklung zutiefst. Nach dem, was vorgefallen sei, habe es gemäß der verbindlichen Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz jedoch zur Entpflichtung und Beurlaubung keine Alternative gegeben.</p></blockquote>
<p>Diese Erklärung des bischöflichen Personaldezernenten musste bei der Öffentlichkeit natürlich den Eindruck erwecken, das Bistum hielte sich akribisch an die&#8220;verbindlichen Leitlinien&#8220;.</p>
<p>Die <a href="http://www.welt.de/print-welt/article363309/Missbrauch_in_der_Kirche.html">WELT</a> zitierte Domkapitular Holst mit den Worten „Sexueller Mißbrauch von Kindern gleicht einem Seelenmord.” Bistumssprecher Lukas erklärte: “Sollte der Pfarrer je wieder in den priesterlichen Dienst zurückkehren, würde er nur Aufgaben übernehmen, bei der eine Wiederholungsgefahr auszuschließen ist.”</p>
<p>Ab März 2007 wurde Monsignore F. dann wieder eingesetzt: <a href="http://www.erzbistum-paderborn.de/medien/7114/original/660/Kirchl-Amtsblatt-09-2007.pdf">als seelsorgerlicher Mitarbeiter in einem Pastoralverbund und als Krankenhausseelsorger</a> – im Bistum Paderborn.</p>
<p>Dieser „Deal” mit dem Bistum Paderborn fiel aber schon nicht mehr in Holsts Zeit als Personalverantwortlicher. Ab dem 1. Oktober 2006 war dafür Heinz-Günter Bongartz zuständig.</p>
<p><em>Dieser Artikel wird fortgesetzt.</em></p>
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		<title>Bistum Hildesheim: Wissentlicher Einsatz von Sexualtätern 1993-2009</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Jan 2012 09:02:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
				<category><![CDATA[sexueller Missbrauch]]></category>
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		<category><![CDATA[Bischof]]></category>
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		<category><![CDATA[Dr. Michael Lukas]]></category>
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		<description><![CDATA[Wie kann ein pädophiler Pfarrer jahrelang mit seinen Opfern verreisen, sie bei sich übernachten lassen und ihnen teure Geschenke machen? Wie kann es sein, dass seine Vorgesetzten wussten, dass der Pfarrer mit einem Jungen im Urlaub war und mit ihm im selben Bett übernachtet hatte, ohne dass sie Verdacht schöpften, ein psychiatrisches Gutachten einholten oder [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&amp;blog=10467017&amp;post=3989&amp;subd=skydaddy&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie kann ein pädophiler Pfarrer jahrelang mit seinen Opfern verreisen, sie bei sich übernachten lassen und ihnen teure Geschenke machen? Wie kann es sein, dass seine Vorgesetzten wussten, dass der Pfarrer mit einem Jungen im Urlaub war und mit ihm im selben Bett übernachtet hatte, ohne dass sie Verdacht schöpften, ein psychiatrisches Gutachten einholten oder dem Pfarrer zumindest untersagten, weiter mit Kindern zu verreisen oder sie bei sich übernachten zu lassen?</p>
<p>Wer sich angesichts des <a href="http://hpd.de/node/12669" target="_blank">Verfahrens gegen den Priester Andreas L.</a> aus dem Bistum Hildesheim diese Fragen stellt, wird sich auch für das Verhalten des Bistums seit 2002 interessieren, als die Deutsche Bischofskonferenz ihre „Leitlinien zum sexuellen Missbrauch“ verabschiedete. Im März 2002 wurde Dr. Michael Lukas Pressesprecher des Bistums Hildesheim, und seitdem erwarb sich das Bistum schnell den Ruf, in Missbrauchsfragen besonders fortschrittlich und offen zu sein. Seit dem Missbrauchsskandal von 2010 ist es allerdings möglich, die damaligen schönen Worte dem tatsächlichen Verhalten der Bistumsleitung gegenüber zu stellen. Dabei kommt man zu folgenden Ergebnissen:</p>
<h3>Einsatz von Sexualtätern</h3>
<p><strong>Das Bistum Hildesheim hat von 1993 bis Ende 2009 fast durchgängig Priester als Gemeindepfarrer mit Kindern und Jugendlichen arbeiten lassen, ob wohl es von sexuellem Missbrauch durch die betreffenden Priester wusste. Ab 2002 stand deren Einsatz im Gegensatz zu den Leitlinien der Deutschen Bischofskonfrenz, ab 2006 lag die Verantwortung hierfür bei der jetzigen Bistumsleitung: Bischof Norbert Trelle und Personaldezernent Heinz-Günter Bongartz.</strong></p>
<p><strong>Peter R.</strong>, einer der beiden Haupttäter aus dem Berliner Canisius-Kolleg, war von 1982 bis 2003 im Bistum Hildesheim tätig, das ihn 1995 von den Jesuiten übernahm, obwohl es spätestens seit 1993 von einem Missbrauch durch R. wusste. Nach neuerlichen Vorwürfen wurde R. 1997 zunächst nach Wolfsburg, später nach Hannover-Mühlenberg versetzt, wo er mehrtägige Reisen mit Jugendlichen unternehmen durfte. Die Gemeinden wurden nicht über R.‘s „besondere Problematik“ informiert.</p>
<ul>
<li><a href="http://www.bistum-hildesheim.de/bho/dcms/sites/bistum/nachrichten/nachrichtenarchiv/2010/februar2010/nachrichten.html?f_action=show&amp;f_newsitem_id=10778">Pressemitteilung des Bistums zu dem Fall</a>:</li>
<li><a href="http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,676655,00.html">Interview mit dem Wolfsburger Prälaten Heinrich Günter</a>: „Von den Vorwürfen haben wir damals nichts gewusst.“</li>
<li><a href="http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Sexueller-Missbrauch-durch-Priester-erschuettert-Hannover">Interview mit R.‘s Vorgesetztem in Hannover-Mühlenberg</a>:<br />
Als er damals in Hildesheim angefragt habe, warum denn Peter R. in seine Gemeinde nach Mühlenberg geschickt werde, habe man von Unregelmäßigkeiten bei der Finanzverwaltung gesprochen. „Also habe ich zugesehen, dass er nicht mit Geld und Verwaltungsdingen in Berührung kam.“ Von den Missbrauchsvorwürfen habe er erst vergangene Woche erfahren – nicht durch die Kirchenleitung, sondern als Journalisten bei ihm anriefen.</li>
<li><a href="http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,676655,00.html">&#8222;Ich war zum Schweigen verdonnert&#8220;</a>: Interview mit R.‘s Nachfolger in der Hildesheimer Gemeinde „Guter Hirt“, der sich dafür einsetzte dass R. nicht weiter mit Kindern und Jugendlichen arbeiten sollte.</li>
</ul>
<p><strong>Hermann S.</strong>, den das Bistum weiterhin als Gemeindepfarrer in Celle-Vorwerk beließ, obwohl es 2003 erfuhr, dass er 1995 einen 12-Jährigen missbraucht hatte. Nach erneuten Vorwürfen 2006 wurde S. aus Celle abgezogen. Von Oktober 2007 bis zum 30. November 2009 – acht Wochen vor dem Missbrauchsskandal 2010 – setzte das Bistum S. als Pfarrer für drei Dörfer im Eichsfeld ein.</p>
<ul>
<li><a href="http://www.bistum-hildesheim.de/bho/dcms/sites/bistum/nachrichten/nachrichtenarchiv/2010/maerz2010/nachrichten.html?f_action=show&amp;f_newsitem_id=11036">Pressemitteilung des Bistums zu dem Fall</a></li>
<li><a href="http://www.goettinger-tageblatt.de/Nachrichten/Duderstadt/Uebersicht/Missbrauch-Pfarrer-in-Ruhestand-versetzt">Bericht des Göttinger Tageblatts</a></li>
<li>Interview mit Heinz-Günter Bongartz in der Hildesheimer KirchenZeitung Nr. 14 vom 4. April 2010 (nicht mehr online, Text kann bereitgestellt werden)</li>
<li><a href="http://celleheute.de/domkapitular-es-wird-keinen-einsatz-von-schuldig-gewordenen-priestern-mehr-geben/">Darstellung von Bongartz gegenüber S.‘ ehemaliger Gemeinde in Celle-Vorwerk</a></li>
<li><a href="http://www.goettinger-tageblatt.de/Nachrichten/Duderstadt/Uebersicht/Die-Glaubwuerdigkeit-der-Kirche-ist-beschaedigt">Interview mit dem Duderstädter Propst Damm zu dem Fall</a></li>
</ul>
<p><strong>Rudolf A.</strong> wurde nach einem Missbrauch und anschließender Therapie zwar nicht mehr als Gemeindeleiter eingesetzt, wurde aber in Göttingen mit der Krankenhausseelsorge und Seelsorge in mehreren Gemeinden betraut. Nachdem darüber im Zuge des Missbrauchsskandals berichtet wurde, beurlaubte das Bistum A. zunächst und schickte ihn etwas später in den Vorruhestand. Trotzdem war A. ausweislich eines Pfarrbriefs <a href="http://new.heimat.de/home/maria-frieden/pdf3/PF310710.pdf">noch am 7. August 2010 für einen Einschulungsgottesdienst vorgesehen</a>.</p>
<ul>
<li><a href="http://www.goettinger-tageblatt.de/Nachrichten/Goettingen/Uebersicht/Nach-Missbrauch-Neuanfang">Nach Missbrauch Neuanfang</a>: Bericht des Göttinger Tageblatts</li>
<li><a href="http://www.bistum-hildesheim.de/bho/dcms/sites/bistum/nachrichten/nachrichtenarchiv/2010/maerz2010/nachrichten.html?f_action=show&amp;f_newsitem_id=11036">Pressemitteilung des Bistums zu dem Fall</a></li>
</ul>
<p><strong>Klaus J.</strong>, ein bekennender Pädophiler, dem man nach eigener Aussage „<a href="http://www.zeit.de/2002/20/200220_priester_xml">von Kindern fernhalten muss</a>“, wurde offenbar 1997 noch während seiner Therapie mit Auflagen wieder als <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Subsidiar">Subsidiar</a> (Unterstützungskraft) in einer Gemeinde eingesetzt. <a href="http://www.sankt-augustinus-hannover.de/bho/dcms/sites/bistum/pfarreien/augustinus_hannover/kirchen/kirchestmaria.html">Er wohnte dort im Pfarrhaus.</a> <a href="http://www.sankt-augustinus-hannover.de/bho/dcms/sites/bistum/pfarreien/augustinus_hannover/Gemeinde/hauptamtliche1.html">Seit 2009 im Ruhestand, ist er noch heute auf der Website der Gemeinde als Unterstützer des Pfarrteams aufgelistet.</a> <a href="http://www.ksta.de/servlet/OriginalContentServer?pagename=ksta/ksArtikel/Druckfassung&amp;aid=1027536608402">Bereits in den 60er Jahren war J. als Kaplan zu einem Bußgeld verurteilt worden, nachdem er versucht hatte, Nacktfotos von 13- und 14-Jährigen zu machen.</a> Das Bistum zog ihn daraufhin zwar für einige Monate aus dem Verkehr, danach war J. allerdings 30 Jahre lang in allen erdenklichen Positionen mit Kindern und Jugendlichen tätig – bis 1995 die Pfarrsekretärin bei ihm einen Stapel Kinderpornos fand. Kindesmissbrauch im eigentlichen Sinne hat J. laut eigener Aussage nie begangen.</p>
<ul>
<li><a href="http://www.zeit.de/2002/20/200220_priester_xml">Artikel in der ZEIT</a></li>
<li><a href="http://kirchensite.de/?myELEMENT=13978">Interview mit Klaus J. bei KNA</a></li>
<li><a href="http://www.ksta.de/servlet/OriginalContentServer?pagename=ksta/ksArtikel/Druckfassung&amp;aid=1027536608402">Artikel beim Kölner Stadtanzeiger</a></li>
<li><a href="http://www.bistum-hildesheim.de/bho/dcms/sites/bistum/nachrichten/nachrichtenarchiv/2004/august2004/nachrichten.html?f_action=show&amp;f_newsitem_id=6336">„Aus Fehlern gelernt“</a>: Meldung der bischöflichen Pressestelle Hildesheim</li>
</ul>
<p><strong>Gerd E.</strong> war über 30 Jahre lang Pfarrer in Wolfsburg. 2010 kam heraus, dass er vor 30 Jahren einen Jugendlichen missbrauchte. Das Bistum will erst 2010 von dem Missbrauch erfahren haben. Allerdings hatte E. zwischenzeitlich <a href="http://www.waz-online.de/Wolfsburg/Wolfsburg/Stadt-Wolfsburg/Paukenschlag-Pfarrer-Gerd-Euteneuer-wegen-sexuellen-Missbrauchs-suspendiert">eine Therapie gemacht</a>, es besteht also die Möglichkeit, dass das Bistum zumindest von seinen Neigungen gewusst hat. Bistums-Pressesprecher Dr. Lukas teilte mir hierzu mit:</p>
<blockquote><p>Das Bistum hat erst im Jahr 2010 vom sexuellen Missbrauch durch Pfarrer [E.] erfahren. Alle von ihm wahrgenommenen therapeutischen Hilfen konnten seitens des Bistums darum überhaupt nicht in irgendeinen Zusammenhang von Missbrauch gebracht werden.</p></blockquote>
<p>Mit dem Missbrauch vielleicht nicht – aber wenn das Bistum (und/oder der Montfortaner-Orden, dem E. angehört) wusste, dass sich E. einer Sexualtherapie unterzog, hätte es den Priester zumindest nicht mehr <a href="http://www.abendblatt.de/region/norddeutschland/article1410434/Bistum-suspendiert-Wolfsburger-Pfarrer-nach-Missbrauch.html">an einer Grundschule einsetzen</a> und ihm die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen verbieten sollen.</p>
<ul>
<li><a href="http://www.bistum-hildesheim.de/bho/dcms/sites/bistum/nachrichten/nachrichtenarchiv/2010/maerz2010/nachrichten.html?f_action=show&amp;f_newsitem_id=10957">Pressemitteilung des Bistums zu dem Fall</a></li>
</ul>
<p>Dieser Artikel wird fortgesetzt: <a title="Permanentlink zu Bistum Hildesheim: Schöne, leere Worte" href="http://skydaddy.wordpress.com/2012/01/13/bistum-hildesheim-schone-leere-worte/" rel="bookmark">Bistum Hildesheim: Schöne, leere Worte</a>.</p>
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	</item>
		<item>
		<title>Prädikat „besonders verfassungswidrig“: Die Kirchensteuerpraxis in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz</title>
		<link>http://skydaddy.wordpress.com/2011/12/14/pradikat-%e2%80%9ebesonders-verfassungswidrig-die-kirchensteuerpraxis-in-bayern-nordrhein-westfalen-und-rheinland-pfalz/</link>
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		<pubDate>Wed, 14 Dec 2011 15:08:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kirchenfinanzen]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchensteuer]]></category>
		<category><![CDATA[besonderes Kirchgeld in glaubensverschiedener Ehe]]></category>
		<category><![CDATA[Grundgesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchenaustritt]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchgeld]]></category>
		<category><![CDATA[Verfassung]]></category>
		<category><![CDATA[verfassungswidrig]]></category>

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		<description><![CDATA[Von den Kirchensteuer-Regelungen der Bundesländer dürften Bayern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz die größten Angriffspunkte liefern. Denn dort ist besonders offensichtlich, dass gegen die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts verstoßen wird. Dieser Artikel richtet sich gegen das „besondere Kirchgeld in glaubensverschiedener Ehe“. In Teil 1 wird die bundesweite Praxis kritisiert, in Teil 2 die speziellen Regelungen in Bayern, Nordrhein-Westfalen [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&amp;blog=10467017&amp;post=3979&amp;subd=skydaddy&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Von den Kirchensteuer-Regelungen der Bundesländer dürften Bayern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz die größten Angriffspunkte liefern. Denn dort ist besonders offensichtlich, dass gegen die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts verstoßen wird. </strong></p>
<p>Dieser Artikel richtet sich gegen das „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kirchgeld_in_glaubensverschiedener_Ehe" target="_blank">besondere Kirchgeld in glaubensverschiedener Ehe</a>“. In Teil 1 wird die bundesweite Praxis kritisiert, in Teil 2 die speziellen Regelungen in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Schließlich wird noch gezeigt, wie sich das „besondere Kirchgeld“ ggf. auch bei der gegenwärtigen Praxis vermeiden lässt.</p>
<h3>Teil 1: Besteuerung von Nichtmitgliedern</h3>
<h4>Die Kirchen dürfen nur ihre eigenen Mitglieder besteuern</h4>
<p>Das Bundesverfassungsgericht hat 1965 in zwei wegweisenden Urteilen (zur verfassungswidrigen <a href="http://www.servat.unibe.ch/dfr/bv019206.html" target="_blank">Kirchenbausteuer für juristische Personen wie z.B. Firmen</a> und zum verfassungswidrigen sog. „<a href="http://www.servat.unibe.ch/dfr/bv019268.html">Halbteilungsgrundsatz</a>“ bei glaubensverschiedenen Ehen) festgestellt:</p>
<blockquote><p><strong>Das Grundgesetz verbietet dem Staat einer Religionsgesellschaft hoheitliche Befugnisse gegenüber Personen zu verleihen, die keiner Religionsgesellschaft angehören.</strong> [<a href="http://www.servat.unibe.ch/dfr/bv019206.html">BVerfGE 19, 206 - Kirchenbausteuer</a>]</p></blockquote>
<p>Daraus folgt:</p>
<blockquote><p><strong>[Das Recht der Kirchen, Kirchensteuern zu erheben, besteht] nur gegenüber ihren Angehörigen</strong>, bei glaubensverschiedenen Ehen also nur gegenüber den ihr angehörigen Ehegatten. [<a href="http://www.servat.unibe.ch/dfr/bv019268.html#Rn017">BVerfGE 19, 268 - Kirchenlohnsteuer II</a>]</p></blockquote>
<p>(Anmerkung: Mit „glaubensverschiedenen“ Ehen sind Ehen gemeint, in denen ein Ehegatte keiner steuererhebenden Kirche angehört. „Konfessionsverschiedene“ Ehen sind i.d.R. Ehen, in denen ein Ehegatte katholisch, der andere evangelisch ist.)</p>
<p>Die Kirchen dürfen also nur ihre eigenen Mitglieder besteuern, nicht deren Ehegatten, die der Kirche nicht angehören.</p>
<p>Daraus folgt für die konkrete Ausgestaltung der Kirchensteuer:</p>
<blockquote><p>Wenn die Kirche nur den ihr angehörigen Ehegatten besteuern darf, dann darf sie <strong>bei der Wahl des Besteuerungsmaßstabes nur an Merkmale anknüpfen, die in dessen Person [also der Person des Kirchenmitglieds] gegeben sind</strong>. [<a href="http://www.servat.unibe.ch/dfr/bv019268.html#Rn017">BVerfGE 19, 268 - Kirchenlohnsteuer II</a>]</p></blockquote>
<p>Konkret stellte das Bundesverfassungsgericht damals fest, dass bei der gemeinsamen steuerlichen Veranlagung der Ehegatten „als Bemessungsgrundlage [für die Kirchensteuer] nur das Einkommen des kirchenangehörigen Ehegatten zugrunde zu legen“ sei. Den bis dahin gültigen „Halbteilungsgrundsatz“, demzufolge die Kirchensteuer „nach der Hälfte der zusammengerechneten Einkommensteuer beider Ehegatten“ zu bemessen war, erklärte das Bundesverfassungsgericht damals ausdrücklich für verfassungswidrig.</p>
<h4>Die vermeintliche „Gerechtigkeitslücke“</h4>
<p>Dies führt dazu, dass eine Familie sich die Kirchensteuer sparen kann (bzw. konnte), indem der Allein- oder Hauptverdiener aus der Kirche austritt, und der andere Ehepartner und die Kinder in der Kirche verbleiben. Da der in der Kirche verbleibende Ehepartner kein eigenes zu versteuerndes Einkommen hat, können er und die Kinder die Angebote der Kirche nutzen, ohne Kirchensteuer zu zahlen. (Diese Ungerechtigkeit ergibt sich allerdings weniger aus dem Verfassungsgerichtsurteil als vielmehr daraus, dass die Kirchen sich statt normalen Mitgliedsbeiträgen für eine Kirchensteuer entschieden haben, die an die Einkommensteuer gekoppelt ist.)</p>
<p>Hierzu führte das Bundesverfassungsericht 1965 in einem sog. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Obiter_dictum"><em>obiter dictum</em></a> aus:</p>
<blockquote><p>Es könnte unbillig erscheinen, wenn ein einer steuerberechtigten Kirche angehörender Ehegatte, dessen wirtschaftliche Leistungsfähigkeit sich durch die Ehe erhöht hat, weil sein &#8212; der Kirche nicht angehörender &#8212; Ehegatte ein hohes Einkommen bezieht, mangels eigenen Einkommens im Sinne des Einkommensteuergesetzes kirchensteuerfrei bliebe. Wenn diesen Bedenken Rechnung getragen werden soll, müßten, da die Kirche nur den ihr angehörenden Ehegatten besteuern darf, Besteuerungsmerkmale gewählt werden, die in dessen Person gegeben sind. Gegenstand der Besteuerung dürfte dann nicht das Einkommen (im Sinne des Einkommensteuerrechts) des anderen Ehegatten, sondern könnte etwa der &#8222;Lebensführungsaufwand&#8220; des kirchenangehörigen Ehegatten sein. Die Kirchensteuer müßte dann aber ihrer Höhe nach in angemessenem Verhältnis zu dem tatsächlichen Lebenszuschnitt des steuerpflichtigen Ehegatten stehen; sie dürfte nicht schematisch jeder Veränderung des Einkommens des anderen Ehegatten unbegrenzt folgen, weil jeder normale Lebensaufwand bestimmte Grenzen nicht überschreitet. [<a href="http://www.servat.unibe.ch/dfr/bv019268.html#Rn041">BVerfGE 19, 268 - Kirchenlohnsteuer II</a>]</p></blockquote>
<h4>Das „besondere Kirchgeld in glaubensverschiedener Ehe“</h4>
<p>In der Folge wurde das sog. „besondere Kirchgeld in glaubensverschiedener Ehe eingeführt“, ab etwa dem Jahr 2000 wurde es bundesweit duch die Kirchensteuergesetze der Länder ermöglicht. (Offenbar, weil in immer mehr Familien der Hauptverdiener aus der Kirche austrat.) Die evangelische Kirche erhebt es flächendeckend, die katholische Kirche nicht in allen Bistümern, weil dadurch Austritte befürchtet werden.</p>
<p>Auf den ersten Blick scheint das „besondere Kirchgeld in glaubensverschiedener Ehe“ nur den Vorschlag des Bundesverfassungsgerichts aufzunehmen. <a href="http://www.ekd.de/kirchenfinanzen/kirchensteuer/855.html">So erläutert die EKD auf ihrer Website</a>:</p>
<blockquote><p>Hat das Kirchenmitglied keine eigenen oder im Vergleich zum Ehepartner geringere steuerpflichtige Einkünfte, wird die Abgabe nach dem so genannten Lebensführungsaufwand berechnet. Dieser drückt sich typisierend im gemeinsam zu versteuernden Einkommen der Ehepartner aus. Dadurch zahlt das Kirchenmitglied entsprechend seinen individuellen Möglichkeiten (seiner Leistungsfähigkeit) Kirchgeld, das an Stelle der regulären Besteuerung mit 8% oder 9% tritt.</p></blockquote>
<p>Der „Taschenspielertrick“, statt des gemeinsamen Einkommens (= verfassungswidrig) den „Lebensführungsaufwand“ des Kirchenmitglieds (= verfassungskonform) als Bemessungsgrundlage zu nehmen – der sich allerdings wiederum aus dem gemeinsamen Einkommen ergibt –, wurde seitdem mehrfach juristisch herausgefordert, <a href="http://www.bverfg.de/entscheidungen/rk20101028_2bvr081610.html">das Bundesverfassungsgericht hat derartige Klagen allerdings abgewiesen</a>:</p>
<blockquote><p>Die für die Entscheidung im Wesentlichen maßgeblichen verfassungsrechtlichen Fragen sind bereits durch die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts geklärt […]. Insbesondere hat das Bundesverfassungsgericht hervorgehoben, dass zwar nicht das einkommensteuerrechtlich ermittelte Einkommen des nicht einer Kirche angehörenden Ehegatten, wohl aber der Lebensführungsaufwand des kirchenangehörigen Ehegatten den Gegenstand der Besteuerung bilden kann […]. Wenn angesichts der Schwierigkeiten der Bestimmung des Lebensführungsaufwandes als Indikator der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des kirchenangehörigen Ehepartners dieser Aufwand nach dem gemeinsamen Einkommen der Ehegatten bemessen wird, ist hiergegen verfassungsrechtlich nichts einzuwenden […]. [<a href="http://www.bverfg.de/entscheidungen/rk20101028_2bvr081610.html">BVerfG, 2 BvR 816/10</a>]</p></blockquote>
<p><strong>Dass <em>die Bemessung am „Lebensführungsaufwand“</em> verfassungsgemäß sein soll bedeutet allerdings noch nicht, dass die <em>gesamte</em> Regelung des „besonderen Kirchgelds in glaubensverschiedener Ehe“ verfassungskonform ist.</strong></p>
<p>Gegenüber dem <em>obiter dictum</em> des Bundesverfassungsgerichts von 1965 weist das „besondere Kirchgeld in glaubensverschiedener Ehe“ nämlich einen kleinen, aber feinen Unterschied auf:</p>
<h4>Der kleine Unterschied</h4>
<p>Das Bundesverfassungsgericht sah 1965 die mögliche „Unbilligkeit“ darin, dass ein Kirchenmitglied ohne eigenes Einkommen kirchensteuerfrei bleibt, obwohl sich seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit durch die Ehe erhöht hat, weil sein – der Kirche nicht angehörender – Ehegatte ein hohes Einkommen bezieht.</p>
<p>Diese „Unbilligkeit“ (von den Befürworten des besonderen Kirchgelds gerne als „Gerechtigkeitslücke“ bezeichnet) ergibt sich also daraus, dass</p>
<ul>
<li>das Kirchenmitglied keine Kirchensteuer zahlt</li>
<li>obwohl es die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit dazu hat.</li>
</ul>
<p>Sofern man der Argumentation des Bundesverfassungsgerichts hinsichtlich des „Lebensführungsaufwands“ folgt, handelt es sich bei beiden Punkten um Merkmale, die in der Person des Kirchenmitglieds gegeben sind. Unter diesen Umständen könnte das Kirchenmitglied also verfassungskonform zur Zahlung eines „besonderen Kirchgeldes“ herangezogen werden, das sich an seinem „Lebensführungsaufwand“ bemisst.</p>
<p>Diese Kriterien würden allerdings auch in <em>konfessionsverschiedenen</em> Ehen greifen, also z.B. in dem Fall</p>
<ul>
<li>Frau, evangelisch, kein eigenes Einkommen</li>
<li>Mann, katholisch, hohes Einkommen</li>
</ul>
<p>Dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Halbteilungsgrundsatz zufolge hätte der Mann hier die volle Kirchensteuer auf sein Einkommen an die katholische Kirche zu zahlen, die evangelische Kirche ginge leer aus, weil die Frau kein eigenes Einkommen hat.</p>
<p>Folglich ist auch hier die Frau kirchensteuerfrei gestellt, obwohl sie aufgrund der Ehe durchaus die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit hätte, ihre Kirche zu unterstützen. Die „Unbilligkeit“, die das Bundesverfassungsgericht 1965 in seinem <em>obiter dictum</em> behandelte, ist auch in diesem Falle gegeben – folglich wäre auch hier das besondere Kirchgeld fällig.</p>
<p>Entscheidend ist hierbei, dass sich die „Unbilligkeit“ bereits daraus ergibt, dass der Hauptverdiener nicht <em>derselben</em> Religionsgemeinschaft angehört wie der Geringverdiener. Ob der Hauptverdiener überhaupt keiner Religionsgemeinschaft angehört oder einer anderen, und ob diese Steuern erhebt oder nicht, ist für den vom Bundesverfassungsgericht beschriebenen Sachverhalt ohne Belang. Der Geringverdiener zahlt keine Kirchensteuer, obwohl er es sich leisten könnte, weil der Hauptverdiener nicht derselben Kirche angehört.</p>
<p><strong>Würde der Vorschlag des Bundesverfassungsgerichts 1:1 umgesetzt, so würden konfessionsverschiedene Ehen durch das besondere Kirchgeld zusätzlich belastet</strong>, weil der Hauptverdiener die komplette Kirchensteuer auf sein eigenes Einkommen zahlen müsste und zusätzlich der nicht oder nur gering verdienende Ehepartner das besondere Kirchgeld an seine eigene Kirche.</p>
<h4>Nichtmitgliedschaft des Ehepartners begründet Kirchgeldpflicht</h4>
<p>Offenbar um dies zu vermeiden, wurde bei der geltenden Regelung ein zusätzliches Kriterium hinzugefügt: Das besondere Kirchgeld wird nur dann fällig, wenn der <em>Ehepartner</em> des Kirchenmitglieds <em>keiner steuererhebenden Kirche</em> angehört. (In einigen Bundesländern: keiner steuer<em>berechtigten</em> Kirche.) Zahlt der gut verdienende Ehepartner also bereits Kirchensteuer an seine Kirche, so muss der gering verdienende Ehepartner kein Kirchgeld an seine eigene Kirche zahlen – die kirchlichen Angebote können er und ggf. die Kinder trotzdem nutzen. Ist der Hauptverdiener allerdings Mitglied <em>keiner</em> Kirche, ist das besondere Kirchgeld zu zahlen. Die Zahlungspflicht des Kirchenmitglieds wird hier durch die <em>Nicht-Kirchenmitgliedschaft des Ehepartners</em> begründet.</p>
<p><strong>Das gegenüber dem Vorschlag des Bundesverfassungsgerichts zusätzlich eingefügte Kriterium „Nicht-Mitgliedschaft des Ehepartners in einer steuererhebenden Religionsgemeinschaft“ setzt aber an einem Merkmal an, dass nun gerade <em>nicht in der Person des Kirchenmitglieds gegeben</em> ist, sondern in der Person des <em>Ehepartners</em>. Schlimmer noch: Das Kriterium greift nur, wenn der Ehepartner gerade <em>nicht</em> Mitglied einer steuererhebenden Kirche ist.</strong></p>
<p>Dies verstößt klar gegen die Vorgabe des Bundesverfassungsgerichts, dass,</p>
<blockquote><p>da die Kirche nur den ihr angehörenden Ehegatten besteuern darf, Besteuerungsmerkmale gewählt werden [müssen], die in dessen Person [also der Person des Kirchenmitglieds] gegeben sind. [<a href="http://www.servat.unibe.ch/dfr/bv019268.html#Rn017">BVerfGE 19, 268 - Kirchenlohnsteuer II</a>]</p></blockquote>
<h4>Fazit Teil 1: Jedes Kirchgeld „in glaubensverschiedener Ehe“ ist per Definition verfassungswidrig</h4>
<p><strong>Es zeigt sich, dass jedes Kirchgeld bzw. jede Kirchensteuer, die am Kriterium „glaubensverschiedene“ (oder auch „konfessionsverschiedene“) Ehe ansetzt, verfassungswidrig sein muss, weil damit die Nicht-Mitgliedschaft des Ehepartners zum Besteuerungsmerkmal gemacht wird</strong>, und dies widerspricht der Vorgabe des Bundesverfassungsgerichts, dass nur Besteuerungsmerkmale zulässig sind, die in der Person des Kirchenmitglieds liegen.</p>
<p>Eine verfassungsmäßige Regelung müsste zumindest so aussehen, dass das besondere Kirchgeld <em>immer</em> dann erhoben wird, wenn ein Ehepartner keine Kirchensteuer zahlt, obwohl er wirtschaftlich dazu in der Lage wäre („Gerechtigkeitslücke“)  – das beträfe dann allerdings auch <em>konfessionsverschiedene</em> Ehen, denn auch dort nimmt der gering verdienende Partner die Angebote seiner Kirche wahr, obwohl er keine Kirchensteuer an sie zahlt.</p>
<p>Oder das besondere Kirchgeld muss ganz aufgegeben werden. Diese Regelung wäre verfassungsrechtlich vorzuziehen, weil jede Kirchensteuer, die auf „glaubensverschiedene“ oder „konfessionsverschiedene“ Ehen abzielt, letztlich an dem Kriterium der Nichtzugehörigkeit des Ehepartners ansetzt.</p>
<p>Es muss auch noch einmal darauf hingewiesen werden, dass der eigentliche Grund für die vermeintliche „Gerechtigkeitslücke“ darin besteht, dass sich die Kirchen dafür entschieden haben, die Kirchensteuer an die Einkommensteuer zu koppeln, anstatt Mitgliedsbeiträge pro Kopf zu erheben. Diese Regelung dürfte für die Kirchen äußerst profitabel sein, dann müssen sie aber auch die damit verbundenen – geringfügigen – Nachteile in Kauf nehmen.</p>
<h3>Teil 2: Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz</h3>
<p>Die obige Kritik am „besonderen Kirchgeld in glaubensverschiedener Ehe“ betrifft alle Bundesländer. In Bayern, Nordrhein-Westfalen und in Rheinland-Pfalz ist der Verstoß gegen die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts noch offensichtlicher.</p>
<p>Ironischerweise kommt das gerade daher, dass die ungerechten Effekte der Besteuerung von Nichtmitgliedern, um die es sich hierbei handelt, abgemildert werden sollen:</p>
<h4>Freikirchen sind benachteiligt</h4>
<p>Die oben beschriebene Regelung vermeidet nämlich nur, dass Familien, deren Hauptverdiener einer <em>steuererhebenden</em> Kirche angehört, durch das besondere Kirchgeld zusätzlich belastet werden. (Das Kirchgeld ist ja nur zu zahlen, wenn der Hauptverdiener <em>keiner</em> steuererhebenden Kirche angehört.)</p>
<p>Ist der Hauptverdiener hingegen Mitglied einer Freikirche, die sich statt über die Kirchensteuer über Mitgliedsbeiträge finanziert (diese können durchaus vierstellige Beträge pro Jahr annehmen, s.u.), so wird die Familie durch das Kirchgeld zusätzlich belastet.</p>
<p>Sofern eine Religionsgemeinschaft Körperschaftsstatus hat, entsteht damit für sie (zumindest theoretisch) ein Anreiz, ebenfalls auf die Finanzierung per Kirchensteuer umzustellen, weil sie dadurch ihren Mitgliedern in glaubensverschiedenen Ehen die Zusatzbelastung durch das besondere Kirchgeld ersparen könnten. Denn sobald der Hauptverdiener einer steuererhebenden Kirche angehört, muss ja kein Kirchgeld mehr gezahlt werden. (In einigen Bundesländern wird dies dadurch vermieden, dass statt auf steuer<em>erhebende</em> auf steuer<em>berechtigte</em> Religionsgemeinschaften abgezielt wird. In diesen Bundesländern wird somit allerdings ein zusätzlicher Anreiz für kleinere Religionsgemeinschaften erzeugt, den Körperschaftsstatus anzustreben, um ebenfalls als steuerberechtigt zu gelten – und sei es nur, um ihren Mitgliedern das „besondere Kirchgeld“ zu ersparen.)</p>
<p><strong>Dieser Umstand beweist einmal mehr, dass es sich bei dem besonderen Kirchgeld um eine Besteuerung von Nichtmitgliedern handelt</strong> – denn wenn es sich tatsächlich nur um eine Besteuerung der eigenen Mitglieder handeln würde, könnten andere Religionsgemeinschaften dadurch keinen Anreiz erhalten, ihr Beitragssystem auf die Kirchensteuer umzustellen oder den Körperschaftsstatus anzustreben, um ihre Mitglieder von dem „besonderen Kirchgeld“ zu entlasten.</p>
<p>Diese Problematik hat allerdings in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz nicht dazu geführt, dass man etwa die Verfassungswidrigeit des besonderen Kirchgelds erkannt oder zugegeben hätte – vielmehr soll dieses Problem durch einen noch offensichtlicheren Verfassungsverstoß abgemildert werden:</p>
<h4>Kirchenbeiträge des Ehepartners als Besteuerungsmerkmal</h4>
<p>In diesen Bundesländern können Beiträge, die der Hauptverdiener an seine Freikirche zahlt, mit dem besonderen Kirchgeld des Geringverdieners verrechnet werden. <a href="http://www.steuer-forum-kirche.de/kistg-l-nrw.htm#4.">In Nordrhein-Westfalen gilt z.B.</a>:</p>
<blockquote><p>Das besondere Kirchgeld ermäßigt sich um evtl. <strong>Beitragszahlungen, die</strong> <strong>der nicht kirchensteuer-pflichtige Ehegatte</strong> als Mitglied einer öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaft, die keine Kirchensteuer erhebt […], nachweislich entrichtet hat […].</p></blockquote>
<p>Der diesbezügliche <a href="http://www.steuer-forum-kirche.de/kistg-l-nrw.htm#4.">Erlass des nordrhein-westfälischen Finanzministeriums von 2001</a> enthält sogar ein Rechenbeispiel:</p>
<blockquote><p><strong>Beispiel:</strong><br />
Das nach Maßgabe des § 51a Abs. 2 Sätze 1 und 2 EStG ermittelte zu versteuernde Einkommen der zusammen veranlagten Ehegatten beträgt für den VZ [=Veranlagungszeitraum] 2001 385.000 DM. Der Ehemann ist Mitglied einer öffentlich-rechtlichen Freikirche (z.B. Baptistengemeinde), an die er im Jahr 2001 Beiträge nach R 101 Abs. 1 EStR in Höhe von insgesamt 2.900 DM geleistet hat. Die Ehefrau ist evangelisch; aufgrund eigener Einkünfte entfällt auf sie eine Kirchensteuer als Zuschlag zur Einkommensteuer von 330 DM.</p>
<p><strong>Kirchgeldberechnung</strong><br />
Kirchgeld lt. Tabelle&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;3.720 DM<br />
abzgl. Freikirchenbeitrag&#8230;&#8230;..2.900 DM<br />
festzusetzendes Kirchgeld&#8230;&#8230;..820 DM</p>
<p><strong>Kirchensteuer als Zuschlag zur Einkommensteuer</strong></p>
<p>festzusetzende Kirchensteuer (Zuschlagsteuer) 330 DM</p>
<p><strong>Ergebnis</strong></p>
<p>Der höhere Betrag (820 DM Kirchgeld) wird festgesetzt (wären keine freikirchlichen Beiträge anzurechnen, wäre ein besonderes Kirchgeld von 3.720 DM festzusetzen).</p></blockquote>
<p>„<strong>Beitragszahlungen, die der nicht kirchensteuerpflichtige Ehegatte</strong> […] <strong>entrichtet hat</strong>“ sind aber kein Besteuerungsmerkmal, das in der Person des Kirchenmitglieds gegeben ist. Es handelt sich hier um einen offensichtlichen Verstoß gegen die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, derzufolge nur Besteuerungsmerkmale zulässig sind, die in der Person des zu besteuernden Kirchenmitglieds gegeben sind.</p>
<p>Das gleiche gilt für die <a href="http://www.steuer-forum-kirche.de/kistg-l-rheinland-pfalz.htm#15.">Regelung in Rheinland-Pfalz</a>:</p>
<blockquote><p>Auf das besondere Kirchgeld wird der Betrag angerechnet, den der <strong>nicht kirchensteuerpflichtige Ehegatte</strong> als Mitglied einer Religionsgemeinschaft oder Weltanschauungsgemeinschaft, die Körperschaft des öffentlichen Rechts ist und keine Kirchensteuer erhebt, entrichtet hat.</p></blockquote>
<p>Und <a href="http://www.steuer-forum-kirche.de/kistg-l-bayern.htm#14.">Bayern</a>:</p>
<blockquote><p>Auf das besondere Kirchgeld wird derjenige Betrag angerechnet, den der <strong>Ehegatte</strong> des Umlagepflichtigen an eine sonstige Kirche, Religionsgemeinschaft oder weltanschauliche Gemeinschaft, der er angehört, jährlich <strong>als Mitgliedsbeitrag entrichtet</strong>.</p></blockquote>
<h4>Entlarvende Regelung</h4>
<p>Die Regelungen in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz machen deutlich, worum es beim „besonderen Kirchgeld in glaubensverschiedener Ehe“ wirklich geht: Nicht um eine vermeintliche „Gerechtigkeitslücke“ – sondern darum, <em>Nichtkirchenmitglieder</em> zur Kasse zu bitten. Ist der Hauptverdiener Mitglied einer Religionsgemeinschaft, scheint man sich an der &#8222;Gerechtigkeitslücke&#8220; wenig zu stören.</p>
<h4>Fazit Teil 2: Hier wird genau das praktiziert, was das Bundesverfassungsgericht verboten hat</h4>
<p>Bei der üblichen Regelung zum besonderen Kirchgeld in glaubensverschiedener Ehe ist die Verfassungswidrigkeit nicht ohne weiteres erkennbar, weil die Regelung zumindest den Anschein erweckt, als ob hier lediglich der Vorschlag des Bundesverfassungsgerichts von 1965 umgesetzt worden sei. Tatsächlich zielt aber jedes Kirchgeld bei glaubensverschiedener Ehe auf die Nicht-Kirchenmitgliedschaft des <em>Ehepartners</em> ab, womit verfassungswidrig ein Kriterium verwendet wird, das nicht in der Person des zu besteuernden Kirchenmitglieds gegeben ist.</p>
<p>In Bayern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hingegen ist der Widerspruch zur Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts offensichtlich: Obwohl nur Besteuerungsmerkmale zulässig sind, die in der Person des zu besteuernden Kirchenmitglieds gegeben sind, fließen dort in die Berechnung des besonderen Kirchgelds ausdrücklich die Beiträge ein, die der <strong>Ehepartner</strong> des zu besteuernden Kirchenmitglieds an seine Religionsgemeinschaft zahlt.</p>
<h3>Tipp: Das „besondere Kirchgeld“ vermeiden</h3>
<p>In Bayern, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Niedersachsen (dort sind nur Religionsgemeinschaften genannt, es müssen aber analog auch Weltanschauungsgemeinschaften gemeint sein), Nordrhein-Westfalen, dem Saarland und Schleswig-Holstein wird das besondere Kirchgeld in glaubensverschiedener Ehe nur fällig, wenn der Hauptverdiener nicht Mitglied einer steuer<em>berechtigten</em> Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft ist. In diesen Bundesländern müsste sich also der Hauptverdiener dem besonderen Kirchgeld dadurch entziehen können, dass er einer öffentlich-rechtlichen Weltanschauungsgemeinschaft beitritt. Beim <a href="http://www.humanisten.de/">Humanistischen Verband Niedersachsen</a> beispielsweise kostet der Jahresbeitrag derzeit 78 Euro (steuerlich absetzbar) – ein guter Deal, wenn sich dadurch ein drei- oder vierstelliger Betrag an Kirchgeld sparen lässt, weil der geliebte Geringverdiener partout nicht aus der Kirche austreten will.</p>
<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kirchensteuer_(Deutschland)#Verzicht_auf_den_rechtlich_m.C3.B6glichen_Einzug_von_Kirchensteuern">Wikipedia</a> listet weitere Weltanschauunsgemeinschaften auf, die zwar berechtigt sind, Kirchensteuern zu erheben, dies aber nicht tun:</p>
<ul>
<li>der <a title="Bund für Geistesfreiheit" href="http://www.bfg-bayern.de/">Bund für Geistesfreiheit</a> (Bayern)</li>
<li>der <a title="Humanistischer Verband Deutschlands" href="http://www.hvd-nrw.de/">Humanistische Verband Nordrhein-Westfalen</a></li>
<li>die <a href="http://www.dhuw.de/">Humanisten Württemberg</a></li>
</ul>
<p>Da nirgends steht, dass die Weltanschauungsgemeinschaften ihren Körperschaftsstatus im selben Bundesland haben müssen, dürften auch Steuerzahler in Brandenburg, Hamburg, Hessen, dem Saarland und Schleswig-Holstein von einer Mitgliedschaft bei den oben genannten Weltanschauungsgemeinschaften profitieren können.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/skydaddy.wordpress.com/3979/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/skydaddy.wordpress.com/3979/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/skydaddy.wordpress.com/3979/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/skydaddy.wordpress.com/3979/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/skydaddy.wordpress.com/3979/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/skydaddy.wordpress.com/3979/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/skydaddy.wordpress.com/3979/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/skydaddy.wordpress.com/3979/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/skydaddy.wordpress.com/3979/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/skydaddy.wordpress.com/3979/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/skydaddy.wordpress.com/3979/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/skydaddy.wordpress.com/3979/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/skydaddy.wordpress.com/3979/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/skydaddy.wordpress.com/3979/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&amp;blog=10467017&amp;post=3979&amp;subd=skydaddy&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Kirchensteuer: Mit Piraten gegen die Prälaten</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Dec 2011 09:18:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kirchenfinanzen]]></category>
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		<description><![CDATA[Statt &#8211; wie mancherorts gemeldet &#8211; die Kirchensteuer als solche abzuschaffen, wendet sich die Piratenpartei gegen den Einzug der Kirchensteuer durch den Staat. Eine gute Sache, findet Skydaddy. Die Piratenpartei hat auf ihrem Parteitag am vergangenen Wochenende – mit überwältigender Mehrheit! – einen Zusatz zum Parteiprogramm verabschiedet, der eine klare Trennung von Staat und Kirche [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&amp;blog=10467017&amp;post=3968&amp;subd=skydaddy&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Statt &#8211; wie mancherorts gemeldet &#8211; die Kirchensteuer als solche abzuschaffen, wendet sich die Piratenpartei gegen den Einzug der Kirchensteuer durch den Staat. Eine gute Sache, findet Skydaddy.</strong></p>
<p>Die Piratenpartei hat auf ihrem Parteitag am vergangenen Wochenende – mit überwältigender Mehrheit! – einen Zusatz zum Parteiprogramm verabschiedet, der eine klare Trennung von Staat und Kirche fordert. Hier der <a href="http://wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2011.2/Antragsportal/PA041">komplette Wortlaut</a>:</p>
<blockquote><p><strong>Für die Trennung von Staat und Religion </strong></p>
<p>Freiheit und Vielfalt der kulturellen, religiösen und weltanschaulichen Einstellungen kennzeichnen die modernen Gesellschaften. Diese Freiheiten zu garantieren, ist Verpflichtung für das Staatswesen. Dabei verstehen wir Piraten unter Religionsfreiheit nicht nur die Freiheit zur Ausübung einer Religion, sondern auch die Freiheit von religiöser Bevormundung. Wir erkennen und achten die Bedeutung, die individuell gelebte Religiosität für den einzelnen Menschen erlangen kann.</p>
<p>Trotz der von Verfassungs wegen garantierten Religionsfreiheit ist das Staatswesen der Bundesrepublik nicht frei von religiöser (und weltlicher) Privilegierung der traditionellen christlichen Kirchen. Hier gibt es einen Widerspruch, der durch Immigration und religiöse Differenzierung in der Gesellschaft zu größeren Verwerfungen führen kann.</p>
<p>Die weltanschauliche Neutralität des Staates herzustellen, ist daher eine für die gedeihliche Entwicklung des Gemeinwesens notwendige Voraussetzung. Ein säkularer Staat erfordert die strikte Trennung von religiösen und staatlichen Belangen; finanzielle und strukturelle Privilegien einzelner Glaubensgemeinschaften, etwa im Rahmen finanzieller Alimentierung, bei der Übertragung von Aufgaben in staatlichen Institutionen und beim Betrieb von sozialen Einrichtungen, sind höchst fragwürdig und daher abzubauen. Im Sinne der Datensparsamkeit ist die Erfassung der Religionszugehörigkeit durch staatliche Stellen aufzuheben, ein staatlicher Einzug von Kirchenbeiträgen kann nicht gerechtfertigt werden.</p></blockquote>
<p>Der <a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/tid-24382/programm-der-piraten-drogen-legalisieren-kirchensteuer-abschaffen_aid_691050.html">Focus</a> und das <a href="http://www.abendblatt.de/politik/deutschland/article2115997/Piraten-wollen-die-Kirchensteuer-abschaffen.html">Hamburger Abendblatt</a> meldeten daraufhin in Überschriften, die Piraten wollten die Kirchensteuer abschaffen. Das trifft zwar den Kern der Forderungen, denn dies wäre eine logische Folge der Trennung von Staat und Kirche, und es besteht ja auch kein sachlicher Grund, weshalb große Religionsgemeinschaften ihre Mitgliedbeiträge nicht wie z.B. Gewerkschaften, Parteien usw. per Mitgliedbeitrag erheben sollten.</p>
<h3>Die Kirchensteuer wird durch das Grundgesetz gewährleistet</h3>
<p>Das Problem hierbei ist allerdings, dass die Kirchensteuer in Deutschland ja durch das Grundgesetz gewährleistet wird, und zwar durch <a href="http://www.gesetze-im-internet.de/wrv/art_137.html">Art. 137 der Weimarer Reichverfassung</a> (WRV) von 1919, der – wie auch andere „Kirchenartikel“ der WRV – durch <a href="http://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_140.html">Art. 140 des Grundgesetzes</a> zu dessen Bestandteil wurde. In <a href="http://www.gesetze-im-internet.de/wrv/art_137.html">Art. 137 WRV</a> heißt es:</p>
<blockquote><p>(6) Die Religionsgesellschaften, welche Körperschaften des öffentlichen Rechtes sind, sind berechtigt, auf Grund der bürgerlichen Steuerlisten nach Maßgabe der landesrechtlichen Bestimmungen Steuern zu erheben.</p></blockquote>
<p>Deshalb halte ich die Darstellung, die Piraten wollten „die Kirchensteuer abschaffen“, für irreführend. Damit würden sich die Piraten das am schwierigsten umzusetzende Ziel suchen. Konkret richtet sich die obige Erklärung lediglich gegen den <em>staatlichen Einzug</em> der Kirchensteuer (im Text als „Kirchenbeiträge“ bezeichnet).</p>
<p>Damit setzen sich die Piraten ein Ziel, dessen Umsetzung jedenfalls leichter ereichbar sein dürfte als eine Verfassungsänderung, ein Ziel, das zudem auch verfassungsmäßig in höchsten Maße geboten ist:</p>
<p>Die verfassungsmäßige Gewährleistung einer Kirchensteuer macht nämlich die gegenwärtige <em>Praxis</em> noch nicht verfassungsmäßig. Denn die konkrete Ausgestaltung der Kirchensteuer ist natürlich selbst an die Vorgaben der Verfassung gebunden – oder sollte es zumindest sein.</p>
<p>Und die Verfassung bestimmt ebenfalls, in <a href="http://www.gesetze-im-internet.de/wrv/art_136.html">Art. 136 WRV</a>, ebenfalls Teil des Grundgesetzes:</p>
<blockquote><p>(3) <strong>Niemand ist verpflichtet, seine religiöse Überzeugung zu offenbaren.</strong> Die Behörden haben nur soweit das Recht, nach der Zugehörigkeit zu einer Religionsgesellschaft zu fragen, als davon Rechte und Pflichten abhängen oder eine gesetzlich angeordnete statistische Erhebung dies erfordert.</p></blockquote>
<p><strong>Dagegen verstößt die gegenwärtige Praxis des Kirchensteuereinzugs, weil hierbei ausgerechnet der Arbeitgeber über die Lohnsteuerkarte von der Religionszugehörigkeit Kenntnis erhält.</strong></p>
<p>Die gegenwärtige <em>Praxis</em> der Kirchensteuer ist also verfassungswidrig, auch, wenn sie leider durch das Bundesverfassungsgericht bisher mit z.T. haarsträubenden Begründungen (zu Details siehe Gerhard Czermaks Standardwerk „<a href="http://www.alibri-buecher.de/product_info.php/info/p311_Gerhard-Czermak--Religion-und-Weltanschauung-in-Gesellschaft-und.html" target="_blank">Religion und Weltanschauung in Gesellschaft und Recht</a>“, S. 192) nicht verboten wurde. (Czermak zufolge handelt es sich hierbei allerdings offenbar noch nicht um eine „abschließende“ Beurteilung.)</p>
<p><strong>Das war nicht immer so.</strong> Als die Kirchensteuer mit der Weimarar Reichsverfassung eingeführt wurde, erfolgte ihr Einzug zunächst durch die Kirchen selbst. Carsten Frerk schreibt hierzu in seinem <a href="http://www.alibri-buecher.de/product_info.php/info/p348_Carsten-Frerk--Violettbuch-Kirchenfinanzen.html" target="_blank">Violettbuch Kirchenfinanzen</a> (S. 25-26):</p>
<blockquote><p>Mit der Weimarer Reichsverfassung 1919 wurde die Kirchensteuer im gesamten Nationalstaat eingeführt. Zweck war die finanzielle Absicherung der Kirchen, die mit der Weimarer Verfassung von der staatlichen Kirchenaufsicht (als „Staatskirche“) und damit auch der staatlichen Finanzierung befreit wurden („Freie Kirche“ im „Freien Staat“). Ihnen sollte eine sichere eigene Einnahmequelle geschaffen werden. Der Staat war ihnen nur insoweit behilflich, indem er sich verpflichtete, den Kirchen die staatlichen Steuerlisten zur Verfügung zu stellen, aus denen hervorging, wer Mitglied im Steuerverband Kirche war und wie viel Einkommensteuer er bezahlte. Eine weitere Verbindung oder gar „Partnerschaft“ war dabei nicht beabsichtigt. Ganz im Gegenteil war dies Bestandteil des Programms der <em>kompletten finanziellen Trennung</em> von Staat und Kirche.</p>
<p>Dass der Staat den Kirchen mit der Einführung der Kirchensteuer und den staatlichen Steuerlisten sehr großzügig zu einer neuen „Existenzgründung&#8220; verhalf, wurde nicht als Widerspruch dazu gesehen.</p>
<p>Geplant und erhoben wurde diese nationale Kirchensteuer ursprünglich</p>
<p>(1) als Ortskirchensteuer (Empfänger waren die Kirchengemeinden),</p>
<p>(2) als vergangenheitsbezogen (erst nach Vorliegen der Steuerlisten konnten die Kirchen diese Steuer erheben) und</p>
<p>(3) ohne irgendeine weitere aktive Beteiligung des Staates oder gar der Arbeitgeber.</p>
<p>Alle drei Punkte konnten die Kirchen schließlich zu ihren Gunsten ändern und hatten — in historischer Kontinuität — keinerlei Skrupel, jedes politische System dafür zu nutzen.</p>
<p>Die Nationalsozialisten führten 1934 den Kirchensteuereinzug durch die Arbeitgeber (als „staatliche“ Aufgabe) ab dem 1.1.1935 ein. Und zwar im zeitlichen Zusammenhang mit dem Reichskonkordat vom 20.7.1933 und der Zustimmung zum ‚Ermächtigungsgesetz‘ (23.3.1933), mit dem die diktatorische ‚Machtergreifung‘ der Nationalsozialisten tatsächlich stattfand.</p>
<p>Damit war die Lohn-Kirchensteuer zur Gegenwartssteuer umgewandelt, die sofort mit der Lohnsteuer berechnet und abgeführt wurde.</p>
<p>[…]</p>
<p>Generell wurde zudem der automatische und damit höchst effiziente Einzug der Kirchensteuer durch die Finanzverwaltungen der Bundesländer vereinbart. Dieses staatliche Inkasso ist ein klarer Verstoß gegen das Prinzip der Trennung von Staat und Kirche, was jedoch dem rheinischen Katholizismus der CDU in der Gründungsphase der Bundesrepublik offensichtlich egal war.</p></blockquote>
<p>Wenn die Piraten sich gegen den Einzug der Kirchensteuer durch den Staat wenden, dürften sie erst einmal eine Rückgängigmachung der Nazi-Regelung von 1934 im Sinn haben, so dass die Kirchen ihre Steuern wieder selber einziehen, insbesondere ohne das Zutun der Arbeitgeber.</p>
<p>Der Einzug der Kirchensteuer durch die Kirchen selbst dürfte für diese zwar teurer sein, dafür wäre er allerdings verfassungskonform: Nur dem Staat gegenüber wäre die Religionszugehörigkeit zu offenbaren, und die Kirchen erhielten nur die Steuerinformationen ihrer eigenen Mitglieder. Anhand dieser Informationen würden sie dann die Kirchensteuer selbst einziehen. (Deshalb heißt es ja in der Weimarer Reichsverfassung auch, die Religionsgesellschaften seien berechtigt, „auf Grund der bürgerlichen Steuerlisten […] Steuern zu erheben“.)</p>
<p>Was die Umsetzung dieses Zieles zusätzlich vereinfachen dürfte ist, dass die Erhebung der Kirchensteuern „nach Maßgabe der landesrechtlichen Bestimmungen“ erfolgt. Damit sind die <a href="http://www.steuer-forum-kirche.de/kistg-frame.htm">Kirchensteuergesetze der Bundesländer</a> gemeint. <strong>Das bedeutet, die Kirchensteuer kann bereits auf Landesebene angegangen werden, es ist keine Mehrheit im Bundestag erforderlich.</strong></p>
<p>Im Übrigen finde ich die Vorstellung ausgesprochen amüsant, dass die in Deutschland praktizierte „hinkende Trennung“ von Staat und Kirche ausgerechnet von Leuten angegangen wird, die traditionell mit Holzbein unterwegs sind.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/skydaddy.wordpress.com/3968/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/skydaddy.wordpress.com/3968/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/skydaddy.wordpress.com/3968/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/skydaddy.wordpress.com/3968/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/skydaddy.wordpress.com/3968/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/skydaddy.wordpress.com/3968/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/skydaddy.wordpress.com/3968/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/skydaddy.wordpress.com/3968/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/skydaddy.wordpress.com/3968/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/skydaddy.wordpress.com/3968/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/skydaddy.wordpress.com/3968/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/skydaddy.wordpress.com/3968/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/skydaddy.wordpress.com/3968/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/skydaddy.wordpress.com/3968/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&amp;blog=10467017&amp;post=3968&amp;subd=skydaddy&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Popebusters Lyrics (Liedtext)</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Sep 2011 16:58:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Ghostbusters]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrics]]></category>
		<category><![CDATA[Papstbesuch]]></category>
		<category><![CDATA[Papstrede im Bundestag]]></category>
		<category><![CDATA[Popebusters]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://skydaddy.wordpress.com/?p=3953</guid>
		<description><![CDATA[PDF hier. (POPEBUSTERS!) If there&#8217;s someone weird In your parliament Who you gonna call? (POPEBUSTERS!) Talking Papal bull And he&#8217;s shaking hands Who you gonna call? (POPEBUSTERS!) I ain&#8217;t &#8216;fraid of no Pope I ain&#8217;t &#8216;fraid of no Pope If you&#8217;re seeing Christ All over your toast Who you gonna call? (POPEBUSTERS!) And you think [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&amp;blog=10467017&amp;post=3953&amp;subd=skydaddy&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:center;"><a href="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/09/popebusters-lyrics.pdf"><img class="aligncenter size-full wp-image-3955" title="Popebusters" src="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/09/popebusters.jpg?w=450&#038;h=56" alt="" width="450" height="56" /></a></p>
<p style="text-align:center;" align="center"><a href="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/09/popebusters-lyrics.pdf">PDF hier.</a></p>
<p style="text-align:center;">(POPEBUSTERS!)<br />
If there&#8217;s someone weird<br />
In your parliament<br />
Who you gonna call?<br />
(POPEBUSTERS!)<em><span id="more-3953"></span></em><br />
Talking <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Papal_bull">Papal</a> <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Bullshit">bull</a><br />
And he&#8217;s shaking hands<br />
Who you gonna call?<br />
(POPEBUSTERS!)<br />
I ain&#8217;t &#8216;fraid of no Pope<br />
I ain&#8217;t &#8216;fraid of no Pope<br />
If you&#8217;re seeing Christ<br />
All over your toast<br />
Who you gonna call?<br />
(POPEBUSTERS!)<br />
And you think there’s flesh<br />
Being in your host<br />
Who you gonna call?<br />
(POPEBUSTERS!)<br />
I ain&#8217;t &#8216;fraid of no Pope<br />
I ain&#8217;t &#8216;fraid of no Pope<br />
Who you gonna call?<br />
(POPEBUSTERS!)<br />
If he comes from Rome<br />
Pick up the phone<br />
And you call<br />
(POPEBUSTERS!)<br />
I ain&#8217;t &#8216;fraid of no Pope<br />
I hear he likes the boys<br />
I ain&#8217;t &#8216;fraid of no Pope<br />
Yeah yeah yeah yeah<br />
Who you gonna call?<br />
(POPEBUSTERS!)<br />
If you&#8217;ve been doped by this<br />
Creepy Pope baby<br />
You better call<br />
(POPEBUSTERS!)<br />
Let me tell you somethin’<br />
Bustin&#8217; makes me feel good<br />
I ain&#8217;t &#8216;fraid of no Pope<br />
I ain&#8217;t &#8216;fraid of no Pope<br />
Don&#8217;t jerk off alone, oh no<br />
(POPEBUSTERS!)<br />
When he comes to your town<br />
Unless you really like this clown<br />
I think you better call<br />
(POPEBUSTERS!)<br />
Who you gonna call?<br />
(POPEBUSTERS!)<br />
Who you gonna call?<br />
(POPEBUSTERS!)<br />
Ah, think you better call<br />
(POPEBUSTERS!)<br />
Who you gonna call?<br />
(POPEBUSTERS!)<br />
I can’t hear you<br />
Who you gonna call?<br />
(POPEBUSTERS!)<br />
Louder!<br />
(POPEBUSTERS!)<br />
Who you gonna call?<br />
(POPEBUSTERS!)<br />
Who can you call?<br />
(POPEBUSTERS!)</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/skydaddy.wordpress.com/3953/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/skydaddy.wordpress.com/3953/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/skydaddy.wordpress.com/3953/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/skydaddy.wordpress.com/3953/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/skydaddy.wordpress.com/3953/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/skydaddy.wordpress.com/3953/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/skydaddy.wordpress.com/3953/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/skydaddy.wordpress.com/3953/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/skydaddy.wordpress.com/3953/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/skydaddy.wordpress.com/3953/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/skydaddy.wordpress.com/3953/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/skydaddy.wordpress.com/3953/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/skydaddy.wordpress.com/3953/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/skydaddy.wordpress.com/3953/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&amp;blog=10467017&amp;post=3953&amp;subd=skydaddy&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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			<media:title type="html">Popebusters</media:title>
		</media:content>
	</item>
		<item>
		<title>Bundestagsrede: Der Papst pfeift auf dem letzten Loch</title>
		<link>http://skydaddy.wordpress.com/2011/09/22/bundestagsrede-der-papst-pfeift-auf-dem-letzten-loch/</link>
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		<pubDate>Thu, 22 Sep 2011 16:11:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Katholizismus]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchliche Propaganda]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Staat und Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestag]]></category>
		<category><![CDATA[Gerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Gut und Böse]]></category>
		<category><![CDATA[Papst]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Benedikt XVI.]]></category>
		<category><![CDATA[Papstrede im Bundestag]]></category>
		<category><![CDATA[Rede des Papstes im Bundestag]]></category>
		<category><![CDATA[Verantwortung vor Gott]]></category>

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		<description><![CDATA[In seiner Rede vor dem Bundestag hat der Papst eine „nur“ naturalistische Weltsicht kritisiert und den Eindruck erweckt, als ob eine solche Weltsicht, die ja immerhin vom Atom bis hin zum Universum, vom Urknall bis in ferne Zukunft, von den Naturgesetzen bis hin zur evolutionären Entwicklung von Selbstbewusstsein und Ethik reicht, ein eingeschränktes Weltbild sei, [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&amp;blog=10467017&amp;post=3947&amp;subd=skydaddy&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In seiner <a href="http://www.papst-in-deutschland.de/fileadmin/redaktion/microsites/Papstbesuch/Tagebuch/Reden_Papst/DT_22092011_SH_2_Bundestag_B.pdf">Rede vor dem Bundestag</a> hat der Papst eine „nur“ naturalistische Weltsicht kritisiert und den Eindruck erweckt, als ob eine solche Weltsicht, die ja immerhin vom Atom bis hin zum Universum, vom Urknall bis in ferne Zukunft, von den Naturgesetzen bis hin zur evolutionären Entwicklung von Selbstbewusstsein und Ethik reicht, ein eingeschränktes Weltbild sei, das offenbar der Ergänzung durch archaische Vorstellungen aus Bronzezeit und Mittelalter bedürfe.</p>
<p>Letztlich mahnte der Papst in seiner Rede eine Verantwortung vor Gott, Gerechtigkeit und und die Unterscheidung von Gut und Böse an. Leider machte er nicht deutlich, nach welchen Kriterien dabei geurteilt werden soll.</p>
<p>Damit sind Christen in keiner besseren Lage als Atheisten oder Humanisten: Wir alle müssen uns überlegen, welches eigentlich die Kriterien für unser Handeln, für die Unterscheidung von Gut und Böse sein sollen, und was „Gerechtigkeit“ bedeutet.</p>
<p>Nicht einmal der Begriff der Nächstenliebe kam in seiner <a href="http://www.papst-in-deutschland.de/fileadmin/redaktion/microsites/Papstbesuch/Tagebuch/Reden_Papst/DT_22092011_SH_2_Bundestag_B.pdf">Rede</a> vor, wobei auch dieser offen lässt, was denn konkret Nächstenliebe sein soll (z.B. Sterbehilfe oder Leidensverlängerung).</p>
<p>Damit liefert der Papst lediglich Schlagworte („Verantwortung vor Gott“, „Gerechtigkeit“, „Gut und Böse“), aber keine Maßstäbe (Kriterien), wie man diesen Zielsetzungen näher kommt.</p>
<p>Mit anderen Worten: Der Papst hat zwar von Verantwortung, Gerechtigkeit, Menschenwürde, Gut und Böse gesprochen, aber nicht den geringsten Hinweis gegeben, an welchen Kriterien sich diese Werte konkret festmachen sollen.</p>
<p>Das ist nichts anderes als eine Bankrotterklärung, denn offiziell behauptet die katholische Kirche ja durchaus – und schreibt dies im ihrem <a href="http://www.vatican.va/archive/DEU0035/_INDEX.HTM">Katechismus</a> auch bis ins Detail vor –, was „gut“ und was „böse“ (bzw. schlecht) ist.</p>
<p>Offenbar fehlen selbst dem Papst – der ja oft als großer Intellektueller bezeichnet wird – allgemein nachvollziehbare Argumente für die Unterscheidung zwischen Gut und Böse (z.B. hat Ratzinger ja im Zusammenhang mit der rechtlichen Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften von der „Legalisierung des Bösen“ gesprochen) und das Verständnis von „Gerechtigkeit“, wie es die katholische<br />
Kirche lehrt. Um sich an „Verantwortung“ und „Gerechtigkeit“ erinnern zu lassen, hätte es der Rede des Papstes im Bundestag wohl kaum bedurft.</p>
<p>Da der Papst offenbar keine vernünftigen Argumente für seine Vorstellung von Gut und Böse hat, hat er sich darauf beschränkt, die naturalistische Weltsicht als unzureichend darzustellen – als ob die moderne Weltsicht eine Ergänzung durch einen dogmatischen, mittelalter- bis bronzezeitlichen Aberglauben bedürfe. Die Ökobewegung dürfte er gerade deshalb als Beispiel erwähnt haben, weil sie teilweise starke emotionale und irrationale Elemente enthält. Durchgesetzt haben dürften sich Umweltschutzbelange allerdings, weil sie auch <em>vernünftig</em> sind. Umweltschutz ist auf dem Vormarsch, der Katholizismus – zumindest in Europa – auf dem Rückzug.</p>
<p>Man kann nur für die Katholiken hoffen, dass das noch nicht alles war. Eine Erinnerung an Verantwortung und Gerechtigkeit hätten sie von mir für deutlich weniger als 30 Millionen Euro haben können.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/skydaddy.wordpress.com/3947/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/skydaddy.wordpress.com/3947/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/skydaddy.wordpress.com/3947/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/skydaddy.wordpress.com/3947/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/skydaddy.wordpress.com/3947/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/skydaddy.wordpress.com/3947/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/skydaddy.wordpress.com/3947/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/skydaddy.wordpress.com/3947/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/skydaddy.wordpress.com/3947/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/skydaddy.wordpress.com/3947/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/skydaddy.wordpress.com/3947/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/skydaddy.wordpress.com/3947/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/skydaddy.wordpress.com/3947/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/skydaddy.wordpress.com/3947/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&amp;blog=10467017&amp;post=3947&amp;subd=skydaddy&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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			<media:title type="html">Skydaddy</media:title>
		</media:content>
	</item>
		<item>
		<title>Basteln mit Benedikt (2): Papstmütze (Pope Hat)</title>
		<link>http://skydaddy.wordpress.com/2011/08/11/basten-mit-benedikt-2-papstmutze-pope-hat/</link>
		<comments>http://skydaddy.wordpress.com/2011/08/11/basten-mit-benedikt-2-papstmutze-pope-hat/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 11 Aug 2011 18:32:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kampagnen]]></category>
		<category><![CDATA[Bastelbogen]]></category>
		<category><![CDATA[Papst]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Hut]]></category>
		<category><![CDATA[Papst in Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Papstbesuch]]></category>
		<category><![CDATA[Papstmütze]]></category>
		<category><![CDATA[Pope]]></category>
		<category><![CDATA[Pope Hat]]></category>
		<category><![CDATA[Pope Visit]]></category>
		<category><![CDATA[Selberbasteln]]></category>

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		<description><![CDATA[Dieses Mal gibt&#8217;s was auf die (Papst-) Mütze, und zwar dieses schöne Logo von notwelcome.de. Die könnt Ihr mit minimalem Aufwand selber basteln, und zwar so: Bastelbogen auf zwei DIN A3-Bögen (Vorder- und Rückseite) ausdrucken (mit A3-Drucker) Papier oder Karton, geht beides auf 100% ausdrucken, nicht skalieren oder an den Druckbereich anpassen es werden dann [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&amp;blog=10467017&amp;post=3918&amp;subd=skydaddy&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3920" class="wp-caption aligncenter" style="width: 460px"><a href="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/08/img_1245.jpg"><img class="size-full wp-image-3920" title="No Pope Hat" src="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/08/img_1245.jpg?w=450&#038;h=449" alt="Papstmütze zum Selberbasteln" width="450" height="449" /></a><p class="wp-caption-text">Papstmütze zum Selberbasteln</p></div>
<p>Dieses Mal gibt&#8217;s was auf die (Papst-) Mütze, und zwar dieses schöne Logo von <a href="http://www.notwelcome.de/">notwelcome.de</a>. Die könnt Ihr mit minimalem Aufwand selber basteln, und zwar so:</p>
<ol>
<li><strong><a href="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/08/pope-hat-not-welcome.pdf">Bastelbogen</a> auf zwei DIN A3-Bögen (Vorder- und Rückseite) ausdrucken (mit A3-Drucker)</strong></li>
<ul>
<li>Papier oder Karton, geht beides</li>
<li>auf 100% ausdrucken, nicht skalieren oder an den Druckbereich anpassen</li>
<li>es werden dann (bei den meisten Druckern) die Linien nicht bis an den unteren Rand gedruckt, das macht aber nichts</li>
<li>falls Ihr keinen A3-Drucker habt, könnt Ihr das PDF im Copyshop ausdrucken lassen</li>
<li>oder Ihr druckt den Bogen auf A4 aus und kopiert ihn dann mit einem Farbkopierer auf A3 hoch</li>
</ul>
<li><strong>Vorder- und Rückseite der Mütze ausschneiden</strong></li>
<ul>
<li>Dabei darauf achten, dass bei der Vorderseite die beiden Klebefalze links und rechts nicht abgeschnitten werden &#8212; am äußeren Rand entlang schneiden</li>
<li>Die Unterkante des Papiers ist gleichzeitig die Unterkante der Mütze, es muss also nur oben und an den Seiten geschnitten werden</li>
</ul>
<li><strong>Vorder- und Rückseite zusammenkleben</strong></li>
<ul>
<li>Klebefalze links und rechts umfalzen und die Rückseite der Mütze darauf festkleben</li>
</ul>
<li><strong>Kopfumfang einstellen<br />
</strong>Die Mütze hat einen &#8222;Standard-Kopfumfang&#8220; von 62 cm. Wenn das zu weit ist:</li>
<ul>
<li>Mütze hinten vom unteren Rand her entlang der grauen Mittellinie einschneiden. Die Mütze kann dann hinten enger gemacht werden.</li>
<li>Mütze an den Kopfumfang anpassen und mit einer Heftklammer fixieren. (Die Enden der Heftklammer sollten außen sein, damit es nicht piekt.)
<p><div id="attachment_3923" class="wp-caption aligncenter" style="width: 160px"><a href="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/08/img_1249.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-3923" title="Der Kopfumfang kann eingestellt werden und wird mit einer Heftklammer fixiert." src="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/08/img_1249.jpg?w=150&#038;h=150" alt="" width="150" height="150" /></a><p class="wp-caption-text">Der Kopfumfang kann eingestellt werden und wird mit einer Heftklammer fixiert.</p></div></li>
</ul>
</ol>
<p>Fertig!</p>
<p>Wer sich eine Mütze mit eigenem Motiv basteln will, kann <a href="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/08/pope-hat.pptx">hier die Vorlage als PowerPoint 2010-Datei</a> herunterladen.</p>
<div id="attachment_3932" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/08/pope-hat.pptx"><img class="size-medium wp-image-3932  " title="PowerPoint-Vorlage für eigene Motive" src="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/08/pope-hat-notwelcome.png?w=300&#038;h=212" alt="" width="300" height="212" /></a><p class="wp-caption-text">PowerPoint-Vorlage für eigene Motive</p></div>
<p>Hier noch eine <a href="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/08/pope-hat-derpapstkommt.pdf">Version mit Ralf Königs Motiv</a> (DerPapstKommt). Seid Euch aber darüber klar, dass dieses Motiv aus der Entfernung schwer zu erkennen ist. Mit dem &#8222;Popebusters&#8220;-Logo setzt Ihr ein klares Statement, das auch noch aus einiger Entfernung zu erkennen ist.</p>
<div id="attachment_3933" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/08/pope-hat-derpapstkommt.pdf"><img class="size-medium wp-image-3933 " title="PDF mit Ralf Königs Motiv" src="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/08/pope-hat-derpapstkommt.png?w=300&#038;h=212" alt="" width="300" height="212" /></a><p class="wp-caption-text">PDF mit Ralf Königs Motiv</p></div>
<p>Und hier noch eine Variante:</p>
<p><a href="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/08/pope-hat-mcdonalds.pdf"><img class="aligncenter size-medium wp-image-3939" title="Pope Hat - McDonald's" src="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/08/pope-hat-mcdonalds.png?w=300&#038;h=212" alt="" width="300" height="212" /></a></p>
<p>Achtung: Hier muss auch an der Unterkante geschnitten werden, da viele Drucker nicht ganz bis zum Rand drucken können.</p>
<p>Und noch eine:</p>
<p style="text-align:center;"><a href="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/08/pope-hat-fromms.pdf"><img class="aligncenter size-medium wp-image-3942" title="Pope Hat - Fromms" src="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/08/pope-hat-fromms.png?w=300&#038;h=212" alt="" width="300" height="212" /></a></p>
<p>Hier muss auch an der Unterkante der Vorderseite geschnitten werden.</p>
<p>P.S.: Echte Papstfans basteln sich natürlich auch eine <a href="http://skydaddy.wordpress.com/2011/08/10/basteln-mit-benedikt-1-pope-corn-tute/">Pope-Corn-Tüte</a> und installieren sich den <a href="http://skydaddy.wordpress.com/2011/08/01/der-klingelton-zum-papstbesuch-pope-song-ringtone/">Pope-Song-Klingelton</a> auf ihrem Handy.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/skydaddy.wordpress.com/3918/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/skydaddy.wordpress.com/3918/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/skydaddy.wordpress.com/3918/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/skydaddy.wordpress.com/3918/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/skydaddy.wordpress.com/3918/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/skydaddy.wordpress.com/3918/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/skydaddy.wordpress.com/3918/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/skydaddy.wordpress.com/3918/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/skydaddy.wordpress.com/3918/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/skydaddy.wordpress.com/3918/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/skydaddy.wordpress.com/3918/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/skydaddy.wordpress.com/3918/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/skydaddy.wordpress.com/3918/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/skydaddy.wordpress.com/3918/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&amp;blog=10467017&amp;post=3918&amp;subd=skydaddy&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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			<media:title type="html">Skydaddy</media:title>
		</media:content>

		<media:content url="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/08/img_1245.jpg" medium="image">
			<media:title type="html">No Pope Hat</media:title>
		</media:content>

		<media:content url="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/08/img_1249.jpg?w=150" medium="image">
			<media:title type="html">Der Kopfumfang kann eingestellt werden und wird mit einer Heftklammer fixiert.</media:title>
		</media:content>

		<media:content url="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/08/pope-hat-notwelcome.png?w=300" medium="image">
			<media:title type="html">PowerPoint-Vorlage für eigene Motive</media:title>
		</media:content>

		<media:content url="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/08/pope-hat-derpapstkommt.png?w=300" medium="image">
			<media:title type="html">PDF mit Ralf Königs Motiv</media:title>
		</media:content>

		<media:content url="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/08/pope-hat-mcdonalds.png?w=300" medium="image">
			<media:title type="html">Pope Hat - McDonald&#039;s</media:title>
		</media:content>

		<media:content url="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/08/pope-hat-fromms.png?w=300" medium="image">
			<media:title type="html">Pope Hat - Fromms</media:title>
		</media:content>
	</item>
		<item>
		<title>Basteln mit Benedikt (1): Pope Corn Tüte</title>
		<link>http://skydaddy.wordpress.com/2011/08/10/basteln-mit-benedikt-1-pope-corn-tute/</link>
		<comments>http://skydaddy.wordpress.com/2011/08/10/basteln-mit-benedikt-1-pope-corn-tute/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 10 Aug 2011 12:15:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kampagnen]]></category>
		<category><![CDATA[Bastelbogen]]></category>
		<category><![CDATA[Basteln]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschlandbesuch]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschlandreise]]></category>
		<category><![CDATA[Papst Benedikt XVI.]]></category>
		<category><![CDATA[Papstbesuch]]></category>
		<category><![CDATA[Popcorn]]></category>
		<category><![CDATA[Pope Corn]]></category>
		<category><![CDATA[Popecorn]]></category>

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		<description><![CDATA[Müde und hungrig vom Warten auf den Heiligen Vater? Ein kleiner Snack täte jetzt gut. Die Katholische Kirche legt bekanntlich Wert auf&#8217;s Detail, deshalb sollte man auch in kleinen Dingen der Würde des Anlasses gerecht werden. Deshalb präsentiert Euch Euer Skydaddy: Die Pope-Corn-Tüte zum Papstbesuch im klassischen Papstmützendesign. (Die Karikatur ist von Ralf König, ich [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&amp;blog=10467017&amp;post=3903&amp;subd=skydaddy&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3905" class="wp-caption aligncenter" style="width: 460px"><a href="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/08/pope-corn-packung.jpg"><img class="size-full wp-image-3905" title="Skydaddy's Pope-Corn-Packung im klassischen Papstmützendesign zum Selberbasteln" src="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/08/pope-corn-packung.jpg?w=450&#038;h=450" alt="" width="450" height="450" /></a><p class="wp-caption-text">Skydaddy&#039;s Pope-Corn-Packung im klassischen Papstmützendesign zum Selberbasteln</p></div>
<p>Müde und hungrig vom Warten auf den Heiligen Vater? Ein kleiner Snack täte jetzt gut. Die Katholische Kirche legt bekanntlich Wert auf&#8217;s Detail, deshalb sollte man auch in kleinen Dingen der Würde des Anlasses gerecht werden. Deshalb präsentiert Euch Euer Skydaddy:</p>
<p><strong>Die Pope-Corn-Tüte zum Papstbesuch im klassischen Papstmützendesign.</strong></p>
<p>(Die Karikatur ist von <a href="http://www.ralf-koenig.de/">Ralf König</a>, ich hoffe, er hat nichts dagegen, dass ich die verwende.)</p>
<p>Den <strong>Bastelbogen</strong> gibt es <a href="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/08/popecorn.pdf">hier als PDF</a> und hier als <a href="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/08/popecorn.pptx">PowerPoint 2010-Datei</a>, falls jemand ein anderes Motiv einbauen will.</p>
<p><strong>Anleitung:</strong></p>
<ol>
<li>Das PDF auf A4-Papier (besser: festes Papier oder Karton) ausdrucken. (100%, keine Größenanpassung.)</li>
<li>Umriss an den äußeren Linien entlang ausschneiden. (Am besten mit Lineal und einem scharfen Messer auf einer schnittfesten Unterlage.)</li>
<li>Das ausgeschnittene Papier in der Mitte entlang der Linie falten.</li>
<li>Die Tüte mit dem Bild nach außen an der Klebefalz (rechts) zusammenkleben.</li>
<li>Pommes-Schachtel eines Restaurants Deiner Wahl hineinschieben, um die Tüte zu stabilisieren und mit einem Boden zu versehen.</li>
</ol>
<div id="attachment_3911" class="wp-caption aligncenter" style="width: 280px"><a href="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/08/pope-corn-innen.jpg"><img class="size-full wp-image-3911" title="Innenansicht" src="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/08/pope-corn-innen.jpg?w=450" alt=""   /></a><p class="wp-caption-text">In der Tüte befindet sich eine Pommes-Packung zur Stabilisierung und als Boden.</p></div>
<p>Fertig!</p>
<p>Skydaddy wünscht fröhliches Basteln und guten Appetit.</p>
<p>P.S.: Echte Papstfans installieren sich natürlich den <a href="http://skydaddy.wordpress.com/2011/08/01/der-klingelton-zum-papstbesuch-pope-song-ringtone/">Pope-Song-Klingelton</a> auf ihrem Handy oder iPhone.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/skydaddy.wordpress.com/3903/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/skydaddy.wordpress.com/3903/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/skydaddy.wordpress.com/3903/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/skydaddy.wordpress.com/3903/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/skydaddy.wordpress.com/3903/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/skydaddy.wordpress.com/3903/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/skydaddy.wordpress.com/3903/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/skydaddy.wordpress.com/3903/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/skydaddy.wordpress.com/3903/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/skydaddy.wordpress.com/3903/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/skydaddy.wordpress.com/3903/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/skydaddy.wordpress.com/3903/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/skydaddy.wordpress.com/3903/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/skydaddy.wordpress.com/3903/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&amp;blog=10467017&amp;post=3903&amp;subd=skydaddy&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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			<media:title type="html">Skydaddy</media:title>
		</media:content>

		<media:content url="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/08/pope-corn-packung.jpg" medium="image">
			<media:title type="html">Skydaddy&#039;s Pope-Corn-Packung im klassischen Papstmützendesign zum Selberbasteln</media:title>
		</media:content>

		<media:content url="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/08/pope-corn-innen.jpg" medium="image">
			<media:title type="html">Innenansicht</media:title>
		</media:content>
	</item>
		<item>
		<title>Militärbischof Overbeck: Der Bock als Gärtner</title>
		<link>http://skydaddy.wordpress.com/2011/08/10/militarbischof-overbeck-der-bock-als-gartner/</link>
		<comments>http://skydaddy.wordpress.com/2011/08/10/militarbischof-overbeck-der-bock-als-gartner/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 10 Aug 2011 11:34:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Bischof]]></category>
		<category><![CDATA[Bundeswehr]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Franz-Josef Overbeck]]></category>
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		<category><![CDATA[Militärbischof]]></category>
		<category><![CDATA[Ruhrbischof]]></category>
		<category><![CDATA[schlimme Abirrung]]></category>
		<category><![CDATA[Sexualität]]></category>
		<category><![CDATA[Soldaten]]></category>
		<category><![CDATA[widernatürlich]]></category>

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		<description><![CDATA[Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck hat mit seinen Äußerungen zur Homosexualität erneut für Empörung unter Schwulen und Lesben gesorgt. Besonders problematisch: Overbeck ist auch Militärbischof und als solcher für den berufsethischen Unterricht der deutschen Soldaten zuständig. Ein Vergleich der Positionen von Bundeswehr und katholischer Kirche zum Thema Sexualität zeigt, dass den katholischen Militärgeistlichen besser Nachhilfe in Sachen [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&amp;blog=10467017&amp;post=3894&amp;subd=skydaddy&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3901" class="wp-caption aligncenter" style="width: 423px"><a href="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/08/toleranz-bw.png"><img class="size-full wp-image-3901" title="Führungshilfe &quot;Umgang mit Sexualität&quot;" src="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/08/toleranz-bw.png?w=450" alt=""   /></a><p class="wp-caption-text">Seit über 10 Jahren gibt es bei der Bundeswehr die &quot;Führungshilfe &#039;Umgang mit Sexualität&#039;&quot;</p></div>
<p><strong>Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck</strong> hat mit seinen Äußerungen zur <strong>Homosexualität</strong> erneut für Empörung unter Schwulen und Lesben gesorgt. Besonders problematisch: <strong>Overbeck ist auch Militärbischof und als solcher für den berufsethischen Unterricht der deutschen Soldaten zuständig.</strong></p>
<p>Ein Vergleich der Positionen von Bundeswehr und katholischer Kirche zum Thema Sexualität zeigt, dass den katholischen Militärgeistlichen besser Nachhilfe in Sachen Ethik und Lebenskunde <em>erteilt</em> werden sollte – statt sie diese Themen <em>unterrichten</em> zu lassen.</p>
<p><em><a href="http://hpd.de/node/11810">Mein kompletter Artikel beim hpd.</a></em></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/skydaddy.wordpress.com/3894/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/skydaddy.wordpress.com/3894/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/skydaddy.wordpress.com/3894/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/skydaddy.wordpress.com/3894/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/skydaddy.wordpress.com/3894/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/skydaddy.wordpress.com/3894/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/skydaddy.wordpress.com/3894/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/skydaddy.wordpress.com/3894/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/skydaddy.wordpress.com/3894/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/skydaddy.wordpress.com/3894/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/skydaddy.wordpress.com/3894/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/skydaddy.wordpress.com/3894/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/skydaddy.wordpress.com/3894/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/skydaddy.wordpress.com/3894/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&amp;blog=10467017&amp;post=3894&amp;subd=skydaddy&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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			<media:title type="html">Skydaddy</media:title>
		</media:content>

		<media:content url="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/08/toleranz-bw.png" medium="image">
			<media:title type="html">Führungshilfe &#34;Umgang mit Sexualität&#34;</media:title>
		</media:content>
	</item>
		<item>
		<title>Christliche „Rettungsfolter“?</title>
		<link>http://skydaddy.wordpress.com/2011/08/07/christliche-%e2%80%9erettungsfolter%e2%80%9c/</link>
		<comments>http://skydaddy.wordpress.com/2011/08/07/christliche-%e2%80%9erettungsfolter%e2%80%9c/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 07 Aug 2011 06:10:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gotteswahn]]></category>
		<category><![CDATA[Katholizismus]]></category>
		<category><![CDATA[Protestantismus]]></category>
		<category><![CDATA[Fall Daschner]]></category>
		<category><![CDATA[Hölle]]></category>
		<category><![CDATA[Höllendrohung]]></category>
		<category><![CDATA[Jakob von Metzler]]></category>
		<category><![CDATA[Markus Gäfgen]]></category>
		<category><![CDATA[Rettungsfolter]]></category>

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		<description><![CDATA[(Aus aktuellem Anlass.) Ein Leser machte mich auf folgenden Punkt aufmerksam: 2004 wurden der ehemalige stellvertretende Frankfurter Polizeipräsident Wolfgang Daschner und Kriminalhauptkommissar Ortwin Ennigkeit wegen Nötigung verurteilt, weil sie im Entführungsfall Jakob von Metzler dem Entführer, Magnus Gäfgen, angedroht haben sollen, ein „Spezialist“ würde ihm „Schmerzen, wie er sie noch nie erlebt habe“ zufügen. (Sie taten [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&amp;blog=10467017&amp;post=3890&amp;subd=skydaddy&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(Aus <a href="http://www.swp.de/ulm/nachrichten/politik/3000-Euro-fuer-Kindesmoerder-Gaefgen;art4306,1064927">aktuellem Anlass</a>.) Ein Leser machte mich auf folgenden Punkt aufmerksam:</p>
<p>2004 wurden der ehemalige stellvertretende Frankfurter Polizeipräsident Wolfgang Daschner und Kriminalhauptkommissar Ortwin Ennigkeit wegen Nötigung <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Daschner-Prozess">verurteilt</a>, weil sie im Entführungsfall Jakob von Metzler dem Entführer, Magnus Gäfgen, angedroht haben sollen, ein „Spezialist“ würde ihm „Schmerzen, wie er sie noch nie erlebt habe“ zufügen. (Sie taten dies, um Gäfgen zur Preisgabe des Verstecks zu bewegen und das Leben des entführten Kindes zu retten, sog. „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rettungsfolter">Rettungsfolter</a>“.)</p>
<p>Die große Preisfrage ist nun: <strong>Unterscheidet sich das das strafbare Verhalten der Beamten von der Höllendrohung des Christentums?</strong></p>
<p>Bisher würde ich antworten: Ja – das Christentum ist <em>noch verwerflicher!</em> Denn zum Einen wird schon kleinen Kindern mit der Hölle gedroht, zum anderen wird ihnen eingeredet, dass nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Freunde, Eltern, Geschwister oder Verwandten in die Hölle kommen, wenn sie nicht an Jesus glauben. Die Drohung, dass einem geliebten Menschen Leid angetan wird, kennt man sonst eigentlich nur aus Filmen, in denen deutlich gemacht werden soll, dass der Schurke auch wirklich abgrundtief böse, ja teuflisch ist. (Obwohl es sicher auch im richtigen Leben vorkommt, nur, dass man es dort nicht so mitbekommt.)</p>
<p>Und dass es sich dabei nicht um wirkungslose Drohungen handelt erfährt man regelmäßig z.B. von Anrufern in der amerikanischen Sendung „<a href="http://www.atheist-experience.com/">The Atheist Experience</a>“, deren Eltern oder Verwandte tatsächlich davon überzeugt sind, dass diese in die Hölle kommen, wenn sie nicht Jesus als ihren Herrn und Retter akzeptieren.</p>
<p>Wenn Folter und deren Androhung zu Recht strafbar sind – muss dann nicht die Verbreitung des Christentums – oder zumindest die Lehre von der Hölle – erst recht bestraft werden? Wie sieht es mit Religionslehrern aus – immer hin staatliche Beamte?</p>
<p>Hier der einschlägige Paragraf aus dem Strafgesetzbuch:</p>
<blockquote>
<p style="text-align:center;"><strong>§ 240 Nötigung</strong></p>
<p>(1) Wer einen Menschen rechtswidrig mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.</p>
<p>(2) Rechtswidrig ist die Tat, wenn die Anwendung der Gewalt oder die Androhung des Übels zu dem angestrebten Zweck als verwerflich anzusehen ist.</p>
<p>(3) Der Versuch ist strafbar.</p>
<p>(4) In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn der Täter</p>
<p>1. eine andere Person zu einer sexuellen Handlung oder zur Eingehung der Ehe nötigt,</p>
<p>2. eine Schwangere zum Schwangerschaftsabbruch nötigt oder</p>
<p>3. seine Befugnisse oder seine Stellung als Amtsträger mißbraucht.</p></blockquote>
<p>Was meint Ihr?</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/skydaddy.wordpress.com/3890/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/skydaddy.wordpress.com/3890/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/skydaddy.wordpress.com/3890/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/skydaddy.wordpress.com/3890/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/skydaddy.wordpress.com/3890/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/skydaddy.wordpress.com/3890/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/skydaddy.wordpress.com/3890/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/skydaddy.wordpress.com/3890/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/skydaddy.wordpress.com/3890/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/skydaddy.wordpress.com/3890/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/skydaddy.wordpress.com/3890/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/skydaddy.wordpress.com/3890/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/skydaddy.wordpress.com/3890/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/skydaddy.wordpress.com/3890/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&amp;blog=10467017&amp;post=3890&amp;subd=skydaddy&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Der Klingelton zum Papstbesuch (Pope Song Ringtone)</title>
		<link>http://skydaddy.wordpress.com/2011/08/01/der-klingelton-zum-papstbesuch-pope-song-ringtone/</link>
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		<pubDate>Mon, 01 Aug 2011 10:00:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Klingelton]]></category>
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		<category><![CDATA[Tim Minchin]]></category>

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		<description><![CDATA[Tammox machte mich darauf aufmerksam, dass es drüben bei papst.co das sinnfreie Motto-Lied zum Papstbesuch (&#8222;Wo Gott ist, da ist Zukunft&#8220;) als Klingelton gibt. Mich haut es ja nicht so von den Socken, aber in Anbetracht des Alters der Zielgruppe&#8230; mal sehen, wie viele Arme am Ende der zweiten Zeile (&#8222;Wo Gott ist, da ist [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&amp;blog=10467017&amp;post=3877&amp;subd=skydaddy&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.timminchin.com/2010/09/12/holy-fuck-free-pope-song-download-available-now/"><img class="size-thumbnail wp-image-3882 alignright" title="Pope Song" src="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/08/pope-song.jpg?w=150&#038;h=150" alt="" width="150" height="150" /></a><a href="http://tammox.blogspot.com/">Tammox</a> machte mich darauf aufmerksam, dass es drüben bei <a href="http://papst.co/motto-lied-zum-papstbesuch-jetzt-als-klingeltone/">papst.co</a> das sinnfreie Motto-Lied zum <a href="http://www.papst-in-deutschland.de/">Papstbesuch</a> (&#8222;Wo Gott ist, da ist Zukunft&#8220;) als Klingelton gibt. Mich haut es ja nicht so von den Socken, aber in Anbetracht des Alters der Zielgruppe&#8230; mal sehen, wie viele Arme am Ende der zweiten Zeile (&#8222;Wo Gott ist, da ist Heil&#8220;) nach oben gehen&#8230;</p>
<p>Also dachte ich mir: Einen Klingelton zum Papstbesuch, den will ich auch haben &#8212; und habe mal schnell den Pope Song von Tim Minchin klingelton-tauglich gemacht. Da Tim den Song <a href="http://www.timminchin.com/2010/09/12/holy-fuck-free-pope-song-download-available-now/">kostenlos zum Download anbietet</a>, nehme ich an, dass er nicht allzuviel dagegen hat, wenn ich hier die Klingelton-Fassungen anbiete:</p>
<ul>
<li><a href="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/08/tim-minchin-the-pope-song-ringtone-short.mp3">Tim Minchin &#8211; The Pope Song Ringtone (short) &#8211; MP3</a></li>
<li><a href="http://media.atheismus.de/tim-minchin-the-pope-song-ringtone-short.m4r">Tim Minchin &#8211; The Pope Song Ringtone (short) &#8211; iPhone (.m4r)</a></li>
<li><a href="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/08/tim-minchin-the-pope-song-ringtone-long.mp3">Tim Minchin &#8211; The Pope Song Ringtone (long) &#8211; MP3</a></li>
<li><a href="http://media.atheismus.de/tim-minchin-the-pope-song-ringtone-long.m4r">Tim Minchin &#8211; The Pope Song Ringtone (long) &#8211; iPhone (.m4r)</a></li>
</ul>
<p>Hinweis: Die MP3-Dateien sollten eigentlich mit den meisten modernen Mobiltelefonen und PDAs funktionieren. Für das iPhone braucht man ein spezielles Klingelton-Format (.m4r). Die .m4r-Dateien mit &#8222;Datei &gt; Datei hinzufügen&#8220; (File &gt; Add File to Library) zu iTunes hinzufügen. Ggf. wird links eine neue Kategorie &#8222;Klingeltöne&#8220; (Ringtones) angezeigt. In den Synchronisationseinstellungen für das iPhone muss dann noch sichergestellt werden, dass die Klingeltöne auch tatsächlich auf das iPhone synchronisiert werden. Nach dem Synchronisieren kann dann auf dem iPhone der Klingelton für Anrufe oder auch Wecker oder Terminerinnerungen ausgewählt werden.</p>
<p>Viel Spaß!</p>
<p>P.S.: Für echte Papstfans gibt es auch noch den <a href="http://skydaddy.wordpress.com/2011/08/10/basteln-mit-benedikt-1-pope-corn-tute/">Bastelbogen für eine Pope Corn Tüte</a>.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/skydaddy.wordpress.com/3877/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/skydaddy.wordpress.com/3877/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/skydaddy.wordpress.com/3877/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/skydaddy.wordpress.com/3877/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/skydaddy.wordpress.com/3877/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/skydaddy.wordpress.com/3877/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/skydaddy.wordpress.com/3877/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/skydaddy.wordpress.com/3877/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/skydaddy.wordpress.com/3877/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/skydaddy.wordpress.com/3877/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/skydaddy.wordpress.com/3877/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/skydaddy.wordpress.com/3877/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/skydaddy.wordpress.com/3877/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/skydaddy.wordpress.com/3877/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&amp;blog=10467017&amp;post=3877&amp;subd=skydaddy&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		</media:content>
	</item>
		<item>
		<title>Experten mit Scheuklappen (2): Was steht in Gutachten über auffällige Priester?</title>
		<link>http://skydaddy.wordpress.com/2011/07/25/experten-mit-scheuklappen-2-was-steht-in-gutachten-uber-auffallige-priester/</link>
		<comments>http://skydaddy.wordpress.com/2011/07/25/experten-mit-scheuklappen-2-was-steht-in-gutachten-uber-auffallige-priester/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 25 Jul 2011 10:13:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kirchliche Propaganda]]></category>
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		<description><![CDATA[Der Eindruck verstärkt sich, dass die deutschen Bischöfe gerade jene mit der Suche nach Warnzeichen für Kindesmissbrauch beauftragt haben, die diese in der Vergangenheit in abenteuerlicher Weise ignoriert haben. Gestern hatte ich darauf hingewiesen, dass in der katholischen Kirche der Begriff „pädophil“ in absurd eng gefasster Weise ausgelegt wird – auf diese Weise verschließt man [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&amp;blog=10467017&amp;post=3865&amp;subd=skydaddy&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3868" class="wp-caption aligncenter" style="width: 415px"><a href="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/07/bongartz-in-celle.jpg"><img class="size-full wp-image-3868   " title="Bongartz in Celle" src="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/07/bongartz-in-celle.jpg?w=450" alt=""   /></a><p class="wp-caption-text">Wie sich die Bilder gleichen: Letztes Jahr musste Heinz-Günter Bongartz einer Gemeinde in Celle Rede und Antwort stehen. Damals war er allerdings noch Domkapitular. Heute ist er Weihbischof. (Screenshot von celleheute.de)</p></div>
<p><strong>Der Eindruck verstärkt sich, dass die deutschen Bischöfe gerade jene mit der Suche nach Warnzeichen für Kindesmissbrauch beauftragt haben, die diese in der Vergangenheit in abenteuerlicher Weise ignoriert haben.</strong></p>
<p>Gestern hatte ich darauf hingewiesen, dass in der katholischen Kirche <a href="http://skydaddy.wordpress.com/2011/07/24/salzgitter-padophiler-priester-nach-kirchlicher-definition-%e2%80%9enicht-padophil%e2%80%9c/">der Begriff „pädophil“ in absurd eng gefasster Weise ausgelegt wird</a> – auf diese Weise verschließt man dort die Augen vor offensichtlichen Warnzeichen. Dasselbe gilt für das <a href="http://skydaddy.wordpress.com/2011/07/23/salzgitter-ein-stuck-aus-dem-lehrbuch/">Kriterium „sexueller Missbrauch“</a>.</p>
<p>Nun habe ich ein <a href="http://celleheute.de/domkapitular-es-wird-keinen-einsatz-von-schuldig-gewordenen-priestern-mehr-geben/">aufschlussreiches Beispiel</a> gefunden, in dem der Missbrauchsbeauftragte des Bistums Hildesheim, <strong>Heinz-Günter Bongartz</strong>, erläutert hat, <strong>wie „Pädophilie“ von den Gutachtern, die die Kirche um Rat bittet, definiert wird. oder besser gesagt: Wie Pädophilie <em>nicht</em> definiert wird.</strong></p>
<p>Man beachte, dass es in dem <a href="http://celleheute.de/domkapitular-es-wird-keinen-einsatz-von-schuldig-gewordenen-priestern-mehr-geben/">Artikel</a> nicht um den <em>aktuellen</em> Fall des Pfarrers <strong>Andreas L.</strong> aus Salzgitter geht, der gestanden hat, drei Kinder im Alter von 9 bis 14 viele Male missbraucht zu haben. Der Artikel ist vielmehr aus dem <em>letzten</em> Jahr – damals war bekannt geworden, <strong>dass das Bistum Hildesheim in Celle einen erwiesenen Kinderschänder jahrelang weiter in der Gemeindearbeit eingesetzt hatte.</strong> Erst, als der Priester gerichtlich verurteilt worden war, hat das Bistum ihn aus dem Dienst genommen.</p>
<blockquote><p>Bongartz: „Es ist wahr, dass Dechant Spicker 1995 in Ostdeutschland ein Missbrauchsverbrechen begangen hat. Es war eine befreundete Familie, bei der er übernachte hatte. Dabei kam es zu einem Übergriff gegen einen 12-jährigen Jungen. Acht Jahre später [Anmerkung: Also offenbar 2003 – nach Verabschiedung der Missbrauchs-Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz 2002] hat sich die Familie an den Ortsbischof gewandt. Die Familie wünschte ausdrücklich in Gesprächen mit der Bistumsleitung keine strafrechtliche Verfolgung des Falls und wünschte Verschwiegenheit. Das Bistum hat sehr deutlich mit Herrn Spicker gesprochen. <strong>Daraufhin ist ein psychologisches Gutachten erstellt worden, dass der Übergriff nicht aus einer pädophilen Neigung heraus geschehen sei.</strong></p>
<p><strong>Es ist außerdem bescheinigt worden, dass ein weiterer Einsatz in der Pfarrgemeinde ausdrücklich ohne Auflage möglich ist.</strong> [...]</p>
<p>2003 ist von den damals Verantwortlichen entschieden worden, dass Hermann Spicker in der Gemeinde verbleibt.“ [Hervorhebung von mir.]</p></blockquote>
<p>Ein Schlauberger stellte die berechtigte Frage:</p>
<blockquote><p>Frage aus dem Publikum: „Kann man das Gutachten einsehen?“</p>
<p>Bongartz: „Wir sollten nicht den gläsernen Menschen produzieren. Bildhaftes Beispiel zur Erklärung des Gutachtens: <strong>Wenn ein 50-jähriger Mann auf dem Marcusplatz in Venedig ein 13-jähriges Mädchen sieht und dabei Gefühle bekommt, ist es erst mal keine grundsätzliche pädophile Neigung. Sogar wenn er das Mädchen anfasst, dann ist das in den Augen der Psychologen noch keine Pädophilie.</strong>“ [Hervorhebung von mir.]</p></blockquote>
<p>Soll wohl heißen: <em>„Der tut nichts, der will nur spielen!“</em></p>
<p>Meine Meinung: <strong>Wer solche Gutachten als Rechtfertigung heranzieht, um auffällig gewordene Priester weiter mit Kindern und Jugendlichen einzusetzen,</strong> der soll sich doch bitte nicht „entsetzt“ oder „schockiert“ zeigen, wenn bekannt wird, dass der betreffende Priester tatsächlich Kinder missbraucht hat. Er soll dann auch nicht – wie Weihbischof Bongartz – „selbstkritisch“ die Frage stellen, ob „vielleicht“ im Vorfeld „doch nicht genug gehandelt worden“ sei.</p>
<p>Interessant ist auch Bongartz‘ Aussage:</p>
<blockquote><p>Die deutsche Bischofkonferenz hat 2002 vier der besten Forensiker benannt, um die Kirche zu beraten und Gutachten zu erstellen. Heute sagen wir, dass diese Gutachten wahrscheinlich nicht in der Weise helfen, wie wir ihnen damals vertraut haben.</p></blockquote>
<p>Die Gutachter, von denen hier die Rede ist – und deren Arbeitsweise Heinz-Günter Bongartz oben erläutert hat –, sind offenbar <a href="http://www.badische-zeitung.de/deutschland-1/debatte-um-missbrauch-die-katholische-kirche-und-die-transparenz--27459014.html">Prof. <strong>Norbert Leygraf</strong> (Uniklinik Duisburg-Essen), Prof. <strong>Hans-Ludwig Kröber</strong>, Max Steller und Renate Volbert (alle Charité Berlin) und Prof. <strong>Friedemann Pfäfflin</strong> (Uniklinik Ulm)</a>. Leygraf, Kröber und Pfäfflin wurden vor kurzem von der Deutschen Bischofskonferenz mit der Untersuchung des Missbrauchs durch Priester in deutschen Diözesen <a href="http://www.dbk.de/presse/details/?presseid=1876&amp;cHash=795764615f442c50943978e6bfa91c1a">beauftragt</a>:</p>
<blockquote><p>Das zweite Forschungsprojekt liegt in der Verantwortung von Prof. Dr. med. <strong>Norbert Leygraf</strong>, Direktor des Instituts für Forensische Psychiatrie der Universität Essen-Duisburg in Kooperation mit Prof. Dr. med. <strong>Hans-Ludwig Kröber</strong> (Charité – Universitätsmedizin Berlin) und Prof. Dr. med. <strong>Friedemann Pfäfflin</strong> (Universitätsklinikum Ulm). Das Projekt „Sexuelle Übergriffe durch Geistliche in der katholischen Kirche Deutschlands – Analyse psychiatrisch-psychologischer Gutachten“ soll mit einer qualitativen und quantitativen Gutachtenanalyse ein umfassendes Bild über Täterpersönlichkeiten ermöglichen. Dabei werden biographische Zusammenhänge sowie die Situation und Abläufe der vorgeworfenen sexuellen Handlungen und Merkmale der Opfer eine Rolle spielen. <strong>„Aus den Ergebnissen sollen Prädikatoren für Gefahrenmomente für sexuelle Missbrauchshandlungen identifiziert und Präventions­möglich­keiten abgeleitet werden“</strong>, erklärte Prof. Leygraf.</p></blockquote>
<p>Der Eindruck verstärkt sich, <strong>dass hier gerade die mit der Suche nach Warnzeichen beauftragt wurden, die diese in der Vergangenheit in abenteuerlicher Weise ignoriert haben.</strong></p>
<p><span style="text-decoration:underline;">Weitere Artikel zum Thema:</span></p>
<ul>
<li><a title="Permanent-Link zu Salzgitter: Pädophiler Priester nach kirchlicher Definition „nicht pädophil“" href="http://skydaddy.wordpress.com/2011/07/24/salzgitter-padophiler-priester-nach-kirchlicher-definition-%e2%80%9enicht-padophil%e2%80%9c/">Salzgitter: Pädophiler Priester nach kirchlicher Definition „nicht pädophil“</a></li>
<li><a title="Permanent-Link zu Salzgitter: Ein Stück aus dem Lehrbuch" href="http://skydaddy.wordpress.com/2011/07/23/salzgitter-ein-stuck-aus-dem-lehrbuch/">Salzgitter: Ein Stück aus dem Lehrbuch</a></li>
<li><a title="Permanenter Link: Experten mit Scheuklappen (1): Prof. Christian Pfeiffer" href="http://skydaddy.wordpress.com/2011/07/22/experten-mit-scheuklappen-1-prof-christian-pfeiffer/">Experten mit Scheuklappen (1): Prof. Christian Pfeiffer</a></li>
<li><a title="Permanenter Link: Interessenkonflikte bei Missbrauchs-Untersuchung" href="http://skydaddy.wordpress.com/2011/07/11/interessenkonflikte-bei-missbrauchs-untersuchung/">Interessenkonflikte bei Missbrauchs-Untersuchung</a></li>
<li><a title="Permanent-Link zu Leitlinien: Warnzeichen ernst nehmen!" href="http://skydaddy.wordpress.com/2010/04/27/leitlinien-warnzeichen-ernst-nehmen/">Leitlinien: Warnzeichen ernst nehmen!</a></li>
<li><a title="Permanenter Link: Manfred Lütz: Eine kleine Geschichte des größten Wortklaubers" href="http://skydaddy.wordpress.com/2010/03/16/manfred-lutz-eine-kleine-geschichte-des-grosten-wortklaubers/">Manfred Lütz: Eine kleine Geschichte des größten Wortklaubers</a></li>
<li><a title="Permanenter Link: Grob irreführend: „300 Fälle von Pädophilie“" href="http://skydaddy.wordpress.com/2010/03/14/grob-irrefuhrend-300-falle-von-padophilie/">Grob irreführend: „300 Fälle von Pädophilie“</a></li>
</ul>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/skydaddy.wordpress.com/3865/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/skydaddy.wordpress.com/3865/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/skydaddy.wordpress.com/3865/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/skydaddy.wordpress.com/3865/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/skydaddy.wordpress.com/3865/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/skydaddy.wordpress.com/3865/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/skydaddy.wordpress.com/3865/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/skydaddy.wordpress.com/3865/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/skydaddy.wordpress.com/3865/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/skydaddy.wordpress.com/3865/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/skydaddy.wordpress.com/3865/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/skydaddy.wordpress.com/3865/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/skydaddy.wordpress.com/3865/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/skydaddy.wordpress.com/3865/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&amp;blog=10467017&amp;post=3865&amp;subd=skydaddy&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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			<media:title type="html">Bongartz in Celle</media:title>
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	</item>
		<item>
		<title>Salzgitter: Pädophiler Priester nach kirchlicher Definition „nicht pädophil“</title>
		<link>http://skydaddy.wordpress.com/2011/07/24/salzgitter-padophiler-priester-nach-kirchlicher-definition-%e2%80%9enicht-padophil%e2%80%9c/</link>
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		<pubDate>Sun, 24 Jul 2011 15:07:24 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Salzgitter]]></category>

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		<description><![CDATA[Andreas L., der Pfarrer der St.-Joseph-Gemeinde in Salzgitter-Lebenstedt, der gestanden hat, drei Jungen im Alter zwischen 9 und 14 Jahren in einer Vielzahl von Fällen sexuell missbraucht zu haben, würde nach einer von der katholischen Kirche verwendeten Definition nicht als „pädophil“ gelten: In einer von der US-amerikanischen Bischofskonferenz in Auftrag gegebenen und veröffentlichten Studie wird [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&amp;blog=10467017&amp;post=3854&amp;subd=skydaddy&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>
<div id="attachment_3861" class="wp-caption aligncenter" style="width: 415px"><a href="http://usccb.org/mr/causes-and-context.shtml"><img class="size-full wp-image-3861   " title="Pädophil" src="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/07/pc3a4dophil.jpg?w=450" alt=""   /></a><p class="wp-caption-text">Die von den US-Bischöfen herausgegebene Studie kommt zu dem Ergebnis, nur 5% der beschuldigten Priester seien &quot;pädophil&quot;. (S. 3)</p></div>
<p><strong>Andreas L., der Pfarrer der <a href="http://www.stjoseph-salzgitter.de/index.php">St.-Joseph-Gemeinde</a> in Salzgitter-Lebenstedt, der gestanden hat, <a href="http://www.newsclick.de/index.jsp/menuid/2044/artid/14598753">drei Jungen im Alter zwischen 9 und 14 Jahren</a> in einer Vielzahl von Fällen sexuell missbraucht zu haben, würde nach einer von der katholischen Kirche verwendeten Definition nicht als „pädophil“ gelten:</strong></p>
</div>
<p>In einer von der US-amerikanischen Bischofskonferenz in Auftrag gegebenen und veröffentlichten <a href="http://usccb.org/mr/causes-and-context.shtml">Studie</a> wird nämlich folgende Definition verwendet:</p>
<blockquote><p>For the purpose of this comparison, a <em>pedophile</em> is defined as a priest who had more than one victim, with all victims being age eleven or younger at the time of the offense. [The Causes and Context of Sexual Abuse of Minors by Catholic Priests in the United States, 1950-2010, S. 34]</p></blockquote>
<p>Auf Deutsch:</p>
<blockquote><p>Für diesen Vergleich wird ein <em>Pädophiler</em> definiert als ein Priester, der mehr als ein Opfer gehabt hat, wobei <strong>alle</strong> Opfer zum Tatzeitpunkt <strong>elf Jahre alt oder jünger</strong> waren.</p></blockquote>
<p>Andreas L. hat zwar drei Jungen missbraucht, jedoch war offenbar mindestens einer 14 Jahre alt.</p>
<p>Es ist zu vermuten, dass das gleiche Kriterium (oder ein ähnlich eng gefasstes) auch verwendet wurde, <a href="http://skydaddy.wordpress.com/2010/03/14/grob-irrefuhrend-300-falle-von-padophilie/">als der Vatikan letztes Jahr meldete</a>, dass „nur 10 Prozent“ der des Missbrauchs beschuldigten Priester pädophil seien (ca. 300 von ca. 3.000 Beschuldigten).</p>
<p>Tatsächlich fanden <strong>60 Prozen</strong>t der (von der obigen Studie betrachteten, die auch den Großteil der vom Vatikan untersuchten Fälle ausmachen dürften) Missbräuche mit Kindern unter 14 Jahren (der üblichen Grenze für Pädophilie) statt:</p>
<table border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td><strong>Alter in Jahren</strong></td>
<td><strong>Anzahl der Fälle</strong></td>
<td><strong>Prozent der Fälle</strong></td>
<td><strong>Prozentualer Anteil kumuliert mit vorherigen Alterstufen</strong></td>
</tr>
<tr>
<td><strong>1</strong></td>
<td>4</td>
<td>0,0%</td>
<td>0,0%</td>
</tr>
<tr>
<td><strong>2</strong></td>
<td>11</td>
<td>0,1%</td>
<td>0,1%</td>
</tr>
<tr>
<td><strong>3</strong></td>
<td>22</td>
<td>0,2%</td>
<td>0,3%</td>
</tr>
<tr>
<td><strong>4</strong></td>
<td>41</td>
<td>0,5%</td>
<td>0,8%</td>
</tr>
<tr>
<td><strong>5</strong></td>
<td>82</td>
<td>1%</td>
<td>1,8%</td>
</tr>
<tr>
<td><strong>6</strong></td>
<td>158</td>
<td>1,8%</td>
<td>3,6%</td>
</tr>
<tr>
<td><strong>7</strong></td>
<td>220</td>
<td>2,5%</td>
<td>6,1%</td>
</tr>
<tr>
<td><strong>8</strong></td>
<td>369</td>
<td>4,1%</td>
<td>10,2%</td>
</tr>
<tr>
<td><strong>9</strong></td>
<td>362</td>
<td>4%</td>
<td>14,2%</td>
</tr>
<tr>
<td><strong>10</strong></td>
<td>752</td>
<td>8,4%</td>
<td>22,6%</td>
</tr>
<tr>
<td><strong>11</strong></td>
<td>895</td>
<td>10%</td>
<td>32,6%</td>
</tr>
<tr>
<td><strong>12</strong></td>
<td>1.323</td>
<td>14,7%</td>
<td>47,2%</td>
</tr>
<tr>
<td><span style="color:#ff0000;"><strong>13</strong></span></td>
<td><span style="color:#ff0000;"><strong>1.141</strong></span></td>
<td><span style="color:#ff0000;"><strong>12,8%</strong></span></td>
<td><span style="color:#ff0000;"><strong>60%</strong></span></td>
</tr>
<tr>
<td><strong>14</strong></td>
<td>1.188</td>
<td>13,2%</td>
<td>73,2%</td>
</tr>
<tr>
<td><strong>15</strong></td>
<td>1.042</td>
<td>11,6%</td>
<td>84,8%</td>
</tr>
<tr>
<td><strong>16</strong></td>
<td>769</td>
<td>8,6%</td>
<td>93,4%</td>
</tr>
<tr>
<td><strong>17</strong></td>
<td>577</td>
<td>6,5%</td>
<td>100%</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Tabelle aus Wikipedia: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sexueller_Missbrauch_in_der_r%C3%B6misch-katholischen_Kirche#John-Jay-Studie">Sexueller Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche</a></p>
<p>Ob in den <em>deutschen</em> Bistümern &#8211; und den <a href="http://skydaddy.wordpress.com/2011/07/11/interessenkonflikte-bei-missbrauchs-untersuchung/">von den deutschen Bischöfen beauftragten Experten</a> &#8212; die gleiche Definition verwendet wird, wäre zu prüfen.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/skydaddy.wordpress.com/3854/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/skydaddy.wordpress.com/3854/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/skydaddy.wordpress.com/3854/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/skydaddy.wordpress.com/3854/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/skydaddy.wordpress.com/3854/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/skydaddy.wordpress.com/3854/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/skydaddy.wordpress.com/3854/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/skydaddy.wordpress.com/3854/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/skydaddy.wordpress.com/3854/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/skydaddy.wordpress.com/3854/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/skydaddy.wordpress.com/3854/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/skydaddy.wordpress.com/3854/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/skydaddy.wordpress.com/3854/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/skydaddy.wordpress.com/3854/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&amp;blog=10467017&amp;post=3854&amp;subd=skydaddy&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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			<media:title type="html">Skydaddy</media:title>
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			<media:title type="html">Pädophil</media:title>
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	</item>
		<item>
		<title>Salzgitter: Ein Stück aus dem Lehrbuch</title>
		<link>http://skydaddy.wordpress.com/2011/07/23/salzgitter-ein-stuck-aus-dem-lehrbuch/</link>
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		<pubDate>Sat, 23 Jul 2011 17:46:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kirchliche Propaganda]]></category>
		<category><![CDATA[Andreas L.]]></category>
		<category><![CDATA[Andreas Lerch]]></category>
		<category><![CDATA[Bistumssprecher]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Bischifskonferenz]]></category>
		<category><![CDATA[Ettal]]></category>
		<category><![CDATA[Georg K.]]></category>
		<category><![CDATA[Georg Kerkhoff]]></category>
		<category><![CDATA[Grenzüberschreitung]]></category>
		<category><![CDATA[Gutachten]]></category>
		<category><![CDATA[Leitlinien]]></category>
		<category><![CDATA[Manfred Lütz]]></category>
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		<category><![CDATA[Pädophilie]]></category>
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		<category><![CDATA[Pfarrhaussauna]]></category>
		<category><![CDATA[Priester]]></category>
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		<category><![CDATA[Prof. Friedemann Pfäfflin]]></category>
		<category><![CDATA[Prof. Norbert Leygraf]]></category>
		<category><![CDATA[Salzgitter]]></category>
		<category><![CDATA[Sauna]]></category>
		<category><![CDATA[sexueller Missbrauch]]></category>
		<category><![CDATA[St. Joseph]]></category>
		<category><![CDATA[Weihbischof Heinz-Günter Bongartz]]></category>

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		<description><![CDATA[In Salzgitter im Bistum Hildesheim kommt derzeit mal wieder ein Fall ans Licht, der das Vorgehen der katholischen Kirche beim Verdacht auf Pädophilie lehrbuchmäßig aufzeigt. Priester, denen „offiziell“ Pädophilie bestätigt wurde, sind für die katholische Kirche teuer: Sie müssen nämlich weiter bezahlt werden, können aber nicht mehr auf normalen Pfarrstellen eingesetzt werden: (Noch dazu in [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&amp;blog=10467017&amp;post=3843&amp;subd=skydaddy&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3851" class="wp-caption aligncenter" style="width: 460px"><a href="http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/harz/missbrauch467.html"><img class="size-full wp-image-3851  " title="Bongartz beim NDR" src="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/07/bongartz-beim-ndr.jpg?w=450&#038;h=252" alt="" width="450" height="252" /></a><p class="wp-caption-text">Weihbischof Bongartz: &quot;Es gab keinen Verdacht auf sexuellen Missbrauch.&quot; – Warnzeichen für die Pädophilie von Pfarrer Andreas L. aber schon.</p></div>
<p><strong>In Salzgitter im Bistum Hildesheim kommt derzeit mal wieder ein Fall ans Licht, der das Vorgehen der katholischen Kirche beim Verdacht auf Pädophilie lehrbuchmäßig aufzeigt.</strong></p>
<p>Priester, denen „offiziell“ Pädophilie bestätigt wurde, sind für die katholische Kirche teuer: Sie müssen nämlich weiter bezahlt werden, können aber nicht mehr auf normalen Pfarrstellen eingesetzt werden: (Noch dazu in Zeiten des Priestermangels.) Außerdem muss ggf. noch die Therapie bezahlt werden.</p>
<p>Es besteht also ein Anreiz für die kirchlichen Verantwortlichen, auffällige Priester, soweit irgend möglich, nicht als „pädophil“ einzustufen. In diesem Zusammenhang wurde in der katholischen Kirche bisher so verfahren:</p>
<p><strong>Statt dem Kriterium &#8222;Pädophilie&#8220; wird das – enger gefasste! – Kriterium des „sexuellen Missbrauchs“ angelegt.</strong> Dieser ist strafbar und macht sich an (eindeutig) <em>sexuellen</em> Handlungen fest. Manfred Lütz, Berater der deutschen Bischöfe in Sachen Missbrauch, hat dies ja letztes Jahr quasi <a href="http://skydaddy.wordpress.com/2010/03/16/manfred-lutz-eine-kleine-geschichte-des-grosten-wortklaubers/">in eigener Sache selbst deutlich gemacht</a>. Folgende Beispielfälle kommen mir sofort in den Sinn:</p>
<p><strong>Pater G. aus Ettal (2005)</strong></p>
<p>2005 hatten sich Schüler im Internat Ettal beschwert, dass Pater G. einen von ihnen unter dem T-Shirt gestreichelt hatte – angeblich, um den weinenden Schüler zu trösten. Auf Lütz‘ Anraten hin erstellte Prof. Friedemann Pfäfflin ein Gutachten, das dem Pater – Lütz zufolge – „Heterosexualität“ bescheinigte. <a href="http://skydaddy.wordpress.com/2010/03/16/manfred-lutz-eine-kleine-geschichte-des-grosten-wortklaubers/">Lütz</a>:</p>
<blockquote><p>Das Gutachten war eindeutig: Es lag noch nicht einmal der Verdacht auf sexuellen Missbrauch vor, keine Pädophilie, auch sonst keine Diagnose und daher keine Notwendigkeit für eine Therapie. Pater G. habe seine Probleme mit Nähe und Distanz bereits gut reflektiert und könne in der Seelsorge, sogar langfristig in der Jugendarbeit, selbst ohne Teameinbindung eingesetzt werden.</p></blockquote>
<p>Lütz <a href="http://skydaddy.wordpress.com/2010/03/16/manfred-lutz-eine-kleine-geschichte-des-grosten-wortklaubers/">zitiert</a> Prof. Pfäfflin mit den Worten:</p>
<blockquote><p>„Der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs war damals von keiner Seite erhoben worden. Auch bei der Begutachtung durch mich fanden sich diesbezüglich keine Anhaltspunkte. Das in Ihrem Fax von gestern geschilderte Vorgehen halte ich, um Ihre Frage zu beantworten, für angemessen und in Übereinstimmung mit den Vorschlägen in meinem Gutachten.“</p></blockquote>
<p><strong>Diesen Januar wurde <a href="http://www.sz-online.de/Nachrichten/Chemnitz/Sex-Anklage_gegen_Pater_G/articleid-2668614">gegen Pater G. Anklage erhoben</a>:</strong></p>
<blockquote><p>Die Vorwürfe gegen Pater G. sind inzwischen so verdichtet, dass die Münchner Justiz Anklage gegen den Mönch wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern erhob. Wie es heißt, habe er unter anderem einen 13 Jahren alten Schüler in Ettal gestreichelt.</p></blockquote>
<p>Zu derartigen Vorwürfen hatte Lütz letztes Jahr geschrieben:</p>
<blockquote><p>[Es] ist neuerdings von zwei Schülern behauptet worden, zwei andere Schüler seien von Pater G. unter der Unterhose an den Genitalien berührt worden. Da der Ermittler zugleich mitteilte, dass Pater G. ausweislich des Gutachtens heterosexuell sei, <strong>erscheint allein deshalb die Beschuldigung nicht wahrscheinlich.</strong> [Hervorhebung von mir.]</p></blockquote>
<p><strong>Pfarrer Georg K. aus Willingen bzw. Lobberich (</strong><strong>~</strong><strong>2004)</strong></p>
<p>Über Pfarrer Georg K. wurde <a href="http://www.an-online.de/sixcms/detail.php?template=an_detail&amp;id=1206116&amp;_wo=Nachrichten:Topnachrichten">berichtet</a>:</p>
<blockquote><p>In seinen Gemeinden am Niederrhein war K. diverse Male aufgefallen, weil er allein mit Minderjährigen auf Reisen ging, <strong>minderjährige Ministranten in seine private Sauna</strong> und zu Festen ins Pfarrhaus geladen oder zum <strong>gemeinsamen Duschen</strong> aufgefordert hatte. 2004 wäre es beinahe zum öffentlichen Eklat gekommen, als K. sein jugendliches Patenkind während einer Feier derart <strong>intensiv gestreichelt</strong> hatte, dass einige Teilnehmer der Feier sich über den Pfarrer beschwerten.</p>
<p>Der Pfarrgemeinderat von K.s damaliger Pfarre will sich daran erinnern, die Bistumszentrale in Aachen über die Besuche der <strong>Ministranten in der Pfarrhaussauna</strong> informiert zu haben. Josef Heinrichs jedoch, Sprecher des Bistums, erklärte am Freitag auf Anfrage dieser Zeitung, in Bezug auf Pfarrer K. habe man lediglich einen anonymen Hinweis erhalten, und zwar 2003. «Aber anonymen Hinweisen kann man nicht nachgehen», erklärte Heinrichs. [Hervorhebungen von mir.]</p></blockquote>
<p><strong>Georg K. wird mittlerweile in Südafrika wegen Kindesmissbrauch der Prozess gem</strong>acht – 2007 hatte er dort die deutsche Gemeinde in Johannesburg übernommen. <strong>Auch die Krefelder Staatsanwaltschaft hat kürzlich einen internationalen Haftbefehl gegen K. erwirkt.</strong> <a href="http://www.grenzlandnachrichten.de/index.php?id=43&amp;tx_ttnews%5bbackPid%5d=71&amp;tx_ttnews%5btt_news%5d=6798&amp;cHash=c627fed0a5695e4d520d1cb2f4156886">Sie wirft ihm sexuellen Missbrauch in 37 Fällen vor.</a></p>
<p><strong>Interessant wäre in diesem Fall, zu erfahren, ob Prof. Norbert Leygraf</strong> – der jetzt auch die von den deutschen Bischöfen in Auftrag gegebene Untersuchung „<a href="http://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/presse/2011-104b-Statement-Leygraf-PK-Missbrauch.pdf">Sexuelle Übergriffe durch Geistliche in der katholischen Kirche Deutschlands – Analyse psychiatrisch-psychologischer Gutachten</a>“ leitet, <strong>Georg K. begutachtet hat. </strong>Jedenfalls erwähnte Prof. Leygraf letztes Jahr auf einer Pressekonferenz, <a href="http://www.badische-zeitung.de/deutschland-1/debatte-um-missbrauch-die-katholische-kirche-und-die-transparenz--27459014.html">dass er einen Geistlichen begutachtet hat, bei dem Saunabesuche mit Jugendlichen Misstrauen erregt hatten</a> – und in diesem Fall offenbar keine strafrechtliche Relevanz festgestellt hat. Prof. Leygraf begutachtet seit 2003 auffällig gewordene Priester für die katholische Kirche, und die Pfarrei von Georg K. ist keine Autostunde von Leygrafs Institut entfernt.</p>
<p><strong>Pfarrer Andreas L. aus Salzgitter-Lebenstedt (2006)</strong></p>
<p>Andreas L. hatte zweimal mit einem Jungen zusammen in einem Bett übernachtet. Nachdem sich die Eltern beschwert hatten, verboten seine Vorgesetzten ihm den Kontakt mit dem Jungen. Auch nachdem L. kürzlich gegen das Kontaktverbot verstoßen hatte, sah man beim Bistum Hildesheim offenbar keinen Grund, L. <em>nicht</em> mit einer Jugendgruppe nach Taizé (Frankreich) fahren zu lassen. Weihbischof Bongartz wies in diesem Zusammenhang immer wieder darauf hin, dass es keine Beschuldigung <em>sexuellen</em> Missbrauchs gegeben habe:</p>
<blockquote><p>„Zunächst ist es so, dass wir in den vergangenen Jahren im Kontext dieses Vorgangs mit <strong>sexuellem</strong> Missbrauch in keiner Weise zunächst erst mal konfrontiert worden sind. Die Frage, ob es sich hier um <strong>sexuellen</strong> Missbrauch handeln könnte, haben wir im Jahre 2010 noch einmal auch mit der Staatsanwaltschaft abgeklärt, und dort ist uns nochmal auch eindeutig und unmissverständlich versichert worden, dass nach den jetzigen Angaben, die wir damals machen konnten, und den Tatsachen, die uns da bekannt waren, es keinen Grund für einen Anfangsverdacht gibt.</p>
<p>[...] In all diesen Kontexten ist dann allerdings, und das muss ich nochmal ausdrücklich betonen, nie von irgendwelchen <strong>sexuellen</strong> Übergriffen die Rede gewesen. [...]</p>
<p>Es ist so, dass in diesem Fall des mutmaßlichen Opfers es bislang auch seitens der Familie immer auch uns gegenüber geheißen hat, von <strong>sexuellem</strong> Missbrauch redet man nicht.“</p>
<p align="right"><a href="http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/bongartz107.html">Weihbischof Heinz-Günter Bongartz im NDR</a>, 19.07.2011</p>
</blockquote>
<blockquote><p>„Aber es hat auch bis vor drei Wochen auch in diesem Gespräch mit eben halt dem Pfarrer hier vor Ort keine Gründe gegeben für uns, <strong>sexuellen</strong> Missbrauch zu phantasieren und ihm vorzuwerfen. [...] Um sicher zu sein, ist das was hier eben halt vorliegt, so zu beurteilen, dass es nicht unter <strong>sexuellem</strong> Missbrauch eben halt auch firmieren kann. Das ist uns von der Staatsanwaltschaft mitgeteilt worden, dass das was dort an Vorkommnissen gewesen ist, was ich so in meiner Funktion als Priester nicht billigen würde, aber nicht ausreicht, um einen Verdacht <strong>sexuellen</strong> Missbrauchs aufzustellen.“</p>
<p align="right"><a href="http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/harz/missbrauch467.html">Weihbischof Heinz-Günter Bongartz im NDR</a>, 19.07.2011</p>
</blockquote>
<p>Es ist natürlich das gute Recht von Weihbischof Bongartz, darauf hinzuweisen, dass dem Pfarrer bisher (Bongartz zufolge) kein <em>strafbares</em> Verhalten vorgeworfen wurde. Das Problem des „sexuellen“ Kriteriums, dass in den oben genannten Fällen angelegt wurde, ist vielmehr, dass Pädophile sich gar nicht „sexuell“ betätigen müssen, um sich zu befriedigen:</p>
<blockquote><p>Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht bei der Pädophilie die primäre sexuelle Ausrichtung auf Kinder. Diese ist nicht zwingend koital ausgeprägt; <strong>Pädophile können bereits durch Situationen erregt und befriedigt werden, in denen kein Körperkontakt zu einem Kind besteht. Bei Situationen mit Körperkontakt kann bereits das Berühren des Kindes allein als erregend empfunden werden, ohne dass diese Berührungen im Genitalbereich stattfinden müssen. Der Wunsch nach dem Vollzug des Koitus mit dem Kind scheint bei Pädophilen seltener anzutreffen zu sein.</strong><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/P%C3%A4dophilie#cite_note-Vogt-26"><sup>[27]</sup></a></p>
<p>Neben dem sexuellen Interesse ist bei Pädophilen ein Bedürfnis nach emotionaler Nähe zu Kindern festzustellen. Viele Pädophile verlieben sich in Kinder und wünschen sich echte wechselseitige Liebesbeziehungen zu Kindern.<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/P%C3%A4dophilie#cite_note-Becker-29"><sup>[30]</sup></a><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/P%C3%A4dophilie#cite_note-avinus-30"><sup>[31]</sup></a> [...] Überproportional viele Pädophile arbeiten in entsprechenden Berufen, z. B. als Erzieher oder in der Jugendbetreuung, um Umgang mit Kindern zu haben. [<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/P%C3%A4dophilie#Aspekte_der_p.C3.A4dophilen_Sexualpr.C3.A4ferenz">Wikipedia</a>, Hervorhebung von mir.]</p></blockquote>
<p><strong>Es ist daher völlig verfehlt, wenn die katholische Kirche als Kriterium für ihre Personalentscheidungen die <em>Strafbarkeit</em> heranzieht statt der <em>Hinweise auf Pädophilie</em>.</strong></p>
<p>Im Mai wurde in den USA die von der dortigen Bischofskonferenz beauftragte Studie „<a href="http://www.usccb.org/mr/causes-and-context-of-sexual-abuse-minors-by-catholic-priests-in-the-united-states-1950-2010.pdf">The Causes and Context of Sexual Abuse of Minors by Catholic Priests in the United States, 1950-2010</a>“ veröffentlicht. Darin heißt es:</p>
<blockquote><p>It was common for abusive priests to create opportunities to be alone with minors, for example, during retreats. These men often integrated themselves into the families of the victims. [Executive Summary, S. 5]</p></blockquote>
<p>Auf Deutsch: <em>“Für Priester, die Minderjährige missbraucht haben, war es gängige Praxis, Gelegenheiten zu schaffen, um mit Minderjährigen allein zu sein – beispielsweise auf ‚Einkehrtagen‘. <strong>Diese Männer integrierten sich oft in die Familien der Opfer.</strong>“</em> Auch später in der Studie werden <strong>soziale Kontakte zu den Familien der Opfer</strong> als Merkmal straffälliger Priester erwähnt (S. 54). Auf S. 74 heißt es:</p>
<blockquote><p><strong>Einige Priester entwickelten Beziehungen mit bestimmten Familien in der Gemeinde und entwickelten eine persönliche Verbundenheit mit diesen Familien</strong> (z.B. verreisten sie mit ihnen, kamen dort zum Essen, übernachteten dort).</p></blockquote>
<p>Dieses Wissen und dem Umstand vor Augen, dass das Bistum Hildesheim bereits <a href="http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/missbrauch465.html">vor einigen Jahren</a> einen „<a href="http://www.bistum-hildesheim.de/bho/dcms/sites/bistum/seelsorge/beratung/missbrauch.html">Beraterstab</a>“ zum sexuellen Missbrauch bildete (dessen Mitglied Weihbischof Bongartz ist), erscheinen die folgenden Ausführungen reichlich naiv, die Bongartz noch vor ein paar Tagen machte:</p>
<blockquote><p>„Also, diese Hinweise, die dort auch noch mal 2010 an die Staatsanwaltschaft gegeben worden sind, haben sich auf <strong>ein freundschaftliches Verhältnis des Pfarrers zu dieser Familie</strong> bezogen, das vor 2006 lag. Im Jahre 2006, als es in dieser Familie den Wunsch gab, doch ein distanzierteres Verhältnis zu dem Pfarrer einzunehmen, hat es von unserer Seite aus eine Ansage gegeben an den Pfarrer, dieses Verhältnis nicht mehr weiterhin zu leben. Das ist dann auch erfolgt, und wir haben dem Pfarrer klare Auflagen gemacht, an die er sich auch gehalten hat – bis vor drei Wochen, wo er nochmal versucht hat, mit dem Jungen Kontakt aufzunehmen und wir ihn erneut darauf hingewiesen haben, dass er das zu unterlassen habe.“ [Hervorhebung von mir.]</p>
<p align="right"><a href="http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/bongartz107.html">Weihbischof Heinz-Günter Bongartz im NDR</a>, 19.07.2011</p>
</blockquote>
<p>Mit anderen Worten: Pfarrer Andreas L. hat</p>
<ul>
<li>ein „freundschaftliches Verhältnis“ zu der Familie des Jungen unterhalten</li>
<li>regelmäßig Jugendreisen geleitet</li>
<li>zweimal mit dem Jungen in einem Bett geschlafen</li>
<li>Das Bistum sah sich genötigt, ein Kontaktverbot auszusprechen.</li>
<li>Gegen dieses Kontaktverbot hat Pfarrer L. verstoßen.</li>
</ul>
<p>Trotz dieser deutlichen Warnzeichen weist Bongartz immer nur darauf hin, dass er nichts von „sexuellen“ Übergriffen gewusst habe – und ignoriert das Thema „Pädophilie“ völlig.</p>
<p><strong>Das Problem hierbei ist, dass offenbar der gefährliche Umkehrschluss gezogen wird: Wenn der Beschuldigte nicht <em>straffällig</em> geworden ist (also kein <em>sexueller</em> Übergriff), dann sei er auch <em>ungefährlich</em>.</strong> Oder wie anders ist es zu erklären, dass <strong>Pater G.</strong> bescheinigt wurde, er könne „langfristig in der Jugendarbeit, selbst ohne Teameinbindung eingesetzt werden“ (s.o.)? Dass <strong>Georg K.</strong> trotz Ministranten in seiner Privatsauna und aufsehenerregenden Streichelns weiter mit Kindern eingesetzt wurde? Dass Prof. Leygraf „Misstrauen erregende Saunabesuche mit Minderjährigen“ offenbar als Beispiel für einen <em>unbegründeten</em> Verdacht brachte? Dass <strong>Andreas L.</strong> trotz mehrfachen Schlafens im Bett eines Jungen und Verstoß gegen das Kontaktverbot weiter mit Jugendlichen verreisen durfte? Alles übrigens Fälle <em>nach</em> der Verabschiedung der bischöflichen Leitlinien zum sexuellen Missbrauch 2002, der Salzgitter-Fall sogar nach Verabschiedung der überarbeiteten Leitlinien 2010.</p>
<p>Im aktuellen Fall von Andreas L. sagte dazu der Sprecher des Bistums Hildesheim, Dr. Michael Lukas:</p>
<blockquote><p>So wirkt es zumindest unglücklich, dass der Pfarrer weiter mit Jugendlichen verreisen durfte. &#8222;Was hätten wir tun sollen?&#8220;, fragt Lukas, &#8222;auf welcher Faktenbasis hätten wir ihm das verbieten sollen?&#8220; [<a href="http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,774985,00.html">SPIEGEL ONLINE</a>]</p></blockquote>
<p><strong>Das klang freilich letztes Jahr noch ganz anders,</strong> als Prof. Leygraf und Dr. Lütz auf einer Pressekonferenz bei der Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe den anwesenden Journalisten <a href="http://www.badische-zeitung.de/deutschland-1/debatte-um-missbrauch-die-katholische-kirche-und-die-transparenz--27459014.html">erklärten</a>, die Leitlinien müssten „offenbar funktionieren“ (Leygraf). Und weiter:</p>
<blockquote><p>&#8222;Der Umgang der Kirche mit diesen Fällen ist doch sehr sorgfältig und fast schon etwas übervorsichtig&#8220;, sagt Leygraf.</p></blockquote>
<p>Und Dr. Lütz erklärte:</p>
<blockquote><p>Wenn ein Gutachter zum Ergebnis komme, dass von einem Geistlichen keine Gefahr ausgehe, sei der Bischof damit noch nicht aus der Verantwortung entlassen, betont Lütz. <strong>&#8222;Der Bischof muss strenger sein als das Gutachten.&#8220;</strong> Aber er sagt auch: &#8222;Das kommt nicht selten vor.&#8220; [Hervorhebung von mir.]</p></blockquote>
<p>Also: Als <strong>letztes Jahr</strong> der Kirche vorgeworfen wurde, sie täte nicht genug, um Missbräuche zu verhindern oder aufzuklären, da hieß es, der Umgang der Kirche mit diesen Fällen sei <strong>„doch sehr sorgfältig und geradezu übervorsichtig“</strong>, und der Bischof müsse <strong>„strenger sein als das Gutachten“</strong> – auch, wenn letzteres die Ungefährlichkeit eines Geistlichen bescheinige. Doch <strong>dieses Jahr</strong> – nach der Verschärfung der bischöflichen Leitlinien – als mal wieder ein mehrfacher Missbrauchsfall ans Licht kommt, da kriegt man gesagt: <strong>„Was hätten wir tun sollen?“</strong> und <strong>„Auf welcher Faktenbasis hätten wir ihm das verbieten sollen?“</strong> – Seitdem ist eine Woche vergangen, ohne dass die deutschen Bischöfe dem Hildesheimer Bistumssprecher widersprochen hätten.</p>
<p>Die Bischöfe gefährden mit diesem systematischen Wegschauen nicht nur die ihnen anvertrauten Kinder – sie verletzen m.E. auch die Fürsorgepflicht gegenüber den Priestern. Wenn pädophile Priester wissen, dass sie praktisch gefahrlos</p>
<ul>
<li>Kinder unter der Kleidung streicheln,</li>
<li>mit Messdienern in die Pfarrhaussauna gehen und</li>
<li>mit Kindern im selben Bett schlafen können,</li>
</ul>
<p>dann ist das so, als würde man einen Alkoholiker als Barkeeper anstellen und ihm sagen, er solle beim Trinken „seine Grenzen kennen“.</p>
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			<media:title type="html">Bongartz beim NDR</media:title>
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	</item>
		<item>
		<title>Experten mit Scheuklappen (1): Prof. Christian Pfeiffer</title>
		<link>http://skydaddy.wordpress.com/2011/07/22/experten-mit-scheuklappen-1-prof-christian-pfeiffer/</link>
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		<pubDate>Fri, 22 Jul 2011 20:26:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Prof. Christian Pfeiffer, der von den deutschen Bischöfen mit einer Untersuchung beauftragt wurde, u.a. Einflussfaktoren zum sexuellen Missbrauch zu erfassen, zeigt sich geradezu sträflich blind für offensichtliche Zusammenhänge, die er selbst erläutert. Die deutschen Bischöfe haben Forschungsprojekte zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im Bereich der deutschen Diözesen in Auftrag gegeben – „ehrliche Aufklärung, frei von falscher [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&amp;blog=10467017&amp;post=3833&amp;subd=skydaddy&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:center;"><strong><a href="http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/niedersachsen_1800/ndsmag8601.html"><img class="aligncenter size-full wp-image-3840" title="Prof. Christian Pfeiffer" src="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/07/pfeiffer-beim-ndr.jpg?w=450&#038;h=252" alt="" width="450" height="252" /></a></strong></p>
<p><strong>Prof. Christian Pfeiffer, der von den deutschen Bischöfen mit einer Untersuchung beauftragt wurde, u.a. Einflussfaktoren zum sexuellen Missbrauch zu erfassen, zeigt sich geradezu sträflich blind für offensichtliche Zusammenhänge, die er selbst erläutert.</strong></p>
<p>Die deutschen Bischöfe haben <a href="http://www.dbk.de/presse/details/?presseid=1876&amp;cHash=795764615f442c50943978e6bfa91c1a">Forschungsprojekte zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs</a> im Bereich der deutschen Diözesen in Auftrag gegeben – „<a href="http://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/presse/2011-104a-Statement-Ackermann-PK-Missbrauch.pdf">ehrliche Aufklärung, frei von falscher Rücksichtnahme</a>” durch „<a href="http://www.dbk.de/presse/details/?presseid=1876&amp;cHash=795764615f442c50943978e6bfa91c1a">unabhängige Experten</a>“.</p>
<p><a href="http://skydaddy.wordpress.com/2011/07/11/interessenkonflikte-bei-missbrauchs-untersuchung/">Ich hatte ja neulich schon darauf hingewiesen</a>, dass die drei federführenden Experten – <strong>Prof. Norbert Leygraf</strong>, <strong>Prof. Christian Pfeiffer</strong> und <strong>Prof. Hans-Ludwig Kröber</strong> – in der Vergangenheit mit Statements an die Öffentlichkeit getreten sind, die den Eindruck erwecken, dass diese Herren zugunsten der Kirche auch mal die intellektuelle Redlichkeit hintanstellen.</p>
<p>Anlässlich des jetzt bekannt gewordenen <a href="http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/harz/missbrauch467.html">Falls des Pfarrers Andreas L. aus Salzgitter</a>, der in den letzten Jahren mindestens drei Jugendliche missbraucht hat, hat Prof. Pfeiffer jetzt noch einmal nachgelegt und unter Beweis gestellt, dass er zugunsten der katholischen Kirche durchaus auch das Gegenteil des Offensichtlichen insinuiert. <a href="http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/niedersachsen_1800/ndsmag8601.html">Pfeiffers 90 Sekunden-Auftritt im NDR</a> vom 18. Juli 2011 muss man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen. Vor dem großen Finale allerdings ein paar Anmerkungen am Rande:</p>
<p>Pfeiffer hatte zugunsten der Kirche ja letztes Jahr schon darauf hingewiesen, dass nur 0,1 Prozent der seit 1995 des Missbrauchs Beschuldigten Priester seien. In dem besagten <a href="http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/niedersachsen_1800/ndsmag8601.html">NDR-Interview</a> liefert ihm die Moderatorin nicht nur eine Steilvorlage, um diesen Sachverhalt noch einmal zu wiederholen – sie weist auch gleich noch einmal selbst darauf hin, dass der Großteil der Beschuldigten <em>keine</em> Priester seien:</p>
<blockquote><p><strong>Moderatorin:</strong> Nun hört man ja viel von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche – wie häufig sind diese Fälle eigentlich, auf den gesamten Missbrauch sozusagen gesehen?</p>
<p><strong>Prof. Christian Pfeiffer:</strong> In den letzten 15 Jahren ganze 0,1 Prozent aller bekannt gewordenen Fälle sind Priestern zuzurechnen. Es mag sein, dass die seltener angezeigt werden, von daher machen wir ja diese Riesenforschung – um rauszufinden, wie es im Dunkelfeld der nicht angezeigten Fälle aussieht. Aber trotzdem: Es würde mich überraschen, wenn der Anteil der Priester über 1 Prozent läge.</p>
<p><strong>Moderatorin: </strong>Das heißt also 99 Prozent werden tatsächlich woanders begangen?</p>
<p><strong>Prof. Christian Pfeiffer:</strong> Richtig. Aber die Bevölkerung glaubt, jeder dritte Fall ist ein Priester – weil es uns so entsetzt, und weil dann intensiv berichtet wird. Dadurch entsteht der falsche Eindruck, die Kirche würde einen ganz großen Anteil des Missbrauchs zu verantworten haben – was sicherlich nicht stimmt.</p></blockquote>
<p>Wieder blendet Prof. Pfeiffer den Umstand aus, dass der Anteil der Priester an der in Frage kommenden Bevölkerungsgruppe unter 0,1 Prozent liegen dürfte und Priester somit im Vergleich zu ihrem Bevölkerungsanteil überproportional stark in der Statistik vertreten sind. <a href="http://skydaddy.wordpress.com/2010/03/16/katholische-priester-uberdurchschnittlich-oft-padokriminell/">Ich hatte ja letztes Jahr einen Priesteranteil von 0,066 Prozent geschätzt</a>, was bedeutet, dass Priester 1,5 mal häufiger verdächtigt werden, als es ihrem Bevölkerungsanteil entspricht. Bei einem Anteil von 1 Prozent an den Tätern, wie Pfeiffer ihn als Obergrenze nennt, wären sie sogar <em>15 mal häufiger</em> übergriffig, als es ihrem Bevölkerungsanteil entsprechen würde.</p>
<p>Das besondere öffentliche Interesse an den Priestern ist also durchaus berechtigt. Für besorgte Eltern kommt noch hinzu, dass die Frage, ob man sein Kind einem Geistlichen oder einer kirchlichen Einrichtung anvertraut, selbst entschieden werden kann und deshalb von größerem Interesse ist als der Großteil der Missbräuche, die in der Familie vorkommen und denen deshalb nicht so einfach vorgebeugt werden kann wie einem Missbrauch durch Geistliche.</p>
<p>Im Einklang mit den übrigen Kirchen-Fürsprechern ignoriert Prof. Pfeiffer auch, dass die öffentliche Empörung über die Missbräuche gerade in kirchlichen Einrichtungen wohl weniger die Missbräuche selbst betrifft als vielmehr den Umstand, dass die katholische Kirche damit jahrzehntelang und weltweit äußerst nachlässig umgegangen ist – <em><a href="http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,775615,00.html">gelinde gesagt</a>.</em></p>
<p>Pfeiffer sagt aber auch etwas (für deutsche Verhältnisse) Neues:</p>
<blockquote><p><strong>Moderatorin:</strong> Gibt es eigentlich Strukturen in der katholischen Kirche, die diese Fälle forcieren – also die das begünstigen?</p>
<p><strong>Prof. Christian Pfeiffer:</strong> Möglicherweise hat früher Zölibat eine gewichtige Rolle gespielt, aber in den USA haben wir einen Rückgang auf ein Viertel des früheren Umfangs, obwohl Zölibat unverändert weiter gegolten hat, weil in der Gesellschaft Liberalität im Umgang mit Sexualität immer ausgeprägter ist, und dann muss man sich nicht mehr an Kindern vergreifen, wenn man schon gegen Zölibat verstoßen will.</p></blockquote>
<p>Pfeiffer zufolge ist also der sexuelle Missbrauch von Minderjährigen deshalb massiv zurückgegangen, weil es den Priestern durch die zunehmende Liberalisierung heute möglich sei, mit <em>Erwachsenen</em> Sex zu haben. (Soll wohl heißen: Es stört sich heute keiner mehr daran, wenn ein Priester eine Geliebte oder einen Geliebten hat – sofern er das nicht an die große Glocke hängt.) Anders ausgedrückt: Der Zölibat ist kein Problem, wenn man ihn nicht ernst nimmt. <strong>Daraus kann man aber nur den Schluss ziehen, dass der Zölibat eben doch massiv zum Missbrauch von Kindern beigetragen hat.</strong> (In Pfeiffers Worten: „Möglicherweise früher“.) Glaubt Prof. Pfeiffer, dass sich heute <em>kein</em> Priester mehr „ersatzweise“ an Kindern vergreift? <strong>Ab wie vielen „ersatzweise“ missbrauchten Kindern würde Prof. Pfeiffer den Zölibat als problematisch sehen? 10? 100? 1000?</strong></p>
<p>Pfeiffers Aussage ist schon allein deshalb infam, weil die sexuelle Liberalisierung wohl in erster Linie in westlichen Ländern stattgefunden haben dürfte. Ich nehme mal an, in osteuropäischen, asiatischen und afrikanischen Ländern dürfte die von Pfeiffer angesprochene Liberalität noch deutlich hinterherhinken, was Pfeiffers eigener Statistik zufolge mit einem erhöhten „ersatzweisen“ Kindesmissbrauch einhergehen dürfte – und zwar <em>heute noch!</em></p>
<p><strong>Für deutsche Eltern ist dies auch deshalb von Interesse,</strong> <a href="http://www.forum-weltkirche.de/de/artikel/11274.auslaendische-priester-in-deutschland.html">weil der Anteil ausländischer Priester in deutschen Diözesen bereits bis zu 15 Prozent beträgt</a>. Da <a href="http://www.google.com/url?sa=t&amp;source=web&amp;cd=2&amp;ved=0CB4QFjAB&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.erzbistum-koeln.de%2Fseelsorgebereiche%2Fdownloads%2Fwandel_gestalten_glauben_entfalten%2Fcategory_a%2Fsubcategory_2%2FPrognose_Peronalentwicklung.pdf&amp;ei=N8ApTqjkDMKDmQWO4q2HDA&amp;usg=AFQjCNFJDi8UdOD7hedtdvJm1Uy-bN-rMw&amp;sig2=WOZO3dR7AEUb0GpxnJbigw">mindestens die Hälfte der deutschen Priester über 60 Jahre alt sein dürfte</a> und die ausländischen Priester jünger, dürfte der Anteil der ausländischen Priester in der normalen Gemeindearbeit bis zu einem Drittel betragen. <a href="http://www.forum-weltkirche.de/de/artikel/11274.auslaendische-priester-in-deutschland.html">Davon kommt fast ein Drittel aus Indien, ein weiteres Viertel aus Polen, 10 Prozent aus Afrika.</a> Ob die von Prof. Pfeiffer angeführte „Liberalität im Umgang mit Sexualität“ dort auch schon so weit fortgeschritten ist?</p>
<p>Derlei Spekulationen sind allerdings müßig, denn Prof. Pfeiffer hatte sich zuvor bereits selbst widerlegt. Unmittelbar vor dem obigen Austausch sagte er nämlich folgendes:</p>
<blockquote><p><strong>Moderatorin:</strong> Herr Pfeiffer, jetzt kommen ja noch aktuelle Fälle dazu. Ist jetzt dieser Fall typisch?</p>
<p><strong>Prof. Christian Pfeiffer: </strong>Er ist insoweit nicht typisch, als die meisten Täter, die im letzten Jahr bekannt geworden sind, sich eher ersatzweise an den Kindern vergriffen haben, nicht unbedingt Pädophile sind. Nach allem, was wir bisher wissen. Und hier scheint es sich doch klar um jemanden zu handeln, der fixiert ist auf Kinder.</p></blockquote>
<p>Mit anderen Worten: <strong>Prof. Pfeiffer zufolge waren die meisten Täter, die im letzten Jahr bekannt geworden sind, gar nicht auf Kinder fixiert, sondern haben sich <em>ersatzweise</em> an ihnen vergriffen.</strong> Das steht aber in direktem Gegensatz zu seinem Statement gleich darauf, wo er sagt:</p>
<blockquote><p>„[Heute] muss man sich nicht mehr an Kindern vergreifen, wenn man schon gegen Zölibat verstoßen will.“</p></blockquote>
<p>Aus dem von Prof. Pfeiffer angeführten Rückgang des Kindesmissbrauchs im Zuge der sexuellen Liberalisierung in den USA ergibt sich, dass der Zölibat tatsächlich ersatzweisen Missbrauch fördert, und dementsprechend in Ländern, die weniger liberal sind, nach wie vor zu Kindesmissbräuchen führen dürfte. Und Pfeiffer sagt selbst, dass die meisten Täter sich <em>ersatzweise</em> an Kindern vergriffen haben. Trotzdem antwortet er auf die Frage nach missbrauchsfördernden Strukturen in der katholischen Kirche:</p>
<blockquote><p>Möglicherweise hat früher Zölibat eine gewichtige Rolle gespielt, aber [...] weil in der Gesellschaft Liberalität im Umgang mit Sexualität immer ausgeprägter ist, [...] muss man sich nicht mehr an Kindern vergreifen, wenn man schon gegen Zölibat verstoßen will.</p></blockquote>
<p>Drei Fragen, drei Antworten:</p>
<ul>
<li>Pädophilie ist „nicht typisch“ für Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche</li>
<li>Der Zölibat ist (zumindest heute) kein Grund mehr für Missbrauch</li>
<li>Der Anteil der Priester an der Gesamtzahl der Täter ist verschwindend gering</li>
</ul>
<p>Das hätte der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz auch nicht besser vermitteln können. Das Problem ist nur:</p>
<ul>
<li>Punkt eins ist reine Wortklauberei: Welche Unterschied macht es, ob ein Kind von einem Pädophilen oder „nur ersatzweise“ missbraucht wird?</li>
<li>Punkt zwei dürfte schlicht und ergreifend falsch sein – Pfeiffers eigenen Informationen zufolge.</li>
<li>Punkt drei übersieht geflissentlich, dass Priester vermutlich <em>überdurchschnittlich</em> oft auffällig werden.</li>
</ul>
<p>Das ist der „Experte“, der das Forschungsprojekt „<a href="http://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/presse/2011-104c-Konzept-Pfeiffer-PK-Missbrauch.pdf">Der sexuelle Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz</a>“ leiten soll. Unter anderem mit dem Ziel „die Bedeutung der Einflussfaktoren zu erfassen, die ihre Taten gefördert haben.“</p>
<p>**************</p>
<p>Hier das von mir transkribierte Interview:<br />
<em><span id="more-3833"></span></em></p>
<p><strong><a href="http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/niedersachsen_1800/ndsmag8601.html">&#8222;Weniger Missbrauche als gedacht&#8220;</a>, NDR 18.07.2011 18:00 Uhr</strong></p>
<p>[1:52] <strong>Moderatorin:</strong> Die katholische Kirche will sexuellen Missbrauch in ihren Einrichtungen aufarbeiten lassen, und zwar durch das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen unter der Leitung von Professor Christian Pfeiffer.</p>
<p>Herr Pfeiffer, jetzt kommen ja noch aktuelle Fälle dazu. Ist jetzt dieser Fall typisch?</p>
<p><strong>Prof. Christian Pfeiffer:</strong> Er ist insoweit nicht typisch, als die meisten Täter, die im letzten Jahr bekannt geworden sind, sich eher ersatzweise an den Kindern vergriffen haben, nicht unbedingt Pädophile sind. Nach allem, was wir bisher wissen. Und hier scheint es sich doch klar um jemanden zu handeln, der fixiert ist auf Kinder.</p>
<p><strong>Moderatorin:</strong> Gibt es eigentlich Strukturen in der katholischen Kirche, die diese Fälle forcieren – also die das begünstigen?</p>
<p><strong>Prof. Christian Pfeiffer:</strong> Möglicherweise hat früher Zölibat eine gewichtige Rolle gespielt, aber in den USA haben wir einen Rückgang auf ein Viertel des früheren Umfangs, obwohl Zölibat unverändert weiter gegolten hat, weil in der Gesellschaft Liberalität im Umgang mit Sexualität immer ausgeprägter ist, und dann muss man sich nicht mehr an Kindern vergreifen, wenn man schon gegen Zölibat verstoßen will.</p>
<p><strong>Moderatorin:</strong> Nun hört man ja viel von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche – wie häufig sind diese Fälle eigentlich, auf den gesamten Missbrauch sozusagen gesehen?</p>
<p><strong>Prof. Christian Pfeiffer:</strong> In den letzten 15 Jahren ganze 0,1 Prozent aller bekannt gewordenen Fälle sind Priestern zuzurechnen. Es mag sein, dass die seltener angezeigt werden, von daher machen wir ja diese Riesenforschung – um rauszufinden, wie es im Dunkelfeld der nicht angezeigten Fälle aussieht. Aber trotzdem: Es würde mich überraschen, wenn der Anteil der Priester über 1 Prozent läge.</p>
<p><strong>Moderatorin:</strong> Das heißt also 99 Prozent werden tatsächlich woanders begangen?</p>
<p><strong>Prof. Christian Pfeiffer:</strong> Richtig. Aber die Bevölkerung glaubt, jeder dritte Fall ist ein Priester – weil es uns so entsetzt, und weil dann intensiv berichtet wird. Dadurch entsteht der falsche Eindruck, die Kirche würde einen ganz großen Anteil des Missbrauchs zu verantworten haben – was sicherlich nicht stimmt.</p>
<p><strong>Moderatorin:</strong> Wir sind sehr gespannt, was bei Ihren Studien rauskommen wird. Vielen Dank Herr Professor, dass Sie bei uns waren.</p>
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		<item>
		<title>Interessenkonflikte bei Missbrauchs-Untersuchung</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Jul 2011 21:17:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die deutschen Bischöfe haben angekündigt, sexuelle Missbräuche von „unabhängigen“ (SPIEGEL Online) Experten untersuchen zu lassen. Allerdings dürften die maßgeblich Beteiligten kein Interesse daran haben, dass irgendetwas Kritisches dabei herauskommt. Wundert das irgendwen? Nachdem Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger letztes Jahr zu Beginn der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz, am Abend des 22. Februars 2010, in den „Tagesthemen“ die Verantwortlichen [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&amp;blog=10467017&amp;post=3817&amp;subd=skydaddy&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die deutschen Bischöfe haben angekündigt, sexuelle Missbräuche von „unabhängigen“ (<a href="http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,773423,00.html">SPIEGEL Online</a>) Experten untersuchen zu lassen. Allerdings dürften die maßgeblich Beteiligten kein Interesse daran haben, dass irgendetwas Kritisches dabei herauskommt. Wundert das irgendwen?</strong></p>
<p>Nachdem Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger letztes Jahr zu Beginn der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz, am Abend des 22. Februars 2010, in den „Tagesthemen“ die Verantwortlichen in der katholischen Kirche <a href="http://skydaddy.wordpress.com/2010/02/24/ultimative-unverschamtheit/">für ihre mangelnde Zusammenarbeit mit den staatlichen Ermittlungsbehörden</a> kritisiert hatte, präsentierten die deutschen Bischöfe Journalisten nur Stunden später (am 23. Februar) drei Experten, die bestätigen sollten, dass die 2002 von der Bischofskonferenz beschlossenen <a href="http://www.internetpfarre.de/blog/archives/165-SEXUELLER-MISSBRAUCH-LEITLINIEN-DER-DEUTSCHEN-BISCHOFSKONFERENZ-HABEN-SICH-SEIT-FUENF-JAHREN-BEWAEHRT.html">Leitlinien zum sexuellen Missbrauch</a> „funktionierten“. Es waren dies der Kölner Psychiater und Theologe <strong>Dr. Manfred Lütz</strong> – der die Bischöfe zum Thema &#8222;sexueller Missbrauch&#8220; berät und somit über <em>seine eigene Arbeit</em> urteilte –, „Deutschlands bester Psychiater“ (<a href="http://www.bild.de/regional/duesseldorf/kriminalfall-mirco/psychiater-untersucht-moerder-16381748.bild.html">BILD</a>) <strong>Prof. Norbert Leygraf</strong> von der Universität Essen-Duisburg, sowie Direktor Dietfried Scherer von der Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg.</p>
<p>Ob diese Veranstaltung kurzfristig als Reaktion auf die Kritik der Bundesjustizministerin anberaumt worden oder bereits längerfristig geplant war, entzieht sich meiner Kenntnis. In der <a href="http://www.kathnews.de/content/index.php/2010/02/04/dbk-vollsersammlung-in-freiburg/">Ankündigung</a> der Frühjahrs-Vollversammlung, keine drei Wochen vorher – eine Woche nach dem Bekanntwerden der sexuellen Übergriffe am Berliner Canisius-Kolleg – rangierte das Thema „Sexueller Missbrauch“ jedenfalls noch unter „ferner liefen“.</p>
<p>Jedenfalls erklärte Prof. Leygraf am 23. Februar 2010 gemäß der <a href="http://www.badische-zeitung.de/deutschland-1/debatte-um-missbrauch-die-katholische-kirche-und-die-transparenz--27459014.html">Badischen Zeitung</a>:</p>
<blockquote><p>&#8222;Diese Leitlinien&#8220;, sagt Leygraf [...], &#8222;müssen offenbar funktionieren, denn unter den bekannt gewordenen Fällen ist keiner als Rückfall aufgetreten.&#8220;</p></blockquote>
<p>Mal abgesehen von dem eigenartigen Kriterium für das Funktionieren der Leitlinien – das Verhindern von Rückfällen ist ja wohl nicht deren Hauptaufgabe – <strong>stimmte Leygrafs Behauptung so jedenfalls schon damals nicht:</strong></p>
<p>In dem sog. <strong>„<a href="http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,541374,00.html">Riekofen-Fall</a>“</strong> (Bistum Regensburg) war der Pfarrer Peter K. <strong>2008</strong> wegen des Missbrauchs eines Ministranten zu drei Jahren Haft und psychiatrischer Unterbringung verurteilt worden, nachdem er <strong>bereits 2000</strong> wegen ähnlicher Vorfälle zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt worden war. Entgegen der Leitlinien war Peter K. weiter in der Arbeit mit Kindern eingesetzt, seine neue Gemeinde war nicht informiert worden.</p>
<p>Ebenfalls <strong>2008</strong> war ein Ermittlungsverfahren gegen den Pfarrer <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Peter_Hullermann"><strong>Peter Hullermann</strong> </a>(Erzbistum München und Freising) eingeleitet worden, Erzbischof Marx ließ ein psychiatrisches Gutachten erstellen, Hullermann wurde in die Tourismusseelsorge nach Bad Tölz versetzt und ihm wurde untersagt, Kinder- Jugend- und Ministrantenarbeit auszuüben. (Später stellte sich allerdings heraus, dass Hullermann auch dort in Vertretung Jugendgottesdienste durchgeführt hat, Mitte März – nur drei Wochen nach Prof. Leygrafs obigem Statement – wurde er suspendiert.) Hullermann hatte nach gegen ihn erhobenen Vorwürfen <strong>bereits 1979 gestanden</strong>, Kinder missbraucht zu haben, unterzog sich daraufhin einer Therapie und wurde in die Erzdiözese München und Freising versetzt – unter Erzbischof Joseph Ratzinger, dem jetzigen Papst Benedikt XVI. Dort arbeitete er wenig später wieder mit Kindern.</p>
<p><strong>Beide Rückfälle wurden 2008 bekannt, Prof. Leygraf müsste also von ihnen Kenntnis gehabt haben</strong>, zumal er seit 2003 für die katholische Kirche auffällige Pfarrer begutachtet. Zwar könnte Leygraf seine obige Aussage möglicherweise damit rechtfertigen, dass die jeweils ersten Fälle noch vor der Verabschiedung der bischöflichen Leitlinien im Herbst 2002 bekannt wurden – dann erwiese sich sein Kriterium „kein Täter wurde rückfällig“ allerdings als völlig unsinnig, denn wie realistisch ist es, dass ein Täter <em>innerhalb von sieben Jahren</em> (Verabschiedung der Leitlinien am 26.9.2002 bis zu Leygrafs Statement am 23.2.2010) auffliegt, ggf. seine Strafe verbüßt, rückfällig wird und dies bekannt wird?</p>
<p><strong>Prof. Leygraf ist einer der Experten, die von den deutschen Bischöfen mit der „wissenschaftlichen Aufarbeitung“ des Missbrauchsskandals beauftragt wurden.</strong> Er wird wohl kaum zu dem Schluss kommen, dass die Leitlinien – entgegen seinem Statement vor einem Jahr – <em>nicht</em> funktioniert haben.</p>
<p><strong>Der andere Experte ist Prof. Christian Pfeiffer vom Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN).</strong> Pfeiffer, von dem im Internet auch mal eine – mittlerweile entfernte – <a href="http://cdl.niedersachsen.de/blob/images/C26425732_L20.pdf">Predigt</a> zum Thema „Verbot von Killerspielen“ existierte, schrieb am 14. März 2010 in der <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/missbrauch-in-der-katholischen-kirche-drei-promille-aller-taeter-1.24359">Süddeutschen Zeitung</a> –, die katholische Kirche habe „kein primär quantitatives, sondern vor allem ein qualitatives Problem“ und verwies darauf, dass nur 1 Promille der des sexuellen Missbrauchs Verdächtigten katholische Priester seien. <strong>Allerdings „vergaß“ Prof. Pfeiffer, diese Zahl in Bezug zum Priesteranteil an den potenziellen Tätern zu setzen:</strong> Wie ich <a href="http://skydaddy.wordpress.com/2010/03/16/katholische-priester-uberdurchschnittlich-oft-padokriminell/">hier</a> gezeigt habe, dürfte der Anteil der Priester an den (vermutlich hauptsächlich als Täter infrage kommenden) Männern über 30 Jahre nur 0,66 Promille betragen – somit wären Priester ca. 40% öfter verdächtig als der Durchschnitt. Und Pfeiffers Verdächtigenzahlen (aus dem SPIEGEL Nr. 6 vom 8. Februar 2010) stammen noch aus der Zeit, <em>bevor</em> die Masse der Missbräuche 2010 bekannt wurde.</p>
<p>Erst vor kurzem machte Pfeiffer mal wieder von sich reden, als er mit der These an die Öffentlichkeit trat, <a href="http://www.ad-hoc-news.de/katholische-jugendliche-sind-gewaltfreier--/de/News/22264957">katholische Jugendliche seien gewaltfreier</a>. (Domradio meldete: <strong>„<a href="http://www.domradio.de/aktuell/74513/mehr-ministranten-weniger-gewalt.html">Mehr Ministranten = weniger Gewalt</a>“</strong>.) Nun mag es zwar durchaus einen Zusammenhang zwischen Gewalttätigkeit und Kirchlichkeit oder Katholizismus geben. Der Grund dafür dürfte allerdings im <strong>Stadt-Land-Gefälle</strong> liegen: In Städten ist die Kriminalität höher als auf dem Land  und die Kirchlichkeit niedriger. Das heißt allerdings nicht, dass die Kirchlichkeit die Straftaten verhindert, sondern dürfte ganz einfach daran liegen, dass die Anonymität der Stadt sowohl Straftaten begünstigt als auch den Kirchenaustritt. Ein Zusammenhang ist nicht gleichbedeutend mit einem <em>Wirkungs</em>zusammenhang: <strong>Korrelation ist nicht gleich Kausalität – diese statistische Binsenweisheit müsste Prof. Pfeiffer eigentlich bekannt sein.</strong></p>
<p>Sowohl Pfeiffers „1 Promille“-Artikel als auch seine Behauptung, katholische Jugendliche seien weniger gewalttätig, erwecken den Eindruck von Gefälligkeiten für die katholische Kirche, und beide weisen methodische Mängel auf. Habe ich erwähnt, dass Prof. Pfeiffer der andere Experte ist, der die Missbräuche in den deutschen Bistümern „wissenschaftlich aufarbeiten“ soll?</p>
<p><a href="http://www.n-tv.de/politik/Katholische-Kirche-will-Klaerung-article3776606.html">Ein Team von Pfeiffers Institut</a>, bestehend aus pensionierten Staatsanwälten und Richtern, soll alle Personalakten der katholischen Diözesen aus den letzten zehn Jahren – in neun Bistümern sogar zurück bis ins Jahr 1945 – auswerten, um mit den möglichen Opfern und Tätern Kontakt aufzunehmen. Dazu sollen in einem ersten Schritt <strong>Kirchenmitarbeiter</strong> die Akten „unter Aufsicht [des] KFN-Teams“ auf Hinweise zu sexuellen Übergriffen durchsuchen.</p>
<p>Man fragt sich natürlich, was da – ein Jahr nach dem Höhepunkt des Missbrauchsskandals – noch zu finden sein soll. Insbesondere, nachdem z.B. <a href="http://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchen/erzbistum-muenchen-bericht-ueber-missbrauch-ein-schritt-zur-wahrheit-1.1032935">bekannt wurde</a>, dass in der Erzdiözese München und Freising <strong>systematisch Akten vernichtet und ausgelagert hat</strong>, Taten geschönt und offenbar homosexuelle Mitarbeiter erpresst wurden, um Aufklärung zu verhindern. Oder dass sich im Bistum Rottenburg-Stuttgart der Diözesanpriesterrat und der Bischof 1984 darauf <a href="http://content.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2481214_0_2007_-das-schweigen-der-laemmer.html">verständigten</a>,</p>
<blockquote><p><strong>dass künftig in den Personalakten keine Verfahrensunterlagen mehr abgeheftet werden dürfen</strong>, was auch für Meldungen der unangenehmen Art galt. „Die Akten in der Registratur sind seitdem klinisch sauber“, bestätigt ein Insider. So bleibt auch von der Anzeige der Kirchenleute aus jener Zeit nichts weiter als die Erinnerung.“ [Hervorhebung von mir.]</p></blockquote>
<p>Davon abgesehen: Was für „Kirchenmitarbeiter“ sollen das sein, die die Akten auf Hinweise untersuchen sollen? Die gleichen, die in den vergangenen Jahren die Akten geführt haben? Sollen die jetzt etwa die Hinweise finden, denen sie damals nicht nachgegangen sind?</p>
<p>Es dürften also weder die federführenden Experten noch die beteiligten Kirchenmitarbeiter ein Interesse an einer wirklich kritischen Aufarbeitung der Akten haben. Beide beauftragten Experten sind bereits durch wissenschaftlich äußerst zweifelhafte Statements zugunsten der katholischen Kirche aufgefallen. Am Ende der (offenbar) dreijährigen Untersuchung dürfte wohl ein ähnlich <a href="http://mirandaceleste.net/2011/05/24/a-worthless-and-dangerous-report/">wertloses Ergebnis</a> stehen wie bei einer ganz ähnlichen Untersuchung im Auftrag der US-amerikanischen Bischofskonferenz, die im Mai <a href="http://usccb.org/mr/causes-and-context/causes-and-context-of-sexual-abuse-minors-by-catholic-priests-in-the-united-states-1950-2010.pdf">veröffentlicht</a> wurde.</p>
<p>Dafür spricht auch die erste <a href="http://www.kathweb.at/site/nachrichten/database/40372.html">Erklärung</a> der Bischofskonferenz:</p>
<blockquote><p>&#8222;Mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung werden verlässliche Informationen zu den Fällen des Missbrauchs, zu Vorgehensweise und Motiven der Täter und den Opfererfahrungen angestrebt&#8220;, teilte die Bischofskonferenz am Donnerstag in Bonn mit. Die Untersuchungen sollten vor allem zu einer wirksameren Vorbeugung vor sexuellem Missbrauch beitragen, hieß es.</p></blockquote>
<p><strong>Mit der Frage, ob Missbräuche vertuscht oder die Leitlinien ignoriert wurden, sollen sich die pensionierten Staatsanwälte und Richter offenbar gar nicht befassen.</strong></p>
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		<title>Zeitansagen</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Jun 2011 06:43:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kirchliche Propaganda]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchentag]]></category>
		<category><![CDATA[religionsfreie Zone]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitansage]]></category>

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		<description><![CDATA[UPDATE: Es war zu lesen, dass auf dem Kirchentag Veranstaltungen stattfanden wie &#8222;Wie viel Frau verträgt das Pfarramt?&#8222; und man sich beim Thema &#8222;Homosexualität&#8220; geradezu unversöhnlich gegenüberstand (&#8222;Württembergische Pfarrer gegen praktizierte Homosexualität&#8222;; &#8222;Kirchentagsforum kritisiert evangelikale Positionen zur Homosexualität&#8222;). &#8212; Liebe Christen, solange Ihr in Euren Kreisen zu diesen Fragen überhaupt noch Diskussionsbedarf habt, haltet Euch doch bitte [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&amp;blog=10467017&amp;post=3800&amp;subd=skydaddy&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><strong>UPDATE: </strong>Es war zu lesen, dass auf dem Kirchentag Veranstaltungen stattfanden wie <strong>&#8222;<a href="http://www.idea.de/index.php?id=355&amp;tx_ttnews[tt_news]=95940&amp;cHash=cd7d31114321a21fa8dcc770f0cf1a0e">Wie viel Frau verträgt das Pfarramt?</a>&#8222;</strong> und man sich beim Thema &#8222;Homosexualität&#8220; geradezu unversöhnlich gegenüberstand (&#8222;<a href="http://www.idea.de/nc/nachrichten/detailartikel-newsticker/artikel/wuerttembergische-pfarrer-gegen-praktizierte-homosexualitaet.html">Württembergische Pfarrer gegen praktizierte Homosexualität</a>&#8222;; &#8222;<a href="http://www.idea.de/index.php?id=355&amp;tx_ttnews[tt_news]=96001&amp;cHash=375914de8fc6571dcd1dbd1febcb4167">Kirchentagsforum kritisiert evangelikale Positionen zur Homosexualität</a>&#8222;). &#8212; Liebe Christen, solange Ihr in Euren Kreisen zu diesen Fragen überhaupt noch Diskussionsbedarf habt, haltet Euch doch bitte etwas zurück mit Eurem Anspruch, Zeitansagen für die Gesellschaft abzugeben. Es hat den Anschein, als ob IHR die Zeitansage nötig habt.</em></p>
<p><em><a href="http://www.gbsdd.de/?page_id=276"><img class="size-full wp-image-3802 alignnone" title="hirn-wallpaper-1280x800" src="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/06/hirn-wallpaper-1280x800.jpg?w=450&#038;h=281" alt="" width="450" height="281" /></a></em></p>
<blockquote><p><em>„Herzlich willkommen bei der christlichen Zeitansage. Beim nächsten Ton ist es 8 Uhr, 19 Minuten und 20 Sekunden. PIEP“</em></p></blockquote>
<p>Heute beginnt der 33. <a href="http://www.kirchentag.de/">Evangelische Deutsche Kirchentag</a> in Dresden. (Und, quasi zum Ausgleich, die <a href="http://www.gbsdd.de/?page_id=276">religionsfreie Zone 2011</a>.) Ich wünsche allen Teilnehmern – Christen und Humanisten, Gläubigen und Ungläubigen – viel Spaß, interessante Begegnungen und anregende Denkanstöße. Ich möchte gleich vorweg klarstellen, dass ich nichts gegen die Kirchen- und Katholikentage an sich habe und auch nicht der Meinung bin, dass Städte nur „gewinnbringende“ Veranstaltungen fördern sollten. (Obwohl ich die Finanzierung – 1 Mio. durch die Kirche, 8 Mio. durch die öffentliche Hand – schieflastig finde. Gelinde gesagt.)</p>
<p><em><span id="more-3800"></span></em></p>
<p>Aber natürlich äußern sich bei dieser Gelegenheit auch wieder zahlreiche Kirchenfunktionäre und Politiker. <strong>So <a href="http://www.jesus.de/blickpunkt/detailansicht/ansicht/-/177741kirchen-muessen-auf-gesellschaftliche-wirklichkeit-reagieren.html">wünscht</a> sich z.B. Bundespräsident Christian Wulff</strong> (geschiedener und jetzt mit einer dreizehn Jahre jüngeren Frau wiederverheirateter Katholik), <strong>dass die Positionen der Kirchen „in der breiten Öffentlichkeit mehr Gehör finden.”</strong> Dem Wunsch des Bundespräsidenten will ich gerne nachkommen und deshalb hier ein paar <a href="http://www.uibk.ac.at/praktheol/breitsching/lehre/katechismus.pdf">Stellen</a> aus dem <a href="http://www.vatican.va/archive/DEU0035/_P8D.HTM">Katechismus der Katholischen Kirche</a> zu Gehör bringen, quasi dem offiziellen Positionspapier der Kirche, der Wulff angehört. Es geht um das sechste Gebot: „Du sollst nicht die Ehe brechen.“ [Hervorhebungen von mir]:</p>
<blockquote><p>2380 Ehebruch, das heißt eheliche Untreue. Wenn zwei Partner, von denen wenigstens einer verheiratet ist, miteinander eine, wenn auch nur vorübergehende geschlechtliche Beziehung eingehen, begehen sie Ehebruch. <strong>Christus verurteilt schon den Ehebruch im Geiste</strong> [Vgl. Mt 5,27-28]. <strong>Das sechste Gebot und das Neue Testament verbieten den Ehebruch absolut</strong> [Vgl. Mt 5,32; 19,6; Mk 10,11; 1 Kor 6,9-10]. Die Propheten prangern ihn als <strong>schweres Vergehen</strong> an. Sie betrachten den Ehebruch als <strong>Abbild des sündigen Götzendienstes</strong> [Vgl. Hos 2.7: Jer 5,7].</p>
<p>2384 <strong>Die Ehescheidung ist ein schwerer Verstoß gegen das natürliche Sittengesetz.</strong> Sie gibt vor, den zwischen den Gatten freiwillig eingegangenen Vertrag, bis zum Tod zusammenzuleben, brechen zu können. Die Ehescheidung mißachtet den Bund des Heiles, dessen Zeichen die sakramentale Ehe ist. <strong>Das Eingehen einer, wenn auch vom Zivilrecht anerkannten, neuen Verbindung verstärkt den Bruch noch zusätzlich. Der Ehepartner, der sich wieder verheiratet hat, befindet sich dann in einem dauernden, öffentlichen Ehebruch.</strong> [...]</p></blockquote>
<p>Keine Ursache, Herr Bundespräsident! Man hilft schließlich, wo man kann&#8230; auch Leuten, die in Sünde leben und gegen das natürliche Sittengesetz verstoßen. <strong>Es scheint allerdings, als stießen die Positionen der Kirche ausgerechnet bei demjenigen auf taube Ohren, der mehr Gehör für sie fordert.</strong></p>
<p>Aber zurück zum Kirchentag. Obwohl ich nichts gegen den Kirchentag an sich habe, zeigt sich doch in zahlreichen Äußerungen <strong>die Hybris der Christen</strong>. Dies lässt sich gut an der alten Floskel zeigen, der Kirchentag sei eine „Zeitansage“. So auch jetzt wieder <a href="http://gemeindebrief.evangelisch.de/gemeinde/bohl-kirchentag-hat-die-funktion-einer-zeitansage">Sachsens Landesbischof Jochen Bohl</a> und die Präsidentin des Kirchentags, die Grünen-Politikerin <a href="http://www.lr-online.de/politik/Tagesthemen--bdquo-Der-Kirchentag-ist-eine-klassische-Zeitansage-ldquo-;art1065,3365977">Katrin Göring-Eckardt</a>.</p>
<p>Da wäre ja zunächst einmal die Frage, <strong>was für Zeitansagen von Leuten zu erwarten sind, die ein 2.000 Jahre altes Buch zum obersten Maßstab ihres Lebens machen.</strong></p>
<blockquote><p>„Herzlich willkommen bei der christlichen Zeitansage. Heute ist Mittwoch der 1. Juni 111.“</p></blockquote>
<p>Bei der EKD hat man natürlich längst erkannt, dass die abergläubischen, vordemokratischen Inhalte der Bibel viele Leute eher abschrecken, weshalb vieles zumindest relativiert wird. So <a href="http://www.idea.de/fileadmin/media/pdf/ideaSpektrum_Interview_Schneider2010_klein.pdf">erklärte</a> beispielsweise kein Geringerer als EKD-Ratsvorsitzender Nikolaus Schneider letztes Jahr:</p>
<blockquote><p>„Ob Maria eine Jungfrau war oder nicht, ist für meinen Glauben nicht entscheidend.“</p></blockquote>
<p>Oder anders ausgedrückt:</p>
<blockquote><p>„Herzlich willkommen bei der christlichen Zeitansage. Heute ist Mittwoch der 1. Juni 111, aber das ist eigentlich nicht so wichtig.“</p></blockquote>
<p>Noch ein Tipp für den EKD-Ratsvorsitzenden: Die Jungfräulichkeit Mariens zu relativieren bringt Sie nicht wirklich weiter. Von Teenagern einmal abgesehen, dürften die einzigen Leute, die sich außer Theologen heute in Deutschland noch für Jungfernhäutchen interessieren, „Ehrenmörder“ sein – und wer möchte sich die Zeit von Leuten ansagen lassen, die <em>ernsthaft</em> darüber diskutieren, ob man glauben muss, dass eine Jungfrau vor 2.000 Jahren schwanger wurde oder nicht?</p>
<p><strong>Bevor sie sich anmaßen, Zeitansagen für die Gesellschaft zu veranstalten, sollten die Kirchen erst einmal ihre eigenen Gläubigen über den Stand der neutestamentlichen Forschung in Kenntnis setzen.</strong> Es ist heute z.B. bekannt, dass einige Stellen in den Evangelien erst später hinzugefügt wurden (z.B. der Schluss des Markusevangeliums (<a href="http://www.die-bibel.de/nc/online-bibeln/luther-bibel-1984/lesen-im-bibeltext/bibelstelle/Mk%2016,9-20/anzeige/context/#iv">Mk 16,9-20</a>) mit den Erscheinungen des auferstandenen Jesus vor den Jüngern, dem Missionsbefehl und der Himmelfahrt, oder auch die bekannte Stelle von Jesus und der Ehebrecherin („Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“) im Johannesevangelium Kapitel <a href="http://www.die-bibel.de/nc/online-bibeln/luther-bibel-1984/lesen-im-bibeltext/bibelstelle/jh%208,1-11/anzeige/context/#iv">7,53–8,11</a>.) Der Dialog zwischen Jesus und Nikodemus in <a href="http://www.die-bibel.de/nc/online-bibeln/luther-bibel-1984/lesen-im-bibeltext/bibelstelle/jh%203,1-21/anzeige/context/#iv">Johannes 3,1-21</a> basiert auf einer Doppeldeutigkeit, die nur in griechischer Sprache funktioniert, aber nicht im Aramäischen, der Sprache, die Jesus gesprochen hat. Deshalb kann sich diese Begebenheit nicht so abgespielt haben. (Vgl. Bart D. Ehrman: <a href="https://www.amazon.de/dp/0061173940/ref=as_li_ss_til?tag=atheismusde-21&amp;camp=2906&amp;creative=19474&amp;linkCode=as4&amp;creativeASIN=0061173940&amp;adid=0KGYPG7RDMKPK4ABPV7H&amp;">Jesus, Interrupted</a> (TB), S. 155. Deutsch: <a href="https://www.amazon.de/dp/3579064967/ref=as_li_ss_til?tag=atheismusde-21&amp;camp=2906&amp;creative=19474&amp;linkCode=as4&amp;creativeASIN=3579064967&amp;adid=0ZMQ4W7PES3T7S0CXNMB&amp;">Jesus im Zerrspiegel: Die verborgenen Widersprüche in der Bibel und warum es sie gibt</a>.) Etliche der Briefe im Neuen Testament, die Paulus oder anderen Aposteln zugeschrieben werden, gelten heute als Fälschungen. Jesus irrte sich mit seiner Naherwartung des Gottesreiches (was ihn als Sohn Gottes wenig glaubwürdig macht), und die Reden Jesu aus dem Johannesevangelium à la <em>„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“</em> (<a href="http://www.die-bibel.de/nc/online-bibeln/luther-bibel-1984/lesen-im-bibeltext/bibelstelle/jh%2014,6/anzeige/context/#iv">Joh 14,6</a>) gelten nach einhelliger Meinung der neutestamentlichen Forschung im Wesentlichen als frei erfunden. (Vgl. Heinz-Werner Kubitza: <a href="https://www.amazon.de/dp/3828824358/ref=as_li_ss_til?tag=atheismusde-21&amp;camp=2906&amp;creative=19474&amp;linkCode=as4&amp;creativeASIN=3828824358&amp;adid=0Y7PM0FC5T3HYYQH83ZP&amp;">Der Jesuswahn</a>, S. 76, bzw. gleich das ganze Kapitel „Johannes – ein ganzes Evangelium als fromme Dichtung“.)</p>
<p>All dies ist nicht nur wissenschaftlicher Konsens, es wird auch im Theologiestudium gelehrt. Nur den Gläubigen wird dies nicht mitgeteilt.</p>
<blockquote><p>„Liebe Gläubige! Wir wissen zwar, dass unsere Uhr falsch geht, sagen aber trotzdem weiter die angezeigt Uhrzeit an und kassieren eure Gebühren dafür.“</p></blockquote>
<p><strong>Apropos Gebühren:</strong> Der Kirchentag beginnt am Mittwoch um 17.30 und endet am Sonntag um 12.30. Bei 8 Millionen Euro staatlicher Förderung ergibt dies einen „Minutenpreis“ von 1.465,20 Euro, der den Steuerzahlern für diese „Zeitansage“ in Rechnung gestellt wird.</p>
<p>Nach dem Selbstverständnis der Veranstalter bezieht sich die „Zeitansage“ freilich weniger auf religiöse als auf politische Themen. <a href="http://www.lr-online.de/politik/Tagesthemen--bdquo-Der-Kirchentag-ist-eine-klassische-Zeitansage-ldquo-;art1065,3365977">Kirchentagspräsidentin Göring-Eckardt</a>:</p>
<blockquote><p>„Der Kirchentag ist eine klassische Zeitansage. Man merkt immer wieder, dass die Themen, die in der Zeit wichtig sind, beim Kirchentag einen Ort haben. Also: Im Moment haben wir eine Atomkatastrophe, den Militäreinsatz in Libyen, die nordafrikanischen Revolutionen, die Eurokrise.“</p></blockquote>
<p>Es fällt auf, dass sich unter den vier Themen, die Kirchentagspräsidentin sie als „in der Zeit wichtig“ auflistet, kein einziges mit religiösem Bezug findet.</p>
<p>Bei den anderen Themen fragt man sich: <strong>Was hat das mit dem Christentum zu tun?</strong> Ist die Atomkatastrophe oder die Euro-Krise für Christen wichtiger als für andere Menschen? Glaubt man beim Kirchentag, dass theologische „Erkenntnisse“ irgendetwas Konstruktives zur Atomkatastrophe oder zur Eurokrise beitragen können? Oder – um die Messlatte noch tiefer zu legen – irgendetwas, das für Nichtchristen auch nur von Bedeutung sein könnte?</p>
<blockquote><p>„Herzlich willkommen bei der christlichen Zeitansage. Beim nächsten Ton ist es 8 Uhr, 19 Minuten und 20 Sekunden. PIEP“</p></blockquote>
<p>Es mag auf dem Kirchentag ja durchaus interessante und hochkarätige Beiträge zu aktuellen gesellschaftlichen Themen geben. Die werden aber nicht dadurch zur „christlichen Zeitansage“, dass sie auf dem Kirchentag stattfinden. Genauso wenig, wie es Sinn machen würde, eine stinknormale Zeitansage mit dem Etikett „christlich“ zu versehen.</p>
<p>Im Übrigen finden solche Diskussionen – Gott sei Dank, möchte man sagen – das ganze Jahr über statt – und dann zum Glück meist in fachkundigem statt religiösem Rahmen.</p>
<p><strong>Die wahren Zeitansagen</strong> kommen heute von säkularen Organisationen wie der <a href="http://www.humanistische-union.de/">Humanistischen Union</a> oder der <a href="http://www.giordano-bruno-stiftung.de/">Giordano-Bruno-Stiftung</a>:</p>
<p>Es ist Zeit, nach fast 100 Jahren endlich – wie vom Grundgesetz gefordert – die<strong> staatlichen Zahlungen</strong> (<a href="http://www.staatsleistungen.de/">Staatsleistungen</a>) an die Kirchen abzulösen, anstatt durch unkündbare Kirchenverträge immer wieder Fakten zugunsten der Kirchen zu schaffen.</p>
<p>Es ist höchste Zeit für ein <strong>Arbeitsrecht</strong>, das Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in kirchlichen Einrichtungen nicht länger zu Beschäftigten zweiter Klasse macht. (Sehr gut dargestellt in einem Antrag der Fraktion DIE LINKE im Bundestag vom 12.04.2011, <a href="http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/055/1705523.pdf">BT-Drucksache 17/5523</a>.)</p>
<p>Es ist Zeit für einen <strong><em><a href="http://proethik.humanistische-union.de/">gemeinsamen Ethik- und Religionskundeunterricht</a></em></strong>, der für alle Schülerinnen und Schüler verbindlich ist.</p>
<p>Es ist Zeit für eine <strong>Ethik</strong>, die unabhängig davon ist, ob oder an welchen imaginären Freund man glaubt (z.B. <a href="http://www.giordano-bruno-stiftung.de/sites/default/files/download/broschuer-angebote.pdf">10 Angebote</a>, <a href="http://www.giordano-bruno-stiftung.de/sites/default/files/download/broschuer-manifest.pdf">Manifest des Evolutionären Humanismus</a>).</p>
<p>Die Christen haben noch nicht gemerkt, was die Stunde geschlagen hat.</p>
<p>Trotzdem viel Spaß in Dresden!</p>
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	</item>
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		<title>Christentum vs. Aufklärung</title>
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		<pubDate>Tue, 31 May 2011 16:42:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kirchliche Propaganda]]></category>
		<category><![CDATA[Aufklärung]]></category>
		<category><![CDATA[Christentum]]></category>
		<category><![CDATA[Homophobie]]></category>
		<category><![CDATA[Intelligent Design]]></category>
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		<category><![CDATA[Kreationismus]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftsfeindlichkeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit einigen Jahren ist immer wieder zu lesen, das Christentum (zumindest das europäische) sei – im Gegensatz zum Islam – durch die „Schule der Aufklärung“ gegangen. Die Vertreter dieser Auffassung reichen vom ehemaligen EKD-Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber bis zu Deutschlands „Chef-Atheist“ Michael Schmidt-Salomon. (Bei Kardinal Marx – damals noch Erzbischof – ist diese Entwicklung sogar schon [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&amp;blog=10467017&amp;post=3789&amp;subd=skydaddy&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>
<div id="attachment_3791" class="wp-caption aligncenter" style="width: 460px"><a href="http://www.denkladen.de/product_info.php/info/p982_gbs-Art-Collection-II.html"><img class="size-full wp-image-3791  " title="aufklärung" src="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/05/aufklc3a4rung.jpg?w=450&#038;h=317" alt="" width="450" height="317" /></a><p class="wp-caption-text">Karikatur von Jaques Tilly, als Postkarte bei denkladen.de erhältlich.</p></div>
<p>Seit einigen Jahren ist immer wieder zu lesen, das Christentum (zumindest das europäische) sei – im Gegensatz zum Islam – durch die „Schule der Aufklärung“ gegangen. Die Vertreter dieser Auffassung reichen vom ehemaligen EKD-Ratsvorsitzenden <a href="http://www.faz.net/s/RubC4DEC11C008142959199A04A6FD8EC44/Doc~ED99BBAED23C44147BF5636CD3EFB9EA9~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Wolfgang Huber</a> bis zu Deutschlands „<a href="http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,485459,00.html">Chef-Atheist</a>“ <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/mobile/leben/gesellschaft/Wer-fuer-alles-offen-ist-ist-nicht-ganz-dicht/s/11331122/index.html">Michael Schmidt-Salomon</a>. (Bei Kardinal Marx – damals noch Erzbischof – ist diese Entwicklung sogar schon so weit gediehen, dass er letztes Jahr <em>das Christentum selbst</em> als „<a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/kultur/303020/303021.php">vernunftgeleitete Aufklärung</a>“ bezeichnete!)</p>
</div>
<p>Dass die Auffassung, das Christentum sei durch die Aufklärung quasi „geläutert“, zu optimistisch ist, wurde am vergangenen Wochenende wieder einmal deutlich, als auf Malta (EU-Mitglied, 98% Katholiken, Katholizismus ist Staatsreligion) eine <a href="http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,765222,00.html">Volksbefragung</a> dazu durchgeführt wurde, ob künftig die <strong>Ehescheidung</strong> erlaubt sein solle – nach mindestens vierjähriger Trennung ohne Aussicht auf Versöhnung.</p>
<p><em><span id="more-3789"></span></em></p>
<p>Was die Aufklärung angeht, so wäre ja zunächst einmal zu klären, wie eine Buchreligion wie das Christentum überhaupt durch die Aufklärung veränderbar sein soll. Die Protestanten berufen sich ja „allein auf die Bibel“ („<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sola_scriptura">sola scriptura</a>“) und vielleicht noch auf voraufklärerische Reformatoren wie Luther, die Katholische Kirche außer der Bibel auch auf ihre „zweitausendjährige“ Tradition, die somit ebenfalls größtenteils voraufklärerisch ist. Und selbst <em>nach</em> der Aufklärung wurden ja noch <strong>Dogmen</strong> erlassen wie die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mariendogmen#Unbefleckte_Empf.C3.A4ngnis_Marias">unbefleckte Empfängnis Mariens</a> (1854), die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Unfehlbarkeit#R.C3.B6misch-katholische_Kirche">Unfehlbarkeit des Papstes</a> (1870) oder die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mariendogmen#Mari.C3.A4_Aufnahme_in_den_Himmel">leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel</a> (1950!). Nicht zu vergessen der Hinweis von 1950 im Hinblick auf die leibhaftige Aufnahme Mariens:</p>
<blockquote><p>&#8222;Wenn daher, was Gott verhüte, jemand diese Wahrheit, die von Uns definiert worden ist, zu leugnen oder bewusst in Zweifel zu ziehen wagt, so soll er wissen, daß er vollständig vom göttlichen und katholischen Glauben abgefallen ist.“</p></blockquote>
<p>Kant zufolge ist <a href="http://de.wikisource.org/wiki/Beantwortung_der_Frage:_Was_ist_Aufkl%C3%A4rung%3F">Aufklärung</a></p>
<blockquote><p>„der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Muth dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“</p></blockquote>
<p>Kirchliche Erklärungen wie das oben erwähnte <strong>Mariendogma von 1950</strong> belegen nicht nur die weitgehende Unbeeinflusstheit der Kirche von der Aufklärung, sondern sind mit ihrem Wahrheitsanspruch und der Verdammung allein schon des Zweifels <em>antiaufklärerisch</em>, nichts anderes!</p>
<p>Obgleich sich für die Katholische Kirche „spektakulärere“ Belege anführen lassen, ist der protestantische Glaube im Kern nicht weniger rückständig. Man werfe nur einen Blick auf die <a href="http://www.ekd.de/glauben/bekenntnisse/index.html">Bekenntnisse</a>, die die EKD auf ihrer <a href="http://www.ekd.de/">Website</a> in der Rubrik <a href="http://www.ekd.de/glauben/14.html">Glauben</a> aufführt. Allein schon im apostolischen <a href="http://www.ekd.de/glauben/bekenntnisse/glaubensbekenntnis.html">Glaubensbekenntnis</a> bekennt auch der Protestant, dass</p>
<ul>
<li>Gott allmächtig ist,</li>
<li>Jesus Gottes Sohn ist,</li>
<li>durch den Heiligen Geist empfangen [gezeugt] wurde,</li>
<li>von der Jungfrau Maria geboren wurde,</li>
<li>nach seinem Tode auferstanden ist,</li>
<li>in den Himmel aufgefahren ist,</li>
<li>und dereinst die Lebenden und die Toten richten wird.</li>
</ul>
<h3>Armdrücken mit der Aufklärung</h3>
<p>Nein, das Christentum an sich ist so unaufgeklärt wie eh und jeh, allenfalls ließe sich sagen, dass in <em>einigen</em> Ländern <em>einige</em> Christen durch die Schule der Aufklärung gegangen sind. Und zwar, wenn überhaupt, das christliche „Fußvolk“. Die <em>Kirchenfunktionäre</em> liefern sich nach wie vor ein Armdrücken mit der Aufklärung, bei dem die Aufklärung derzeit leicht im Vorteil zu sein scheint; man darf aber sicher sein, dass, sobald die Aufmerksamkeit einen Moment lang nachlässt, das Christentum antiaufklärerisch zurückkommt wie im Film der schon tot geglaubte Schurke.</p>
<p>Um das zu erkennen, reicht der Blick nach Deutschland schon aus. Die Diskussion um das <strong><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tanzverbot">Tanzverbot</a></strong> an kirchlichen Feiertagen ist ja erst wenige Wochen her. Die Kirchen gehen auch regelmäßig gegen <strong>Ladenöffnungen am Sonntag</strong> vor. Und wenn in Deutschland das – verfassungskonforme, wohlgemerkt! – Abnehmen von <strong>Kruzifixen</strong> in öffentlichen Gebäuden auch nur diskutiert wird, laufen Kirchenvertreter und kirchliche Politiker dagegen Sturm, ohne sich um die Verfassung zu kümmern. In Italien verstieg sich Verteidigungsminister Ignazio La Russa angesichts des Kruzifix-Urteils des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte im November 2009 gar zu der Aussage: „<a href="http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,659474,00.html">Sollen sie [die Kreuzgegner] doch sterben</a>“. Währenddessen betont der deutsche Papst mal wieder, dass die Verwendung von <strong>Kondomen</strong> nicht moralisch sei.</p>
<p>Auch in der jüngsten Vergangenheit mussten scheinbare Selbstverständlichkeiten immer wieder gegen die Kirchen erstritten werden, z.B. dass Kirchensteuer nur von <em>Kirchenmitgliedern</em> erhoben werden kann (<a href="http://www.servat.unibe.ch/dfr/bv019206.html">BVerfG-Urteil zur Kirchenbausteuer, 1965</a>; <a href="http://www.servat.unibe.ch/dfr/bv019268.html">BVerfG-Urteil zu glaubensverschiedenen Ehen, 1965</a>). Und nicht einmal das ist bisher gewährleistet.</p>
<p>Überhaupt könnte man den Eindruck haben, <em>die Aufklärung habe erst nach dem Zweiten Weltkrieg stattgefunden:</em> Es sei daran erinnert, dass <strong>homosexuelle Handlungen</strong> auch in der Bundesrepublik Deutsch­land bis 1969 unter Strafe standen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/%C2%A7_175#Entwicklung_in_der_alten_Bundesrepublik">(§ 175 StGB</a>). 1957 hatte das Bundes­verfas­sungsgericht entschieden, dass gleichgeschlechtliche Betätigung eindeutig gegen das Sittengesetz verstoße, weshalb sich Homosexuelle nicht auf das Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit berufen könnten. Als zu schützendes Rechtsgut nannte das Bundesverfassungsgericht „die sitt­lichen Anschauungen des Volkes“, die sich maßgeblich aus den Lehren der „beiden großen christlichen Konfessionen“ speisten. So kam es in der Zeit von 1950 bis 1969 zu mehr als 100.000 Ermittlungsverfahren und 50.000 rechtskräftigen Verurteilungen. Und zu etlichen Selbstmorden von Menschen, gegen die ermittelt wurde. Auch <strong><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kuppelparagraf">Kuppelei</a></strong> war bis 1969 strafbar, und ebenfalls bis 1969 war „Gott“ noch das Schutzobjekt des <strong><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gottesl%C3%A4sterungsparagraph#Rechtsgeschichte_des_.C2.A7_166_StGB">Gotteslästerungsparagrafen</a></strong> § 166 StGB.</p>
<p>1958 trat die erste <em>Pastorin</em> in der „aufgeklärten“ EKD ihren Dienst an – im gleichen Jahr, in dem das Gesetz über die <strong>Gleichberechtigung von Mann und Frau</strong> in Kraft trat. Die weltweit erste lutherische <em>Bischöfin</em> (Maria Jepsen) wurde erst 1992 ernannt. Als letzte Gliedkirche der „aufgeklärten“ EKD führte die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Schaumburg-Lippe die Frauenordination ein – im Jahre 1991! Weltweit ist die <strong>Frauenordination</strong> im Christentum immer noch <em>die Ausnahme, nicht die Regel</em> – nur 15% aller Christen gehören einer Kirche an, die die Ordination von Frauen zulässt. Es ist noch keine zwei Jahre her, dass die <strong>russisch-orthodoxe Kirche</strong> nach der Wahl von Margot Käßmann zur EKD-Ratsvorsitzenden den ökumenischen Dialog mit der EKD <a href="http://www.evangelisch.de/themen/religion/orthodoxe-russen-kappen-wegen-kaessmann-ekd-kontakt6653">abbrechen</a> wollte. Den <strong>Anglikanern</strong> drohte 2010 eine Kirchenspaltung, nachdem die Synode beschlossen hatte, die Frauenordination zuzulassen. 1.300 anglikanische „Würdenträger“ hatten für diesen Fall mit Austritt gedroht. Bekanntlich ermöglichte Papst Benedikt ihnen kurzfristig mit einer Sonderregelung, zur Katholischen Kirche überzutreten.</p>
<p><a title="Ich wurde 1979 in der Türkei geboren, an meinem ersten Lebensjahr floh meine Familie, auf der Suche nach einem besseren Leben nach Österreich. Als Kind einer Familie mit sowohl alevitischen und kurdischen Einflüssen, und bunt durchmischt mit Islamisten un" href="http://www.exmuslime.at/cahit-kaya-frei-gesprochen/332-cahitkaya">Cahit Kaya</a> bringt es daher auf den Punkt, wenn er <a href="http://www.exmuslime.at/cahit-kaya-frei-gesprochen/169-islamversteher-hassen-die-aufklaerung">schreibt</a>:</p>
<blockquote><p>„Aufklärung ist daher immer der Kampf gegen zerstörerische Machtausübung der Religion auf den einzelnen Menschen. Die Stärkung der Rechte des Individuums und der Möglichkeit, einer persönlichen Entfaltung, die auch, oder vor allem erst außerhalb der Religion stattfinden kann.“</p></blockquote>
<h3>&#8222;Legalisierung des Bösen&#8220;</h3>
<p>Demgegenüber wird der deutsche Papst nicht müde, z.B. <strong>gegen die Zulassung gleichgeschlechtlicher Ehen</strong> zu wettern. Schon 2003, als Ratzinger noch Kardinal und Chef der Glaubenskongregation war, schrieb der <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-28102373.html">SPIEGEL</a>:</p>
<blockquote><p>Mit einer fundamentalistischen Philippika zieht der Vatikan gegen Schwule, Lesben und die Homo-Ehe zu Felde. Damit will der Papst nicht nur die Gläubigen wieder auf konservative Linie zwingen &#8211; er versucht auch christlichen Politikern vorzuschreiben, wie sie zu handeln haben. [...]</p>
<p>Mit Zustimmung des Papstes wütet Ratzinger in einer 15seitigen Philippika gegen Homosexualität im Allgemeinen (&#8222;Anomalie&#8220;, &#8222;gegen das natürliche Sittengesetz&#8220;) und die Schwulen-Ehe im Besonderen. Homo-Lebensgemeinschaften, so der nach dem Papst mächtigste Kirchenfürst, seien &#8222;böse&#8220; und &#8222;schwere Verirrungen&#8220;. [...]</p>
<p>Doch zum Politikum wird Ratzingers Schrift nicht durch den kaum verhüllten Schwulenhass, sondern wegen der gar nicht verhüllten Order an Politiker: Jeder kirchentreue &#8222;Parlamentarier hat die sittliche Pflicht&#8220;, gegen Gesetze anzukämpfen, die homosexuelle Paare mit heterosexuellen gleichstellen. Ein Katholik, der solchen Gesetzen zustimme, helfe bei der &#8222;Legalisierung des Bösen&#8220;.</p></blockquote>
<p>Währenddessen wurde vor wenigen Tagen aus den USA <a href="http://www.chicagotribune.com/news/religion/ct-met-rockford-catholic-charities-st20110526,0,6858349.story">gemeldet</a> – dort darf der Staat keine öffentlichen Mittel an Organisationen geben, die diskriminieren – dass in Rockford, Illinois, eine <strong>katholische Adoptionsvermittlung</strong> lieber schließt (wegen der zukünftig fehlenden staatlichen Mittel), als Waisenkinder auch an gleichgeschlechtliche Paare vermitteln zu „müssen“. Ein Anwalt der US-Bürgerrechtsorganisation <a href="http://www.aclu.org/">ACLU</a> wurde mit den Worten <a href="http://www.chicagotribune.com/news/religion/ct-met-rockford-catholic-charities-st20110526,0,6858349.story">zitiert</a>:</p>
<blockquote><p>„Ich finde es bedauerlich, dass sie ihre Selbstverpflichtung, auch weiterhin zu diskriminieren, für wichtiger halten als die Gesundheit und das Wohlergehen von Kindern aus Illinois.“</p></blockquote>
<p>Aus dem gleichen Grund hatten bereits 2007 die katholischen Waisen-Einrichtungen in Chicago ihre Arbeit eingestellt.</p>
<p>Die Ablehnung von Homosexualität ist aber keine Spezialität der katholischen Kirche. Auch deutsche Protestanten haben ein Problem damit. Aktuell wird z.B. in einigen Regionen Deutschlands versucht, das <strong>Zusammenleben homosexueller Pfarrer mit ihren Partnern im Pfarrhaus</strong> zu verhindern. Auch in Deutschland gibt es Organisationen, die <strong>Homosexuelle therapieren</strong> möchten, und die Begründung dafür ist immer christlich. Nicht zu vergessen die US-amerikanischen Evangelikalen, die Berichten zufolge nach Afrika gereist sein sollen, um dort für die <strong>Einführung der Todesstrafe für Homosexuelle</strong> zu werben– in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Uganda#Religionen">Uganda</a>, wo 85% der Bevölkerung christlich sind (42% Katholiken, 36% Anglikaner). Der nigerianische Erzbischof Peter Akinola wurde mit den Worten <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,564074,00.html">zitiert</a>, <strong>Schwule seien &#8222;minderwertiger als Tiere&#8220;</strong>.</p>
<p>Die Gegner der Homosexualität sind dabei keine Randgruppen, die man nicht ernst nehmen müsste. Der evangelikale Megachurch-Pastor <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rick_Warren">Rick Warren</a>, bekannt durch seinen Millionenseller „The Purpose Driven Life“ („Leben mit Vision“) und ebenfalls Gegner der Homosexualität, durfte immerhin bei der Amtseinführung von Präsident Obama das Gebet sprechen.</p>
<p>Warren glaubt auch lieber an die Schöpfung als an Evolution. In einem sehr lesenswerten <a href="http://www.newsweek.com/2007/04/08/the-god-debate.html">Newsweek-Interview</a> mit Sam Harris erklärte Warren:</p>
<blockquote><p>If you&#8217;re asking me do I believe in evolution, the answer is no, I don&#8217;t. I believe that God, at a moment, created man.</p></blockquote>
<h3>Massive christliche Anti-Aufklärung in den USA</h3>
<p>Damit befindet sich Warren freilich in der Gesellschaft fast der halben US-amerikanischen Bevölkerung. Die für (die meisten) Europäer verblüffende Akzeptanz des biblischen <strong>Schöpfungsglaubens</strong> in den USA dürfte nicht zuletzt dem Umstand zu „verdanken“ sein, dass evangelikale Kreise seit Jahrzehnten das <strong>Vertrauen in die Wissenschaft</strong> mit enormem finanziellen, publizistischen und politischem Aufwand <em>gezielt unterminieren</em>. Da in den USA Staat und Kirche (zumindest formal) strikt getrennt sind, wurde zunächst versucht, den Schöpfungsglauben als <strong>„Creation Science“</strong> („Schöpfungswissenschaft“) in den Schulen zu lehren. Nachdem ein Gericht 1982 <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/McLean_v._Arkansas">festgestellt</a> hatte, dass es sich bei „Creation Science“ nicht um Wissenschaft handelt und der Supreme Court 1987 Unterricht in „Schöpfungslehre“ als verfassungswidrig verboten hatte, verzichtete man auf das Wort „Creation“ („Schöpfung“) und verwendete stattdessen den Begriff <strong>„Intelligent Design“</strong> („Intelligentes Design“, ID). 2005 stellte ein Gericht dann erneut <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Kitzmiller_v._Dover_Area_School_District#Decision">fest</a>, dass „Intelligent Design“ nichts anderes ist als ein Abkömmling der „Schöpfungswissenschaft“. Das hindert die Verfechter des Schöpfungsglaubens natürlich nicht daran, auch weiterhin Zweifel an der Evolution zu säen.</p>
<p>Mit was für Aufwand und Strategie konservativ-christliche Kreise hier vorgehen, sei nur an drei Beispielen aufgezeigt:</p>
<p><a href="http://www.antievolution.org/features/wedge.pdf"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-3794" title="Wedge Cover" src="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/05/wedge-cover.jpg?w=116&#038;h=150" alt="" width="116" height="150" /></a>1999 wurde bekannt, dass das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Discovery_Institute">Discovery Institut</a>, eine christlich-konservative „Denkfabrik“ ein <strong>streng geheimes Strategiepapier</strong> („<a href="http://www.antievolution.org/features/wedge.pdf">Wedge Document</a>“) erarbeitet hatte, in dem beschrieben wird, wie durch (pseudo-)wissenschaftliche „Forschung“, Meinungsmache und Kulturkampf folgende beiden Ziele erreicht werden sollen (S. 4):</p>
<ul>
<li>Der Sieg über den wissenschaftlichen Materialismus und sein zerstörerisches moralisches, kulturelles und politisches Erbe.</li>
<li>Materialistische Erklärungsansätze durch das theistische Verständnis zu ersetzen, dass die Natur und die Menschen durch Gott erschaffen wurden.</li>
</ul>
<p>2008 kam der als „Dokumentation“ vermarktete <strong>Propagandafilm</strong> „<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Expelled">Expelled: No Intelligence Allowed</a>“ in 1.052 US-Kinos – mehr als jede Dokumentation zuvor. Das Budget war mit 3,5 Millionen Dollar fast so hoch wie das von Michael Moores „Bowling for Columbine“ (2002, 4 Millionen Dollar Budget). Präsentiert wurde die Propaganda von Ben Stein, der immerhin Redenschreiber für die Präsidenten Nixon und Ford war und den USA in diversen Medien als Finanzexperte auftrat. Der Film ist auch auf Deutsch erhältlich: <a href="https://www.amazon.de/dp/B003GGF2ZS/ref=as_li_ss_til?tag=atheismusde-21&amp;camp=2906&amp;creative=19474&amp;linkCode=as4&amp;creativeASIN=B003GGF2ZS&amp;adid=0NSZ3GVGCY8PVYJ8GKFM&amp;">Expelled &#8211; Intelligenz streng verboten! Wie der Darwinismus die Wissenschaft behindert</a>.</p>
<p>Seit 1973 wird alljährlich der <strong>Templeton-Preis</strong> (bis 2001: Templeton Prize for Progress in Religion) verliehen. Laut der <a href="http://www.templetonprize.org/purpose.html">Preis-Website</a> wird der Preis an Personen verliehen, die einen außergewöhnlichen Beitrag dazu geleistet haben, <em>„die spirituelle Dimension des Lebens zu bestätigen“</em>. In seinem Buch „Der Gotteswahn“ (Taschenbuch, S. 36) beschreibt Richard Dawkins diesen Preis als einen <em>„sehr großen Geldbetrag, der alljährlich von der Templeton Foundation vergeben wird, meistens an einen Naturwissenschaftler, der bereit ist, etwas Nettes über die Religion zu sagen“.</em> Tatsächlich wurde der Geldbetrag absichtlich höher als der Nobelpreis (10 Mio. Schwedische Kronen, umgerechnet etwa 1,1 Mio. Euro) abgesetzt, <em>„um den Stellenwert der Spiritualität zu betonen, die nach Ansicht des Stifters beim Nobelpreis nicht genügend gewürdigt wird.“</em> [<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Templeton-Preis">Wikipedia</a>. Anmerkung Skydaddy: Die mangelnde Würdigung der Spiritualität bei den Nobelpreisen rührt vermutlich daher, dass Alfred Nobel mit seinen Preisen diejenigen auszeichnen wollte, „<em>die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben“.</em> <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nobelpreis">Wikipedia</a>] Der Templeton-Preis ist damit der höchstdotierte Preis der Welt.</p>
<p>Wer wurde bisher mit dem Templeton-Preis bedacht? Der erste Preis ging 1973 an Mutter Teresa, der zweite 1974 an Frère Roger, den Gründer des ökumenischen Männerordens in Taize, 1977 wurde Chiara Lubich ausgezeichnet, die Gründerin der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Fokolarbewegung">Fokolarbewegung</a> („Werk Mariens“), 1982 der evangelikale Prediger <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Billy_Graham">Billy Graham</a>, 1996 Bill Bright, der Gründer des evangelikalen Missionswerks „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Campus_f%C3%BCr_Christus">Campus für Christus</a>“. Seitdem 2002 der Zusatz „für den Fortschritt in Religion“ aus der Preisbezeichnung entfernt wurde, sind nur noch Wissenschaftler und Philosophen mit dem Preis ausgezeichnet worden, davon sind allerdings einige gleichzeitig Theologen.</p>
<p>Von der Templeton-Stiftung, die den Preis verleiht, ist außerdem bekannt, dass sie <strong>Journalisten erhebliche Geldbeträge dafür zahlt</strong>, dass sie Veranstaltungen der Stiftung besuchen und darüber berichten. Da erscheint es natürlich reizvoll, positiv zu berichten, um beim nächsten Mal wieder eingeladen zu werden. Richard Dawkins schreibt dazu in „Der Gotteswahn“ (S. 254) über eine Veranstaltung, an der er selbst teilnahm:</p>
<blockquote><p>Das Publikum bestand aus einer geringen Zahl handverlesener Wissenschaftsjournalisten aus Großbritannien und den Vereinigten Staaten. Unter den achtzehn eingeladenen Vortragenden war ich der Vorzeigeatheist. Nach Angaben des Journalisten John Horgan hatte jeder Zuhörer zusätzlich zu allen Spesen die hübsche Summe von 15 000 Dollar erhalten, damit er an der Konferenz teilnahm. Darüber wunderte ich mich. Aus meiner langjährigen Erfahrung mit wissenschaftlichen Konferenzen war mir kein Fall bekannt, in dem das Publikum (im Gegensatz zu den Vortragenden) ein Honorar für die Teilnahme bekam. Hätte ich das gewusst, wäre ich sofort misstrauisch geworden. Wollte Templeton mit dem Geld die Journalisten bestechen und ihre wissenschaftliche Integrität untergraben? John Horgan stellte später die gleiche Frage und schrieb über die ganze Veranstaltung einen <a href="http://www.edge.org/3rd_culture/horgan06/horgan06_index.html">Artikel</a>.</p></blockquote>
<p>Die Templeton-Stiftung propagiert zwar keinen Kreationismus, setzt aber alles daran, den Eindruck zu erwecken, <em>Wissenschaft und Religion ergänzten einander</em>. Oder mit den <a href="http://preposterousuniverse.blogspot.com/2005_04_01_preposterousuniverse_archive.html#111387591806156772">Worten</a> des Wissenschaftlers Sean M. Carrol:</p>
<blockquote><p>Der ganze Zweck der Templeton-Stiftung besteht darin, die Grenzen zwischen strikter Wissenschaft und ausdrücklich religiöser Betätigung zu verwischen und den Anschein zu erwecken, beides diene einem einzigen großen Unterfangen. Es geht nur um den äußeren Anschein. Du veranstaltest eine hochkarätige wissenschaftliche Konferenz mit einer langen Liste von anerkannten Teilnehmern, und dann präsentierst du die Veranstaltung stolz auf einer anderen Website für dein Programm, um Wissenschaft und Religion zusammenzubringen.</p></blockquote>
<h3>&#8222;Der Glaube erhellt die Vernunft&#8220;</h3>
<p>Der Templeton-Preis wird im Buckingham-Palast überreicht. Damit sind wir wieder in Europa mit seinem „aufgeklärten“ Christentum. Die „aufgeklärte“ Sprachregelung der Kirchenvertreter lautet, dass der Glaube die Vernunft irgendwie „verbessert“. Kardinal Marx liegt völlig auf der <a href="http://www.kath-info.de/anwalt.html">Linie des Papstes</a>, wenn er <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/kultur/303020/303021.php">behauptet</a>:</p>
<blockquote><p>„Der Glaube vernebelt nicht die Vernunft, sondern macht sie heller.“</p></blockquote>
<p>Die Absurdität solcher dreisten Behauptungen wird sofort deutlich, wenn man sich vor Augen führt, dass <em>sämtlicher</em> wissenschaftlicher und medizinischer Fortschritt durch Erkenntnisse zustande kam, in denen Gott <em>keine</em> Rolle spielt.</p>
<p>Wie schon eingangs gesagt: Es ist nicht erkennbar, dass das Christentum als solches – auch nicht in Europa – durch die Aufklärung wesentlich „geläutert“ worden wäre. Auch in Europa gibt es nicht zu unterschätzende antiaufklärerische christliche Bestrebungen – allen voran durch den Papst und die katholische Kirche, aber auch durch evangelikale Kreise. Dass die hier beschriebenen konservativ-christlichen Bestrebungen (insbesondere die Wissenschaftlichkeits- und Sexualfeindlichkeit sowie die Nutzung jeder Gelegenheit, eigene religiösen Vorstellungen bzw. Pflichten auch anderen aufzuzwingen) die gleichen sind, die dem „unaufgeklärten“ Islam zum Vorwurf gemacht werden, belegt nur, wie wenig es mit der „Aufgeklärtheit“ des Christentums tatsächlich her ist – auch in Europa.</p>
<p>Allenfalls ließe sich sagen, dass einige Christen in einigen Ländern das Christentum heute „aufgeklärter“ <em>interpretieren</em> als früher und Kirchenfunktionäre sich bemühen, mit den – nach wie vor vorhandenen – unaufgeklärten Lehren weniger anzuecken. Man denke nur an die <a href="http://www.idea.de/fileadmin/media/pdf/ideaSpektrum_Interview_Schneider2010_klein.pdf">Aussage</a> des EKD-Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider <em>„Ob Maria eine Jungfrau war oder nicht, ist für meinen Glauben nicht entscheidend.“</em> Oder die <a href="http://taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/maria-war-keine-jungfrau/">Ausführungen</a> der Hamburger Bischöfin Maria Jepsen, auf die Schneider sich bezog: <em>„Da interessiert mich die biologische Wertung überhaupt nicht“</em>, <em>„das alles sind Aussagen, die ich gut respektieren kann bei der katholischen und orthodoxen Kirche, die aber für mich keine Relevanz haben.“</em></p>
<h3>Unchristliche &#8222;Christen&#8220;</h3>
<p>Was das christliche „Fußvolk“ in Europa angeht, so dürfte dessen Großteil die Bezeichnung „christlich“ gar nicht mehr verdienen. Nicht wegen des fehlenden Glaubens an die Jungfrauengeburt. Auch die <em>Kernpunkte</em> des christlichen Glaubens, dass nämlich nur jene in den Himmel kommen (bzw. beim Jüngsten Gericht gerettet werden), die an Jesus glauben und dass Gott seinen eigenen Sohn opfern musste, um den Menschen ihre Sünden zu vergeben, diese Vorstellungen dürften für die meisten „Christen“ – zumindest in Deutschland – unglaubwürdig sein.</p>
<p>Wer durch die Aufklärung geht, der lässt das Christentum hinter sich. Dass viele aufgeklärte Menschen sich immer noch <em>pro forma</em> als Christen bezeichnen, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Christentum als solches die Schwelle zur Aufklärung nicht überschreiten kann, ohne seinen Glaubenskern aufzugeben.</p>
<p>Wie meinte schon Karlheinz Deschner:</p>
<blockquote><p>&#8222;Die guten Christen sind am gefährlichsten – man verwechselt sie mit dem Christentum.&#8220;</p></blockquote>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/skydaddy.wordpress.com/3789/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/skydaddy.wordpress.com/3789/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/skydaddy.wordpress.com/3789/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/skydaddy.wordpress.com/3789/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/skydaddy.wordpress.com/3789/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/skydaddy.wordpress.com/3789/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/skydaddy.wordpress.com/3789/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/skydaddy.wordpress.com/3789/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/skydaddy.wordpress.com/3789/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/skydaddy.wordpress.com/3789/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/skydaddy.wordpress.com/3789/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/skydaddy.wordpress.com/3789/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/skydaddy.wordpress.com/3789/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/skydaddy.wordpress.com/3789/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&amp;blog=10467017&amp;post=3789&amp;subd=skydaddy&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Zum Weltuntergang: Steinwürfe aus dem Glashaus</title>
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		<pubDate>Tue, 24 May 2011 01:40:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Skydaddy</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Kirchenvertreter haben kein Recht, Weltuntergangspropheten wie Harold Camping zu kritisieren, die für das Jüngste Gericht einen konkreten Termin nennen. Jesus selbst hatte das Reich Gottes fälschlich schon für seine Generation erwartet – und die Kirche verkündet 2.000 Jahre später immer noch, dass er der Sohn Gottes gewesen sei und irgendwann wiederkommt. Wenn das so weitergeht, scheint [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=skydaddy.wordpress.com&amp;blog=10467017&amp;post=3769&amp;subd=skydaddy&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a href="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/05/camping1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-3771" title="Camping" src="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/05/camping1.jpg?w=450&#038;h=337" alt="Der Tag des Jüngsten Gerichts: 21. Mai 2011. Die Bibel garantiert es!" width="450" height="337" /></a></em></p>
<p><strong><em>Kirchenvertreter haben kein Recht, Weltuntergangspropheten wie Harold Camping zu kritisieren, die für das Jüngste Gericht einen konkreten Termin nennen. Jesus selbst hatte das Reich Gottes fälschlich schon für seine Generation erwartet – und die Kirche verkündet 2.000 Jahre später immer noch, dass er der Sohn Gottes gewesen sei und irgendwann wiederkommt.</em></strong></p>
<p><em><span id="more-3769"></span></em></p>
<p>Wenn das so weitergeht, scheint der Begriff „Weltuntergangsstimmung“ einen Bedeutungswandel zu erfahren. Notiz an die Nachwelt: Für das vergangene Wochenende (21. Mai 2011) hatte der 89-jährige US-amerikanische Radioprediger <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Harold_Camping">Harold Camping</a> den Tag des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCngstes_Gericht">Jüngsten Gerichts</a> vorausgesagt – „Die Bibel Garantiert Es!“ (Siehe Foto.)</p>
<p>Atheisten und Skeptiker hatten dies zum Anlass genommen, sich ausgiebig darüber lustig zu machen – es war ja nicht das erste Mal, dass jemand das Jüngste Gericht vorhergesagt hatte (Camping selbst hatte dies 1994 schon einmal getan) – und für die fragliche Zeit (18 Uhr Ortszeit) zu „Weltuntergangsparties“ eingeladen.</p>
<p>Nachdem es Camping gelungen war, durch eine millionenschwere Werbekampagne international Aufmerksamkeit zu erlangen, hatten sich kurz vor dem Stichtag auch deutsche Kirchenrepräsentanten zu der Vorhersage <a href="http://www.idea.de/index.php?id=891&amp;tx_ttnews%5btt_news%5d=95564&amp;cHash=be0131347b477c37b352c0d5e72c9f35">geäußert</a>:</p>
<blockquote><p>Für den Vorsitzenden des Arbeitskreises für evangelikale Theologie (AfeT), <a href="http://www.bengelhaus.de/lehrer/rolf-hille.htm">Rolf Hille</a> (Heilbronn), sind solche Voraussagen ein immer wiederkehrendes Ärgernis. „Man könnte geradezu vom ‚Gesetz der Erhaltung des apokalyptischen Unsinns’ reden, wenn man die Vorhersagen dieses selbsternannten Endzeitpropheten liest“, sagte er am 20. Mai auf Anfrage von idea. […]</p>
<p>Ähnlich äußerte sich der Leiter der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Evangelische_Zentralstelle_f%C3%BCr_Weltanschauungsfragen">Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW)</a> [Anmerkung: früher „<a href="http://www.ibka.org/artikel/rundbriefe04/apol.html">Apologetische Centrale</a>“, spöttisch auch „Glashaus“ genannt], <a href="http://www.ekd.de/ezw/wirueberuns_dr_reinhard_hempelmann.php">Reinhard Hempelmann</a> (Berlin). Er wies gegenüber <a href="http://www.idea.de/index.php?id=891&amp;tx_ttnews%5btt_news%5d=95564&amp;cHash=be0131347b477c37b352c0d5e72c9f35">idea</a> Campings Prophezeiungen als spekulative Bibelauslegung zurück. Hempelmann: „Der Bibel kann kein Endzeitfahrplan entnommen werden.“ Aber solche Prophetien lägen dem neuzeitlichen Menschen offensichtlich nahe. Krisenzeiten seien häufig von „euphorischen oder düsteren Zukunftserwartungen“ begleitet. Ein apokalyptischer Weltpessimismus sei zwar nicht als breite Strömung erkennbar, werde aber in bestimmten Milieus gepflegt und gelebt.</p></blockquote>
<p>Herrn Hille scheinen solche Vorhersagen regelrecht peinlich zu sein. Aber worin besteht eigentlich die Peinlichkeit, bzw. das „Ärgernis“, von dem Hille spricht? – Die Vorstellung des Jüngsten Gerichts an sich kann es nicht sein, dann daran glauben ja <em>alle</em> Christen (oder sollten es zumindest): Im <a href="http://www.ekd.de/glauben/bekenntnisse/apostolisches_glaubensbekenntnis.html">Glaubensbekenntnis</a> heißt es:</p>
<blockquote>
<p align="left">[Vom Himmel] wird er [d.h. Jesus] kommen,<br />
zu richten die Lebenden und die Toten.</p>
</blockquote>
<p>Abgesehen davon erscheint die Vorstellung des Jüngsten Gerichts auch nicht sonderbarer als andere zentrale christliche Vorstellungen, z.B. (wieder aus dem Glaubensbekenntnis)</p>
<blockquote>
<p align="left">[Jesus Christus wurde] empfangen durch den Heiligen Geist,<br />
geboren von der Jungfrau Maria</p>
</blockquote>
<p>oder</p>
<blockquote>
<p align="left">hinabgestiegen in das Reich des Todes,<br />
am dritten Tage auferstanden von den Toten,<br />
aufgefahren in den Himmel;<br />
er sitzt zur Rechten Gottes</p>
</blockquote>
<p>Als <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Evangelikal">Evangelikaler</a> dürfte Rolf Hille alle diese Vorstellungen teilen, also auch und gerade die Vorstellung, dass Jesus zum Jüngsten Gericht wieder erscheinen wird. Worin besteht also das Ärgernis in Campings Prophezeiung? Es kann eigentlich nur darin bestehen, dass diese Aussage – im Gegensatz zu den anderen christlichen „Glaubenswahrheiten“ – <em>überprüfbar</em> ist und sich somit als falsch erweisen kann und wird, bzw. erwiesen hat. Aus wissenschaftlicher Sicht muss Campings Aussage eigentlich als „besser“ gelten als die übrigen Dinge, an die Herr Hille glaubt (bei EKD-Vertretern wie Herrn Hempelmann darf man bezweifeln, ob die wirklich alles glauben, was im Glaubensbekenntnis steht) – eben weil seine Aussage <em>überprüfbar</em> war.<strong> Hille hat meines Erachtens kein Recht, <em>konkrete</em> Vorhersagen als „apokalyptischen Unsinn“ abzutun, solange er selber den gleichen Unsinn glaubt</strong> und ihn lediglich unwiderlegbar macht, indem er sich nicht auf ein Datum festlegt. Und es ist ein Zeichen religiöser Verblendung, wenn Evangelikale in den USA jetzt <a href="http://www.idea.de/nachrichten/detailartikel/artikel/endzeitspekulation-falscher-prophet-ist-perplex.html">fordern</a>, Camping sollte für seine falsche Prophezeiung Buße tun, aber gleichzeitig darauf hinweisen, er habe insofern Recht, als der Jüngste Tag tatsächlich bevorstehe. ‘Wir wissen nur nicht wann’“.</p>
<p>Bemerkenswert auch die Aussage von Reinhard Hempelmann von der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Evangelische_Zentralstelle_f%C3%BCr_Weltanschauungsfragen">Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW)</a>, „solche Prophetien lägen dem neuzeitlichen Menschen offensichtlich nahe“. Dem <em>neuzeitlichen</em> Menschen? Solche Prophezeiungen sind so alt wie das Christentum, schließlich ist die bekannteste Apokalypse immer noch die <a href="http://www.die-bibel.de/nc/online-bibeln/luther-bibel-1984/lesen-im-bibeltext/bibelstelle/Offb/anzeige/context/#iv">Apokalypse (Offenbarung) des Johannes</a> – das letzte Buch der christlichen Bibel. Und auch Jesus selbst war Apokalyptiker:</p>
<blockquote><p><strong>Jesus selbst ist – wie viele seiner Zeitgenossen – Apokalyptiker. </strong>Dies wird in seinem Grundverständnis sichtbar:</p>
<p>„Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium&#8220; (<a href="http://www.die-bibel.de/nc/online-bibeln/luther-bibel-1984/lesen-im-bibeltext/bibelstelle/Mk%201,15/anzeige/context/#iv">Mk 1,15</a>) –  mit diesen Worten beginnt er seine Verkündigung. Immer wieder redet er vom Anbruch der Endzeit, von den „Wehen der Endzeit&#8220;, von der Wiederkunft des „Sohnes des Menschen&#8220; (gemäß der Apokalypse des Daniel) und der Zerstörung des Tempels. Er fordert seine Jünger auf, auszuharren, wachsam zu sein, rasch wie richtig zu reagieren, wenn es soweit ist. [Hervorhebung von mir.]</p></blockquote>
<p><a href="http://www.jesuswahn.de/"><img class="size-thumbnail wp-image-3776 alignright" title="Jesuswahn-Cover_72dpi" src="http://skydaddy.files.wordpress.com/2011/05/jesuswahn-cover_72dpi.jpg?w=103&#038;h=150" alt="" width="103" height="150" /></a>So der damalige Leiter der schweizerischen katholischen Arbeitsstelle „Neue religiöse Bewegungen“, Pfarrer Joachim Müller 2000 in dem Beitrag „Apokalyptische Botschaften – christliche Hoffnung wider alle Hoffnungslosigkeit“ in „<a href="http://www.ekd.de/ezw/dateien/EZW_Texte_151_Internet.pdf">Dialog und Unterscheidung. Religionen und religiöse Bewegungen im Gespräch</a>“ (S. 199), einer Publikation der EZW und herausgegeben von Reinhard Hempelmann und Ulrich Dehn. Müller versucht im Anschluss natürlich, irgendwie die Kurve zu kratzen und die Peinlichkeit, dass sich Jesus mit seiner <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Naherwartung">Naherwartung</a> des Gottesreiches geirrt hat (was ein starkes Argument gegen seine Göttlichkeit ist) zu kaschieren. Deutlicher wird da der Theologe <a href="http://www.jesuswahn.de/index.html">Heinz-Werner Kubitza</a> in seinem Buch „<a href="https://www.amazon.de/dp/3828824358/ref=as_li_ss_til?tag=atheismusde-21&amp;camp=2906&amp;creative=19474&amp;linkCode=as4&amp;creativeASIN=3828824358&amp;adid=0MNCJHG36Z9JB8XZ47EZ&amp;">Der Jesuswahn. Wie die Christen sich ihren Gott erschufen. Die Entzauberung einer Weltreligion durch die wissenschaftliche Forschung</a>“: Er widmet dem „Kardinalirrtum Jesu – das Gottesreich kam nicht“ gleich ein ganzes Kapitel (S. 96-105, bei allen folgenden Zitaten Kursivschrift im Original, fette Hervorhebungen von mir).</p>
<blockquote><p><strong>Die neutestamentliche Forschung ist sich einig, dass der Hauptinhalt der Predigt Jesu in der Ankündigung des nahen Gottesreichs bestand</strong>, wie es z. B. in <a href="http://www.die-bibel.de/nc/online-bibeln/luther-bibel-1984/lesen-im-bibeltext/bibelstelle/Mk%201,15/anzeige/context/#iv">Mk 1,15</a> ausgedrückt wird: „Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen.” [...] Dass der historische Jesus wirklich vom Reich Gottes gesprochen hat, ergibt sich für die Forschung u. a. daraus, dass dieses zentrale Anliegen Jesu für die spätere Kirche eine immer geringere Rolle gespielt hat. [...] Der Begriff setzt ein jüdisches oder judenchristliches Umfeld voraus. Eben diese mangelnde Verständlichkeit und die deutliche Rücknahme der Verwendung dieser Vorstellung sprechen dafür, dass wir es hier mit einem Teil der <em>ipsissima vox</em>, der ureigentlichen Verkündigung Jesu zu tun haben. <strong>Jesus hat das nahe Kommen des Reiches Gottes verkündigt.</strong> [...]</p>
<p>Gegenüber dem Passionsgeschehen, den Wundern und den ethischen Weisungen Jesu spielt auch heute in der Verkündigung der Kirchen das Reich Gottes, so wie es Jesus verkündigt hat, nur noch eine untergeordnete Rolle. Dies hängt auch damit zusammen, dass sich hier für die Kirchen <strong>das Problem der <em>Naherwartung</em></strong> zeigt. Jesus hat das baldige Reich Gottes verkündigt. <strong>Er hat sich damit im zentralen Thema seiner Verkündigung geirrt</strong>, denn das Reich Gottes, dessen Ankunft er als nah bevorstehend gepredigt hat, ist nicht gekommen.</p>
<p>So verkündet Jesus nach <a href="http://www.die-bibel.de/nc/online-bibeln/luther-bibel-1984/lesen-im-bibeltext/bibelstelle/Mk%209,1/anzeige/context/#iv">Mk 9,1</a>: „Es stehen einige hier, die werden den Tod nicht schmecken, bis sie das Reich Gottes kommen sehen in Kraft.” Seine Jünger hat er zur Verkündigung ausgesandt mit den Worten: „Ihr werdet mit den Städten Israels nicht zu Ende kommen, bis der Menschensohn kommt” (<a href="http://www.die-bibel.de/nc/online-bibeln/luther-bibel-1984/lesen-im-bibeltext/bibelstelle/Mt%2010,23/anzeige/context/#iv">Mt 10,23</a>). Und in <a href="http://www.die-bibel.de/nc/online-bibeln/luther-bibel-1984/lesen-im-bibeltext/bibelstelle/Mk%2013,30/anzeige/context/#iv">Mk 13,30</a> bekräftigt er: „Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschehen sein wird.” Für die Historizität dieser Worte spricht, dass sie sich schon bei Abfassung des ältesten Evangeliums quasi als falsch herausgestellt hatten und überholt waren. Sie hätten schwerlich später erfunden werden können, ihr Niederschlag in den Evangelien ist überhaupt nur zu verstehen, wenn sie die Autorität Jesu haben beanspruchen können.</p>
<p>Rudolf Bultmann fasst so stellvertretend für die neutestamentliche Forschung zusammen: <strong>„Es bedarf keines Wortes, daß sich Jesus in der Erwartung des nahen Weltendes getäuscht hat.”</strong> (Rudolf Bultmann, <a href="https://www.amazon.de/dp/3491690153/ref=as_li_ss_til?tag=atheismusde-21&amp;camp=2906&amp;creative=19474&amp;linkCode=as4&amp;creativeASIN=3491690153&amp;adid=1J77ARSTNF26TX7V2GDW&amp;">Das Urchristentum</a>, S. 22) Nach 2000 Jahren warten die Christen immer noch auf die Zeitenwende, die ihnen ihr Herr fälschlicherweise als unmittelbar bevorstehend angekündigt hat. Und man darf den Kirchen mit Recht die Frage stellen, wie der Sohn Gottes, als den sie ihn ja verkündigen, sich so habe irren können.</p></blockquote>
<p>Nun ist es typisch für Leute, die an so etwas glauben, dass selbst offensichtliche Irrtümer sie nicht mehr von ihrem Glauben abbringen können. Das wird sich vermutlich bald bei Camping und seinen Anhängern zeigen, das war allerdings auch schon bei den ersten Christen der Fall. Wie Kubitza in „Der Jesuswahn“ ausführt:</p>
<blockquote><p>Die Ankün­digung des Gottesreichs spielte für die ersten Christen bald keine Rolle mehr. [...] Den Christen insgesamt aber ging es nicht mehr um das Gottesreich, sondern um Christus. Hat­te Jesus noch an Gott geglaubt, so glaubten die ersten Christen an Jesus, hatte Jesus noch den kommenden Gott verkündet, so ver­kündigten die ersten Christen den gekreuzigten Christus, und hat­te Jesus noch auf Gottes Erscheinen gewartet, erwarteten die ersten Christen das Wiedererscheinen Jesu. [...]</p>
<p><strong>Geschichtlich beobachten wir jedoch zunächst einen Wandel der Naherwartung.</strong> Während Jesus und auch schon der Täufer ver­geblich auf das Kommen und Eingreifen Gottes gewartet hatten, warteten die ersten Christen nun ihrerseits auf den wiederkehren­den und erhöhten Christus, auf den jüngsten Tag und das Endge­richt, die endgültige Aufrichtung der göttlichen Herrschaft.</p>
<p>Doch wieder wurden die Erwartungen auf eine schwere und vor allem lange Probe gestellt. Godot ist inzwischen angekommen, doch auf den wiederkehrenden Christus wartet die Christenheit seit fast 2000 Jahren vergeblich. Gleichwohl wird immer wieder versichert, es könne jetzt nicht mehr lange dauern, man solle bloß nicht ungeduldig werden. <strong>So setzt sich der Irrtum Jesu als Irrtum </strong><strong>derer fort, die an ihn glauben, und decouvriert die christliche Hoff­nung nicht nur als strapaziert, sondern auch als zunehmend pein­lich.</strong></p></blockquote>
<p>Wenn der EKD-Weltanschauungsexperte Reinhard Hempelmann erklärt: „Ein apokalyptischer Weltpessimismus [...] werde [...] in bestimmten Milieus gepflegt und gelebt“, dann muss man ihm entgegenhalten: „Ja! – Und Jesus, seine Jünger, Paulus und die ersten Christen <em>bildeten</em> gerade das (von Herrn Hempelmann offenbar gering geschätzte) Milieu, indem diese – christlichen – „euphorischen oder düsteren Zukunftserwartungen“ <em>als erstes</em> gepflegt wurden. Kubitza:</p>
<blockquote><p>[...] Paulus geht in seinen (echten) Briefen gleich zweimal auf das Problem der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Parusie#Parusieverz.C3.B6gerung_als_Problem_der_Kirche">Parusieverzögerung</a> ein, es scheint geradezu zu sei­nem Standardrepertoire zu gehören. [...] Der Apostel und mit ihm die christliche Gemeinde rechnet also 20 Jahre nach dem Tode Jesu noch fest mit dessen Wiederkunft noch zu ihren Lebzeiten. [...] Auch einige Jahre später, im ersten Brief an die Korinther, fin­det sich der gleiche Gedankenkreis [...] Es fällt aber auf, dass hier eher davon ausgegangen wird, dass die meisten sterben werden bis zur Wiederkunft des Herrn, während im Brief an die Thessalonicher das Übrigbleiben noch als Regel angesehen wurde. <strong>Die Naherwartung lässt nach, die Realität vertreibt die Illusion ei­ner baldigen Wiederkehr Christi, ohne dass sie freilich ganz aufge­geben wird.</strong> In den späteren Schriften des NT [Neuen Testaments] verkündet der erste Petrusbrief (der nicht von Petrus stammt): „Das Ende der Dinge ist nahe herbeigekommen; seid besonnen und nüchtern zum Gebet.” (<a href="http://www.die-bibel.de/nc/online-bibeln/luther-bibel-1984/lesen-im-bibeltext/bibelstelle/1%20Petr%204,7/anzeige/context/#iv">1. Petr 4,7</a>) Und der erste Johannesbrief meint fälschlicherweise ebenso: „Ihr Kinder, die letzte Stunde ist da.” (<a href="http://www.die-bibel.de/nc/online-bibeln/luther-bibel-1984/lesen-im-bibeltext/bibelstelle/1.%20Joh%202,18/anzeige/context/#iv">1. Jh 2,18</a>) Der Jako­busbrief mahnt: „So bleibet denn standhaft, liebe Brüder, bis zur Ankunft des Herrn. [...] Der Richter steht vor der Tür.” (<a href="http://www.die-bibel.de/nc/online-bibeln/luther-bibel-1984/lesen-im-bibeltext/bibelstelle/Jak%205,7-9/anzeige/context/#iv">Jk. 5,7+9</a>) Doch der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Clemensbrief">erste Clemensbrief</a>, der es nicht mehr ins Neue Testa­ment geschafft hat, referiert bereits die Klagen derjenigen, die des Wartens müde geworden sind: <strong>„Dies haben wir auch schon in den Tagen unserer Väter gehört, und siehe, wir sind alt geworden, und nichts von all dem ist uns widerfahren.”</strong> (<a href="http://www.glaubensstimme.de/doku.php?id=autoren:clemens:clemens-erster_clemensbrief">1. Clem</a> 23,3)</p></blockquote>
<p>In einem <a href="http://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article13365410/US-Prediger-sagt-Weltuntergang-fuer-21-Mai-voraus.html">Artikel</a> auf WELT ONLINE über Campings Vorhersage war zu lesen:</p>
<blockquote><p>Wenn die Apokalypse dann doch nicht eintritt, seien die Gläubigen gewöhnlich „schockiert, verwirrt oder enttäuscht“, so Endzeitexperte Wojcik. Aber viele blieben den Propheten treu. Denn diese fänden gewöhnlich Erklärungen für die „Verzögerung“, zum Beispiel die, dass die Gläubigen durch ihren festen Glauben die Welt gerettet hätten oder dass Gott in letzter Minute eingegriffen habe.</p></blockquote>
<p>Das gilt auch und gerade für die ersten Christen – und die heutigen ebenso. Kubitza:</p>
<blockquote><p>Noch bis weit ins zweite Jahrhundert wurde an der <em>baldigen </em>Wiederkunft Christi trotzig und naiv festgehalten. Und natürlich suchte man in der Bibel nach einer Erklärung für die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Parusie#Parusieverz.C3.B6gerung_als_Problem_der_Kirche">Parusiever­zögerung</a>, genauer: für das Ausbleiben der Parusie. Und man fand sie z. B. in <a href="http://www.die-bibel.de/nc/online-bibeln/luther-bibel-1984/lesen-im-bibeltext/bibelstelle/Ps%2090,4/anzeige/context/#iv">Psalm 90,4</a>: „Tausend Jahre sind vor dir wie der gestrige Tag”, den der zweite Petrusbrief aufnimmt und trotzig hinzusetzt: „Der Herr verzögert nicht die Verheissung, wie es einige für eine Verzögerung halten [...].” (<a href="http://www.die-bibel.de/nc/online-bibeln/luther-bibel-1984/lesen-im-bibeltext/bibelstelle/2.%20Petr%203,9/anzeige/context/#iv">2. Petr 3,9</a>) <strong>Dergleichen Ausreden hört man auch heute noch in frommen Kreisen. Alles scheint annehm­barer, als einen Irrtum einfach zuzugeben.</strong></p></blockquote>
<p>Wie Kubitza überzeugend ausführt, hat sich Jesus in dem Kernpunkt seiner Verkündigung schlichtweg geirrt. Somit <em>verbietet</em> es sich geradezu, in ihm einen „Sohn Gottes“ bzw. Gott selbst zu sehen, oder auch nur seinen übrigen (angeblichen) Aussagen Beachtung zu schenken, die über das Maß anderer Weisheitslehrer hinausgeht. Den meisten „Christen“ dürfte dies nicht bewusst sein, aber studierte Theologen wie Hille, Hempelmann und Müller wissen dies. Wenn Hille in Bezug auf Camping und Konsorten fordert: „Glaubt ihnen nicht; es sind falsche Propheten!“, dann muss er sich fragen lassen, wieso er Jesus glaubt, der sich schon vor 2.000 Jahren geirrt hat.</p>
<p>Jesus soll ja gesagt haben: (<a href="http://www.die-bibel.de/nc/online-bibeln/luther-bibel-1984/lesen-im-bibeltext/bibelstelle/Mt%207,3-4/anzeige/context/#iv">Mt 7,3-4</a>)</p>
<blockquote><p>Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge? Oder wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen?, und siehe, ein Balken ist in deinem Auge. Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; danach sieh zu, wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst.</p></blockquote>
<p>Heute würde man sagen: Wenn ein Weltanschauungsbeauftragter mit dem Finger auf andere zeigt, zeigen drei Finger auf ihn selbst zurück. Aber Hille, Hempelmann et al. denken sich vermutlich: „Davon geht die Welt nicht unter!“</p>
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