Wann tritt Heinz Eggert aus der Kirche aus?

In der gestrigen Anne-Will-Sendung erklärte der evangelisch-lutherische Theologe Heinz Eggert (1:11:45)

“Ein Gott, der eine Hölle einrichtet, um im Grunde Andersdenkende zu vernichten – da wäre ich der erste, der aus der Kirche austreten und öffentlich abschwören würde.”

Herr Eggert ist Wikpedia zufolge evangelisch-lutherisch und somit vermutlich Mitglied der Evangelisch-Lutherischen Landeskriche Sachsens. (Das Folgende gilt aber m.W. für alle Lutheraner.) Er sollte sich mal die Bekenntnisse seiner Kirche durchlesen. Die sächsische Landeskirche beruft sich nämlich auch auf das Augsburger Bekenntnis von 1830, über das ich neulich schon im Zusammenhang mit der evangelikalen Lukas-Schule in München gebloggt habe. Darin werden die Hölle zwei Mal, der (bzw. die) Teufel sechs Mal erwähnt, ferner “ewiger Gotteszorn” und “ewige Verdammnis”.

Aus Zeitgründen hier nur der Abschnitt, der am deutlichsten im Widerspruch zu Eggerts obiger Aussage steht:

ARTIKEL 17: VON DER WIEDERKUNFT CHRISTI ZUM GERICHT

Auch wird gelehrt, daß unser Herr Jesus Christus am Jüngsten Tag kommen wird, um zu richten und alle Toten aufzuerwecken, den Gläubigen und Auserwählten ewiges Leben und ewige Freude zu geben, die gottlosen Menschen aber und die Teufel in die Hölle und zur ewigen Strafe verdammen wird.
Deshalb werden die verworfen, die lehren, daß die Teufel und die verdammten Menschen nicht ewige Pein und Qual haben werden.

Auch andere Äußerungen Eggerts in der Sendung – sinngemäß: Wer von der Hölle spreche, beleidige damit Gott – stehen in klarem Widerspruch zu diesem Bekenntnis.

Umso bemerkenswerter, das Eggert in der Sendung sagte, von der Hölle hätte er bisher nur wenig gehört. Hat er sich als Theologe nie die Grundlagen seines eigenen Bekenntnisses durchgelesen?

Herr Eggert: Wann treten Sie aus der Kirche aus?

Anmerkung: Wenn Eggert noch diesen November seinen Kirchenaustritt erklärt, muss er nächstes Jahr keine Kirchensteuer mehr zahlen. Erklärt er ihn erst im Dezember, muss er nächstes Jahr noch zahlen.

22 Antworten zu Wann tritt Heinz Eggert aus der Kirche aus?

  1. Muriel sagt:

    Auch unter den Höllen gibt es ja sone und solche.
    Ist Herr Eggert vielleicht einer dieser Theologen, die sich mehr eine freiwillig gewählte Gottesferne vorstellen, die zwar prinzipiell ganz furchtbar ist, von dem hoffnungslosen Sünder, den sie betrifft, aber nicht so empfunden wird, weil er ja den Gott von Herr Eggert ablehnt?
    Oder so?

  2. dubiator sagt:

    Logik ist die Sache von Theo-logen nicht.

  3. Cees van der Duin sagt:

    Danke!!! Konsequent gedacht und pfiffig geschrieben.

    Die theologischen Herrschaften wollen Karriere machen. Und in vielen US-amerikanischen oder europäischen Vorstädten oder Innenstädten ist Religion inzwischen längst gleichbedeutend mit der wortwörtlich verstandenen Lehre von Koran und Hadith, da wird sich das christlich-islamische Höllenfeuer interreligiös “fusionieren” lassen.

    Kein Pfarrer oder Pastor widerspricht dem Religionsverständnis (und Menschenbild) von Imam al-Ghazali (gestorben 1111) oder Scheich Yusuf al-Qaradawi. Wenn das so weiter geht, wird ein erneuertes Mittelalter betreten. Kinder sollen, geht es nach den christlich-islamischen Theologen, das gottesfürchtige Zittern lernen, erlebnispädagogisch wertvoll …

  4. user unknown sagt:

    Ich habe die Sendung (allerdings nicht ganz von Anfang) gesehen. Es war bemerkenswert, wie heftig und systematisch er anderen immer wieder ins Wort fiel.

    Der war also gar nicht an einem Dialog interessiert, sondern an Verkündigung und inquisitorischer Gesprächsgestaltung.

  5. Ijon Tichy sagt:

    Religion war für Eggert Mittel zum Zweck der inneren Emigration aus der DDR-Diktatur. Jetzt, wo es den Zweck nicht mehr gibt, muß er das Mittel zum Zweck machen. Das macht ihn so aggressiv. Gleichzeitig offenbart er seine theologische Unwissenheit, weil er nämlich nie innerlich hinter dem stand, was die Kirchen offiziell lehren.

  6. bertfritz sagt:

    Die so bezeichnete inquisitorische Gesprächsgestaltung gehört mit zur rhetorischen Ausbildung, die wir alle bezahlen, damit sie uns hinterher ein Berufsleben lang ( ebenfalls von uns allen bezahlt ) mit Phrasen zuschütten, die nichtssagend sind!

  7. DA müsste auch der ehemalige Landesbischof Huber aus der Kirche austreten. Der glaubt nämlich auch nicht an die Hölle, wie er in einer Fernsehdiskussion mit Richard Dawkins bekannte. Das was in der Liturgie / Glaubensbekenntnis steht ist längst nicht mehr das, was an theologischen Fakultäten gelehrt wird. Siehe hierzu auch auf meiner Homepage http://www.kreudenstein-online.de Link Index unter dem BuchstabenH “Der Mythos der Hölle”. Deshalb hört man auch schon gelegentlich in Gottesdiensten nicht mehr das Wort Hölle, sondern das Wort Unterwelt, was immer man darunter verstehen mag.

  8. Siggi72 sagt:

    Ich denke, dass Herr Eggert jetzt argumentieren würde, dass in seinem Zitat die Betonung darauf lag, dass Gott nicht der Handelnde sei, der die Hölle erst einrichten würde. Sondern vielmehr sei es so (“Man kann das auch umgekehrt betrachten”, sagte er bei der Theodizee), dass Gott uns ja vor der Hölle bewahren möchte, er aber nicht derjenige ist, der sie eingerichtet habe. Es gibt also anscheinend gewisse Dinge, die selbst Gott nicht ändern kann, z. B. sei er auf unser Ja zu ihm angewiesen, weil er nicht unsere Willensfreiheit wegnehmen wolle. Oder er musste seinen Sohn bzw. sich als Jesus opfern und viel leiden, um uns zu erlösen, und wenn wir ihn da wegstoßen, dann seien wir selbst schuld daran, wenn wir in die Hölle kommen. Die Hölle sei ja nur die Gottesferne, und das sei eben so schlimm, dass man sie uns so ausmalen müsse. Und so weiter.

  9. Claus Adler sagt:

    Pfiffig geschrieben.
    aber…Herr Eggert hat ein paar Mal auf die Sprachebene hingewiesen. Damit hatte er Recht. Biblische Bilder müssen entschlüsselt werden. So habe ich ihn verstanden
    (die FAZ wohl auch, die ihn einen klugen Theologen nannte)
    Er hat auch nicht gesagt, dass er von der Hölle bisher nur wenig gehört hätte, sondern, dass er das von Kindern noch nicht gehört hat.

    Für mich tröstlich, das er bei der Begleitung von Sterbenden im Hospiz ( wo er meine ungeteilte Hochachtung hat) nicht ständig mit der Hölle drohen wird

    • Skydaddy sagt:

      Abzustreiten, dass Kinder an die Hölle glauben, halte ich für genauso dumm wie den Verweis (von Eggert, nicht von Dir) auf Biblische Bilder, die entschlüsselt werden müssen.

      Jesu Aussagen über die Hölle sind ganz klar, es geht um Folter als Strafe. Ob die nun tatsächlich durch “Feuer” oder dergleichen erfolgt, ist völlig irrelevant, entscheidend ist der Effekt, und der läuft auf ewige Folter hinaus.

      Ich halte Eggert für geschickt, aber nicht für klug, und so, wie er sich in der Sendung verhalten hat, würde ich ihn auch nicht an meinem Sterbebett haben wollen.

  10. spritkopf sagt:

    Letztlich ist es vollkommen wurscht, was die Damen und Herren aus der Kirche daherschwafeln. Jeder von denen meint, er habe direkten und persönlichen Zugriff auf Gottes Willen und so strickt sich auch jeder seine persönliche Glaubenswahrheit zurecht. Und diese kann im Notfall (sprich: wenn der Betreffende in einer Diskussion mit einem unangenehmen Argument konfrontiert wird) instantan “den Erfordernissen angepasst” (sprich: umgelogen) werden.

    Was im Islam als Taqqiya bekannt ist, gibt es auch in den christlichen Kirchen: Die Erlaubnis zu lügen, dass sich die Balken biegen, solange es nur der Kirche nutzt.

    • Skydaddy sagt:

      Die Frage ist natürlich: Wenn es keine Hölle gibt bzw. alle davor gerettet werden, welchen Sinn sollte dann Jesu “Sühnetod” bzw. der Glaube an ihn haben?

      EKD-Ratsvorsitzender Schneider leugnet übrigens auch jede sinnvolle Form der Hölle: http://www.pro-medienmagazin.de/?id=gesellschaft&news%5Baction%5D=detail&news%5Bid%5D=6050

      • Muriel sagt:

        Ungefähr das diskutiere ich ja gerade mit eumloquatur, beziehungsweise habe aufgehört es zu diskutieren.
        Während ich seine Ausführungen in diesem Fall nicht sehr erhellend finde, kann ich mir grundsätzlich schon vorstellen, dass jemand einfach glaubt, durch das Opfer wäre unser gestörtes Verhältnis zu Jahwe wieder gerade gerückt worden, ganz ohne Hölle.
        Das ergibt zwar auch genau keinen Sinn, aber damit auch nicht weniger als die Idee von der Hölle, vor der Jesus uns gerettet hat.
        Und Rayson von den bissigen Liberalen glaubt, wenn ich ihn richtig verstanden habe, dass Nichtchristen nach dem Tod halt einfach weg sind, während Christen ewig weiterleben. Auch diese Variante erfordert keine Hölle.

      • Skydaddy sagt:

        @Muriel:

        Das kann man natürlich glauben, das hat dann mit dem klassischen Christentum aber nicht mehr viel zu tun.

        Aber danke für den interessanten Hinweis.

      • Muriel sagt:

        Klar, aber was ist schon klassisches Christentum? Die Bibel widerspricht sich in der Sache selbst, und was katholische Konzile vor tausend Jahren mal festgelegt haben, kann einem doch egal sein, solange man nicht gerade Katholik ist, und auch wenn man einer ist, schafft man es erfahrungsgemäß ganz gut, trotzdem irgendwie alle katholische Doktrin, die einem nicht passt, irgendwie wegzurationalisieren, was aus skeptischer Perspektive merkwürdig scheinen mag, für religiösen Glauben als grundsätzliche Fähigkeit aber sowieso konstitutiv und damit gar nichts Besonders mehr ist.
        Denke ich.

      • Skydaddy sagt:

        Jaaaa, aber wir reden Hier ja von THEOLOGEN, und die sind eigentlich bekenntnisgebunden. Ein katholischer Theologe könnte z.B. nie die Hölle leugnen ohne seine Lehrerlaubnjs zu verlieren. Und auch die evangelischen Kirchen haben ja ihre Bekenntnischriften. Es scheint den EKD-Kirchen allerdings zu peinlich zu sein, ihre Theologen zu disziplinieren. Nur: Dann sollten sie sich konsequenterweise halt auch von ihren Bekenntnissen trennen, die sind doch heute eher Ballast.

      • Muriel sagt:

        Ach ja, du hast Recht, das hatte ich nicht bedacht.
        Dieses Konzept, dass *räusper*Wissenschaftler*hust* an Universitäten verpflichtet sind, bestimmte Dinge zu glauben, will irgendwie nicht in meinen Kopf. Sieht man wieder, wie engstirnig diese Atheisten sind.

      • spritkopf sagt:

        Ach, wer mal parallel eine Bibelauslegung nach historisch-kritischer Methode und eine von der Irrtumslosigkeit der Bibel ausgehende Exegese gelesen hat, der kann den Spruch von den unumstößlichen Glaubenswahrheiten des Christentums eh nicht mehr ernst nehmen. Da herrscht die große Beliebigkeit.

  11. okasch sagt:

    Ich betrachte des geschilderte Beispiel für einen sehr typischen Ausdruck der modernen, nur halb-aufgeklärten Zivilisation. Man lebt mit gefühlten Widersprüchen, macht ein Einerseits-andererseits, das nicht wirklich aufgeht. Ich wette, der Herr würde in anderen Kreisen durchaus auch mal den Standpunkt vertreten, es gibt eine Hölle. Und obendrein würde er sich selbst einreden, dass das schon irgendwie zusammenpasst.
    Der Mensch steckt voller Widersprüche. Er hat die Aufklärung nicht voll in sich aufgenommen und er hat es verpasst, eine Religiösität mit gesundem Glaubenskonzept zu entwickeln (was an sich eigentlich ziemlich einfach wäre…). Die menschliche Innenwelt ist oft genug ein blindes und feiges Chaos.

    Aber immerhin: Wir werden bei Herrn Eggert ja gerade Zeuge, wie er ein bißchen Licht in seinen vernebelten Geist lässt. Er lehnt sich gegen die Hölle auf! Vielleicht sollte man nicht noch mehr verlangen. Dass es hier doch eigentlich einen Widerspruch zur offiziellen Lehre gibt – für diesen Schritt ist er wohl noch nicht reif. Vielleicht ja in zehn Jahren. Vielleicht schafft er es dann ja auch gleich, eine angemessene Konsequenz zu ziehen.

  12. Hoffmann sagt:

    Wenn man bedenkt das der Mensch so eine immense Zeit verpulvert für eine nicht existierende Sache (Gott)dann kommt man
    echt ins grübeln.Ich habe die Sendung mir angeschaut und mitgeschnitten und kann sagen das die Gläubigen allein durch ihre
    verworrenen Vorstellungen sich selber ins Aus katapultieren.Das Problem ist nur und das wurde auch in dieser Sendung wieder mal sehr schön deutlich…das,wenn man den Gläubigen den Spiegel vorhält und ihnen Realitäten aufzeigt…sofort eine Aggressivität und eine Unsachlichkeit aufkommt die aus ihnen heraus bricht mit Geplärre wie bei Herrn Eggert
    und den peinlichen Äußerungen wie die von der CDU-Dame. Da wird wahllos um sich geschossen….Hauptsache mein Gegenüber wird erst nieder gehalten.Echt Erbärmlich ….Das.
    Eine Institution wie das Christentum
    oder der Islam und wie sie sich noch so alle nennen, werden
    nicht der Menschheit helfen die Zukunft zu gestalten,diese ewig Gestrigen können und kennen nur Gewalt …das was diese scheinheiligen als Liebe bezeichnen ist nichts anderes als Geilheit auf Macht und Weltherrschaft.Um auf Herrn Eggert noch mal zu kommen…..er ist ein armer Tropf der sich mal belesen sollte,vor allem mit der Geschichte,da hat er ganz offensichtlich ein großes Defizit.
    Der Satz von Herrn Eggert gibt ihm die Chance Rückgrat zu zeigen oder auch nicht…..wenn ich mir jedoch den Weg dieses Mannes betrachte, dann tippe ich auf :………..nicht.
    Die beiden Atheisten in der Sendung waren die einzig Vernünftigen.

  13. Heinrich sagt:

    Es gibt weder Himmel noch Hölle! Vor etlichen tausend Jahren mag das ja noch Mode gewesen sein, aber heute…
    Wie kann man nur so dumm sein in den aufgeklärten Staaten. Ich glaube allerdings es ist höchstens meistens nur noch Heuchelei.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 51 Followern an

%d Bloggern gefällt das: