Einer der schlechtesten Filme kommt nach Deutschland!

Nächste Woche kommt ein neuer Bibelfilm in, nun ja, “ausgewählte” Kinos (es scheint bundesweit nur 12 Kopien zu geben). Es handelt sich um den Animationsfilm “Die Zehn Gebote – Mose und das Geheimnis der steinernen Tafeln“. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) war an der Produktion beteiligt (s.u.) und versucht den Film nun zu pushen. Publikumspremiere mit der EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann ist am 21. Februar um 14 Uhr im CinemaxX Hannover-Nikolaistraße.

Im Zuge der Filmpromotion wird wieder mal herumposaunt, die Zehn Gebote seien die unverzichtbare Grundlage der heutigen Gesellschaft:

Die Zehn Gebote sind eine der ältesten gesetzlichen Regelungen, die einerseits das Verhältnis von Gott zu den Menschen ansprechen, andererseits das Verhältnis der Menschen untereinander regeln. Die Werteordnung unserer westlichen Gesellschaft basiert auf diesen Geboten, gleichermaßen wie die französische oder amerikanische Verfassung oder die UN-Menschenrechtscharta. Die Zehn Gebote gehören zu den “Basics” christlicher Verkündigung. Darüber hinaus sind sie sowohl das Urmaterial der Gesetzgebung in allen westlichen Zivilisationen als auch die unbestrittene Grundlage unserer Kultur: Emanzipation der Geschlechter, soziale Gerechtigkeit, Sozialgesetzgebung, Demokratie und Schulpflicht, das Recht des Kindes auf Kindheit sind ohne die Zehn Gebote nicht denkbar. [Hervorhebungen von mir, Anmerkungen von mir dazu hier, ausführliche Würdigung der dreisten EKD-Behauptungen bei Aufklärung 2.0.]

Update: Diese dreiste Behauptung findet sich nicht einmal auf der Website der amerikanischen Originalversion.

Der Leiter des EKD-Referates „Medien und Publizistik”, Oberkirchenrat Udo Hahn, schreibt in einem Brief an die Dekaninnen und Dekane, Superintendentinnen und Superintendenten in den Gliedkirchen der EKD:

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Schwestern und Brüder,

mit diesem Schreiben möchte ich Sie auf den Spielfilm „Die Zehn Gebote – Mose und das Geheimnis der steinernen Tafeln“ aufmerksam machen. [...]

Wir wünschen diesem großen Film einen großen Erfolg. Dafür müssen möglichst viele Menschen eine Kinokarte kaufen. Deshalb bitten wir Sie: Machen Sie die Menschen in Ihrem Kirchenkreis und in Ihren Gemeinden auf diesen Film aufmerksam. Sie können ihn empfehlen, weil er eine der zentralen biblischen Geschichten spannend erzählt und zur Beschäftigung mit den Zehn Geboten und ihrer Bedeutung heute einlädt.

Da will ich natürlich nicht zurückstehen – man hilft schließlich, wo man kann! Allerdings möchte ich nicht nur auf den Film an sich aufmerksam machen, sondern auch auf den Umstand, dass der Film bereits Ende 2007 in den USA veröffentlicht wurde und bei der International Movie Database (IMDB) derzeit eine Wertung von 2,6 von 10 möglichen Sternen hat. Das ist noch mal deutlich schlechter als “Catwoman” (3,2), “Batman und Robin” (3,5) oder “Angriff der Killer-Tomaten” (4,2). Der Film soll bei IMDB unter den schlechtesten 100 sein.

Update: Der Film befindet sich derzeit nicht oder nicht mehr in den IMDB Bottom 100. Diese beginnen derzeit bei 2.5 Sternen, während “The Ten Commandments” mit 2.6 Sternen knapp daran vorbei schrammt. (Seit 2007 sind einige schlechte Filme hinzugekommen.) Allerschlechtester Film aller Zeiten ist der Liste zufolge übrigens “Daniel – Der Zauberer” mit Daniel Küblböck.

Die Filmkritikseite Metacritic fasst die professionellen Besprechungen zusammen als “generell unvorteilhafte Beurteilungen”.

Joe Leydon von Variety meinte:

Ein wohlgemeinter Fehlschuss mit einer 3D-Computeranimation, die an schlechtere Videospiele aus den Mittneunzigern erinnert.

 J.R. Jones vom Chicago Reader urteilte:

“Die panoramaartigen Hintergründe sind von seidiger Schönheit, aber die Charaktere sind billig produziert mit Puppengesichtern, übertriebener Muskulatur, winzigen Gelenken und hölzernen Bewegungen.

Es ist, als schaue man zu, wie Max Headroom sein Volk aus Ägypten führt.”

Keith Phipps von The Onion (A.V. Club) war noch weniger angetan und kam zu dem Schluss:

[Der Film] versagt auf jeder Ebene, die man sich vorstellen kann.

Und in den IMDB-Benutzerkommentaren finden sich solche wie:

“Dieser Film verdient mindestens eine Heuschreckenplage”

“Schrecklich”

“Das Schlimmste kommt noch: Der bescheuerte Körperbau der Charaktere. The männlichen Hauptfiguren (Moses, Ramses, Aaron) scheinen alle Brustimplantate zu haben, die die verstorbene Anna Nicole Smith beschämen würden. [...] Der Film ist gespickt mit anonymen hebräischen Komparsen, die unglaublich breit und fett sind. Während es durchaus fortschrittlich sein mag, krankhaft fettleibigen Trickfilmfiguren Arbeit zu geben, ist es sehr unschön für den Zuschauer. Kinder (Moses als Baby, die junge Miriam, der erstgeborene Sohn Pharaos) schaffen es, abstoßend zu wirken statt reizend.”

“Ich möchte WIRKLICH christliche Filme unterstützen, ABER………..

Ich kann nicht nur einen Stern vergeben, weil die Geschichte fabelhaft und biblisch war. Allerdings wusste ich nach den ersten 30 SEKUNDEN des Films, dass mein Mann (ein Künstler) den ganzen Film hindurch seine Kommentare abgeben würde. Die Animation war schrecklich!!! Wir haben 2007 und es sah aus, als sei sie 1987 produziert worden… I hätte es wissen sollen, als meine Gruppe von 5 Personen im Kino saß und NIEMAND SONST hereinkam, dass dies kein großartiger Film sein würde. “Der Prinz von Ägypten” war ein fantastischer Film… I weiß nicht, warum nicht auch dieser… Kommt schon, Hollywood, wir wollen christliche Filme, aber wir wollen, dass sie ihre 8,50 wert sind… Unnötig, darauf hinzuweisen, dass dies kein Film für die Sammlung ist.”

“Wie haben die Sprecher für diesen Film bekommen? [...] Ich habe bessere Animationen auf der original Xbox gesehen. Nur weil du Christ bist musst du nicht jeden Scheiß verteidigen, der als “christlich” deklariert wird. Nach diesem Film schäme ich mich, Christ zu sein!! Geht und kauft euch ein Exemplar von “Der Prinz von Ägypten”, und bleibt bei diesem Film den Kinokassen fern. Geht nicht, rennt!”

“Beleidigend

Dieser Film ist schrecklich. Warum müssen religiöse Filme (nicht bloß christliche, auch jüdische und islamische) immer von so schlechter Qualität sein? Als Christ bin ich beleidigt, dass die Produzenten denken, sie können mich in einen schlechten Film locken, bloß weil es auf der Rückseite “Moses” heißt. Die Handlung ist albern und vermittelt kaum die eigentliche Geschichte von Moses Leben. Die Animation sieht aus wie ein Computerspiel – und zwar nicht wie die guten, die aussehen wie Pixar-Filme, sondern wie die schlechten, die soviel Animation haben wie eine gedruckte Zeitung. The Darstellung ist wahrlich hölzern und gelegentlich entstellt [...] Die Filmmusik klingt zunächst ganz ordentlich, wird dann aber endlos wiederholt, dieselben Songs spielen den ganzen Film lang. Ich bin voll und ganz für themenbezogene Filme, einschließlich Religion, aber dieses… Zeug … kann nicht toleriert werden. Dieser Film war ein christliches “Battlefield Earth” in seiner Inkompetenz.”

Bleibt nur noch darauf hinzuweisen, dass diese Kritiken von Ende 2007 stammen – 2010 dürfte das Befremden über die billige Animation wohl noch stärker sein.

“Verschönerung” von anstößigen Bibelstellen

Wie bei religiösen Medien – fast hätte ich geschrieben, für Kinder, aber für Erwachsene gilt dasselbe – üblich, werden auch hier biblische Geschichten falls nötig geschönt, damit sie weniger anstößig wirken. [Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf das schriftlich verfügbare Material zum Film, den Film selbst habe ich noch nicht gesehen.]

Wundersame Rettung des Mose

Wie üblich, wird offenbar auch in diesem Film der Eindruck erweckt, der ausgesetzt auf dem Nil treibende Mose würde quasi durch “göttliche Fügung” errettet. Wer sich allerdings die Mühe macht, den biblischen Originaltext zu lesen, kann unschwer erkennen, dass Moses Binsenkörbchen wohl absichtlich im Schilf an der Badestelle der Tochter des Pharaos ausgesetzt wurde, um ihr das Kind “unterzuschieben”. (Und damit nach einigen Jahren einen Fürsprecher für die Israeliten beim Pharao zu haben, darf man wohl spekulieren.)

Aus Totschlag wird Notwehr

Im 2. Buch Mose (Exodus) heißt es:

[2. Mose 2] 11 Zu der Zeit, als Mose groß geworden war, ging er hinaus zu seinen Brüdern und sah ihren Frondienst und nahm wahr, dass ein Ägypter einen seiner hebräischen Brüder schlug. 12 Da schaute er sich nach allen Seiten um und als er sah, dass kein Mensch da war, erschlug er den Ägypter und verscharrte ihn im Sande.

Die Darstellung dieser Begebenheit im Film sieht lt. Presseheft so aus:

Ein brutaler Sklavenaufseher schlagt unbarmherzig auf seine Opfer ein. Mose stellt ihn zur Rede, wird aber sofort mit einem Messer angegriffen und totet den Aufseher in Notwehr.

Das “Goldene-Kalb-Massaker” wird geschönt

Wie erst gestern ausgeführt, lässt Mose bei seiner Rückkehr vom Berg Sinai zur Strafe für den Tanz um das Goldene Kalb sofort – ohne Vorwarnung – wahllos 3.000 Israeliten abschlachten:

[2. Mose 32] 15 Mose wandte sich und stieg vom Berge und hatte die zwei Tafeln des Gesetzes in seiner Hand; [...] 19 Als Mose aber nahe zum Lager kam und das Kalb und das Tanzen sah, entbrannte sein Zorn und er warf die Tafeln aus der Hand und zerbrach sie unten am Berge 20 und nahm das Kalb, das sie gemacht hatten, und ließ es im Feuer zerschmelzen und zermalmte es zu Pulver und streute es aufs Wasser und gab’s den Israeliten zu trinken. [...]  25 Als nun Mose sah, dass das Volk zuchtlos geworden war [...], 26 trat er in das Tor des Lagers und rief: Her zu mir, wer dem HERRN angehört! Da sammelten sich zu ihm alle Söhne Levi. 27 Und er sprach zu ihnen: So spricht der HERR, der Gott Israels: Ein jeder gürte sein Schwert um die Lenden und gehe durch das Lager hin und her von einem Tor zum andern und erschlage seinen Bruder, Freund und Nächsten. 28 Die Söhne Levi taten, wie ihnen Mose gesagt hatte; und es fielen an dem Tage vom Volk dreitausend Mann. 29 Da sprach Mose: Füllt heute eure Hände zum Dienst für den HERRN – denn ein jeder ist wider seinen Sohn und Bruder gewesen –, damit euch heute Segen gegeben werde.

Im Presseheft zum Film liest sich diese Geschichte so:

Als Mose wieder ins Tal steigt, wird er Zeuge des heidnischen Treibens um das Goldene Kalb. Voller Zorn halt er seine Rede an die Israeliten, in der er ihnen die Grose und Gute Gottes vor Augen halt und sie zur Umkehr aufruft. Viele tun dies, aber nicht alle. Und so schleudert Mose voller Wut die Steintafeln mit den Zehn Geboten auf den Boden. Sogleich reist die Erde auf, Flammen lodern aus dem Erdinneren und das Goldene Kalb geht samt derer, die es immer noch anbeten, in den Flammen unter.

Friedliche Landnahme

Update: Ich habe mittlerweise die englische Version des Films angeschaut. Am Ende des Films werden die Israeliten von Mose bzw. Moses Nachfolger Josua aufgefordert, über den Jordan zu gehen und das gelobte Land in Besitz zu nehmen.

Die Darstellung des gelobten Landes lässt dieses als von Menschen unbewohnt erscheinen. Weitreichende Panoramen zeigen nicht das kleinste Anzeichen menschlicher Siedlungen, es sieht mehr aus wie ein von menschen unberührter Garten Eden (ich wusste gar nicht, dass es im Jordantal so viele Wasserfälle gibt…). Die unbewaffneten Israeliten werden vom ebenso unbewaffneten Josua aufgefordert, über den Jordan zu gehen, drehen sich um und gehen los. Das war’s.

Tatsächlich verlief die sog. “Landnahme” der Bibel zufolge außerst grausam. Um zum wiederholten Mal eine einschlägige Stelle zu zitieren, in der die Landnahme von Gott vorab zusammengefasst wird:

[5. Mose 7] 1 Wenn dich der HERR, dein Gott, ins Land bringt, in das du kommen wirst, es einzunehmen, und er ausrottet viele Völker vor dir her, die Hetiter, Girgaschiter, Amoriter, Kanaaniter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter, sieben Völker, die größer und stärker sind als du, 2 und wenn sie der HERR, dein Gott, vor dir dahingibt, dass du sie schlägst, so sollst du an ihnen den Bann vollstrecken. Du sollst keinen Bund mit ihnen schließen und keine Gnade gegen sie üben 3 und sollst dich mit ihnen nicht verschwägern; eure Töchter sollt ihr nicht geben ihren Söhnen und ihre Töchter sollt ihr nicht nehmen für eure Söhne. 4 Denn sie werden eure Söhne mir abtrünnig machen, dass sie andern Göttern dienen; so wird dann des HERRN Zorn entbrennen über euch und euch bald vertilgen. 5 Sondern so sollt ihr mit ihnen tun: Ihre Altäre sollt ihr einreißen, ihre Steinmale zerbrechen, ihre heiligen Pfähle abhauen und ihre Götzenbilder mit Feuer verbrennen. [...] 23 Der HERR, dein Gott, wird sie vor dir dahingeben und wird eine große Verwirrung über sie bringen, bis er sie vertilgt hat, 24 und wird ihre Könige in deine Hände geben und du sollst ihren Namen auslöschen unter dem Himmel. Es wird dir niemand widerstehen, bis du sie vertilgt hast. [Hervorhebungen von mir.]

Die Israeliten sind auch nicht einfach über den Jordan spaziert, sondern haben bekanntermaßen erst einmal Spione in das zu erobernde Land geschickt (Geschichte der Hure Rahab, die mit den Israeliten kollaboriert, Josua 2).

Zu Weihnachten auch im Fernsehen

Den Presseinfos zufolge war die ekd media GmbH an der Produktion des Films beteiligt – kein Wunder, dass die EKD sich wünscht, dass möglichst viele Menschen eine Kinokarte kaufen. Wer allerdings noch bis Weihnachten Geduld hat: Dann wird der Film auf RTL und Super RTL ausgestrahlt.

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Eine Antwort zu Einer der schlechtesten Filme kommt nach Deutschland!

  1. [...] Erste Kritiken zum Animationsfilm “Die Zehn Gebote” Morgen wird der Film „Die Zehn Gebote – Mose und das Geheimnis der steinernen Tafeln“ in Deutschland veröffentlicht (Ich hatte bereits darüber berichtet.) [...]

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