Gebetsraum-Mekka: Flughafen Frankfurt

8. Februar 2010

Neulich erlitt eins meiner Hauptargumente gegen einen speziell christlichen Gebetsraum am zukünftigen Flughafen Berlin Brandenburg einen schweren Rückschlag: nämlich das Argument, man könne schließlich nicht jeder Religionsgemeinschaft einen eigenen Gebetsraum einrichten.

Am Flughafen Frankfurt kann man das offenbar. Hier gibt es – festhalten, Leute! – 5 Moscheen, 2 gemeinsame katholisch-evangelische Kapellen, 2 Synagogen und eine christlich-orthodoxe Kapelle. Hier dürfte also selbst Edward Current auf seine Kosten kommen – das ist der Typ, der aus Sorge um sein Seelenheil sicherheitshalber zu allen Religionen konvertiert ist. Nimmt man noch das italienische Restaurant hinzu, haben selbst die Anhänger des Fliegenden Spaghettimonsters einen Ort, um Ihre Gottheit zu preisen.

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Der Papst ist Organspender

3. Februar 2010

Neulich war in in der Paderborner Stadtbibliothek, um Nachforschungen über religiöse Kinderbücher anzustellen. Bei dieser Gelegenheit fand ich “Das Papstbuch für Kinder” (ab 8 Jahren, wenn ihr es genau wissen wollt, Leseprobe hier):

In dem Buch erfahren die Kinder, dass der Papst seit fast 30 Jahren einen Organspenderausweis hat. Weiter heißt es: “Ärzte dürften deshalb nach seinem Tod Organe aus seinem Körper entnehmen. Damit können dann todkranke Menschen weiterleben, weil ein Verstorbener seine Organe gespendet hat.”

Beim Papst würde man aber wohl nicht von Organen sprechen, sondern von Reliquien. ;-)


Wie Kinderbibeln anstößige Texte „schönschreiben“

1. Februar 2010

Durch das „Anti-Ferkelbuch“ angeregt, habe ich meinen Deutschlandaufenthalt auch dazu genutzt, Kinderbibeln unter die Lupe zu nehmen. Die Bibel – insbesondere das Alte Testament – enthält ja zahlreiche Grausamkeiten (z.B. Vernichtung fast allen Lebens durch die Sintflut oder Gottes Befehl an Abraham, seinen Sohn Isaak zu opfern). Wie wird in Kinderbibeln damit umgegangen?

Hier schon mal ein Beispiel von vielen: Es geht um das Buch „Die Bibel – Das Alte Testament: Für Kinder und Erwachsene neu erzählt“ von Sybil Gräfin Schönfeldt“.

Darin heißt es auf Seite 92 unten zum Auszug aus Ägypten:

Auch im Lande Gosen drängten die ägyptischen Nachbarn die Kinder Israels, das Land zu verlassen. Sie halfen ihnen beim Packen und gaben ihnen, was sie verlangten oder brauchten, denn sie sagten: „Wenn ihr nicht fortgeht, kommen wir alle noch um!“

Sie halfen ihnen beim Packen? Man muss hier den Eindruck gewinnen, der Abschied sei recht einvernehmlich erfolgt. Doch wie liest sich das im biblischen Text (2. Mose/Exodus 12, 33-36)?

In der katholischen Einheitsübersetzung heißt es:

33 Die Ägypter drängten das Volk, eiligst das Land zu verlassen, denn sie sagten: Sonst kommen wir noch alle um. […] 35 Die Israeliten taten, was Mose gesagt hatte. Sie erbaten von den Ägyptern Geräte aus Silber und Gold und auch Gewänder. 36 Der Herr ließ das Volk bei den Ägyptern Gunst finden, sodass sie auf ihre Bitte eingingen. Auf diese Weise plünderten sie die Ägypter aus.

Im evangelischen Luthertext von 1984 lautet die Stelle:

33 Und die Ägypter drängten das Volk und trieben es eilends aus dem Lande; denn sie sprachen: Wir sind alle des Todes.

[…] 35 Und die Israeliten hatten getan, wie Mose gesagt hatte, und hatten sich von den Ägyptern silbernes und goldenes Geschmeide und Kleider geben lassen. 36 Dazu hatte der HERR dem Volk Gunst verschafft bei den Ägyptern, dass sie ihnen willfährig waren, und so nahmen sie es von den Ägyptern zur Beute.

Davon, dass die Ägypter den Israeliten beim Packen halfen – wie es sich Sybil Gräfin Schönfeldt zurechtfantasiert – ist schon mal gar nicht die Rede. Vielmehr wird deutlich, dass die Israeliten die Ägypter ausplündern, und dass es sich bei den übergebenen Gegenständen (Gold, Silber, Kleider) um Beute handelt.

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Hirtenausstatter

30. Januar 2010

Heute war ich in Paderborn. Hier in der Nähe gibt es zwar auch einen Flughafen – Paderborn-Lippstadt – aber dort gibt es keinen Gebetsraum. Und das, obwohl 1996 sogar der Papst selbst (damals noch Johannes Paul II.) dort eingeflogen ist.

Paderborn – für diejenigen, die es nicht wissen – ist immer noch stark kirchlich geprägt. Ich bin dort aufgewachsen und meine Freundinnen von außerhalb beschwerten sich immer über das Glockenläuten sonntags morgens.

Deshalb gibt es hier auch Geschäfte, wie man sie sonst nicht oft findet. Ich nenne sie “Hirtenausstatter”:

Sieht irgendwie aus, als könnte es dort auch Kleidung für Jedi-Geistliche geben – obwohl die Klamotten wohl eher an die Sith erinnern. Ich stelle mir gerade die Modelle “Darth Mixa” und “Darth Meisner” vor…


Gebetsraumcheck am Flughafen Berlin

30. Januar 2010

Neulich war ich in Berlin, um Carsten Frerk und Philipp Möller vom hpd einen Besuch abzustatten. Dabei war ich auch am Flughafen Tegel – es war also Zeit für eine weitere Gebetsraum-Recherche.

Im Internet sah es so aus, als gäbe es zwar eine Flughafenseelsorge für die beiden derzeitigen Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld (wobei es allerdings wohl nur einen Seelsorger gibt, und der hat sein Büro am Flughafen Schönefeld), allerdings keinen speziellen Gebetsraum.

Meine Informanten am Flughafen Tegel sagten mir jedoch, es gäbe am Flughafen Schönefeld einen christlichen Andachtsraum bei der Flughafenseelsorge. Außerdem käme der Flughafenseelsorger auch zu vorher angekündigten Zeiten zum Flughafen Tegel für Rundgänge – offenbar, um sich die Sorgen und Nöte der dortigen Beschäftigten und Reisenden anzuhören und, wenn ich es richtig verstanden habe, auch mit ihnen zu singen oder so etwas ähnliches.

Nachdem dies der erste Flughafen (den ich aufsuchte) ohne Gebetsraum war, erkundigte ich mich, was denn die Muslime machen würden, wenn sie beten wollten. Die Antwort war ähnlich wie die, die ich in Düsseldorf erhalten hatte: Die Muslime erkundigen sich (offenbar gerne bei muslimischen Taxifahrern), wo die Gebetsrichtung ist, und suchen sich einen mehr oder weniger stillen Platz, um dort ihr Gebet zu verrichten. Für die rituelle Waschung benutzen sie die Flughafentoiletten.

Ich hatte also trotz aller Bemühungen wieder keine Möglichkeit, ein Kreuz umzudrehen… ;-) Ich muss mir mal einen Christenfisch-Aufkleber besorgen und den dann verkehrt herum im nächsten Andachtsraum aufkleben. Ich habe nämlich mal gelesen, dass der Fisch in eine bestimmte Richtung „gucken“ muss, sonst ist es sozusagen ein Antichristenfisch. Leider habe ich vergessen, ob es links oder rechts war…

Deshalb kann ich auch noch nicht verraten, an welchem Flughafen ich als nächstes den Gebetsraum untersuchen werde. Sonst lauert mir der Flughafenseelsorger noch auf…


Katholiken in der Defensive!

29. Januar 2010

Gesehen im Schaufenster einer katholischen Buchhandlung (Münsterladen) in Bonn.


Gebetsräume im Flughafen Hamburg

26. Januar 2010

 

Gestern war ich am Flughafen Hamburg und habe natürlich auch hier die Andachtsräume unter die Lupe genommen. (Sicher konntet ihr es kaum erwarten, noch mehr über Flughafengebetsräume zu erfahren…) 

Nachdem die offizielle Flughafen-Website nur einen christlichen Andachtsraum mit Flughafenseelsorger erwähnte und ich dann auf dem obigen Schild mehrere Andachtsräume angekündigt sah, dachte ich zunächst, es würde sich um einen katholischen und einen evangelischen Raum handeln. Aber weit gefehlt: Es gab einen islamischen Gebetsraum und einen christlichen Andachtsraum: 

 

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Gebetsraum im Flughafen Düsseldorf

25. Januar 2010

Ich bin gerade am Flughafen Düsseldorf und habe natürlich die Möglichkeit genutzt, mir den dortigen Gebetsraum anzusehen. Düsseldorf war für mich besonders interessant, weil dies anscheinend der (bisher) einzige multireligiöse – oder, wie es auf der Website des Flughafens heißt: konfessionsfreie (!) – Gedenkraum auf einem deutschen Flughafen ist. Bei der Forderung der evangelischen und katholischen Kirche in Berlin und Brandenburg nach einem ausdrücklich christlichen Andachtsraum für den neuen Flughafen Berlin Brandenburg musste der neutrale Düsseldorfer Gedenkraum sogar als abschreckendes Beispiel herhalten:

[Der evangelische Konsistorialpräsident Ulrich Seelemann findet „neutrale Besinnungsräume nicht nur aus religiösen Gründen problematisch“:] Er verweist auf den „Raum der Stille“ am Düsseldorfer Flughafen. „Das ist wie ein gehobener Wartesaal, wo man Geschäftsleute trifft, die noch schnell ein Protokoll in den Laptop tippen.“

Diese Beschreibung hat mit der Realität wenig zu tun. Eigentlich gar nichts.

Der Raum ist als „Gedenkraum“ statt als „Gebetsraum“ ausgeschildert, nur auf der englischen Flughafenkarte wird er als „chapel“ (Kapelle) bezeichnet. Der Grund besteht offenbar darin, dass sich im Eingangsbereich eine Gedenkstätte für die Opfer des Brandunglücks von 1996 befindet.

Allerdings befindet sich unmittelbar angrenzend ein „richtiger“ Andachtsraum. Von einem „Wartesaal“, wie Konsistorialpräsident Seelemann sich ausdrückte, kann allerdings keine Rede sein. Dies ist ganz klar erkennbar ein Andachtsraum, und ich habe auch keine Geschäftsleute vorgefunden, die dort ihre Laptops ausgepackt hätten. Wobei ich mir allerdings vorstellen kann, dass dies bei Hochbetrieb gelegentlich vorkommt.

Stören dürfte dies allerdings kaum. Das ausliegende Gästebuch enthielt ca. 50 Einträge seit Weihnachten, d.h. etwa ein bis zwei Einträge pro Tag. Das deutet m.E. nicht auf eine übermäßige Frequentierung des Raumes hin, selbst wenn sich nur ein Teil der Besucher im Gästebuch verewigt.

Etwa die Hälfte der Einträge stammte übrigens augenscheinlich von muslimischen Besuchern. Einige wünschten sich eine Markierung der Gebetsrichtung nach Mekka und Gebetsteppiche. Der Raum ist allerdings strikt neutral gehalten, ich habe überhaupt keine religiösen Symbole entdeckt. (Johannes Singhammer (CSU) würde den Raum daher vermutlich als „atheistischen Gebetsraum“ bezeichnen.) Im Gegensatz zu dem multireligiösen Gebetsraum am Flughafen Amsterdam fand sich hier auch kein Hinweis, wo Muslime ihre rituelle Reinigung hätten vornehmen können. (In Amsterdam fand sich ein ausdrücklicher Hinweis am Eingang zu dem Gebetsraum, dass die Waschmöglichkeiten 20 Meter entfernt in den Toiletten seien.)

Die Information, wo die Toiletten sind (spezielle Räume für die rituellen Waschungen gibt es am Flughafen Düsseldorf nicht), und vor allem, in welche Richtung gebetet werden muss, holen sich die betwilligen Muslime offenbar von den freundlichen Mitarbeiterinnen eines Konferenzservices an einem Schalter gegenüber von dem Gebetsraum-Eingang. Die Damen wissen mittlerweile, wo die Gebetsrichtung ist (bzw. “wo die Sonne aufgeht”). Da könnte der Flughafen vielleicht tatsächlich noch mal nachlegen, denn es erscheint mir etwas widersprüchlich, wenn ein frommer Muslim sich erst an eine unverschleierte junge Frau, mit der er nicht verwandt ist, wenden muss, um die Gebetsrichtung in Erfahrung zu bringen. Die freundlichen Damen bestätigten mir auch, dass der Raum hauptsächlich von Muslimen für ihre fünf täglichen Gebete genutzt wird.

Das Gästebuch wurde von einigen Gläubigen offenbar auch dazu genutzt, für ihre jeweilige Weltanschauung zu werben. Auf der ersten Seite hatte gleich jemand seitenfüllend in großer Blockschrift eingetragen:

AN GOTTES SEGEN IST ALLES [dreimal unterstrichen!] GELEGEN!

Lesen und glauben Sie die Bibel, GOTTES HEILIGES WORT!

Schöne Weihnachten.

Lucas 2:14.

Hatte der Christ noch auf die Bibel verwiesen, hatte in einem anderen Eintrag offenbar ein Anhänger des Dalai Lama gleich eine Internetadresse angegeben: www.dalailama.com.

Eine Flughafenseelsorge scheint es übrigens in Düsseldorf nicht zu geben. Ich fand dies etwas überraschend, weil Düsseldorf dem Passagieraufkommen nach der drittgrößte Flughafen in Deutschland ist. Ich vermute mal, dass die Kirchen keine kostenlosen Büros für ihre Seelsorger bereitgestellt bekommen haben.


Internationaler Gebetsraum-Check mit Skydaddy

16. Januar 2010

Neulich protestierten die beiden Großkirchen dagegen, dass der neue Flughafen Berlin Brandenburg „Willy Brandt“ einen „Raum der Stille“ erhalten soll, der Angehörigen aller Religionsgemeinschaften für Gebet und Meditation offen stehen soll. Stattdessen fordern die Kirchen einen christlich gestalteten Andachtsraum mit Kreuz und Altar sowie zwei christlich gestaltete Büro- bzw. Gesprächsräume für die beiden Flughafenseelsorger (je einer katholisch und evangelisch), die sie freundlicherweise „bereitstellen“ wollen. Für Muslime soll ggf. ein gesonderter Bereich abgetrennt werden.

Dies warf natürlich die Frage auf, wie dies international gehandhabt wird. Da ich diese Woche von Singapur über Amsterdam nach Deutschland geflogen bin, habe ich die Andachtsräume der betreffenden Flughäfen gleich mal unter die Lupe genommen.

Gut – man könnte fragen, ob ein Atheist qualifiziert ist, über Gebetsräume zu schreiben. Aber solange zur Ehelosigkeit Verpflichtete sich zu Ehe, Homosexualität und Kondomen äußern, brauche ich, glaube ich, keine unnötige Zurückhaltung zu üben.

Eins gleich vorweg: Die Räumlichkeiten in Singapur und Amsterdam waren echt gut – ich wäre beinahe gläubig geworden… Den Rest des Beitrags lesen »


Henry Tesch und die rätselhafte Zusammenarbeit

15. Januar 2010

Während es auf dem Flyer zum Bibelwettbewerb 2010 in Mecklenburg-Vorpommern heißt, dieser fände “in Zusammenarbeit mit der Stiftung Bibel und Kultur Stuttgart” statt, erhielt ich von der Stiftung die Auskunft, der Wettbewerb fände “ohne Beteiligung der Stiftung Bibel und Kultur” statt.

Gestern bin ich – mit einigen Gebetsraum-Fotos – in Deutschland angekommen, und es warteten (u.a.) schon die “Anti-Ferkelbuch-CD” und eine E-Mail vom Vorstand der Stiftung Bibel und Kultur auf mich.

Die Stiftung Bibel und Kultur hatte ich angemailt, weil es in dem Flyer zum Bibelwettbewerb 2010 “Voll das Leben” in Mecklenburg-Vorpommern heißt, dieser Wettbewerb fände “in Zusammenarbeit mit der Stiftung Bibel und Kultur Stuttgart” statt. Das Logo der Stiftung ist außerdem auf dem Flyer abgebildet (unten, Mitte):

Der Vorstand der Stiftung, Dr. Jan-A. Bühner, teilte mir allerdings mit, “der Wettbewerb in Meck.-Pomm findet ohne Beteiligung der Stiftung Bibel und Kultur statt.” Diese Information ist erst einmal glaubhaft, da auf der Website der Stiftung unter dem Thema “Schüler- und Jugendwettbewerb” nicht auf den Bibelwettbewerb in Mecklenburg-Vorpommern hingewiesen wird. (Stattdessen gibt es Informationen zum Bibelwettbewerb im Saarland, bei dem Ministerpräsident Peter Müller (CDU) die Schirmherrschaft hat. Im Gegensatz zu dem Wettbewerb in Mecklenburg-Vorpommern, wo die Anmeldung und Abgabe der Wettbewerbsbeiträge beim Bildungsministerium erfolgt, sind bei dem Wettbewerb im Saarland Adressen kirchliche Adressen angegeben.)

Damit stellt sich natürlich die Frage, weshalb bei dem Bibelwettbewerb in Mecklenburg-Vorpommern eine Zusammenarbeit mit der Stiftung Bibel und Kultur erwähnt wird und deren Logo auf dem Flyer abgebildet ist. Diese Frage habe ich gestern nachmittag an das Bildungsministerium gemailt. Es hatte noch keine Zeit zu antworten. Da ich aber auf meine erste Mail bezüglich des Wettbewerbs nach zwei vollen Tagen noch nicht mal eine Eingangsbestätigung erhalten habe und es ja durchaus interessant ist, falls das Bildungsministerium auf nichtexistente Zusammenarbeiten hinweist, hier schon einmal die Info.